Samstag, 14. Mai 2011

Atomkraftwerk Grafenrheinfeld



Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt ist ein Druckwasserreaktor der sogenannten dritten Generation. Der Bau wurde 1974 begonnen. In Betrieb genommen wurde es am 9. Dezember 1981. Die Bruttoleistung beträgt 1345 Megawatt. Der Betreiber ist E.ON. Am 1. März 2006 ging ein neu erbautes Zwischenlager für abgebrannte Kernbrennelemente in Betrieb. Mit der von der Schwarzgeldregierung ausgekungelten Laufzeitverlängerung soll das AKW bis 2028 am Netz bleiben.

Riss im Bereich eines Thermoschutzrohrs

14. Mai 2011. Nach dem Austausch des Thermoschutzrohrs wurde von Prüfern ein Haarriss "mit einer Breite von 4 Haaren" gefunden. Er soll mit größter Wahrscheinlichkeit bereits bei Inbetriebnahme des AKWs vorhanden gewesen sein ohne dass der Betreiber dies entdeckt hat (Sueddeutsche).

18. Februar 2011. Der Bürgermeister von Schweinfurt hat in der letzten Woche die Stadthalle mit 580 Plätzen anmieten lassen weil die Bürger der Stadt verunsichert sind und sich über die Berichte zu dem Befund am Primärkühlkreislaufsystem informieren wollten. Vertreter von E.ON und dem Landesumweltministerium sollten über den möglichen Riss aufklären (taz).

16. Januar 2011. E.on nimmt mit einer Pressemelung offiziell Stellung zu dem Schaden (E.on).

15. Januar 2011. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" thematisiert in einem Artikel die Vorgänge im AKW Rheinfeld (Spiegel).

22. Dezember 2010. Kurz vor Weihnachen wird das Problem mit dem Riss im Bereich eines Thermoschutzrohrs öffentlich. Laut E.ON soll laut Berechnungen, Simulationen und Begutachtungen keine Gefahr von dem Rohr ausgehen. Das betroffene Teil soll "freiwillig" im März 2011 ausgetauscht werden. Laut TÜV Süd und Atomaufsicht soll der Vorfall unter den Meldekritierien gelegen haben. Die Fachabteilung im Bundesumweltministerium hat sich der Vorgabe des TÜV jedoch erst nach einem harten Streit gebeugt. TÜV Süd ist jedoch in dem Fall nicht sehr glaubwürdig. Um das mal etwas dezent auszudrücken bestätigt damit E.ON sich selbst:
TÜV Süd ist eine Aktiengesellschaft. 74,9 % der Aktien gehören dem TÜV e.V., der ca. 13.500 Mitglieder hat; die übrigen 25,1 % gehören der "TÜV SÜD Stiftung"[4]. Mitglieder des TÜV e.V. sind unter anderem die Energiekonzerne E.ON, Vattenfall und EnBW.[5] Das Unternehmen ist Mitglied im VdTÜV. Es wird geleitet von Dr.-Ing. Axel Stepken.
Zudem ist E.ON auch noch Großkunde des TÜV Süd. Wenn die Kernkraftwerkssparte aufhören würde zu existieren würden 3stellige Millionensummen am Umsatz wegbrechen.

16. Dezember 2010. E.ON stuft den Vorfall als meldepflichtiges Ereignis ein und meldet ihn offiziell dem bayerischen Umweltministerium. Laut dieser Meldung soll ein Verschleiß durch eine thermische Ermüdung nicht ausgeschlossen sein. Die offizielle Meldung lautet folgendermassen:
Eine wiederkehrende Prüfung hat zu einer Ultraschallanzeige an der Volumenausgleichsleitung im Bereich des Verrundungsbereichs des Thermoschutzrohres geführt. Die Überprüfungen und Berechnungen haben ergeben, dass die Integrität des Rohres voll gewahrt ist. Der Betreiber hat den Befund vorsorglich und vorläufig als meldepflichtiges Ereignis gemeldet. Meldekategorie N=Normal, Internationale Bewergungsskala INES=0. Maßnahmen des Betreibers:. Es wurden Überprüfungen durchgeführt. Zur Ursachenklärung werden weitere Messungen und Untersuchungen durchgeführt. Laut Umweltministerium hatte das Ereigniss keine unzulässigen Auswirkungen auf den sicheren Anlagenbetrieb (Umweltministerium Bayern).

15. September 2010. E.ON legt laut eigenen Aussagen das Prüfungsverfahren und die Einschätzung des Befundes in einer Sitzung der Reaktorkomission (RSK) dar.
Die Expertenkommission rät dem Bundesumweltministerium auch die anderen AKWs auf solche "Befundphänomene" zu überprüfen. Einen ähnlichen Befund hat es wohl schon einmal im  Jahr 2005 im AKW Gösgen in der Schweiz gegeben. Dort ist er während dem Betrieb entstanden und während des Betriebs gewachsen. Es wird befürchtet dass es in weiteren Anlagen derartige Risse gibt die nicht festgestellt wurden weil der Bereich der Verrundungen nicht wiederkehrend geprüft wird.
Juni 2010. Bei einer Ultraschall-Untersuchung im Rahmen einer Routinekontrolle fällt E.ON eine ungewöhnliche Anzeige auf, die auf einen Riss mit einer Größe von 2,7 Millimetern im Bereich eines Thermoschutzrohrs hindeutet. Er soll im Innenbereich des Reaktors liegen. Die Leitung verbindet offensichtlich den Hauptkühlkreislauf mit dem Druckbehälter. Laut Spiegel würde ein Bruch der Leitung zu einem "schweren Kühlmittelaustritt" und einem "Störfall der Stufe 3 auf der siebenstufigen Bewertungsskala Ines" führen. E.ON und die bayerische Atomaufsicht stufen den Vorfall zunächst als "nicht meldepflichtig" ein.
Von den Grünen wird vermutet dass der Vorfall  vom bayerischen Umweltministerium aus politischem Kalkül verschwiegen wurde. Der Deutsche Bundestag entschied zu dem Zeitpunkt über die Laufzeitverlängerung der deutschen AKWs und wurde von der bayerischen Regierung dabei stark unterstützt.
Der Schweinfurter Stadtrat - welcher von der CSU dominiert wird - verabschiedet eine Resolution gegen die Laufzeitverlängerung.

2001. E.ON werden Unregelmäßigkeiten im Kühlkreislauf bekannt. Diese erachtet man allerdings für so gering dass sie nicht weitergemeldet werden.

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