Freitag, 5. August 2011

Atomkomplex Sellafield




Sellafield (früher Windscale) ist ein Nuklearkomplex und liegt etwa 400 Kilometer entfernt nordwestlich von London an der Nordwestküste Englands. Es wurde wegen der häufigen atomaren Störfälle bekannt und hat daher auch einen neuen Namen bekommen. Die Betreiberfirma Sellafield Ltd. beschäftigt etwa 10.000 Mitarbeiter.
Neben dem Kernkraftwerk Calder Hall welches als erstes westliches AKW Strom in ein kommerzielles Netz einspeiste befinden sich dort  unter anderem auch Windscale Vitrification Plant, eine Anlage zur Verglasung hochradioaktiver Abfälle, die Wiederaufbereitungsanlage B205 zur Verarbeitung von Brennelementen aus sogenannten Magnox-Reaktoren, die Wiederaufbereitungsanlage THORP zur Wiederaufbereitung oxidischer Brennstoffe und Sellafield MOX Plant (SMP) zur Herstellung von MOX-Brennelementen (Wikipedia). 

Chronik

04.08.2011. Die Regierung von Großbritannien hat die Schließung der Mischoxid-Brennelementefabrik in der Atomanlage Sellafield beschlossen weil man "die Sicherheit neu überdacht" hat. Die Anlage hat nur rote Zahlen geschrieben und die britischen Steuerzahler seit ihrer Eröffnung rund 1,4 Mrd. Pfund gekostet und nun ist auch noch die Nachfrage aus Japan weggebrochen. Einer der Kunden war das Katastrophen AKW Fukushima I - Daiichi.
Mehr als 600 Mitarbeiter haben dort aus Plutonium- und Uranmüll neue Brennelemente - hauptsächlich für ausländische AKWs - produziert. Sie sollen nach der Schließung in anderen Teilen der Anlage eingesetzt werden. Die Gewerkschaften bezeichnen den Schritt als kurzsichtig.
Ähnliche Fabriken gibt es auch in Frankreich und Belgien. (Spiegel, Welt, taz).

Atomkomplex Sellafield
Mittwoch, 04.05.2011, 21 Uhr 00 MESZ. Die Verdächtigen werden "nach einer gründlichen Untersuchung und Durchsuchung ihrer Wohnungen ohne Anklage" wieder freigelassen (Tagesschau).

Dienstag, 03.05.2011, 13 Uhr 00 MESZ. Gestern wurden in der Nähe der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in der Grafschaft Cumpria offenbar 5 Männer im Alter zwischen etwa 20 und 30 Jahren festgenommen. Sie stehen im Verdacht einen Terroranschlag geplant zu haben und wurden zu Verhören nach Manchester gebracht. Die Untersuchungen leitet nun die Anti-Terror-Einheit für den Nordwestbereich von des Landes.
Die Männer die ursprünglich aus Bangladesh stammen sollen, sollen bei einer Fahrzeugkontrolle einer Polizeieinheit aufgefallen sein die zum Schutz der Atomanlage abgestellt war. Sie sollen Filmaufnahmen gemacht haben.
Gemäß dem britischen Anti-Terror-Gesetz Paragraph 41 ist es der Polizei erlaubt, Terrorverdächtige bis zu einer Dauer 48 Stunden ohne Anklage festzuhalten.
Die Anlage wurde nicht evakuiert.
Mit dem Tod des mutmaßlichen Terroristenanführers Osama Bin  Laden und der Terrororganisation Al Qaida soll das allerdings nichts zu tun haben (Welt, Focus, Sueddeutsche, Tagesschau, Spiegel, Stern, taz).

16.09.2009. Eon verschiebt wegen der Proteste den geplanten Transport Atommülls aus der britischen
Wiederaufbereitungsanlage Sellafield zum Atomkraftwerk Grohnde (Telepolis).

31.08.2009. Cuxhafen, Umschlagplatz für Atomtransporte aus Sellafield (taz).

2007. Ein neuentwickelter Roboter soll den Reaktor Stück für Stück abbauen. Kosten 500 Millionen Pfund. Dauer etwa 20 Jahre.

2005. Die Strahlung durch den Brand von Pile 1 ist auf etwa 1% des Wertes nach dem Brand abgesunken.

2005. Es wird bekannt dass innerhalb der Wiederaufbereitungsanlage über mehrere Monate lang unbemerkt mehr als 80.000 Liter radioaktive Flüssigkeit ausgelaufen sind (Sueddeutsche).

2004. Die EU-Kommission verklagt Großbritannien vor dem Europäischen Gerichtshof will laut Euratom-Vertrag Kontrollen durch die Europäische Gemeinschaft vorgeschrieben sind um die Buchführung über die radioaktiven Materialien zu prüfen und mit vor Ort ermittelten Ergebnissen zu vergleichen. Das soll wegen der unfallbedingten hohen Radioaktivität und schlechter Sichtverhältnisse jedoch nicht möglich sein.

2001. Die MOX-Brennelementefabrik in Sellafield wird in Betrieb genommen (Spiegel).

Mitte der 1990er Jahre. Die MOX-Brennelementefabrik in Sellafield wird errichtet (Spiegel).

1994. Die Betreiber von Gundremmingen kündigen die Verträge mit den Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield. Die Brennelemente werden langfristig Zwischengelagert (Nixblog).

1993-1999. Die Abschirmung um das AKW Windscale wird abgedichtet. Zu- und Abluftschächte geschlossen und Wasserkanäle in denen "aus Versehen" noch 210 Brennelemente gefunden wurden versiegelt. Der Abluftkamin von Pile 2 wird entfernt.

Bis Mitte 1980er Jahre: Der aktive Kern von Pile 1 wurd überwacht.

1958-1961. Pile 2 wird aus Sicherheitsgründen stillgelegt und die Brennelemente entfernt. Das Gelände um Pile 1 wird dekontaminiert und die unversehrten Brennelemente entfernt. Der Kern wurde versiegelt

1960. Das Abklingbecken B30 wird angelegt.

7. Oktober 1957. Im AKW Windscale Pile 1 der nur als Brutreaktor zur Erzeugung von Plutonium für Atombomben benutzt wurde bricht Feuer aus und es kommt zu einem der schwersten Atomunfälle vor Tschernobyl. Dabei wurde eine erhebliche Menge radioaktiver Stoffe freigesetzt. Auf der INES Skala bekam der Unfall den Wert 5 - Ernster Unfall zugewiesen. Es sollen zwischen 40 und 240 Personen infolge des Unfalls gestorben sein (Wikipedia).

1940er und 1950er Jahre: Die luftgekühlten, graphitmoderierten Windscale-Reaktoren Pile 1 und Pile 2 wurden als erste britische Produktionsanlagen für waffenfähiges Plutonium-239 errichtet. Dazwischen befand sich das Abklingbecken B29 für die abgebrannten Brennelemente. Bei den Bemühungen mit der US-amerikanischen Atomwaffenentwicklung gleichzuziehen wurde kaum auf Umwelt und Gesundheit geachtet. Der radioaktive Abfall wurde in die Irische See geleitet.

1948: Das Abklingbecken B29 wird angelegt.

Bilder:
- Atomkomplex Sellafield, Wikimedia Commons, Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert), Simon Ledingham


Artikel zum Thema Energie im Nixblog

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