Sonntag, 31. Dezember 2017

Atomkraftwerk Gundremmingen

Atomkraftwerk Gundremmingen
Das deutsche Atomkraftwerk Gundremmingen (Abkürzung KRB) befindet sich in Gundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg in Bayern. Es verfügt über den letzten in Deutschland in Betrieb befindlichen Siedewasserreaktor  (SWR).

Block A musste nach zwei schweren Unfällen im Jahr 1977 vom Netz genommen werden.

Es war das letzte deutsche Atomkraftwerk welches noch mehr als einen Atomreaktor in Betrieb hatte bis Block B aufgrund dem geänderten Atomgesetz (§ 7) am 31. Dezember 2017 abgeschaltet wurde. Danach sind in Deutschland "nur" noch sieben Atomreaktoren in Betrieb.

Die Blöcke B und Block C sind zwei benachbarte, baugleiche Blöcke. Sie entsprechen dem Bautyp der im Katastrophen-AKW Fukushima I hochgegangen ist. Block C muss spätestens Ende 2021 abgeschaltet werden. Der Betreiber möchte unmittelbar nach der Abschaltung der Einheiten B und C mit dem Rückbau der beiden Blöcke beginnen.

Die Blöcke B und Block C setzen sich aus jeweils einem Reaktorgebäude, einem Maschinenhaus und einem 161 m hohen Naturzug-Nasskühlturm zusammen. Mit einer Leistung von 2x1344 MW sind es die deutschen Atomreaktoren mit der grössten Leistung. Die Blöcke B und C erzeugten insgesamt etwa 21 Mrd. kWh elektrische Energie pro Jahr. Damit wurde rechnerisch etwa 30 % des bayerischen Bedarfs gedeckt.

In den Reaktoren werden je 136 Tonnen Atombrennstoff vorgehalten. 1/5 der Brennelemente wird bei den jährlichen Revisionen ausgetauscht.

Blöcke B und C waren seit einigen Jahren auch für den Lastfolgebetrieb, bei dem die Leistung der Stromnachfrage („Last“) nachgesteuert wird, eingeplant. Zumindest an Wochenenden wurden die Atomreaktoren häufig in ihrer Leistung gedrosselt, gelegentlich auch bei hoher Windstromeinspeisung.

Die beiden Kühltürme der Blöcke B und C haben jeweils eine Höhe von 159,15 Meter bei einem Basisdurchmesser von 128,8 Meter. Der Durchmesser der engsten Stelle liegt bei 76,2 Meter und an der höchsten Stelle bei 89,2 Meter. Die Dreieckstraversen am unteren Ende des Kühltürms, durch denen die Zugluft in den Kühlturm einströmt, sind zehn Meter hoch. Beide sind Naturzug-Nasskühltürme in einer besonderen nicht linearen Form, was die Luftströmung positiv beeinflusst. Dadurch sinkt der Widerstand des Kühlturms gegen die Luft und begünstigt die Stabilität des Stahlbetons.

Das in den Kühltürmen verdunstende Wasser von 0,7 Kubikmeter pro Sekunde wird über einen 1,4 Kilometer langen Kanal der Donau entnommen. Die Rückleitung von Wasser erfolgt über eine unterirdische Rohrleitung. Bei der Aufbereitung des Kühlwassers entsteht als Nebenprodukt der sogenannte Donaukalk, der in der örtlichen Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt wird.

Der Netzanschluss erfolgt über die Schaltanlage Gundelfingen auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Netz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.

Betreiber ist die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG), die zu 75 % der in Essen ansässigen RWE Power AG und zu 25 % der E.ON Kernkraft GmbH gehört.

Das Namenskürzel für das Atomkraftwerk lautet KRB (Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk). Der Betreiber wird hingegen mit KGG (Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH) abgekürzt. Zeitweilig war auch die Abkürzung KGB (Kernkraftwerk Gundremmingen Betriebsgesellschaft mbH) in Gebrauch, diese konnte sich jedoch aufgrund der Übereinstimmung mit der Abkürzung KGB des ehemaligen sowjetischen Geheimdienstes nicht durchsetzen.

Laut "Augsburger Allgemeine" sollen die Einheiten in Gundremmingen bis 2040 endgültig rückgebaut und entsorgt werden. Die Rückbauarbeiten sollen größtenteils innerhalb der Reaktorgebäude durchgeführt werden. Dabei könne ein "geringer Anteil" radioaktiver Substanzen in Atmosphäre und Wasser freigesetzt werden. Die Grenzwerte sollen dabei nicht überschritten werden.

Geschichte

Modell des Atomkraftwerks Gundremmingen im Info-Center
Ende 1950er Jahre. RWE kündigt an, nach dem Atomkraftwerk Kahl nun ein weiteres Großkernkraftwerk mit einer Leistung von rund 250 MW zu errichten. Gleichzeitig soll die Anlage eines der drei deutschen Demonstrationsatomkraftwerke werden, die verschiedenen Reaktortechniken in Deutschland erproben sollen.

1959. Das Bayernwerk beteiligt sich an dem Projekt. Als Standort erwägt man anfangs Wertingen an der Donau, da hier die gleichen Anforderungen erfüllt werden, die bereits den Standort des Kernkraftwerks Kahl auszeichnen: Revierferne Lage, Nähe zum Versorgungsnetz und ausreichende Kühlung durch die Donau. An diesem Standort hält man allerdings nicht lange fest, da bei Bertoldsheim zwischen Neuburg und Donauwörth ein preiswerteres Gelände zum Verkauf steht.

13. Juli 1962. Da die Stadt Nürnberg wegen ihrer Trinkwasserschutzgebiete im Mündungsgebiet des Lechs gegen den geplanten Standort Bertoldsheim  (zwischen Donauwörth und Neuburg/Donau) an der Donau protestiert, wird rund 50 Kilometer donauaufwärts in Gundremmingen  (zwischen Dillingen und Günzburg, nächstgelegene Großstädte sind Augsburg und Ulm) Deutschlands erstes Großatomkraftwerk beantragt. Dort gibt es anfangs allerdings ähnliche Proteste im Bezug auf den Trinkwasserschutz.

24. Juli 1962. RWE und Bayernwerk gründen eine Trägergesellschaft, die Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH, wobei RWE von dieser Gesellschaft die Mehrheit von 75 % behält und Bayernwerk sich mit 25 % beteiligt. Wie bereits beim Atomkraftwerk in Kahl entscheidet man sich für einen Siedewasserreaktor der ebenfalls von einem Konsortium bestehend aus AEG und General Electric errichtet werden soll.

Im Gegensatz zum Atomkraftwerk Kahl arbeitet der Block ohne einen zweiten Kreislauf und stellt die Basis für den ersten richtigen Siedewasserreaktor in Deutschland dar. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Siedewasserreaktor der ersten Generation von AEG und General Electric bei dem mit dem Kühlwasser aus dem Reaktor auch die Turbine angetrieben wird. Es ist derzeit der weltweit stärkste Atomreaktor dieser Bauart.

Trotzdem sind konstruktive Unterschiede festzustellen: So wird im Reaktordruckbehälter der größte Teil des Wassers direkt in Dampf umgewandelt, wobei der kleinere Teil in Form von heißen Wasser zu vier Dampferzeugern weitergeleitet wird. Dort wird in einem Sekundärsystem zusätzlich Dampf erzeugt und auf die Turbine geleitet, allerdings in einem Teil der Turbine, der mit niedrigem Druck arbeitet. Von dem gesamten Dampf für die Sattdampfturbine stammen also rund 70 % direkt aus dem Primärsystem, sprich aus dem Reaktordruckbehälter, und 30 % aus dem Sekundärsystem, also aus dem Dampferzeuger. Diese komplizierte Schaltung wird gewählt, um zu viele Dampfblasen im Reaktor zu vermeiden und einen stabilen Betrieb zu gewährleisten. Spätere Siedewasserreaktoren besitzen nur noch eine einkreisige Schaltung, indem der Dampf aus dem Reaktor direkt in die Turbine geleitet wird.

Erste Planungen sehen auch eine Besuchergalerie an der Anlage vor, die sich jedoch nicht durchsetzen kann. Auch nach einer Änderung der geometrischen Form würde die Galerie aus dem Reaktorgebäude herausstehen, was sicherheitstechnisch nicht tragbar erscheint. Das Reaktordesign selbst ist eine Adaption der Atomkraftwerke Garigliano in Italien und Oyster Creek in den USA. Entworfen wird das Design von Gundremmingen allerdings noch vor der Realisierung einer der beiden Vorläufer-Atomkraftwerke.


Schema eines Siedwasserreaktors

November 1962. Das Raumordnungsverfahren wird abgeschlossen.

10. November 1962. Der Bauvertrag zwischen der Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH und AEG wird unterzeichnet. Er sieht die Fertigstellung des Atomkraftkraftwerks bis zum 31. Dezember 1965 vor. Allerdings sprechen sich das RWE und Bayernwerk nur für die Anlage aus, wenn die entsprechenden staatlichen Fördermittel gewährleistet würden. Dadurch soll der wirtschaftliche Risikofaktor gemindert werden. Die veranschlagten Kosten liegen bei rund 365 Millionen Deutsche Mark (DM), wobei die Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH rund ein Drittel übernehmen muss. Der Rest kann durch ERP-Kredite, Bürgschaften der Bundesregierung und einen Zuschuss von Euratom in Höhe von 32 Millionen Deutsche Mark abgedeckt werden. Da die erzeugte Elektrizität in dem Werk wesentlich teurer ist als in einem konventionellen Kraftwerk, verpflichtet sich der Bund, 90 % der Kosten, die über die Kosten eines Steinkohlekraftwerks hinaus gehen, zu übernehmen, wenn die Kosten nicht 100 Millionen Deutsche Mark überschreiten sollten.

Das Kraftwerk erhält den Status als „gemeinsames Werk“ iSd. Art. 45ff. des Euratomvertrags und erhält daher die Befreiung von direkten Steuern und Zöllen. Zusätzlich werden aus dem US-Euratomprogramm ca. 30 Mio. DM zur Verfügung gestellt. Ohne diese Euratom-Unterstützungen wären die Baubeschlüsse schwerlich zustande gekommen.

12. Dezember 1962. Offizieller Baubeginn Gundremmingen Block A.

14. Dezember 1962. Bereits jetzt, nur 5 Monate nach Antragsstellung, wird der Bau des AKW Gundremmingen genehmigt. Zuvor ist eine protestierende „Notgemeinschaft Atom-Kraftwerk Gundremmingen-Offingen“ mit in Aussicht gestellten Geldern zum Verstummen gebracht worden.

Es kommt im weiteren Verlauf zu technischen Problemen, weshalb sich der Bau verzögert und die Inbetriebnahme nicht mehr nach Plan stattfinden kann. Unter anderem gibt es Probleme mit dem Sicherheitsbehälter, bei dem Risse an den Schweißnähten bei der Druckprobe festgestellt werden. Das Problem wird anschließend bei Reparaturarbeiten behoben, was allerdings den Bau um acht Monate zurückwirft.

Weitere Verzögerungen verursacht der Reaktordruckbehälter, dessen Lieferung sich um sechs Monate verzögert. Der Grund liegt in den Stutzen für den Anschluss der Rohrleitungen, denn nach Ansicht der US-amerikanischen Projektbeteiligten sind einige Schweißnähte fehlerhaft, obwohl deutsche Behörden diese vorher als gut bescheinigt haben.

Dies wirkt sich auch auf die Arbeiten an den Rohren im Kraftwerk aus, deren Einbau sich daraufhin ebenfalls verzögern. Ein weiteres Problem gibt es mit den Umwälzpumpen, die Neukonstruktionen sind und deshalb bei den Herstellern einige technische Schwierigkeiten verursachen. Daher kommt es zu einer weiteren Verzögerung von sechs Monaten.

Zusätzliche Verzögerungen gibt es bei den Inbetriebsetzungs- und Betriebsgenehmigungen. Der Antrag der Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH sieht eine einzige Lizenz für beide Betriebsformen vor. Aufgrund dessen müssen zwei separate Genehmigung für die Inbetriebsetzung und den Betrieb erneut beantragt werden. Im Gegensatz zu späteren Reaktoren wird die Anlage unter einer US-amerikanischen Lizenz errichtet.

1963. Der TÜV München erstellt ein Sicherheitsgutachten und äußert nach der Prüfung der Baupläne für das AKW ebenso wie die Reaktor-Sicherheitskommission schwerste Bedenken weil bei einem Bruch der Speisewasserleitung das Reaktordruckgefäß innerhalb von 10 Sekunden alles Wasser verlieren würde.

Bei einem Versagen der Notkühlung wären in weiteren zehn Sekunden die Brennelemente soweit erhitzt, dass die Spaltgase die Brennstoffhüllen sprengen würden. In der Folge würden praktisch alle radioaktiven Spaltprodukte aus dem AKW in die Atmosphäre freigesetzt werden.

Das bayerische Umweltministerium gibt dennoch die Genehmigung zum Bau.

Nach der Ansicht von Joachim Radkau, Historiker, Professor für neue Geschichte und Autor der Studie Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft, müsste die Genehmigung für den Reaktorblock aufgrund dessen unterbleiben. Grund für die Inbetriebnahme sei allerdings, dass ein baugleicher Block bereits in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) am Netz ist und diese Baulinie damit als erprobt und sicher gilt.

14. August 1966. Die Steuerstäbe im AKW Gundremmingen A werden so weit ausgefahren, dass eine Kettenreaktion zustande kommt. Damit wird das erste deutsche Großatomkraftwerk "kritisch" gemacht.

Deutschlandweit macht dieses Ereignis die Medien besonders aufmerksam. Der positive Nebeneffekt des Atomkraftwerks sind besonders die hohen Steuereinnahmen, weshalb das Bayreuther Tageblatt mit dem Titel „Ein Dorf wird Steinreich. Atomreaktor Gundremmingen bringt hohe Steuern ein“ die Bevölkerung auf die "Vorteile" der Atomenergie aufmerksam macht. Aufgrund der Medienpropaganda bezüglich der deutschen Atomkraftanlagen steigt die Akzeptanz in den 1960er gegenüber dieser Energieerzeugung an

1. Dezember 1966. Das AKW Gundremmingen A mit einer elektrischen Nettoleistung von 237 MW wird als erster kommerzieller Leistungsreaktor erstmals mit dem Stromnetz synchonisiert. Die thermische Leistung beträgt 801 MWth, die elektrische Bruttoleistung 250 MW.

Februar 1967. Erstmals gibt es im größere Probleme mit der Undichtigkeit der Leitungen. Daher kommt es zu einem Schaden an der Sicherheitszelle des Dampferzeugers, wobei innerhalb dieser Störung radioaktive Gase freigesetzt werden.

12. April 1967. Das AKW Gundremmingen A geht in den kommerziellen Betrieb. Bereits in den ersten Jahren gibt es einige kleinere Probleme mit dem Block. Aufgrund dessen kommt es zu mehreren Abschaltungen.

In den ersten zehn Betriebsjahren kann trotz vieler Vorfälle jährlich rund 80 % Verfügbarkeit erreicht werden, abgesehen von den Jahren 1967 bis 1969, in denen die Anlage wegen den Problemen des öfteren vom Netz muss.

Turbinenläufer von Block A
Januar 1968. Es kommt zur Abschaltung der Anlage aufgrund von Schäden an der Turbine. Bei einigen Läufern sind die Schaufeln abgebrochen. Dies liegt unter anderem daran, dass eine Sattdampfturbine verwendet wird, was allerdings nur indirekt ein Problem darstellt, vielmehr sind Konstruktionsfehler entscheidend.

Februar 1968. Die Anlage muss wieder wegen Schäden an der Turbine abgeschaltet werden.

April 1968. Aufgrund eines defekten Ventils kommt es erneut zur Freisetzung von Radioaktivität. Dadurch wird das gesamte Reaktorgebäude radioaktiv kontaminiert.

Mai 1968. Die Anlage muss wieder wegen Schäden an der Turbine abgeschaltet werden.

30. Mai 1969. Bei 60 von 368 Brennelementen werden Lecks entdeckt.

Juli 1969. Bei Arbeitern wird aufgrund nicht ausreichenden Strahlenschutzes eine erhöhte Strahlenbelastung gemessen.

1970 bis 1976. Die Stromerzeugung liegt stets über die Mindestanforderung von 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr.

1971. Es werden wieder Schäden an Brennelementen entdeckt. Allerdings in geringerem Maß als 1969 da auf den Lastwechselbetrieb verzichtet und nur noch Grundlast gefahren wird.

1973. Es werden Probleme an den Steuerstäben festgestellt, deren Einschusszeit in den Kern dreimal langsamer als vorgeschrieben ist.

Oktober 1973. Aufgrund von Verunreinigungen und dadurch resultierender Verstopfung der Kühlmittelpumpen mit zurückgehender Förderleistung muss die Anlage abgeschaltet werden.

1974. Das AKW Gundremmingen A wird als weltweit erstes Atomkraftwerk teilweise mit Plutonium (16 MOX-Brennelemente) bestückt. Diese Entwicklung wird seit 1966 von der Kraftwerk-Union AG betrieben und nun erstmals in einem Siedewasserreaktor großer Leistung getestet.

In diesem Jahr kommt es vermehrt zu falschen GAU-Meldungen in der Schaltwarte, da ein Ventil falsch eingestellt worden ist.

15. März 1974. Von den Betreibern wird beim Land Bayern der Bau der Blöcke B und C beantragt. Als Bauherr und Kreditnehmer haben die beiden Unternehmen ein eigenes Tochterunternehmen gegründet, für das Bürgschaften von 17 Geldinstituten garantiert werden, in ganz Deutschland für die Finanzierung eines Atomkraftwerks einzigartig.

Die beiden Blöcke sind mit baugleichen Reaktorsystemen ausgestattet, von dem jeder eines der KWU-Baulinie '72 besitzt. Die Nettoleistung liegt bei 1284 MW in Block B und 1288 MW in Block C bei einer Bruttoleistung von 1344 MW in beiden Blöcken. Im Gegensatz zu den bestehenden Reaktoren der KWU-Baulinie '69 wird das Konzept für diese Reaktoren völlig neu ausgelegt und gelten als die modernsten Siedewasserreaktoren ihrer Zeit. Beide Reaktoren sind in zylindrischen Stahlbeton-Containments untergebracht die in Falle eines Lecks an der Speisewasserleitung mit Kondensationskammern ausgestattet sind. Über diese ist es möglich, das austretende Wasser wieder zu kondensieren und in den Primärkreislauf gekühlt wieder einzupumpen. Zeitgleich wird überschüssiger Druck aus dem Containment nach Reinigung abgeblasen, um keinen zu hohen Überdruck im Reaktorgebäude zu verursachen.

Die Reaktoren werden ausgestattet mit Brennelementen der Kraftwerk-Union AG (später Areva NP). Sie sind sowohl mit angereichertem Uran bestückt, als auch mit Mischoxid. Die Brennelemente vom Typ ATRIUM 9, die ab 1986 zum Einsatz kommen setzen sich aus neun mal neun Brennstäben zusammen, wobei diese nicht größer oder kleiner sind, als die 16x16 Brennstäbe großen Brennelemente der KWU-Druckwasserreaktoren. In der Erstkernbeladung der beiden Siedewasserreaktoren kommen Brennelemente bestehend aus acht mal acht Brennelementen zum Einsatz. Eine spätere Weiterentwicklung der ATRIUM 9 sind die ATRIUM 10-Brennelemente, die eine Gitterstruktur von zehn mal zehn Brennstäben haben und ab 1992 zum Einsatz kommen. Die Beschädigung der Brennelemente dieser Reaktoren soll nach Herstellerangaben niedriger liegen, als die von Druckwasserreaktoren. Insgesamt befinden sich 784 Brennelemente in einem Reaktor, wobei die thermische Leistung bei 3840 MW liegt.

1975. Im AKW Gundremmingen werden weitere 24 MOX-Brennelemente eingesetzt.

19. November 1975. Im AKW Gundremmingen A kommt es zum ersten Unfall mit Todesfolge in einem Atomkraftwerk der Bundesrepublik Deutschland. Dabei sterben zwei Menschen. 3 Menschen werden verstrahlt.

6:00 Uhr. Block A wird abgeschaltet und drucklos gemacht.

ca. 10:00 Uhr.  Von den beiden Schlossern Otto Huber (34 Jahre / Meister) und Josef Ziegelmüller (46 Jahre) wird ein Nebensystem des Primärwasser-Reinigungskreislaufs in dem sich eine fehlerhafte Stopfbuchse befindet mit zwei Absperrventilen stromaufwärts und -abwärts vom Leitungssystem getrennt.

10:42 Uhr. Die beiden entfernen die Halterung der Stopfbuchse um diese auszutauschen. Dabei platzt der Ventildeckel unerwartet ab weil sich  - aus Zeitgründen und Kostenersparnis - unbemerkt in diesem Teil der Leitung gespanntes Dampf-Wasser-Gemisch mit einem Druck von 65 bar und einer Temperatur von ca. 265 °C befindet. Das Gemisch tritt explosionsartig aus, verdampft teilweise und verbrüht die beiden Arbeiter schlagartig.

Otto Huber wird von dem Strahl direkt getroffen und stirbt sofort. Er kann erst 15 Minuten nach dem Unfall von anderen Kraftwerksmitarbeitern in schweren Strahlenschutzanzügen geborgen werden.

Josef Ziegelmüller kann zunächst trotz schwerer Verbrennungen noch zur Personenschleuse rennen, bricht dann jedoch vor Schmerzen kurz davor zusammen. Er wird zunächst zur Notversorgung in das nahe Krankenhaus Lauingen gebracht. Danach kommt er mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik für Brandverletzungen in Ludwigshafen wo er in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages verstirbt. Während des Flugs nach Ludwigshafen kann er den Unfallhergang jedoch noch schildern.

Der Tod soll laut offizieller Verlautbarung durch "Verbrennungen mit Kühlwasser" eingetreten sein. Da taucht bei mir sofort die Frage auf ob dabei eine "akute Strahlenkrankheit" die Ursache dafür war dass die Verbrennungen zum Tod geführt haben. Ich zitiere dazu einmal aus den Symptomen: der akuten Strahlenkrankheit "Das Infektionsrisiko steigt stark an" und "Bei Todesfällen sind die Ursachen Infektionen und Blutungen" und erinnere daran dass die Beta-Strahlung durch N-16 im Kühlwasser "aussergewöhnlich energiereich" ist. Durch die porösen Umhüllungen der Brennstäbe sind ausserdem weitere radioaktive Isotope mit längerer Lebensdauer in das Kühlwasser des Reaktors gelangt.

Nachdem erste Messungen der Radioaktivität erhöhte Werte ergeben haben werden die beiden Leichen unter besonderer Abschirmung ist das Schwabinger Krankenhaus in München gebracht. Eine Dekontamination durch Abwaschen ist wegen den grossflächigen Verbrennungen nicht möglich. Die Obduktion findet 2 Tage später statt. Von den beiden Leichen werden dazu Teile abgetrennt (Lungenteile, Hirnhaut, Schilddrüse, Nieren, Teile von Leber und Milz) und bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in München auf Radioaktivität untersucht. Die Strahlung soll den Untersuchungsergebnissen nach wegen der "nur" kurzen Strahlungsdauer keine möglichen Grenzwerte erreicht haben. Genaue Fakten und Zahlen über die radioaktive Belastung der Umwelt durch diesen Störfall liegen der Öffentlichkeit bis heute nicht vor. Die meiste Strahlung soll an den Resten von Kleidern und Haaren festgestellt worden sein.

Nach der Obduktion werden die Leichen im Schwabinger Krankenhaus in Zinksärge eingelötet. Die Angehörigen dürfen sie nicht noch einmal sehen. Sechs Tage nach dem Unfall werden die beiden Männer in Lauingen unter Anteilnahme von Atomkraftwerksleitung und Aufsichtsbehörde beerdigt.

Die Leitung des Kraftwerks versucht den Störfall nicht Publik zu machen. Kurz darauf allerdings geht Umweltminister Streibl an die Öffentlichkeit und berichtet von dem Unfall. In den ersten Meldungen der Behörden ist noch von einer "starken Kontamination" bei dem Unfall die Rede. Später wird daraus "radiologisch bedeutungslos".

Der technische Leiter, der für Huber und Ziegelmüller verantwortlich ist, Reinhardt Ettemeyer, schildert den Unfall als konventionell ein, wobei die Arbeiten am radioaktiven Teil der Anlage vorgenommen wurden sind und keine konventionellen Systeme gewesen sind. Als Folge des Unfalls sollen konstruktive Änderungen an den Schiebern und der Arbeitsweise des Personals durchgeführt werden, unter anderen sollten Checklisten eingeführt werden. Zudem beklagt der technische Leiter, dass die Anlage in Gundremmingen bereits nach neun Jahren immer mehr Wartungen bräuchte. Auch US-amerikanische Anlagen melden ähnliche Probleme, weshalb Experten die Betriebsdauer für Gundremmingen von 30 bis 40 Jahren infrage stellen.

Wegen des Zwischenfalls werden einige führende Personen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, allerdings später freigesprochen.

Die Unterlagen zu den entnommenen Organteilen bekommen den Stempel "vertraulich". Bis 1976 lagern die Leichenteile bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in Neuherberg. Später werden sie als "klinische Abfälle" deklariert und im Atomforschungszentrum Karlsruhe verbrannt. Die Asche kommt in 200-Liter-Fässern in das Salzbergwerk ASSE. Genau sagen kann später niemand mehr wo die menschlichen Überreste liegen.

Anderen Quellen wie Nucleopedia zufolge handelt es sich bei der Geschichte mit Asse um ein Gerücht welches "linksgrüne Medien" verbreitet haben. Demnach sollen die Toten zur Erdbestattung freigegeben, und in Zinksärgen in Lauingen bestattet worden sein. Leider funktioniert die diesbezügliche Quellenangabe dort nicht.

1976. Der bestehende Kraftwerkskomplex wird in Block A umbenannt. Es werden weitere 24 MOX-Brennelemente eingesetzt.  Das AKW Gundremmingen A damit ab jetzt ausschließlich mit Plutonium (MOX-Brennelemente) betrieben.

19. Juli 1976. Man beginnt mit dem Bau der Blöcke B und C. Das sind zwei benachbarte, baugleiche Blöcke die sich aus jeweils einem Reaktorgebäude, einem Maschinenhaus und einem 161 Meter hohen Naturzug-Nasskühlturm zusammensetzen. Es handelt sich um Siedewasserreaktoren der Baureihe 72 (3. Generation / benannt nach dem Jahr in dem sie erstmals konzipiert wurden). Der 170 Meter hohe Abluftkamin wird von den Blöcken B und C gemeinsam genutzt.

Errichtet werden die Block B und Block C von der Kraftwerk Union und Hochtief. Mit der Inbetriebnahme der Reaktoren rechnet man 1981 für Block B und 1982 für Block C.

Im Gegensatz zu neuerschlossenen Standorten, beispielsweise Grafenrheinfeld in Unterfranken, sind die Genehmigungsverfahren in Gundremmingen wesentlich schneller durchzuführen, da unter anderem weniger Widerstand aus der lokalen Bevölkerung droht.

In den beiden Reaktoren befinden sich jeweils rund 136 Tonnen Atombrennstoff in 784 Brennelementen. Ein Brennelement enthält rund 174 Kilogramm Uran und besteht aus 100 (10 × 10) Brennstäben. Die Brennelemente bleiben rund 5 Jahre im Atomreaktor. Bei jährlichen Revisionen werden etwa ein Fünftel der Elemente ausgetauscht.

Beide Blöcke laufen später auch im Lastfolgebetrieb, bei dem die Leistung der Stromnachfrage („Last“) nachgesteuert wird. Zumindest an Wochenenden werden die Atomreaktoren dann häufig in ihrer Leistung gedrosselt, gelegentlich auch bei hoher Windstromeinspeisung.

1977. Es werden wieder Schäden an Brennelementen entdeckt. Allerdings in geringerem Maß als 1969, da auf den Lastwechselbetrieb verzichtet und nur noch Grundlast gefahren wird.


13. Januar 1977. Bei einem Unfall wird der gesamte Reaktor des AKW Gundremmingen A zerstört. Das Wetter ist feucht und kalt. Eisregen und Raureif lässt die Isolatoren an zwei Hochspannungsleitung brechen. Es kommt zu Kurzschlüssen.
Daraufhin wird eine automatische Schnellabschaltung eingeleitet.

Mehrere Anlagenteile funktionieren jedoch nicht richtig. Durch eine Fehlsteuerung wird zuviel Wasser zur Notkühlung in den Reaktor gepresst.

Durch Überdruck-Ventile gelangen – unterschiedlichen Quellen zufolge – zwischen 200 m³ und 400 m³ radioaktives Kühlwasser (ca. 280 Grad Celsius) in das Reaktorgebäude.

Nach zirka zehn Minuten steht dort das Wasser etwa drei Meter hoch und die Temperatur ist auf rund 80 Grad Celsius angestiegen. Hier ist zu berücksichtigen dass es sich um Kühlwasser das  kurz vorher im Containment noch Brennstäbe mit porösen Hüllen umspült hat handelt. Daher beinhaltet dieses Wasser die komplette Bandbreite radioaktiver Isotope die dort beim Betrieb entstanden sind.

Im Gegensatz zu den späteren besitzen die Siedewasserreaktoren derzeit noch keine Kondensationskammern, sondern blasen den Dampf in ein Volldruck-Containment ab. Nachdem man extra neue Grenzwerte festgelegt hat wird das radioaktiv verseuchte Wasser anschließend ebenso wie die Gase die frei geworden sind innerhalb eines halben Tages von Leiharbeitern (auch "nukleare Tagelöhner" oder "Strahlenfutter" genannt) "kontrolliert" in die Umwelt abgeleitet. Die kontaminierten Teile werden von Hand gereinigt. Die Grenzwerte (die man soeben neu dafür festgelegt hat) werden danach angeblich eingehalten.

Reinhard Ettemeyer (Technischer Leiter des AKWs) beruhigt: "Das Landesamt für Umweltschutz ist seit heute Nacht an Ort und Stelle mit der Überwachung mit Messungen tätig, die Messungen haben, auch das ist vielleicht noch interessant, ergeben, es ist keine Radioaktivität an die Öffentlichkeit hinausgegangen."

Genaue Fakten und Zahlen über die radioaktive Belastung der Umwelt durch diesen Störfall liegen der Öffentlichkeit bis heute nicht vor. Laut der Körblein Studie ist die Krebsrate um das Atomkraftwerk Gundremmingen signifikant erhöht. Im Mai 1985 und im September 1985 weist der Astrophysiker Peter Kafka darauf hin dass in einem Gebiet östlich vom AKW die Häufigkeit von Missbildungen bei Kindern fast doppelt so hoch ist wie im Landesdurchschnitt.

Kurz nach dem Unfall geht man davon aus, der Reaktor werde in einigen Wochen wieder in Betrieb gehen können. Ein Sprecher des Bayerischen Umweltministeriums sagt: "An sich ist die gesamte Störung sehr positiv abgelaufen. Alle sicherheitsdienenden Geräte und Funktionen haben einwandfrei funktioniert, so dass wir eigentlich keinen Grund haben, traurig über diese Störung zu sein."

Der TÜV entdeckt jedoch bei Kontrollen Risse an Rohren des Kühlkreislaufes. Neben der Instandsetzung verlangen Politik und Aufsichtsbehörden dazu eine Modernisierung der Leit- und Sicherheitstechnik. Wegen der für die Modernisierung erforderlichen Investitionen von 180 bis 2050 Millionen DM verzichten die Betreiber später auf eine Wiederinbetriebnahme. Auch weil eine Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme nicht gesichert wäre. Zudem befinden sich die neuen Blöcke B und C bereits im Bau. Mit einer Leistung von rund 1200 MW werden diese wesentlich wirtschaftlicher arbeiten als Block A.

Selbst der Direktor des Werkes räumt ein, dass der Reaktor im kommerziellen Sinne nicht das Nonplusultra gewesen ist. Die Anlage hat nur eine Gesamtverfügbarkeit von etwa 51 % erreicht.

Die kontaminierten Stahlteile werden in Behälter gegossen und im Zwischenlager Mitterteich eingelagert.

Wolfgang Schluchter (Sozialwissenschaftler, späteres Gründungsmitglied der Grünen) arbeitet zu dem Zeitpunkt im Atomforschungszentrum Karlsruhe und in den AKWs Obrigheim, Gundremmingen A, in Würgassen und im US-amerikanischen Battelle-Institut in Frankfurt am Main wo er an einem Nachbau eines Atomreaktors erforschen soll wie sich AKWs im Störfall verhalten und wie mögliche Unfälle verhindert werden können. Unter dem Eindruck des Störfalls veröffentlicht er seine Schrift "Polizei und Wissenschaft, vereint gegen Bürgerinitiativen" und wird deshalb aus dem Institut entlassen, des Hochverrats angeklagt, jedoch nicht verurteilt. Außerdem wird er mit einem Berufsverbot belegt. Die US-amerikanische Militärpolizei durchsucht zudem seine Wohnung und beschlagnahmt seine wissenschaftlichen Manuskripte.

Es ist in Deutschland der erste und lange Zeit einzige bekannte Großunfall eines Kernkraftwerks mit wirtschaftlichem Totalschaden. Block A hat bis zum Unfall 13,8 Mrd. KWh elektrische Energie bei einer Verfügbarkeit von knapp 80 Prozent in das Stromnetz eingespeist.

Herbst 1977. Bei näherer Untersuchung der Rohranlagen  des Kühlkreislaufs von Gundremmingen A werden vom TÜV viele Rohranrisse gefunden. Das löst große Sorgen aus. Bis dahin glaubte man dass die Rohre aus Spezialstahl zuverlässig dicht wären.

1978. Etwa 1 Kilometer östlich des AKWs wird der Meteo-Turm, ein 174 Meter hoher Stahlbetonturm gebaut. Er beheimatet Richtfunkanlagen der Netzbetreiber, meteorologische Messinstrumente zur Überwachung der klimatischen Bedingungen, der Luftqualität und der Radioaktivität in der Luft, sowie den Packet-Radio-Digipeater DB0DLG.

In diesem Jahr werden noch einmal 16 MOX-Brennelemente in Block A eingesetzt. Diese letzte Ladung bleibt jedoch ungenutzt.

28. März 1979. Beginn der der Atomkatastrophe im Atomkraftwerk Three Mile Island (TMI).

Juni 1979. Es kommt zum Höhepunkt der Demonstrationen gegen das AKW mit einer Teilnehmerzahl von 8000 Demonstranten.

Beginn der 1980er Jahre. Es werden erste Studien zu Krebserkrankungen, insbesondere Kinderkrebs an fünf Standorten an bayerischen Kernkraftwerken durchgeführt. Unter andrem an den Standorten der Leistungsreaktoren Gundremmingen, Grafenrheinfeld, Isar, Kahl und dem Forschungsreaktor München. Zwischen 1983 und 1989 gibt es intensive Beobachtungen und Untersuchungen bezüglich Leukämieerkrankungen, deren Vorkommensraten meist im Zusammenhang mit radiologischen Belastungen steigt. Die Ergebnisse werden bis 1993 und im Folgezeitraum 1995 veröffentlicht und stellen keine signifikante erhöhte Neubildung von bösartigen Tumoren bei Kindern, im Umkreis von 15 Kilometern um die Reaktoren fest.

8. Januar 1980. Es wird beschlossen Gundremmingen A endgültig stillzulegen.

Juni 1983. Die Stillegungsgenehmigung von Block A wird erteilt. Dieser soll bis 2005 abgeschlossen werden. Anvisiert wird ein Rückbau zur "grünen Wiese".

Beim Rückbau sollen nach Angaben des Herstellers etwa 10.000 Tonnen Schrott anfallen. 86% davon wiederverwertbar. Für 14% benötigt man ein sicheres Endlager für radioaktive Abfälle welches aber technisch bekanntlich nicht machbar ist. Die Abwicklung soll bis zu 1 Milliarde Euro kosten und wird vom Betreiber bezahlt. Der gesamte Reaktor kann erst abgebaut werden, falls Schacht Konrad als Endlager für die restlichen Abfälle fertiggestellt wird.

9. März 1984. Block B wird fertiggestellt.

16. März 1984. Das AKW Gundremmingen B mit einer elektrischen Nettoleistung von 1284 MW wird erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert. Die thermische Leistung beträgt 3840 MWth, die elektrische Bruttoleistung 1344 MW.

19. Juli 1984. Das AKW Gundremmingen B geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

26. Oktober 1984. Block C wird fertiggestellt.

2. November 1984. Das AKW Gundremmingen C mit einer elektrischen Nettoleistung von 1288 MW wird erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert. Die thermische Leistung beträgt 3840 MWth, die elektrische Bruttoleistung 1344 MW.

18. Januar 1985. Das AKW Gundremmingen C geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

23. Januar 1985. Block C muss bereits wieder vom Netz gehen, da es einen Riss an einer Schweißnaht am Kühlkreislauf gibt. Erste und letztlich richtige Vermutungen gehen davon aus, dass sich eine Turbinenschaufel gelöst hat und einige Rohre im Kondensator beschädigt wurden.

16. Februar 1985. Block C geht wieder ans Netz.

1986/87. Den Betreibern wird klar, dass zu viele Überkapazitäten im Stromnetz vorhanden sind. Aufgrund dessen müssen beide Blöcke an den Wochenenden auf 60 % der Nennleistung abgefahren werden.

12. März 1986. Es kommt zu einen weiteren Zwischenfall in Block C. Während einer Revision mit Brennelementwechsel des geöffneten Reaktors, kommt es beim Prüfen des Schnellabschaltsystems zu einem Zwischenfall, als ein Techniker bei einer Prüfung von drei Kanälen mit einem Messgerät diese miteinander verbindet und dadurch ein Impuls auslöst, der zum Schnellabschaltmechanismus führt und durch ein falsch gestelltes Ventil in den Reaktordruckbehälter mit 162 Bar Stickstoff leitet. Dadurch kommt es zu einem Übertreten des Wassers aus dem Becken. Reaktorsicherheitsexperten vermuten, dass der Reaktordruckbehälter durch den starken, intensiven Impuls angeschlagen wird und wohl Verspannungen im Werkstoff verursacht hat. Dadurch schätzen Experten ein, dass der Reaktordruckbehälter mit höherer Wahrscheinlichkeit versagen könnte. Das Umweltministerium Bayerns lässt den Block im April trotzdem wieder Anfahren.

26. April 1986. Beginn der Atomkatastrophe von Tschernobyl.

Juli 1986. Eine Gruppe "Edelweiß-Piraten" deponiert an zwei Strommasten in der Nähe des AKW Gundremmingen 40 Kilogramm Sprengstoff in Feuerlöschern. Der Anschlag kann knapp verhindert werden.

1987. Der Rückbau von Block A beginnt. Für den Abriss der Dampferzeuger wird ein besonderes Verfahren angewendet. Zuerst werden die Dampferzeuger mit Plastikfolie eingepackt und anschließend mit Wasser gefüllt. Anschließend werden diese eingefroren, was beim späteren Zerschneiden keinen Staub verursachen soll und vor der Radioaktivität schützt. Weitere Verfahren sind unter anderem die Dekontamination mit Sandstrahlern oder in Becken mit Phosphorsäure.

In Block C kommt es in diesem Jahr durch die Explosion von angesammeltem Knallgas zu einer Beschädigung von Anlagenkomponenten.

Ab 1989. Am AKW Grundremmingen findet jeden Sonntag um 15 Uhr eine Mahnwache statt. Die Organisation selbst beschreibt sich als friedlich demonstrierende Gruppe. Das Atomkraftwerk selbst duldet die Gruppe.

1990. Bei den Sonntagsdemos kommt es zu einem Zwischenfall. Aufgrund eines Verstoßes gegen das Versammlungsrecht und aufgrund von Hausfriedensbruch, sowie der Missachtung eines Auflagenbescheids das vom Landratsamt Günzburg im Rahmen des Jahrestages des Atombombenabwurfes auf Hiroshima aufgelegt wurde, führen rund 24 Polizisten eine achtköpfige Gruppe vor den Werkstoren ab.

Die örtliche Polizei hat durchaus Kenntnis über die Mahnwachen, weshalb der Amtsrichter und auch die Behörden davon ausgehen dass sich weiterhin dort Demonstranten einfinden werden, auch nachdem die Personen festgenommenen worden sind. Aufgrund dessen wird die Haft auf vier angenommene Demo-Tage ausgelegt um eine weitere Teilnahme der Verhafteten zu verhindern, jedoch schon am zweiten Tag vom Bayerischen Innenministerium ganz aufgehoben, da sie nach Aussage des Ministeriums bereits ihren Austritt aus der Gruppe angekündigt hätten.

Im Bayerischen Landtag tritt dieses Ereignis eine Diskussion um das Versammlungsrecht los. Nach Ansicht der SPD soll dadurch die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden. Nach Klärung und Änderung des Gesetzes wird das Problem gelöst, sodass die friedliche Demonstrationen weitergesetzt werden dürfen.

17. Dezember 1993. Mit dem russischen Atomkraftwerk Nowoworonesch wird im Rahmen des "Twinning-Programms der EU für den internationalen Erfahrungsaustausch eine Partnerschaft geschlossen.

1994/95. Durch eine Modernisierung der Turbine in den Jahren, sowie des dadurch verbesserten Wirkungsgrades, kannte die Leistung der beiden Blöcke um 34 MW gesteigert werden auf 1344 MW.

Ende 1994. Die Betreiber von Gundremmingen kündigen die (Neu-)Verträge mit den Wiederaufbereitungsanlagen („WAA“) im französischen La Hague und britischen Sellafield. Die Brennelemente werden langfristig zwischengelagert.

Nach Ansicht des Sicherheitschef Norbert Eickelpasch ist die Wiederaufbereitung sehr teurer, wobei Uran auf den Weltmarkt wesentlich billiger zu haben ist. Als Konventionalstrafe für die Kündigung des Vertrags muss sowohl Gundremmingen, als auch das Atomkraftwerk Krümmel, das ebenfalls die Verträge kündigt, 250 Millionen Deutsche Mark zahlen.

1995. In Gundremmingen werden weltweit erstmals bei Siedewasserreaktoren in großem Umfang MOX-Brennelemente eingesetzt. Mit rund 40.000 Einwendungen protestieren die Umweltschutzverbände. Die erhöhte Reaktivität dieser Brennelemente wurde und wird von Verbänden kritisiert. Die Betreiber müssen die sichere Abschaltung des Reaktors in jeder Betriebssituation gewährleisten. In mindestens jeder Betriebsperiode und bei jeder Veränderung der Bestückung des Reaktorkerns ist der Nachweis der sogenannten Abschaltreaktivität zu erbringen, wie sie die sicherheitstechnische Bestimmung KTA 3104 Ermittlung der Abschaltreaktivität vorsieht.

September 1999. Es wird eine Leistungserhöhung von 1344 MW auf 1450 MW für die Blöcke B und C beantragt. Allerdings bittet Umweltminister Jürgen Trittin, die Leistungserhöhung vorerst nicht zu erhöhen. Er begründet dies damit, dass er bereits den Atomkraftwerken Grohnde und Isar zwei eine Leistungserhöhung genehmigt habe. Die Genehmigung der Leistungserhöhung steht bis auf weiteres aus.

2000. Im Rahmen des beschlossenen Ausstieg aus der Elektrizitätserzeugung aus Atomenergie werden auf alle deutschen Atomkraftwerke Reststrommengen verteilt. 

2000. Die rot-grüne Bundesregierung handelt mit der Atomindustrie einen Atomausstieg aus. Bis zur Abschaltung werden sogenannte Reststrommengen festgelegt. Diese Reststrommengen entsprechen die Menge an Elektrizität, die ein Atomkraftwerk maximal netto noch produzieren darf, bis es abgeschaltet werden muss.
Block B im AKW Gundremmingen werden insgesamt 161 TWh zugewiesen, Block C insgesamt 168 TWh. Aufgrund der kurzen Laufzeit des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich wird für dieses Kraftwerk eine Sonderregelung getroffen: Dem Kraftwerk wird eine Reststrommenge von 107,25 TWh zugestanden, die nur auf die Kraftwerke Emsland, Neckarwestheim 2, Isar 2, Brokdorf, Gundremmingen B und C) (alle mit einer genehmigten Restlaufzeit über 2015 hinaus) sowie bis zu einer Elektrizitätsmenge von 21,45 TWh auf Biblis B übertragen werden darf (siehe § 7 Abs. 1d bzw. Anlage 3).
Die beiden Energiekonzerne RWE und Vattenfall versuchen später eine Übertragung auf die zum Zeitpunkt der Anträge ältesten noch aktiven Kraftwerke Biblis A und Brunsbüttel zu erreichen, für die eine Abschaltung bevorsteht. Rechnerisch geht es bei dieser Regelung um einen Gesamtzeitraum von etwa 10 Jahren.

2001. Die Krebsuntersuchungen der 1980er Jahre wurden auf alle Krebsarten bei Kindern ausgeweitet. Im Folgebericht wird festgestellt, dass sich die Kinderkrebsrate im Umkreis des Kernkraftwerks Gundremmingen, im Unterschied zu den anderen Anlagen in Bayern, zwischen 1983 bis 1998 signifikant erhöht hat. Im Durchschnitt aller Reaktoren liegt die Erkrankungsrate um den bayerischen Standorten rund vier Prozent über dem bayerischen Druchschnitt, wobei die Erhöhung der Kinderkrebsrate über den gesamten Zeitraum von 1983 bis 1998 sich um etwa 20 % erhöht hat. Einen definitiven Grund für die erhöhten Krebsraten lässt sich aufgrund anderer Studien nicht auf das Atomkraftwerk oder anderen bekannten Einflüssen festlegen.

Zwischenlager am AKW Gundremmingen
August 2004. Auf dem Gelände des AKW Gundremmingen entsteht ein Zwischenlager (ZL) für verbrauchte Brennelemente mit einem Schwermetallgewicht von 2250 Tonnen. Es ist mit einer Lagerkapazität von 192 Castoren das größte Zwischenlager in Deutschland.

2006 wird das Lager in Betrieb genommen. Der Rohbau der Halle (104 Meter lang, 38 Meter breit und 18 Meter hoch) wird Ende 2005 fertiggestellt. Die Betonwände sind 70 bis 120 Zentimeter dick und damit teilweise dünner ausgelegt als vergleichbare Lager in Norddeutschland. Die beiden Hallentore haben jeweils ein Gewicht von 50 Tonnen. Das Betondach ist 55 cm dick und damit auch bedeutend schwächer als z.B. beim ZL Brokdorf mit 130 Zentimetern.

Der Boden der Halle erwärmt sich bei voller Bestückung auf rund 80 °C und das Grundwasser zusätzlich um ein bis zwei Grad Celsius.

Am 26. Juli 2006 wird die Halle fertiggestellt und abgenommen. Eröffnet und mit ersten Castorbehältern aus dem AKW wird das Lager am 25. August 2006 nach dem Innenausbau der Elektroinstallation, der Heizungs- und Lüftungstechnik, dem Einbau von Schwerlastkränen und Restarbeiten im Außenbereich.

Die Kraftwerksbetreiber (E.ON Kernkraft GmbH, RWE Power AG und Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH) stellten einen Antrag auf Einlagerung von bis zu 192 Castoren mit abgebrannten Brennelementen. Anwohner klagten mit Unterstützung von Umweltgruppen gegen das Vorhaben vor Gericht; der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies mit Urteil vom 2. Januar 2006 ab. Eine Revision wurde nicht zugelassen. Hiergegen legten die Kläger Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein. Am 24. August 2006 wurde dieser Antrag abgelehnt. Die Gegner trieb neben der Sorge vor Großunfällen und Terroranschlägen auch die Befürchtung an, dass sich das Zwischenlager zu einer ungeplanten Endlagerstätte entwickeln könnte, da es bis heute entgegen vielen Zusagen weltweit noch kein Endlager für abgebrannte Brennelemente gibt.

Bis 2005. Die Dampferzeuger von Block A, sowie der Reaktordruckbehälter sind demontiert. Kontaminierte und aktivierte Bauteile wurden ins Zwischenlager in Mitterteich gebracht, nachdem sie in Gussbehältern eingelagert wurden.

Oktober 2005. Mit der Bodenwanne des Reaktordruckgefäßes wird das letzte große Bauteil des AKW Gundremmingen A demontiert.

2006. Der Abbau des biologischen Schilds von Block A kann abgeschlossen werden, sowie letzte aktivierte Betonteile für die Endlagerung in entsprechende Behälter eingelagert werden. Anschließend kann mit der Gebäudedekontamination begonnen werden. Bis 2010 visiert man die grüne Wiese an. Für die deutsche Atomindustrie stellen die Rückbauarbeiten von Gundremmingen A, Würgassen und Kahl Demonstrationsobjekte dar um zu beweisen, dass der Rückbau einer atomtechnischen Anlage ohne Beeinträchtigung von Mensch und Umwelt möglich ist.

5. Januar 2006. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz genehmigt den Bau eines sogenannten Technologiezentrums im Bereich des ehemaligen Block A. Dort dürfen in Zukunft folgende Arbeiten durchgeführt werden:
  • Bearbeitung sonstiger radioaktiver Stoffe mit dem Ziel der Freigabe
  • Konditionierung radioaktiver Abfälle
  • Komponenteninstandhaltung
  • Herstellung und Lagerung von Werkzeugen und Geräten
  • Lagerung und Transportbereitstellung von konditionierten und unkonditionierten Abfällen bis zu deren Verarbeitung bzw. deren Abtransport
Nach Umbau und Modernisierung werden darin Kernkraftwerksteile und Reststoffe aus dem laufenden Betrieb mechanisch und chemisch behandelt oder dekontaminiert. Weiter ist vorgesehen, Kernkraftwerkskomponenten zu warten oder zu reparieren sowie Spezialwerkzeuge und -geräte anzufertigen und bis zu ihrem Einsatz vorzuhalten.

Mit dieser Genehmigung wird auch die Ableitung radioaktiver Stoffe über den Kamin erlaubt. Maximal zulässige Radioaktivitätsabgabe pro Jahr: 50 MBq für aerosolförmige Radionuklide mit Halbwertszeiten von mehr als 8 Tagen (außer Iod-131), maximal 0,5 MBq für Iod-131 und maximal 100.000 MBq für Tritium.
Nach Umbau und Modernisierung werden in dem Technologiezentrum Teile von Atomkraftwerken und Reststoffe mechanisch und chemisch behandelt oder dekontaminiert. Es ist auch vorgesehen, Komponenten von Atomkraftwerken zu warten oder zu reparieren. Auch Spezialwerkzeuge und -geräte sollen dort angefertigt und bis zum Einsatz vorgehalten werden.

2007. Das Mainzer Kinderkrebsregister stellt fest dass Kleinkinder, die in der Nähe von AKWs wohnen, ein höheres Erkrankungsrisiko für Krebs und Leukämie haben.

In diesem Jahr wird die Aufsichtsbehörde über 5 Zwischenfälle im Block B und vier Zwischenfälle im Block A informiert die alle sicherheitstechnisch bedeutungslos gewesen sein sollen. Die Abgabe radioaktiver Stoffe soll immer unter den Grenzwerten gelegen haben, so die Auskunft des technischen Geschäftsführers, Dr. Helmut Bläsig, auf einem Jahrespressegespräch im Jahr 2008.

19. Dezember 2007. Beim bayerischen Umweltministerium wird eine Leistungserhöhung um 160 Megawatt thermisch und eine Erhöhung der elektrischen Leistung um je 52 Megawatt für die Blöcke B und C beantragt.

Sonntag, 6. Januar 2008. Block B wird in den frühen Morgenstunden wegen einer Leistungsminderung um 3% (ca. 40 MW) in den beiden Niederdruckturbinen vorsorglich abgeschaltet. Grund ist eine defekte Schweißnaht an einem Rohr weswegen Dampf direkt in den Kondensator gelangt ohne dass sie die Rotoren der Turbine passiert.

8. Januar 2008. Das Problem der Schweißnaht an Block B wird behoben. Es soll keine Meldepflicht bestehen da die Leistungsminderung angeblich keine sicherheitstechnische Bedeutung für die Anlage und die Umgebung hat. Am 12. Januar wird der Reaktor wieder angefahren.

7. Januar 2009. Die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH bezieht sich, ohne einen definitiven Grund, in einem Schreiben auf das Bayerische Umweltinformationsgesetz vom 8. Dezember 2006 und legt der Regelung gemäß fest, dass diese Gesellschaft keine informationspflichtige Stelle sei. Demnach ist das Unternehmen bei Zwischenfällen nicht verpflichtet, diese für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Schreiben wird allerdings darauf hingewiesen, dass keine Informationen über strahlungsbedingte Krankheiten der Mitarbeiter des Kernkraftwerk, aufgrund ihrer dort ausgeübten Tätigkeit, dem Unternehmen bekannt sind, oder bestimmte Krankheiten vermehrt auftreten.

5. März 2009. Die Lebenserwartung im Landkreis Dillingen ist offenbar 2 bis 2,5 Jahre kürzer als in anderen ländlich geprägten schwäbischen Landkreisen. Die Augsburger Abgeordnete Christine Kamm vermutet einen Zusammenhang mit dem Störfall Gundremmingen Block 1 von 1977 und hat zur Abklärung eine Anfrage an die Staatsregierung eingereicht. Die Grenzwerte für radioaktive Emissionen wurden damals bekanntlich kurzerhand mal hochgesetzt um die radioaktiven Abwässer direkt aus dem Reaktor ins Freie abzuleiten.

18. September 2009. Nachdem bereits gestern im Untersuchungsausschuss zum Versuchsendlager ASSE  Gerüchte laut wurden, veröffentlicht heute die Presse, dass im Endlager ASSE die Asche von den 2 Menschen die durch den Unfall am 19. November 1975 in Gundremmingen starben gefunden wurden.

10. Mai 2010. Auf eine parlamentarische Anfrage von Sylvia Kotting-Uhl (Atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag legt das Bundesumweltministeriums (BMU) für die Jahre 1993 bis 2008 eine Statistik zur Pannenhäufigkeit der 17 laufenden Atomkraftwerke in Deutschland vor:
Es gibt (wie bei allen technischen Geräten) um so mehr Pannen, je älter AKWs werden. In Deutschland ist Krümmel mit 82 Defekten am misserabelsten, danach kommt gleich Brunsbüttel mit 80 Defekten. Biblis B und A kommen auf 78 bzw. 66 Defekte. Unterweser 49, Brokdorf 48, Grohnde 47, Neckarwestheim I 47, Isar I 44, Grafenrheinfeld 41, Philippsburg I 39, Gundremmingen B 32, Philippsburg II 31, Gundremmingen C 26, Emsland 25, Isar II 20, Neckarwestheim II 19.
Seit 1994 hat Reaktorblock Philippsburg 2  den stärksten Anstieg technischer Fehler. Norbert Röttgen (Umweltminister) bietet den Betreibern der AKWs nun längere Laufzeiten gegen technische Nachrüstungen an. Dokumente aus dem Jahr 2007 stellen jedoch fest, dass "durch die höhere Anzahl an Nachrüstmaßnahmen mit all ihren Rückwirkungen auf die Anlage die Fehleranfälligkeit gestiegen ist".

5. September 2010. Von der schwarz-gelden Bundesregierung wird auf einem "Atomgipfel" eine Laufzeitverlängerung für Brunsbüttel und die anderen sechs ältesten AKWs in Deutschland beschlossen.
An diesem Tag beschließen sie, die Restlaufzeiten-Regelung des Atomkonsenses von 2002 abschaffen zu wollen und ältere Reaktoren (darunter das KKW Brunsbüttel) acht Jahre und neuere Reaktoren (1980 oder später in Betrieb gegangen) 14 Jahre länger laufen lassen zu wollen. Ob eine solche Regelung ohne Zustimmung des Bundesrates in Kraft treten kann, ist fraglich; einige Landesregierungen riefen später das Bundesverfassungsgericht an.

28. Oktober 2010. Nach dem Beschluss der sschwarz-gelden Regierungskoalition am  im deutschen Bundestags zur Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten zwischen acht und 14 Jahren, verschiebt sich die Abschaltung von Block B und C auf das Jahr 2030. Die planmäßige Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen B war bisher für das Jahr 2016 angekündigt, die Abschaltung von Gundremmingen C für 2017.

Herbst 2010. 4 Brennelemente, davon 3 MOX-Brennelemente im AKW Gundremmingen weisen Mängel auf. Bis November 2011 liegen keine Ursachenberichte vor weil laut Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt "die Brennelemente vor einer Untersuchung mehrere Monate abklingen müssen".
Der Bundestag beschließt derweil mit dem Stimmen der  Regierungsmehrheit eine

11. März 2011. Beginn der Atomkatastrophe von Fukushima.

21. März 2011. Im März sollen wegen Revisionen die AKWS Philippsburg 2, Emsland, Gundremmingen B, Grafenrheinfeld und Grohnde abgeschaltet werden. Damit werden dann 13 der 17 deutschen Atomreaktoren vorübergehend nicht am Netz sein. Deshalb malen Betreiber E.ON und die Deutsche Energie-Agentur wieder Schwarzmalereien wegen einem angeblichen Stromengpass an die Wand.

Mai 2011. Nach Beginn der Fukushima-Katastrophe im März 2011 gibt es am AKW Gundremmingen eine spektakuläre Aktion von Umweltschützern gegen den Weiterbetrieb der Reaktoren, bei der Tausende von Luftballons mit Totenköpfen in die Luft aufsteigen und so verdeutlichen, wohin nach einem schweren Unfall die radioaktive Wolke ziehen würde.

5. Mai 2011. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt dass auch niedrigste Strahlung bereits gefährliche Auswirkungen hat und stellt sich damit gegen die Aussagen der Internationalen Energieorganisation (IAEO).

8. Mai 2011. Beim Herunterfahren von Block B wird festgestellt, dass sich ein Entwässerungsventil nicht richtig geschlossen hat. Nach mehreren Versuchen lässt es sich jedoch schließen. Das Ereignis hat die Meldekategorie ‚N‘ (Normal).

Juni 2011. RWE-Chef Großmann fühlt sich wegen der früheren Abschaltung des Blocks B benachteiligt und fordert wie bei beim baugleichen Block C einen Betrieb bis 2021.

28. Juni 2011. Horst Seehofer (Ministerpräsident von Bayern) gibt als Abschluss eines zweitägigen "Energiegipfels" mit Vertretern der Kommunen, der Energiekonzerne und der Wirtschaft in der Staatskanzlei, in einer Regierungserklärung bekannt dass er seit Fukushima seine Ansicht über Atomenergie geändert habe und sein Bundesland mit "Bürgerenergie" versorgen möchte. Als Abschaltplan für die AKWs des Bundeslandes sind folgende Termine vorgesehen: Grafenrheinfeld 2015, Gundremmingen B 2017, Gundremmingen C 2021 und Isar 2 im Jahr 2022. Isar 1 soll nicht mehr hochgefahren werden. Die Details der Atomwende soll nun eine neue Energieagentur klären.

30. Juni 2011. Der Bundestag beschließt in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit (513 Stimmen) das „13. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes“, das die Beendigung der Atomenergienutzung und Beschleunigung der Energiewende regelt.

8. Juli 2011. Der Bundesrat hat den Atomausstieg bis 2022 gebilligt. Nur der Bundespräsident muss noch unterschreiben. Damit bleiben die 8 AKWs endgültig abgeschaltet und die schwarzgelde Laufzeitverlängerung ist bereits wieder Geschichte. Die Bundesnetzagentur soll bis September entscheiden ob eines der 8 abgeschalteten AKWs für den Fall von Stromengpässen bis 2013 in Bereitschaft gehalten werden soll.  2015 wird Grafenrheinfeld abgeschaltet, 2017 Gundremmingen B, 2019 Philippsburg II, 2021 Grohnde, Brockdorf und Gundremmingen C, 2022 Isar II, Neckarwestheim II und Emsland.

6. August 2011. Nach dem geänderten Atomgesetz müssen Gundremmingen-B bis 31. Dezember 2017 und Gundremmingen-C bis 31. Dezember 2021 endgültig abgeschaltet werden

21. August 2011. Block B schaltet sich wegen einer Fehlfunktion der Elektronik der Turbinensteuerung automatisch ab.

2. September 2011. Ein ehemaliger Direktor des AKW Gundremmingen hat offenbar in der Kreisstadt Dillingen im Ortsteil Schretzheim seine Ehefrau erschlagen.

27. September 2011. Die Lebenserwartung im Landkreis Dillingen soll sich wieder angeglichen haben. Laut einer Untersuchung von verschiedenen Instituten soll es schon vor der Inbetriebnahme von Block A eine erhöhte Sterblichkeit gegeben haben.

28. September 2011. Während einer Revision des Blockes C werden an 4 MOX-Brennelementen aus zwei Chargen Defekte festgestellt. Das Ereignis wird der Kategorie N (normal) des deutschen Meldesystems zugeordnet. Die Abgabe radioaktiver Edelgase wird vom IPPNW zum Anlass für Untersuchungen genommen und sorgt für Horrormeldungen durch Atomkraftgegner („im Maximum das 500-fache des Normalwerts“). Der zulässige Grenzwert wird laut Angaben des Betreibers bei weitem nicht erreicht, sondern um 85 Prozent unterschritten.

Laut den Ausführungen eines Vertreters des Umweltministeriums sollen die Defekte nicht nach vielen Einsatzjahren, sondern bereits von Beginn an vorhanden gewesen sein. Die Folge ist ein verstärkter Austritt von Edelgasen in den Siedewasserkreislauf die dann wiederum über den "Kamin" abgelassen werden. Es wird vermutet dass ein Produktionsfehler vorliegt. Die Tests wurden von ca. 50 Sachverständigen des TÜV Süd (an welchem die AKW-Betreiber E.on, Vattenfall und EnBW beteiligt sind) und der Aufsichtsbehörde beaufsichtigt.

9. Oktober 2011. Für den Ernstfall gibt es einen "Ratgeber für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerks Gundremmingen". Laut Empfehlung der Herausgeber soll er in jedem Haushalt so aufbewahrt werden dass er schnell wieder gefunden werden kann. Ein Evakuierungsplan existiert der Broschüre nach offenbar nur für die "10-Kilometerzone". Eine Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch die Behörden ist nicht vorgesehen. Man geht davon aus dass die Bevölkerung die Notunterkünfte im eigenen PKW aufsucht (das Chaos kann man sich vorstellen). Für einen Rest sind Busse vorgesehen.

8. November 2011. Nach einer Revision mit etwa 900 Prüfungen geht Block C von Gundremmingen wieder ans Netz.

10. November 2011. Der Umweltausschusses im Landtag beschließt dass Ursachenberichte zu Defekten beim Einsatz von MOX-Brennelementen künftig veröffentlicht werden müssen. Mehrfach wurden in der Vergangenheit Risse in den Hüllrohren der MOX-Brennelemente festgestellt. CSU und Mövenpickpartei stimmen jedoch gegen die Forderung der Grünen, die Verwendung von plutoniumhaltigen Brennelementen in Gundremmingen zu verbieten.

14. November 2011. Zu Beginn der planmäßigen Revision des AKW Gundremmingen im September ist erhöhte Radioaktivität ausgetreten. Laut der Vereinigung "Internationale Ärzte zur Verhütung des Nuklearkriegs" (IPPNW) sind die Emissionen radioaktiver Edelgase, die offenbar zeitweise das 500fache des Normalwerts erreicht haben, vor allem für ungeborene Kinder im Mutterleib gesundheitsgefährdend. Das AKW Gundremmingen spricht dagegen von "kontrollierter Aktivitätsableitung über den Kamin" wobei eine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeschlossen sein soll.
Die Kraftwerksbetreiber berufen sich dabei auf einen sogenannten "Tagesgrenzwert" der alleine für die Gefahrenabschätzung relevant sein soll. Das bedeutet dass Messwerte über einen vollen Tag hinweg statistisch gemittelt werden und dann insgesamt unter dem sogenannten "Grenzwert" liegen.  (Anm. Gar Nix: "Wieso gibt es dann Menschen die bereits nach wenigen Minuten tödlich verstrahlt worden sind wenn dazu ein ganzer Tag notwendig ist?"). Laut Raimund Kamm sind die Grenzwerte nicht so bemessen, dass sie gesundheitsschützend sind.
Nach einer Landtags-Abfrage der Grünen und der IPPNW liegen nun erstmals ungemittelte Werte vor die zum Teil dramatische Spitzenwerte zeigen die wiederum das Ergebnis der Kinderkrebsstudie von 2007 "plausibel" erklären. Vom IPPNW wird deshalb in Zukunft eine Veröffentlichung von "ungemittelten Halbstundenwerten" gefordert.
Marcel Huber (CSU - Umweltminister von Bayern) behauptet immer noch "Der Schutz der Bevölkerung soll zu jedem Zeitpunkt gegeben gewesen sein. Er schließt auch ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Bayern nicht mehr aus.

8./9. Dezember 2011. Tennet muß erstmals auf die Notreserve zurückgreifen, die nach der Energiewende von der Bundesnetzagentur eingerichtet wurde. Wegen eines Sturmtiefs laufen die Windräder im Norden auf Hochtouren, weswegen Kohle- und Gaskraftwerke in Nord- und Mitteldeutschland gedrosselt werden.
Gleichzeitig fällt ein Reaktor im bayerischen Gundremmingen aus. Gundremmingen C muss wegen einem ungeplanten Brennelementewechsel abgeschaltet werden musste.
Um Stromausfälle in Süddeutschland zu vermeiden, fordert Tennet Kapazitäten aus zwei Gaskraftwerken und einem Ölkraftwerk in Österreich an.
Daneben exportiert der Netzbetreiber Tennet Strom über die selben Stromleitungen nach Österreich und Italien während angeblich Süddeutschland nicht versorgt werden kann. Stoppen möchte der Konzern das aus Kostengründen nicht. Der angebliche Strommangel und dünne Leitungen entpuppen sich also eher als Fehlkalkulation.

11. Januar 2012.  Alle Zwischenlager in Deutschland sollen offensichtlich wegen möglichen Terrorangriffen von 10 Meter hohen und 85 Zentimeter dicken Betonmauern geschützt werden. In Planung ist offenbar bereits der Bau an den AKW Standorten Gundremmingen und Isar II. Auch an den AKWs Biblis und Emsland sowie in Gorleben, Lubmin und Ahaus hat will man Mauern bauen. Der Gemeinderat von Gundremmingen stimmte mit Bauchschmerzen zu weil er wohl nur miserabel informiert wurde. Bezahlen tun angeblich die Betreiber. Details unterliegen  der Geheimhaltung.

11. März 2012. In Tokio demonstrieren am ersten Jahrestag des Beginns der Katastrophe von Fukushima etwa 10.000 Menschen gegen Atomenergie. Sie bilden eine Menschenkette um das Parlament. Auch in ganz Deutschland kommt es zu Demonstrationen. Die Energiepolitik der Schwarzgeldregierung wird heftig kritisiert. Laut Veranstaltern sind an den Demos hierzulande insgesamt 50.000 AKW-Gegner beteiligt. Zwischen 700 und 3000 Menschen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz versammeln sich am vergammelten AKW Fessenheim. Das AKW Brokdorf und das AKW Brunsbüttel mit den löchrigen Fässern mit radioaktivem Atommüll werden von 2300 bis 3000 Demonstranten umringt. An der Uranfabrik Gronau sind laut Polizeiangaben 2000 Demonstranten, laut BUND waren es 4000. An einer 75 Kilometer langen Lichterkette in der niedersächsischen Region um Asse sind etwa 24.000 Menschen beteiligt. Am AKW Gundremmingen sind zwischen 3000 und 5500 AKW-Gegner Vorort. Am AKW Neckarwestheim sind es zwischen 1000 und 5000 Teilnehmer. In Hannover gibt es eine Demo mit 7000 Teilnehmern.

Mitte März 2012. Im AKW Gundremmingen gibt es einen meldepflichtigem Zwischenfall. Ein Hodruckpumpenmotor im atomaren Nachkühlsystem ist heißgelaufen. Der Zwischenfall wird vom Reaktorbetreiber dem Bayerischen Umweltministerium weiter gemeldet.

27. März 2012. Undichte Spaltelemente führen beim AKW Gundremmingen mit den alten Siedewasserrektoren immer wieder zu höheren radioaktiven Freisetzungen. Insgesamt wird dort die meiste Radioaktivität aller deutschen AKWs freigesetzt. Noch problematischer ist das weil dort Experimente mit Spaltelementen (u.a. plutoniumhaltige MOX-Brennelemente und russische WAU-Brennelemete) durchgeführt werden. Außerdem wird als Vorbereitung auf eine bisher nicht genehmigte Leistungserhöhung seit Jahren die Anreicherung der Elemente mit Uran-235 und Plutonium-239 erhöht.

4. April 2012. Am 29. März kann im Rahmen einer wiederkehrenden Prüfung in Block B wegen einer nicht korrekt funktionierenden Baugruppe ein Notstromdiesel nicht erfolgreich gestartet werden.

23. April 2012. Mit neuer Technik kann offenbar die doppelte Stommenge durch die vorhandenen Stromnetze geleitet werden. Laut dem Netzbetreiber Amprion wurde die technische Machbarkeit bereits auf einer 2,4 Kilometer langen Versuchsstrecke bei Datteln erfolgreich geprüft. Eine erste Leitung soll bis 2019 über 430 Kilometer bereits bestehender Stromtrassen aus dem Rheinland in den Stuttgarter Raum führen. Bis dahin werden im Südwesten Deutschlands zwei AKWs (Gundremmingen 2 [1,3 GW) und Philippsburg [1,5 GW]) abgeschaltet werden. Das soll dann durch den Windstrom aus dem neuen "Ultranet" [2,5 GW] ersetzt werden. Der Stückpreis der dafür notwendigen Hochspannungsgleichstromkonverter die von Siemens, ABB und Areva hergestellt werden beträgt etwa 300 Mio. Euro. Für den Umbau auf das "Ultranet" wird eine Investition von rund 1 Mrd. Euro benötigt.

Mai 2012. In der Greenpeace-Studie "Critical Review of the EU Stress Test - performed on Nuclear Power Plants" werden Mängel der Reaktoren, die im Stresstest beschrieben werden, und zusätzliche im Stresstest nicht berücksichtigte Mängel detailliert aufgezählt. So sind die Reaktoren beispielsweise weder gegen Erdbeben noch gegen Überflutungen ausreichend geschützt.

Juni 2012. Das bayerische Umweltministerium genehmigt eine im Jahr 2001 beantragte Leistungserhöhung der Blöcke B und C. Ein überarbeiteter Genehmigungsentwurf wird mit der Bitte um „zügige Durchführung der bundesaufsichtlichen Prüfungen“ an das Bundesumweltministerium übermittelt. Dies führt zu einem Protest von Umweltschützern, Atomkraftgegnern und Bürgern.

5. Juli 2012. Greenpeace kommt in einer Untersuchung zu den europaweiten "Stresstests für Kernkraftwerke" zum Schluss dass das AKW Gundremmingen alarmierende Defizite aufweist. Es ist weder gegen den Absturz eines großen Flugzeugs noch gegen einen gezielten Terroranschlag ausreichend abgesichert. Teilweise hat man "vorsichshalber" Szenarien im Stresstest gleich ganz weggelassen. Der Sicherheitsbehälter ist so schwach ausgelegt dass er dem auftretenden Druck bei einem größeren Dampfleck im Behälter nicht standhalten kann. Man verlässt sich statt dessen auf ein sogenanntes Druckabbausystem aus Kondensationskammern.

6. September 2012. Im AKW Gundremmingen werden derzeit 48 Werkstudenten, Praktikanten und Ferienarbeiter beschäftigt. So viele unerfahrene Mitarbeiter gab es dort nie zuvor. Das ist kein gutes Zeichen.

10. Oktober 2012. EU-Energiekommissar Günther Oettinger gibt die Ergebnisse des von der EU durchgeführten, sogenannten „Stresstest für Kernkraftwerke“ bekannt. Im Rahmen dieser Untersuchung wurde neben 23 anderen Standorten auch das KKW Gundremmingen von ausländischen Atomexperten inspiziert (“Peer Review”).

November 2012. Es wird behauptet, dass RWE künftig in Gundremmingen B und C keine neuen plutoniumhaltigen MOX-Brennelemente einsetzen möchte. Diese Meldung des Landtagsmitglieds Hartmann ist entweder ein Irrtum, oder RWE lügt. Denn schon im Mai 2014 wird wieder ein neues MOX-Brennelement eingesetzt, weitere sollen folgen.

10. Dezember 2012. Vom AKW Gundremmingen wird eine Tropfleckage an einem Messstutzen unterhalb des Reaktordruckbehälters von Block C am Hauptkreislauf gemeldet.

Mitte Juni 2013. Vertreter des sogenannten „Schwabenenergierats“ (Verbund der politischen Organisationen: Aktionsbündnis „Atomausstieg jetzt!“, AntiAtom-Oberallgäu, Bürgerinitiative FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik, Bund Naturschutz in Bayern, Bündnis 90/Die Grünen Schwaben, Günzburger Bürgerliste, Die Linke Schwaben, Mahnwache Gundremmingen, ÖDP Schwaben, Piratenpartei Günzburg, SPD-Vertreterinnen) überreichen im bayerischen Landtag 6700 Unterschriften im Rahmen einer Petition gegen die beantragte Leistungserhöhung. Die Unterzeichner befürchten, dass sich durch die Leistungserhöhung das Risiko eines schwerwiegenden Störfalles erhöht. Der mögliche zusätzliche Gewinn für die Betreiber durch die Leistungserhöhung wurde auf 90 Millionen Euro geschätzt. Laut Betreiber sind keine Änderung an der Anlagentechnik vorgesehen, die Leistungserhöhung habe „gutachterlich bestätigt keine sicherheitstechnisch relevanten Auswirkungen.“ Die Petition wird voraussichtlich am 11. Juli  im Umweltausschuss abgehandelt.

Der Verein FORUM – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. beauftragt den ehemaligen Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, mit einer Studie zur Frage der beantragten Leistungserhöhung.

22. Juni 2013. Obwohl Deutschland massiv Strom exportiert "befürwortet" das bayerische Umweltministerium eine Leistungssteigerung im AKW Gundremmingen. Be gut 20 Megawatt je Reaktorblock ohne Änderungen an der Anlagentechnik vorzunehmen. Beantragt wurde das bereits im Jahr 2001. Nun steht nur noch eine Stellungnahme der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit aus. Es ist jedoch unwahrscheinlich dass diese den Gewinn von 90 Mio. Euro auf Kosten der Sicherheit noch ausbremst.

7. August 2013. Nach Revisionsarbeiten (seit 29. Juni) geht Block C wieder ans Netz.

14. August 2013. Es kommt wegen einer Tropfleckage im Bereich einer Messlanze im Reaktordruckbehälter zum Austritt von Kühlwasser aus dem Dampf-Wasser-Kreislauf zwischen Reaktor und einer Turbine zur Stromerzeugung. Das Wasser kommt direkt mit den Brennstäben in Kontakt und ist deshalb radioaktiv. Block B wird vorübergehend vom Netz genommen. Das Leck ist bei einer Routinekontrolle in der Abwasseraufbereitung entdeckt worden. Nach Austausch der Messlanze geht Block B am 29. August wieder ans Netz. 

19. September 2013. In Block B wird ein Brennelementedefekt festgestellt, woraufhin der Reaktorblock für 10 Tage heruntergefahren wird. Bei der Prüfung sollen zwei Brennelemente als defekt erkannt und ausgetauscht worden sein. Mitte November 2013 wird trotz erneuten Hinweisen auf einen Brennelemente-Defekt in Block B die Anlage nicht heruntergefahren. Das Kraftwerk könne laut Angaben des Betreibers auch mit defekten Brennelementen betrieben werden, es handle sich nicht um ein meldepflichtiges Ereignis.

Mitte November 2013. In einer Studie kommen Wolfgang Renneberg und sein Koautor Dieter Majer zu dem Schluss, dass die Anlage „in sicherheitstechnisch entscheidenden Bereichen nicht den Anforderungen des Standes von Wissenschaft und Technik“ entspreche. Demnach sei „eine Genehmigung der Leistungserhöhung weder technisch zu rechtfertigen noch nach dem Atomgesetz rechtlich zulässig“. In Folge fordert unter anderem auch die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg das bayerische Umweltministerium und das Bundesumweltministerium auf, eine Leistungserhöhung der Siedewasserreaktoren abzulehnen.

Der Betreiber verweist jedoch auf ein Gutachten des TÜV SÜD, das als Reaktion auf das GRS-Gutachten erstellt wurde und postulierte, dass die Anlage alle Sicherheitsanforderungen erfülle. Das Münchener Umweltministerium stellte sich auf die Seite der Betreiber und bestätigte dies. Der TÜV SÜD musste allerdings einräumen, dass eines der drei Nachkühlsysteme "für eine niedrigere Erdbebenklasse" ausgelegt sei.

Anfang Dezember 2013. Die Initiative FORUM – Gemeinsam gegen das Zwischenlager sammelte nochmal 32.000 Unterschriften zur Unterstützung der Petition und übergibt sie  an Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Bayerns Umweltminister Marcel Huber rät den Betreibern des KKW Gundremmingen, ihren Antrag zu überdenken. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer äußert, er halte eine Genehmigung der Leistungserhöhung für „sehr problematisch“.

10. Dezember 2013. Marcel Huber (Umweltminister von Bayern / CSU) erklärt "der nAtrag der Betreiber setze "ein politisch falsches Signal - gerade in Zeiten der Energiewende ... Deshalb steht für mich hinter der Leistungserhöhung ein großes Fragezeichen." Er appelliert an die Betreiber, auf die geänderte Situation zu reagieren. Der Antrag der Energiekonzerne RWE und Eon stamme noch aus der Zeit vor der Entscheidung über den Ausstieg aus der Atomenergie. Dennoch müsse der Antrag selbstverständlich nach Recht und Gesetz geprüft werden.

17. Dezember 2013. Die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH teilt mit, ihren Antrag auf Leistungserhöhung zurückgezogen zu haben. Grund dafür sei „die Haltung der bayerischen Staatsregierung, die in der Leistungserhöhung für Atomkraftwerke ein falsches politisches Signal in Zeiten der Energiewende sieht“. Sicherheitsaspekte hätten keine Rolle gespielt. Politiker verschiedener Parteien begrüßten diesen Schritt.

6. Januar 2014. Block B muss morgen vorübergehend abgeschaltet werden weil bei einer Routinekontrolle an einer Messlanze des Reaktordruckbehälters (im Sicherheitsbehälter) ein Leck festgestellt wurde. Es besteht (wie immer) keine Gefährdung für das Personal oder die Umgebung.

April 2014. Die atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW warnt davor, dass es in Gundremmingen bei einem Ausbau des Turbinenkondensators im Maschinenhaus zu einem Super-GAU kommen könne. "Sollten Ventile in den Frischdampfleitungen zuschlagen, führe dies in Sekundenschnelle zu einem explosionsartigen Druckanstieg. Der Reaktordruckbehälter könne diesem Druck nicht standhalten". Der Betreiber weist die Äußerung der IPPNW zurück.

3. November 2014. Trotz Widerstand von Horst Seehofer (CSU / Ministerpräsident von Bayern) halten die Übertragungsnetzbetreiber laut neuem Netzentwicklungsplan am Bau dreier großer Stromtrassen nach Süddeutschland fest. Die Ost-Süd-Trasse soll nun nicht mehr in Meitingen bei Augsburg enden, sondern weiter westlich beim bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen. Zudem soll sie nicht mehr in Bad Lauchstädt nahe eines Braunkohlereviers in Sachsen-Anhalt starten, sondern 110 Kilometer weiter nördlich in Wolmirstedt bei Magdeburg, um näher an die Windparks in Mecklenburg-Vorpommern heranzureichen. Sie wird damit am Ende über 560 Kilometer lang sein.

Dezember 2014. RWE stellt im Bayerischen Umweltministerium einen Antrag zum Abbau von Anlagenteilen für Block B nach der Stillegung im Jahr 2017.

1. Dezember 2014. Im Abklingbecken des AKW Gundremmingen lagern seit 1986 verbrauchte Brennelemente. Das sind 28 Jahre. Das berichtet das Umweltministerium in der Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen. Die Abgeordneten Christine Kamm und Rosi Steinberger wollten wissen, seit wann die am längsten im Abklingbecken befindlichen Spaltelemente dort lagern.
Abgrebrannte Brennelemente sollten jedoch nicht länger als 5 Jahre im Abklingbecken herumliegen sondern spätestens dann in ein Zwischenlager gebracht werden.  Insgesamt sind dort 4410 alte Brennstäbe gelagert, Platz soll es laut dem Schreiben des Umweltministeriums lediglich noch für 435 "frei verfügbare Positionen" geben. Die Frage nach der Lagerung der hochgiftigen Abfälle aus Atomkraftwerken ist weltweit nach wie vor nicht geklärt.

2015. Die Atomkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG) produziert in diesem Jahr 21,2 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das ist fast ein Viertel der gesamten Stromerzeugung in Bayern. Parallel zum Betrieb laufen bereits die Vorbereitungen auf die Abschaltung: Die Zahl der Angestellten sinkt um etwa 25 auf 674, auch die externen Mitarbeiter werden heruntergefahren - von 300 auf 250. Der Stellenabbau läuft sozialverträglich. Die Jobs von altersbedingt ausscheidenden Kollegen werden nicht mehr besetzt.

In diesem Jahr hat das AKW laut RWE und E.on etwa 1000 Firmen Aufträge im Wert von 146 Millionen Euro erteilt. Laut Gabriele Strehlau (kaufmännische Geschäftsführerin der KGG) ist das AKW bei einem Großhandelspreis von nur noch 20 Euro je Megawattstunde Strom "kaum noch wirtschaftlich zu betreiben."

29. Januar 2015. Die Bürgerinitiative "Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik" beantragt einen Widerruf der Betriebsgenehmigung des Zwischenlagers in Grundremmingen. Die Initiative bemängelt die Sicherheit des Lagers, das mit 192 Castor-Stellplätzen eines der größten dezentralen Lager in Deutschland ist.

Auslöser dieses zweiten Anlaufs ist eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig zum Atomkraftwerk Brunsbüttel: Mitte Januar haben die Richter eine Beschwerde des Bundesumweltministeriums gegen ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig zurückgewiesen. Damit steht das Brunsbütteler Zwischenlager endgültig ohne Betriebserlaubnis da.

21. Februar 2015. Sigmar Gabriel (SPD/Bundeswirtschaftsminister)  unterbreitet Horst Seehofer (CSU/Ministerpräsident von Bayern) einen neuen Verlaufsplan für die umstrittene sogenannte Süd-Ost-Stromtrasse von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt ins bayerische Gundremmingen. Die Höchstspannungsstromleitung soll demnach weitgehend entlang bestehender Wechselstromleitungen verlegt werden und die Masten würden sich nicht wesentlich von den gewöhnlichen Stahltürmen unterscheiden. Wo keine bestehende Leitung existiert, wolle man, wenn möglich, Erdkabel verlegen.

25. März 2015. Block B des Kraftwerks ist abgeschaltet in Revision. Es gilt unter vielem anderem auch eine Steuerluft-Armatur dieses Blocks zu warten. Durch Versehen wird allerdings im betreffenden Anlagengebäude das Armaturengehäuse des in Betrieb stehenden Blocks C und nicht wie vorgesehen Blocks B geöffnet. Das führt zu einem Druckabfall im Steuerluft-System dieses Blocks. Um diesen zu beenden, schließen die Techniker eine vorgelagerte Handarmatur der Leitung. Dadurch wird allerdings die gesamte Steuerluft-Versorgung unterbrochen. Dies führt zu einer Schnellabschaltung des Reaktors bei gleichzeitigem automatischem Schließen der Frischdampf- und Speisewasser-Armaturen. Block C kann, laut Angabe im Newsportal des Betreibers KKW Gundremmingen GmbH, noch am selben Tag wieder hochgefahren werden. Gefährdungs-Einstufung: INES 0/Normalmeldung.

Dies zeige, so der ehemalige Atomaufseher Dieter Majer, zu welchen Problemen der Betrieb von zwei Reaktoren an einem Standort führen könne. Das Bayerische Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz behauptet laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag im Mai 2015, die Sicherheitseinrichtungen beider Anlagen seien "eindeutig blockzugeordnet und funktional und räumlich vollständig voneinander getrennt".

2016. Die KGG stellt noch neun Auszubildende ein. Die planmäßige Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen B war - bis zur Laufzeitverlängerung im Herbst 2010 – für das Jahr 2016 angekündigt.

9. März 2016. Bei der nächsten Revision im April werden etwa 1000 zusätzliche externe Mitarbeiter im Einsatz sein. Was mit dem Atommüll-Zwischenlager auf dem AKW-Areal in dem 44 Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen untergebracht sind geschehen wird weiß noch niemand. Tobias Bühler (CSU / Bürgermeister von Gundremmingen) hofft "nicht, dass das mal ein Endlager wird."

7. April 2016. Gundremmingen-B geht zur letzten großen Revision vor der Abschaltung Ende 2017 vom Netz. Der Betreiber investiert noch einmal "20 Millionen Euro in die Prüfung, Wartung und Modernisierung der Kraftwerkstechnik." Es sollen neue Brennelemente, darunter auch 12 mit Mischoxiden (MOX) eingesetzt werden.

23./24. April 2016. Am Wochenende demonstrieren rund 750 Menschen vor der Anlage für eine baldige Stilllegung der beiden verbliebenen Blöcke.

25. April 2016. In Block B wurde im 2008 nachgerüsteten Computersystem der Brennelement-Lademaschine Schadsoftware gefunden. Sie hatte u.a. das Ziel, eine ungewollte Verbindung zum Internet herzustellen. Möglicherweise wurde die Schadsoftware durch einen Datenträger eingeschleust.

Die Brennelement-Lademaschine hebt beispielsweise alte Brennelemente aus dem Reaktorkern und transportiert sie zum Lagerbecken. Einen Einfluss auf die Steuerung der Maschine soll das IT-System laut Betreiber jedoch nicht haben. Die Schadsoftware soll auch keine Veränderungen an technischen Steuerungen bewirkt haben. Die im Kraftwerk eingesetzten Rechner, die für die Steuerung von technischen Geräten genutzt werden, sind offenbar nicht mit dem Internet verbunden - müssen sie auch nicht wenn die Schadsoftware mittels Datenträger eingespielt wird.

Die weiteren sicherheitstechnisch wichtigen Systeme sollen zwischenzeitlich ohne Befund überprüft worden sein. Die zuständige Aufsichtsbehörde und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) werden informiert.

26. April 2016. Laut Betreiber soll es sich bei der entdeckten Schadsoftware um die Würmer Conficker und Ramnit gehandelt haben. Conficker verbreitete sich weltweit und wütete Ende 2008 und Anfang 2009. Ramnit war 2011 aktuell, sein Botnet wurde jedoch erst im Jahr 2015 unschädlich gemacht. Beide Würmer dürften den gängigen  Antiviren-Programmen bekannt sein und auf aktuellen Systemen keine Probleme machen. Weil es sich um Würmer handelt, die es auf Endbenutzer abgesehen haben ist unwahrscheinlich, dass es sich um einen gezielten Angriff auf das AKW handelt.

1. Juni 2016. Laut Klaus Vitt (Staatssekretär im Bundesinnenministerium) war das Computersystem auf dem die Schadsoftware entdeckt wurde nicht mit dem Internet verbunden. Derzeit ist man der Meinung dass "es wohl ein USB-Stick war." Der Computerwurm wurde auf weiteren 18 Datenträgern, zumeist USB-Sticks gefunden.

2017. Die planmäßige Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen C war - bis zur Laufzeitverlängerung im Herbst 2010 – für das Jahr 2017 angekündigt.

Anfang Januar 2017. Block C muss für einige Tage nach dem Hochfahren wieder vom Netz genommen werden weil ein Ventilgehäuse im Sicherheitsbehälter undicht ist.

27. Februar 2017. Block B wird wegen einem Zwischenfalls an einem Ventil abgeschaltet. Nach Angaben der Betreiber sind zum Abschluss der Revision Prüfungen unter anderem an Sicherheits- und Entlastungsventilen durchgeführt worden. Im atomaren Bereich konnte eines der Ventile zur Prüfung korrekt geöffnet, aber nicht wieder verschlossen werden. Der ausgetretene radioaktive Dampf soll in dem geschlossenen Sicherheitsbehälter verblieben sein.

Der Vorfall wird der Aufsichtsbehörde gemeldet, er ist ein meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N (normal). Auf der internationalen Skale INES entspricht das der Stufe 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung).

7. März 2017. Ein von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten sieht die Erdbebensicherheit als nicht gegeben an. Das Gutachten wird gestützt durch Lothar Hahn, den früheren technisch-wissenschaftlichen Leiter der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit. Die Grünen fordern deshalb die sofortige Stilllegung von Block B und C.

10. März 2017. Insgesamt 17 Reaktoren an zwölf Standorten sind von einem Terror-Voralarm betroffen - darunter auch das Atomkraftwerk Grundremmingen. Sie werden alle vorsorglich evakuiert.

Mai 2017. Es wird bekannt, dass die zulässige Leistung der Atomreaktoren in den zurückliegenden Jahren vorsätzlich mehrfach überschritten wurde.

20. Juli 2017. Die Betreiber geben im Betriebsbericht bekannt, dass Block B in den darauf folgenden Tagen zum letzten Mal mit voller Leistung betrieben würde und sich die erzeugte elektrische Leistung im Anschluss bis zur endgültigen Abschaltung des Blocks, die spätestens am 31. Dezember 2017 erfolgen muss, stetig verringere.

9. August 2017. Mit einer Diaprojektion auf den Kühlturm demonstrieren das Umweltinstitut München und die Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt gegen ein Wiederanfahren des derzeit für die Revision abgeschalteten Blocks C demonstriert. „Block C: Endgültig vom Netz“ steht dort.

31. Dezember 2017. Block B wird gegen Mittag vom Netz genommen. Kurz darauf wird der Reaktor heruntergefahren. Der Rückbau der radioaktiv kontaminierten Anlagen beginnt gleich nach der Stilllegung, er wird voraussichtlich Jahrzehnte dauern und zumindest mittelfristig etliche Arbeitsplätze sichern. 

Wo das radioaktive Material langfristig gelagert werden soll, das steht nach wie vor in den Sternen. Bis mindestens 2040 soll der Atommüll im Zwischenlager Gundremmingen verbleiben.

Bereits in wenigen Monaten soll mit der Demontage von Block B begonnen werden. Die Kraftwerksverantwortlichen begründen den schnellen Abbau noch während der Betriebszeit von Block C damit, dass dann die bislang für den Betrieb benötigten Mitarbeiter ohne Unterbrechung weiterbeschäftigt werden könnten. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums steht aber noch nicht fest, wann die Abbaugenehmigung erteilt wird. Der Betreiber rechnet im Laufe des Jahres 2018 damit.

Der Rückbau von Block B und C soll bis 2040 abgeschlossen werden. Die Betreiber haben dafür Rückstellungen von zusammen rund 1,5 Milliarden Euro gebildet.

2021. Laut dem schwarzgelden Atomausstieg soll Block C abgeschaltet werden.

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Atomkraftwerke in Deutschland

In Betrieb
Gundremmingen CPhilippsburg 2, BrokdorfGrohndeEmslandIsar 2, Neckarwestheim 2

Außer Betrieb / Stillgelegt
BiblisBrunsbüttelGrafenrheinfeld KrümmelNeckarwestheim 1, Philippsburg 1, Stade,
Unterweser

Im Rückbau
GreifswaldGundremmingen BMühlheim-KärlichJülichKNK KarlsruheMFZR Karlsruhe,
ObrigheimRheinsberg

Rückgebaut
KahlGundremmingen AGroßwelzheimNiederaichbachWürgassen

"Sischä Eingeschlossen"
Hamm-UentropLingen

Nie gebaut/in Betrieb genommen
BASFBorkenCuxhavenEmdenHammKalkarKirschgartshausenLauffen am NeckarNeupotzPfaffenhofenStendalVahnumWyhl

Bilder aus Wikimedia Commons:
Quellen
04.05.2017, SWP, GUNDREMMINGEN, Mitarbeiter im Kernkraftwerk haben den Abbau vor Augen
04.05.2017, Atommüllreport, AKW Gundremmingen C
28.03.2017, SWR Aktuell, AKW Gundremmingen, Einwände gegen den Abbau
16.03.2017, Schwäbische Post, Terror-Voralarm: Atomkraftwerk Gundremmingen evakuiert
09.03.2017, FAZ, Atomare Altlasten, Der Bund beugt sich den Atomkonzernen
07.03.2017, Tagesspiegel, Atomenergie, Atomkraftwerk Gundremmingen nicht sicher
06.03.2017, Telepolis, Muss das AKW Gundremmingen sofort stillgelegt werden?
04.03.2017, Augsburger Allgemeine, GUNDREMMINGEN, Gutachter zu AKW: Störfall kann nicht beherrscht werden
02.03.2017, BR, Kernkraftwerk Gundremmingen, Block B nach Ventilproblemen wieder am Netz
01.03.2017, SWP, GUNDREMMINGEN, AKW Gundremmingen: Sicherheitsventil schließt nicht
27.02.2017, RP Online, Zwischenfall an Ventil, Betreiber schalten Block B des Akw Gundremmingen ab
27.02.2017, Augusburger Allgemeine, AKW GUNDREMMINGEN, Zwischenfall an Ventil - Block B von AKW abgeschaltet
27.02.2017, BR, Kernkraftwerk Gundremmingen, Block B nach Ventilproblemen abgeschaltet
27.02.2017, Sueddeutsche, Atomkraft, Block B von Akw Gundremmingen abgeschaltet
25.02.2017, IPPNW, Störfälle und Brennelementschäden im Atomkraftwerk Gundremmingen
13.01.2017, Deutschlandfunk, Kernkraftwerk Gundremmingen, "Nach und nach kam die Wahrheit ans Licht"
12.12.2016, SWP, KREIS GÜNZBURG, AKW Gundremmingen: Reststrommenge wird überschritten
10.12.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Atomkraftwerk tauscht Brennelemente am 11. Dezember
09.12.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Brennelemente-Wechsel aus steuerlichen Gründen
24.11.2016, SWP, MÜNCHEN, Computervirus in Atomkraftwerk: SPD verlangt Aufklärung
19.10.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, AKW-Sicherheit: Nattheimer Bürgermeister appelliert an Horst Seehofer
18.10.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Für RWE wäre große Lösung vorstellbar
30.09.2016, SWP, KREIS HEIDENHEIM, Störfälle im AKW Gundremmingen hatten Folgen
14.08.2016, Heise, Vor 50 Jahren, Erstes deutsches Groß-AKW wird "kritisch"
13.08.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Vor 50 Jahren erste Kernspaltung in Gundremmingen
08.08.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Gundremmingen: Atomkraftwerk mit beiden Reaktoren am Netz
21.07.2016, SWP, GÜNZBURG, Zweifel an Sicherheit des Atommüll-Zwischenlagers
02.07.2016, GUNDREMMINGEN, Gundremmingen: Revision am Block C beginnt früher
23.06.2016, SWP. GUNDREMMINGEN, AKW Gundremmingen: Wo der radioaktive Abfall lagert
01.06.2016, Spiegel, Gundremmingen, Virus im Atomkraftwerk kam über USB-Stick
26.04.2016, Heise, AKW Gundremmingen, Infektion mit Uralt-Schadsoftware
26.04.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Computer-„Würmer“ im Kernkraftwerk
25.04.2016, Focus, Sicherheitsproblem in Bayern, Computervirus in Atomkraftwerk Gundremmingen entdeckt
25.04.2016, Sueddeutsche, Atom, Computervirus in AKW Gundremmingen entdeckt
25.04.2016, BR, Sicherheitsproblem in Gundremmingen, Schadsoftware im Atomkraftwerk
25.04.2016, FAZ, Gundremmingen, Computervirus in deutschem Atomkraftwerk entdeckt
25.04.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Aufforderung zum Abschalten
19.04.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Präzise Kontrollen im Gundremminger Atomkraftwerk
19.04.2016, SWP, GÜNZBURG. Atomgegner für schnelles Abschalten
14.04.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, Panne mit Pumpe in Kernkraftwerk Gundremmingen
14.04.2016, Sueddeutsche, Energiepolitik, Das Atomkraftwerk in Gundremmingen ist bald überflüssig
07.04.2016, SWP, GUNDREMMINGEN, CSU lehnt vorzeitige Abschaltung von Gundremmingen ab
09.03.2016, Sueddeutsche, Schwaben, Betreiber bereiten sich auf Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen vor
12.02.2016, SWP. GUNDREMMINGEN, Grünen-Abgeordnete Kotting-Uhl: Gefahr durch Gundremmingen
14.11.2015, SWP, GUNDREMMINGEN, AKW: Die Kühltürme werden noch lange stehen
18.06.2015, FAZ, Streit über Stromtrassen, Abfuhr für Seehofer in Baden-Württemberg
11.06.2015, SWP, GUNDREMMINGEN, Kritik an Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Gundremmingen
17.05.2015, FAZ, Trassen durch Bayern, Der Wink mit dem Strommast
21.02.2015, FAZ, Energiewende, Der Stromtrassenstreit könnte bald gelöst sein
20.02.2015, FAZ, Orchester der Atomindustrie, Die Unvollendete
29.01.2015, Sueddeutsche, Atomkraftwerk Gundremmingen, Rütteln am Zwischenlager
06.01.2014, Sueddeutsche, Leck im AKW Grundremmingen, Block B muss vom Netz
10.12.2013, Sueddeutsche, Ausbau-Pläne für Gundremmingen, Staatsregierung geht auf Distanz
15.08.2013, taz, Leck im AKW Gundremmingen, Einige radioaktive Tropfen
23.06.2013, FAZ, Atommüll, Zwischen Lager und Politikum
21.06.2013, Sueddeutsche, Leistungserhöhung im AKW Gundremmingen, Bayerns neue Liebe zur Atomenergie
11.01.2013, Telepolis, AKW Gundremmingen überflüssig
10.12.2012, Abendzeitung München, Atommeiler Gundremmingen, Leck am Druckbehälter: Atommeiler teils abgeschaltet
07.09.2012, Sueddeutsche, Jobben im Atomkraftwerk, "Die Kollegen sind super drauf"
03.07.2012, contrAtom, AKW Gundremmingen ist unsicher!
13.06.2012, FAZ, Verfassungsbeschwerde gegen Atomausstieg, Bundesregierung trotzt Konzernforderungen
22.05.2012, FAZ, Scheitert die Energiewende? Glühende Landschaften
13.05.2012, Welt, INNOVATION, Neue Technik transportiert Strom verlustfrei
11.05.2012, Handelsblatt, WARNUNG VOR STILLLEGUNG, Alte Kraftwerke sollen Energiezufuhr sichern
10.05.2012, Welt, ENERGIEVERSORGUNG, Uralt-Kraftwerke sollen einen Blackout verhindern
10.05.2012, Focus, Forschung und Technik, Medizin, Ein brennendes Problem
27.04.2012, Focus, Streit um Klimawandel und Erneuerbare Energien, Energiewende – oder Rolle rückwärts?
23.04.2012, FAZ, Energiewende, Ein Stromsprinter soll neue Netze überflüssig machen
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06.04.2012, Handelsblatt, ENGPÄSSE, Netzbetreiber unter Strom
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27.03.2012, contrAtom, AKW-Leitung erwähnt beiläufig, Schon wieder undichtes Spaltelement im AKW Gundremmingen
21.03.2012, Schwäbische Post, Meldepflichtiger Zwischenfall im AKW
11.03.2012, FAZ, Ein Jahr nach der Katastrophe, Tausende Atomkraftgegner demonstrieren
12.01.2012, Telepolis, Atommüll nach Fukushima
11.01.2012, Focus, Absicherung von Kernkraftwerken, Geheimplan: Stahlbeton-Schutz für deutsche AKWs
06.01.2012, Telepolis, Wenn die Argumente ausgehen
05.01.2012, Focus, Verstopfte Stromautobahnen, Weshalb Deutschland Strom aus Österreich braucht
05.01.2012, Spiegel, Überlastete Netze, Warum Deutschland Strom aus Österreich braucht
05.01.2012, Spiegel, Stromversorgung, Deutschland muss österreichische Kraftwerke anzapfen
05.01.2012, Welt, NETZSTABILITÄT, Österreich rettet deutsche Stromversorgung
05.01.2012, FAZ, Energieversorgung, Deutschland braucht Hilfe aus Österreich
27.09.2011, Augsburger Allgemeine, DILLINGEN, Studie: AKW nicht der Grund für die hohe Sterblichkeit
14.11.2011, Sueddeutsche, Suche nach Atommüll-Depot, Huber hält Endlager in Bayern für denkbar
13.11.2011, Augsburger Allgemeine, BERICHTE ÜBER ERHÖHTE RADIOAKTIVITÄT, Streit um Messwerte im AKW Gundremmingen
11.11.2011, IPPNW, Radioaktive Emissionsspitze zu Revisions-Beginn des Atomkraftwerks Gundremmingen
11.11.2011, Augsburger Allgemeine, GUNDREMMINGEN, Kernkraftwerk: Rätselraten um Brennelemente-Defekt
09.10.2011, Augsburger Allgemeine, EVAKUIERUNGSPLÄNE, AKW Gundremmingen: Im Ernstfall gegen den Wind
02.09.2011, Sueddeutsche, Dillingen, Früherer Atom-Manager unter Mordverdacht
20.08.2011, FAZ, Folgen des Atomausstiegs, Aus David wird Goliath
08.07.2011, FAZ, Sofortiges Aus für acht Atomkraftwerke, Bundesrat billigt Atomausstieg
29.06.2011, FAZ, Novelle des Atomgesetzes, Für jeden Reaktor ein festes Enddatum
28.06.2011, Sueddeutsche, Seehofer: Regierungserklärung, "Ein Land der Bürgerenergie"
22.06.2011, FAZ, Atomstreit, RWE und Eon klagen gegen Brennelementesteuer
11.06.2011, FAZ, Atomausstieg, Energieversorger rüsten sich gegen Brennstoffsteuer
07.06.2011, FAZ, Atomausstieg, Energiekonzerne wehren sich gegen Abschaltplan
07.06.2011, FAZ, Energiewende, Europäer verstimmt über „deutschen Alleingang“ bei Atomkraft
06.06.2011, FAZ, Energiewende bis 2022, Kabinett beschließt Atomausstieg
06.06.2011, FAZ, Erneuerbare Energien, Windparks auf See statt Atomkraft an Land
05.06.2011, FAZ, SPD stellt Bedingungen, „Atomausstieg darf Wirtschaft nicht gefährden“
03.06.2011, FAZ, Atomkraft, Was sich für die Energiewende ändern soll
10.04.2011, Welt, REAKTORSICHERHEIT, In der Atomdebatte geht die Phantomangst um
21.03.2011, T-Online, Im Mai stehen voraussichtlich 13 von 17 AKW still
18.09.2009, Focus, Atommülllager, Empörung über menschliche Asche in Asse
18.09.2009, n-tv, Es wird immer gruseliger, Menschenasche in der Asse
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