Montag, 11. März 2013

Die Katastrophe von Tschernobyl

Atomkraftwerk Tschernobyl - Reaktorblock 4


















Der Super-GAU

26. April 1986. Der Super-GAU von Tschernobyl ereignete sich als Folge einer Kernschmelze und Explosion im Block 4 des Kernkraftwerks. Sie gilt als schwerste nukleare Katastophe und wurde bis zur Katastrophe am AKW Fukushima I (Nixblog - Erdbeben in Japan 2011 - Freitag, 11.03.2011)  als einziges Ereignis auf der INES-Skala mit dem Höchstwert 7 (katastrophaler Unfall) eingestuft. Ursachen für den Unfall waren eine misserable Konstruktion des AKW, Schlamperei der Mitarbeiter und Sparsamkeit der Betreiber auf Kosten der Sicherheit.

Verbreitung radioaktiver Stoffe

Die größten Freisetzungen radioaktiver Stoffe fanden innerhalb von 10 Tagen nach der Explosion statt. Wegen der grossen Hitze gelangten radioaktive Stoffe bis in Höhen von 1500 Metern. Die Wolken mit dem Fallout verteilten sich über die komplette nördliche Erdhalbkugel. Insgesamt wurden ca. 218.000 Quadratkilometer mit mehr als 37.000 Becquerel Cs-137 pro Quadratmeter radioaktiv belastet. Mehr als 70% dieser Gebiete liegen in Russland, Ukraine und Weißrussland. Insgesamt wurden in Europa 3.900.000 Quadratkilometer mit mindestens 4.000 Bequerel Cs-137 pro Quadratmeter kontaminiert.
In Deutschland lagen die Bodenkontaminationen in den am stärksten belasteten Gebieten bei bis zu 74.000 Bequerel Cs-137 pro Quadratmeter. Im Muskelfleisch von Wildschweinen wurden bis zu 40.000 Bequerel/kg bei einem Durchschnitt von 6.800 Bq/kg gemessen. Der EU Grenzwert beträgt 600 Bq/kg.
Die Explosion des Reaktors soll 400 Mal mehr Strahlung freigesetzt haben als der Abwurf der Atombombe über Hiroshima (Nixblog - Atombombenabwurf auf Hiroshima).

Strahlung auf Menschen

Von den etwa 200.000 Liquidatoren die bis Ende 1987 eingesetzt wurden erhielten etwa 1.000 Strahlendosen von 2 bis 20 Gray. Bei den restlichen soll die Strahlung bis etwa 500 Millisievert gegangen sein. Die später eingesetzten 400.000 bis 600.000 Liquidatoren erhielten geringere Strahlendosen.
1986 wurden 116.000 Menschen aus der 30 Kilometerzone um den Reaktor evakuiert. Später noch 240.000 weitere. Die mittlere Strahlendosis welche diese Menschen abbgekommen haben lag bei 17 mSv (ukrainische Evakuierte) und 31 mSv (weißrussische Evakuierte).
In den ersten Tagen nach dem Unfall führte die Aufnahme von radioaktivem Jod mit der Nahrung zu Schilddrüsendosen von durchschnittliche 0,03 bis 0,3 Gy mit Spitzenwerten bis zu 50 Gy.
Die nicht evakuierte Bevölkerung erhielt innerhalb etwa 20 Jahren nach dem Unfall effektive Gesamtdosen von 10 bis 20 mSv mit Spitzenwerten von mehreren 100 mSv. Etwa 20 Jahre danach erhalten 5 Mio Betroffene Dosen von unter 1 mSv/Jahr. Etwa 100.000 Menschen erhalten immer noch mehr als 1 mSv pro Jahr.

Gesundheitliche Folgen

Die Folgen sind schwer abzuschätzen weil es zum großen Teil nur unsichere Datengrundlagen gibt.  Offiziell wurde bei 237 Personen wurde zunächst akute Strahlenkrankheit vermutet. Bei 134 wurde sie bestätigt. Davon starben 28 im Jahr 1986 und 19 in den Jahren 1987 bis 2004. Einige davon möglicherweise aus anderer Ursache.
Bei Personen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine die zum Zeitpunkt des Unglücks Kinder waren ist die Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs stark angestiegen was auf die Belastung mit radioaktivem Jod zurückgeführt wird.
Bei Leukämie ist offiziell wegen der unsicheren Datengrundlage kein eindeutiger Anstieg feststellbar. Bei Liquidatoren wurde eine Verdoppelung des Risikos einer Leukämie gefunden.
Nach umstrittenen Rechenmodellen aus Studien anderer Populationen (in der Hauptsache aus Japan bei Opfern der Atombombenabwürfe) ist bis 2065 mit etwa 16.000 Fällen von Schilddrüsenkrebs und 25.000 Fällen von anderen Krebsarten in Folge der Katastrophe von Tschernobyl zu rechnen. Andere Studien kommen auf 30.000 bis 60.000 zusätzliche Krebstodesfälle.
Genetische und teratogene Schäden wie Totgeburten und Fehlbildungen sind sehr umstrittten da sie entweder nicht vorhanden sind oder aufgrund des Studiendesigns nicht nachgewiesen werden konnten.
In den am stärksten von der Tschernobylkatastrophe betroffenen Ländern ist die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich gesunken und ein erheblicher Anstieg bei vielen nicht bösartigen Erkrankungen zu beobachten. Da dies auch für nicht kontaminierte Gebiete gilt ist sehr umstritten in wie weit diese Veränderung auf die höhere Strahlenbelastung zurückzuführen ist.
Die psychosozialen Folgen sind eine erhebliche Belastung für die Gesundheit. Die Angst vor den Folgen der Strahlung kann von Krankheitserscheinungen und einem gesundheitsschädigendem Lebenswandel bis zum Suizid führen.

Sperrzone

Die Sperrzone umfaßt ein Gebiet von 4.300 Quadratkilometern. Etwa 1.000 Bewohner sind bereits Wochen nach dem Unglück wegen ihrer wirtschaftlichen Lage dorthin zurückgekehrt. Weil es sich überwiegend um ältere Personen handelte ist nicht klar wie viele davon an den Folgen der Strahlung starben. In Tschernobyl leben 20 Jahre danach etwa 100 Menschen. 90% der Kinder die in der Region um die Sperrzone wohnen leiden laut einer Schätzung an strahlenbedingter Immunschwäche. Erkrankungen wie Lungenentzündung und Allergien sollen deshalb gehäuft auftrreten Bei Leukämie und anderen Krebserkrankungen soll sich die Häufung in Grenzen halten (Wikipedia). Passend dazu eine Fotostrecke: Spiegel.

Das Kernkraftwerk Tschernobyl nach der Katastrophe

Die 3 funktionsfähigen Blöcke wurden nach den Aufräumarbeiten wieder hochgefahren. Block 2 wurde im Oktober 1991 nach einem Feuer in der Turbinenhalle abgeschaltet. Block 1 wurde im November 1996 abgeschaltet. Block 3 wurde auf Druck und Ausgleichszahlungen der EU für die Ukraine am 15. Dezember 2000 abgeschaltet.
Etwa 2500 Personen erhalten 2010 die Reste des AKWs. Um das Risiko zu mindern wird in Schichten gearbeitet.
Der Katastrophenreaktor ist durch einen provisorischen Sarkophag gedeckelt. Am 17. September wurde das Konsortium Novarka mit dem Bau eines neuen 257 Meter langen, 150 Meter breiten und 108 Meter hohen Sarkophags beauftragt. Sie wird etwa 20.000 Tonnen wiegen. Man könnte darunter auch die Kathedrale Notre-Dame von Paris unterbringen. Er soll 200 Meter neben dem Reaktor aufgebaut und auf Schienen über den alten Sarkophag gefahren werden. Das Ministerium für Katastrophenschutz hofft dass er bis 2015 fertig ist.
Von den 190 Tonnen Reaktorkernmasse sollen sich offiziell noch 150 bis 180 Tonnen im Gebäude befinden. Es gibt jedoch eine ZDF-Reportage die von weit weniger verbliebenem Brennstoff berichtet. Demnach wäre im Zuge der Katastrophe mehr radioaktives Material als behauptet freigesetzt worden.

Chronik Tschernobyl

06.03.2013. Marina Weisband (Mitglied der Piratenpartei) ist offenbar ein "Tschernobyl-Kind". Sie wurde etwa ein Jahr nach der Katastrophe im Jahr 1987 in Kiew, etwa 100 Kilometer entfernt vom Katastrophenreaktor, geboren. In ihrem zweiten Lebensjahr zeigten sich die Auswirkungen als Immunschwäche. Später kamen eine Reihe von Folgekrankheiten dazu. Letztendlich musste sie deshalb wohl auch aus der Parteispitze zurückziehen.
13.02.2013. Ein 600 Quadratmeter großer Teil des Daches und ein Teil der Wand des Sarkophags des Turbinengebäudes von Block 4, nur 50 Meter vom Katastrophenreaktor entfernt sind eingestürzt. Laut ukrainischer Katastrophenschutzbehörde wegen Schneemassen auf dem Dach. Es soll niemand verletzt worden sein. 80 Arbeiter von zwei französischen Baufirmen sind offenbar in Sicherheit gebracht worden. Es wurde offenbar keine erhöhte Radioaktivität gemessen (Tagesschau, taz).

27.11.2012. Das 5000 Tonnen schwere Stahlgerüst für den zweiten Sarkophag steht. Der fertige Sarkophag wird ein Gewicht von 29.000 Tonnen haben und voraussichtlich 2015 über die bisherige "Schutzhülle" gezogen werden. Mehr als 40 Staaten haben Geld zur 1997 gegründete Stiftung Chernobyl Shelter Fund bezahlt. Am Ende wird Sarkophag 2.0 etwa 1,54 Mrd. Euro gekostet haben (Welt).

07.05.2012. In der Region knapp ausserhalb der Sperrzone leben 1987 Kinder. 1351 davon sind mit chronischen Krankheiten registriert. Sie leiden unter Blutarmut, Angina, Bronchitis, Probleme mit der Schilddrüse, meist an schweren Magen-Darm-Krankheiten. 38 Kinder sind als schwerbehindert registriert (Der Standard).

03.03.2012. Der Bau des neues Sarkophags wurde begonnen. Er soll angeblich für 100 Jahre sischä sein (Stimme Russlands).

13.07.2011. In der Zwischenzeit sind von Internationalen Geldgebern 670 Mio Euro zugesagt worden. Laut Wiktor Janukowitsch (Präsident der Ukraine) genügt das um mit dem Bau eines neuen Sarkophags zu beginnen. Er soll bis 2015 fertig sein und 750 Mio Euro kosten. Der fehlende Geldbetrag soll in den nächsten Jahren gesammelt werden (Tagesschau, Spiegel).
Der Vater der Boxweltmeister Wladimir und Vitali Klitschko, Wladimir Klitschko Senior, ist nach langer schwerer Krankheit (Lymphdrüsen-Krebs) im Alter von 64 Jahren in Kiew an den Spätfolgen seines Einsatzes im Jahr 1986 am AKW Tschernobyl gestorben. Er hatte mehrere Chemotherapien hinter sich. Die letzte hat nicht wie erhofft angeschlagen (Welt, n-24).
27.06.2011. Ein Gericht der Ukraine hat nach einem Antrag der Staatsanwaltschaft die Tschernobyl-Reisen vorläufig gestoppt um die Zulässigkeit zu überprüfen (Welt, Spiegel).

08.05.2011. Nikolai Fomin, Fremdenführer in Tschernobyl (taz).
27.04.2011. Sebastian Pflugbeil (Gesellschaft für Strahlenschutz) ist der Meinung dass es vor 25 Jahren in Tschernoyl eine Kernexplosion gegeben hat und entgegen den offiziellen Angaben fast der komplette Kernbrennstoff in der Umwelt gelandet ist (Telepolis).

+++++ Dienstag, 26.04.2011. 25 Jahre Tschernobyl +++++

21 Uhr 00 MESZ. Falls es niemand aufgefallen ist. Weder von der Schwarzgeldregierung noch von der Opposition in Deutschland war heute etwas zum Thema zu hören.

20 Uhr 00 MESZ. Die Kinder von Tschernobyl (Focus).

17 Uhr 30 MESZ. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi war zu Besuch beim französischen Präsidenten Atomsarkozy und lobt die am Jahrestag von Tschernobyl die Atomenergie als sicher. Vor einer Woche wurde in Italien im Senat eine Gesetzesvorlage eingebracht, die die Suche nach einem Standort für das geplante AKW definitiv stoppt (Focus, Telepolis).

17 Uhr 00 MESZ. In Weissrussland wurden 6 Deutsche, 5 weissrussische Aktivisten und ein Pole bei einer  friedlichen Demonstration zum 25 Jahrestag von Tschernobyl und gegen den Bau des neuen AKWs in Ostrowets festgenommen. Polizisten in Zivilkleidung sollen dabei brutal gegen die Demonstranten vorgegangen sein (Tagesschau).

16 Uhr 30 MESZ. Die EU hat offenbar die Ukraine dazu gedrängt, Alexander Lukaschenko (Präsident von Weissrussland) nicht zu den Tschernobyl-Gedenkfeiern einzuladen. Wiktor Juschtschenko (Präsident der Ukraine) hat dem Wunsch aus Brüssel anscheinend nachgegeben weil die Ukraine langfristig eine Aufnahme in der EU anstrebt.
Als Lukaschenko heute von Journalisten gefragt wird warum er von Juschtschenko nicht eingeladen wurde blafft er diese an: "Fragen Sie ihn selbst. Die aktuelle Führung der Ukraine ist leider lausig". Zu EU-Politikern, insbesondere Komissionspräsident Barroso hat er folgene Bemerkung: "Es sind einfach Schurken ... Über all diese Barrosos und andere Bastarde" hat er keine Lust zu reden (Spiegel).

16 Uhr 00 MESZ. Der russische Präsident Medwedew kündigt für das Gipfeltreffen G8 am 26./27. Mai in Deauville in Frankreich einen Vorstoß für eine neue internationale Konvention zur atomaren Sicherheit an. Vorschläge sollen bereits an die Staats- und Regierungschefs übermittelt worden sein. Bsi 2020 will Russland zu seinen mehr als 30 Reaktoren noch 20 weitere Atomreaktoren bauen. Die Ukraine will die Zahl der Atomreaktoren bis 2030 von 15 auf 45 verdreifachen (Spiegel, Sueddeutsche, Welt).

15 Uhr 45 MESZ. Hilfsprojekte führen Menschen zusammen (n-tv).

15 Uhr 30 MESZ. Der Sarkophag ist brüchig (n-tv).

15 Uhr 00 MESZ. Pripjat: Die Evakuierung einer 50.000 Einwohner Stadt (DasErste.de).

14 Uhr 30 MESZ. Tschernobyl - Ein Einsatz der nie vergeht. Für Liquidatoren gibt es keinen Frieden (n-tv).

14 Uhr 00 MESZ. Die Formel des Todes. In der Risikoanalyse beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Störfalls der Größe 7 zehn hoch minus 7 oder zehn hoch minus 6. Also 1 Million oder 10 Millionen Jahre (Spiegel). Zu dumm nur dass die Wirklichkeit anderes aussagt. Zwischen Tschernobyl und Fukushima liegen gerade einmal 25 Jahre.

13 Uhr 30 MESZ. Wladimir Tschuprow (Greenpeace-Mitarbeiter) erzählt von den Folgen von Tschernobyl und was die russische Regierung nicht gelernt hat (Telepolis).

13 Uhr 00 MESZ. Redakteure erinnern sich an den Super-GAU (Stern). Gar Nix war um den ersten Mai herum im Schwarzwald und hat nur ganz am Rande mitbekommen dass da etwas mit einem AKW in Russland passiert sein soll.

12 Uhr 30 MESZ. Leben im Risikogebiet. Nach Pripjat kommt man nur mit einer Sondergenehmigung. Die Plattenbausiedlung ist durch die hohe radioaktive Verseuchung unbewohnbar.  An einem Checkpoint wird mit einem Schlagbaum die Zufahrt überwacht (Focus).

12 Uhr 00 MESZ. Julij Borisowitsch Andrejew (Liquidator - Baute die Spezialeinheit zur Bekämpfung der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl auf): Die Gierigen zahlen doppelt (taz).
11 Uhr 30 MESZ. DDR-Radstars wurden 1986 zu einer "Friedensfahrt" in die Nähe Tschernobyls geschickt um die Katastrophe zu verharmlosen (Welt).

11 Uhr 00 MESZ. Von vielen Christen und Juden wird die Katastrophe von Tschernobyl als Strafe Gottes angesehen. Die Parteifunktionäre sind als erstes abgehauen (Sueddeutsche).

08 Uhr 00 MESZ. Bilderstrecke: Gedenken in der Ukraine an die Opfer (Spiegel).

07 Uhr 00 MESZ. Das Buch "Ich war im Sarakophag von Tschernobyl" von Anatoly Tkachuk ist offenbar voller dubioser Verschwörungstheorien ohne Fakten (Spiegel).

06 Uhr 30 MESZ. Laut einer Studie von Karl Sperling (Früherer Leiter des Institits für Humangenetik an der Berliner Charité kam es 9 Monate nach Tschernobyl vermehrt zu Geburten von Kindern mit Downsyndrom. In Bayern und den damaligen DDR Gebieten hatten fast 10% mehr Neugeborene eine Gaumenspalte. Die Zahl der Totgeburten und der Kinder die innerhalb einer Woche nach er Geburt starben stieg deutschlandweit um 5%.
Laut einer Studie von Sebastian Pflugbeil (Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz) erkrankten nach 1986 auf dem Gebiet der Bundesrepublik 1,5 Mal so viele Kinder im ersten Lebensjahr an Leukämie wie im Durchschnitt der 1980er Jahre. Besonders im Süden Deutschlands ist deutlich häufiger das Neuroblastom (Wikipedia - Neuroplastom) aufgetreten.
Alfred Körblein (Umweltinstitut München) schätzt das bis 50 Jahre nach Tschernobyl etwa 8000 Menschen in Deutschland an strahlenbedingten Krebsfolgen durch die Katastrophe gestorben sein werden.
Stärker radioaktiv belastet sind vor allem im Süden Bayerns immer noch Wildschweine. Etwa 2% von 45.000 bis 50.000  erlegten Wildschweine liegen über dem Grenzwert und müssen deshalb vernichtet werden. Wildschweine essen besonders gerne Hirschtrüffel und Maronenröhrlinge die wiederum als "Radionuklidsammler" gelten. Einige Pilzarten überschreiten die Grenzwerte. Bis mindestens 2030  wird diese Belastung nicht signifikant abnehmen (Welt).

06 Uhr 15 MESZ. Protokoll der Katastrophe (Focus).

03 Uhr 45 MESZ. Die Folgen der radioaktiven Strahlung nehmen laut Dörte Siedentopf (Allgemeinärztin und Psychotherapeutin) zu. Sie fährt seit 20 Jahren nach Weissrussland um den Menschen dort zu helfen. Durch den Wind hat Weißrussland am meisten der Radioaktivität mitbekommen. Die Partnerstadt Kostjukowitschi liegt in einer Entfernung von etwa 180 Kilometer Luftlinie von Tschernobyl entfernt im Osten des Landes. Von 35.000 Menschen die dort lebten wurden 8.000 umgesiedelt. Mehr als 30 Dörfer wurden dort abgetragen und vergraben.
Die Folgen der radioaktiven Verstrahlung wüten in den Zellen und Genen und nehmen mit dem Abstand zur Katastrophe zu. Diabetes tritt vor allem wegen der Niedrigstahlung von Cäsium bei Kindern häufiger auf. Wenn es über die Nahrungskette in den Darm einer schwangeren Frau gelangt wird die Bauchspeicheldrüse der Kinder in den Entwicklung gestört. Die Bauchspeicheldrüse ist wiederum eines der sensibelsten Organe des Menschen und für die Produktion von Insulin zuständig.
Bis zum 3 Lebensjahr haben Kinder kein Immunsystem das Schäden reparieren kann. Ausserdem haben sie im Gegensatz zu Erwachsenen eine hohe Zellteilungsrate. Während der Zellteilung wirkt Strahlung jedoch besonders störend. Aus diesem Grund reichen bereits sehr kleine Strahlenmengen aus um bei Kindern gesundheitliche Schäden anzurichten.
Das Gehirn gehört nach der Geburt zu den Organen in denen es am häufigsten zu Zellteilungen kommt. Das führt das bei Strahlengeschädigten zu Nervosität und anderen diffusen Persönlichkeitsstörungen wie Konzentrationsschwäche.
In der ersten Generation sind strahlengeschädigte Ehepaare zu 30% ungewollt kinderlos. Die Schäden am Erbgut führen zu Frühaborten und Frühgeburten die zum Tode der Kinder, die noch nicht lebensfähig sind, führen.
Die radioaktiven Elemente wandern pro Jahr etwa 2 Zentimeter im Boden nach unten und dürfte damit ungefähr bei einer Tiefe von 50 Zentimetern angelangt sein. Das Grundwasser in der Gegend liegt nicht sehr tief. Über das Wasser gelangt die Radioaktivität in die Pflanzen und in die Tiere. Das grösste Problem ist die Niedrigstrahlung vor allem durch Strontium und Cäsium. Diese haben etwa eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Es wird etwa 300 Jahre dauern bis diese radioaktiven Elemente so weit abgebaut sind dass sie im biologischen Kreislauf keine größeren Auswirkungen mehr haben.
Die Versorgung mit Medikamenten funktioniert im Großen und Ganzen. Bei der Zulassung von Medikamenten sind anscheinend hohe Bestechungsgelder notwendig.
Für Statistiken werden Vorgaben gemacht. Wegen der Prämie werden von den Statistikern die Dinge berichtet welche von den Vorgesetzten gehört werden wollen. Daher gibt es dort offiziell fast keine Krebstoten mehr. Wenn irgend möglich wird das Altersschwäche genannt.
Zwischen der WHO und der IAEO gibt es offenbar einen Vertrag von 1959. Demnach bestimmt die IAEO was die WHO bezüglich gesundheitlicher Folgen radioaktiver Strahlung untersuchen und veröffentlichen darf (Tagesschau, n-tv).

03 Uhr 30 MESZ. Immer noch sind bei weitem nicht alle Fragen geklärt. Es gibt bis heute keine vernünftige Aufarbeitung der Katastrophe. Man weiß nicht einmal wie viele Menschen als Liquidatoren beschäftigt wurden. Über die Anzahl des Kernbrennstoffs der in die Atmosphäre gelangt ist herrschen nur wilde Spekulationen zwischen 5 und 95% (Tagesschau).

0 Uhr 23 MESZ. Kirill, der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, schlägt am Jahrestag der Katastrophe um 1 Uhr 23 Ortszeit 25 Mal zur Erinnerung die Tschernobyl-Glocke. An einem Gottesdienst in der Nähe eines Denkmals zu Ehren der Opfer der Atomkatastrophe nahmen mehrere hundert Menschen, in der Hauptsache Witwen von Liquidatoren, teil.
Greenpeace bestrahlte den Katastrophen-Reaktor 4 mit einer Lichtprojektion bei der u.a. ein Totenkopf und Anto-Atomkraft-Slogans in Japanisch, Deutsch und Russisch zu sehen waren. Tobias Münchmeyer (Greenpeace-Aktivist) sagte "Wir sind den Opfern von Tschernobyl zum Atomausstieg verpflichtet".
Vom russischen Atomkonzern Rosatom wird die Stillegung von 11 Reaktoren des selben Typs RBMK angemahnt. Anstelle von Stillegung oder Herunterfahren der Leistung auf 60 bis 70% werden sie offenbar über ihre Leistungsgrenzen hinaus zu 104% überlastet. Mit dem Hintergedanken dass man dafür neue AKWs bauen will. Die meisten dieser Reaktoren wurden bereits in den 1970er Jahren gebaut. Ausgelegt für eine Nutzungsdauer von 30 Jahren.
In St. Petersburg werden von der Umweltorganisation Bellona Fackeln aus Papier angezündet.
Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsche gedenkt in einem Appell der "Helden" die zuerst nach Tschernobyl kamen und mit "bloßen Händen" die Katastrophe abwenden wollten und verspricht alles zu tun damit ihr Leben sich verbessert. Für die Liquidatoren klingt das wie ein Hohn. Ihre spärlichen Renten werden seit einiger Zeit immer mehr gekürzt und es fehlt immer noch an ausreichender medizinischer Versorgung.
Der russische Präsident Medwedew ist immer noch der Meinung dass "die friedliche Atomnutzung als billigste und alles in allem ökologisch sauberste Energieform gilt". Weissrussland will bis 2018 das erste AKW bauen. Auch die Ukraine und Russland setzen weiterhin auf Atomstrom.
Für den neuen Sarkophag fehlen noch etwa 300 Millionen US-Dollar (206 Mio Euro) daher ruft der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch zu weiteren Spenden auf.
(Sueddeutsche, Spiegel, Focus, taz, Welt, Tagesschau). Fotostrecke: Sueddeutsche.

----- 25 Jahre Tschernobyl -----

25.04.2011. Siegfried Rumbaum (Umweltaktivist): Politiker reden alles klein: 2.500.000 Bq/Kg Jod-131 in Berlin? Offizielle Werte gibt es nicht (taz).
Alexander Krutow, der einzige Fernsehjournalist aus Tschernobyl erinnert sich (taz).
Der russische Präsident Dmitri Medwedew würdigt bei einer Gedenkveranstaltung den Heldenmut und die Selbstaufopferung der Liquidatoren (Focus).
Mykola Isajew allein auf Arbeit (Sueddeutsche). In Deutschland werden viele Tschernobylkinder zur Erholung aufgenommen. Die Zahl derjenigen, die bereit sind einen Teil ihres Urlaubs zu Opfern geht jedoch zurück obwohl die Auswirkungen der Katastrophe sich erst jetzt voll entfalten. Schon 15jährige erleiden teilweise Herzinfarkte. Von 800 Neugeborenen in Gomel war kein einziges hundertprozentig gesund. In den letzten 4 Jahren ist die Zahl der geschädigten Kinder um weitere 30% angestiegen. Während die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen zurückgegangen ist kommt es vermehrt zu Herz-Kreislauferkrankungen.
Die Forschungsergebnisse werden unter Verschluss gehalten (Welt). Igor Gawrilow, einer der ersten Forografen vor Ort. Ohne Schutzkleidung und sehr naiv (Focus).
Weitere Zahlenspiele von Tschernobyl (Focus).

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23.04.2011. Leben in der Todeszone (Sueddeutsche, taz). Auch nach 25 Jahren wird immer noch vertuscht . Ausser Schilddrüsenkrebs darf in Weissrussland keine Todeskrankheit auf atomare Strahlung zurückgeführt werden. Professor Bandaschewski hatte es gewagt an der Uni Gomel ein eigenes Krebsregister zu führen da er von einer sehr viel größeren gesundheitlichen Gefährdung als offiziell zugegeben ausging. Er wurde aus dubiosen Gründen ins Gefängnis gebracht und hat später das Land verlassen. Im Norden des Landes, an der Grenze zu Litauen will Weissrussland ein AKW bauen (Tagesschau).

22.04.2011. Bilderstrecke Tschernobyl (Focus).


21.04.2011. Julia Timoschenko (ehemalige Premierministerin der Ukraine): Die Sowjetunion musste über den Super-GAU von Tschernobyl stürzen (Welt).
Fragen und Antworten zum Super-GAU (Stern). Fotostrecke von Igor Gawrilow (Focus).
Strahlung ist keine Gefahr - Nachrichten 1986 nach der Katastrophe (taz).
Dr. Christoph Reiners (Professor für Nuklearmedizin und Ärztlicher Direktor an der Universitätsklinik von Würzburg) und das angeblich nicht vorhandene Problem Schilddrüsenkrebs bei Kindern (Sueddeutsche).
Es blühten die Kastanien (taz).
Ban Ki Moon (UN Generalsekretär) war soeben auf Lustreise bei Tschernobyl und möchte eine verstärkte internationale Zusammenarbeit um Atomkatastrophen zu verhindern. Die Gehirnwäsche der Atomlobby hat ganz offensichtlich auch bei ihm gewirkt. Er kann sich nämlich auch keine andere Möglichkeit zur Stromerzeugung als Atomenergie vorstellen. Mit dem Risiko dass es mit großer Wahrscheinlichkeit wieder zu einem Super-GAU kommt muss man seiner Meinung nach leben (Welt).

20.04.2011. Fotostrecke: "Pfoten weg" (Spiegel).
"Unter Kontrolle" ist ein Dokumentarfilm über die Gefahren der Kernenergie (Telepolis, Spiegel).
Schwenzel (Regisseur) drehte in Tschernobyl den Kurzfilm "Seven Years of Winter". Die Sperrzone ist für ihn ein umgekehrter Schöpfungsort. Alles was dort lebt trägt den Tod in sich. Der Film handelt von dem zehnjährigen Andrej. Der Junge wird 1992 in die Sperrzone von Tschernobyl geschickt um in Prypjat für einen vermeintlichen Bruder mit dem Namen Artjom zu plündern (Spiegel).
Yukiy Amano (Chef der IAEA) hat zum 25. Jubiläum von Tschernobyl eine Lustreise zum Katastrophen-AKW gemacht (Focus).
Atomkraftfans als Touris in Tschernobyl. Sie fühlen sich sicher "weil es in ihren Ländern keine Tusnamis und Erdbeben" gibt. In Tschernobyl gab es die aber auch nicht. Ach so? Dort war der Kommunismus schuld (Spiegel, Sueddeutsche). Die Zeitbombe tickt und diejenigen die Atomenergie sonst so befürworten halten sich wie immer deutlich zurück wenn es um die Aufarbeitung der Schäden die sie angerichtet haben geht (Stern).
Die Bäume in den belasteten Gebieten weisen im Vergleich zu Bäumen aus unbelasteten Gebieten offenbar höhere Mutationsraten auf. Wachstum und Aussehen verändern sich in den Gebieten um Tschernobyl krankhaft. Kiefern in der Gegend wachsen langsamer und zeigen viele Abweichungen vom normalen Wuchs. Es kommt zum Beispiel zu Nadelverfärbungen und geänderten Verzweigungsmustern. Es kommt offenbar auch zu neuartigen Ausleseprozessen so dass einige Kiefern besser als andere in der Lage sind die hohe Strahlung zu verkraften und nur wenige Krankheitssymptome zeigen. Andere Bäume sterben einfach ab (Welt).

19.04.2011. Für den neuen Sarkophag und Hilfsprojekte wurden bei einer Geberkonferenz in Kiew von der internationalen Gemeinschaft 575.000.000 Euro versprochen. Der Sarkophag alleine wird etwa 700.000.000 Millionen Euro kosten (Tagesschau, Sueddeutsche, Telepolis). Russland knausert (Sueddeutsche).
Der Fotograf Rüdiger Lubricht berichtet von seiner Arbeit mit der Dokumentation der Folgen von Tschernobyl (Sueddeutsche).

18.04.2011. Soldaten strahlten wie kleine Kernreaktoren (Spiegel). Die vergessenen Helfer von Tschernobyl (taz). 25 Jahre Tschernobyl. Eine Katastrophe die nie vergeht (Sueddeutsche). Der Katastrophentourismus boomt (Welt).

14.04.2011. Eine Reise ins Sperrgebiet (Welt).

13.04.2011. Die Strahlenkrieger von Tschernobyl (Stern). Interaktive Grafik der Katastrophe von Tschernobyl (Stern).

12.04.2011. Die wahren Todeszahlen bleiben im Dunkeln (Welt).
09.04.2011. Michail Umanez (Ex-Direktor von Tschernobyl) warnt vor einem neuen Atomunfall in Tschernobyl. Der explodierte Reaktor 4 ist seiner Aussage nach in einem sehr unsicheren Zustand der jederzeit eine Kettenreaktion mit Todesgefahr folgen könnte. Die hohe Radioaktivität  hat offenbar den Sarkophag so weit zersetzt dass er kurz vor dem Einstürzen ist und mindestens 5 Tonnen radioaktiven Staub freisetzen könnte (Sueddeutsche, Welt).

08.04.2011. Mehr als 600 Mio Menschen sollen von der Katastrophe von Tschernobyl betroffen sein. Bis 2005 waren von ca. 830.000 Liquidatoren etwa 112.000 bis 125.000 Tot. Mehr als 90% sind jetzt schwer Krank wobei sie nicht nur an Krebs leiden sondern auch an Hirnorganischen Schäden, Bluthochdruck und Magen-Darm-Erkrankungen. Ausserdem gab es offenbar einen starken Anstieg von Tot- und Fehlgeburten. In Europa sollen deshalb ungefähr 800.000 Kinder weniger geboren sein (Welt).

07.04.2011. Die internationalen Atom(Lobby)organisationen wie IAEA und ICRP sind Weltmeister im verharmlosen. Sie gehen bei Tschernobyl immer noch offiziell von 50 Toten aus während den Untersuchungen von Wissenschaftlern auf dem Berliner Kongress zufolge die Sterblichkeit in den betroffenen Gebieten um 4% angestiegen ist und deren Berechnung nach die Todeszahl bei 1,44 Millionen Menschen liegt (taz).

02.04.2011. Die meisten der etwa 380.000 Liquidatoren sind tot. Diejenigen die noch leben sind zumeist schwer krank müssen mit dem Staat um Entschädigungen kämpfen (Welt).

23.03.2011. Wieder einmal einen interssanten Link zu den Opferzahlen gefunden: ORF.

21.03.2011. Die Sowjetunion soll laut Alexej Jablokow, dem russischen Strahlenbiologen und früheren Umweltberater von Ex-Präsident Boris Jelzin, künstlich das Wetter beeinflusst haben um die Katastrophe zu begrenzen (Welt).

19.03.2011. Der Fotograf Igor Kostin hat die Katastrophe von Tschernobyl auf Bildern festgehalten und wurde dabei selbst verstrahlt (Sueddeutsche).
Ähnliche Vorfälle wie in Tschernobyl gab es schon 1975 und 1982 im Leningrader Kernkraftwerk und in Tschernobyl. Im Juli 1986 wurde von Mitgliedern der Regierung auch die Abschaltung der AKWs in Smolensk, Kurst und Leningrad verlangt. Genau genommen die Stillegung aller AKWs im europäischen Landesteil. Die Reaktoren vom selben Typ wie in Tschernobyl sind aber trotz teilweise 38jähriger Laufzeit auch heute noch im Betrieb (Spiegel, Wikipedia - Kernkraftwerk Leningrad).

17.03.2011. Die Helden von Tschernobyl bereuen nichts (Focus).

14.02.2011. Die Berlinale beginnt mit dem Film "An einem Samstag" in dem Regisseur Alexander Mindadze die Katastrophe von Tschernobyl verarbeitet hat. Die Hauptrolle beim Tanz in den Tod spielt Anton Shagin der als Parteisekretär Valentin Kabysch auftritt:
An einem Samstag Ende April 1986 machen Menschen in Pripjat Party, heiraten, saufen und prügeln sich. Der Filmheld Valerij macht dabei im Wissen dass vor kurzer Zeit das AKW Tschernobyl in einer Entfernung von nur 3 Kilometern explodiert ist mit. Er erzählt weder seiner Frau, noch seinen Freunden davon. Einen Tag vorher musste er seinem Vorgesetzten auf das Parteibuch schwören nichts von der Katastrophe weiter zu sagen (Focus, Telepolis, taz, Spiegel).

11.02.2011. Im April kommt der 25. Jahrestag der Kathastrophe von Tschernobyl . Der Umweltausschuss des Bundestags wird zum Gedenken an die Opfer eine Veranstaltung abhalten. Dazu sind Vertreter der betroffenen Länder, Zeitzeugen, ehrenamtliche Initiativen und Wissenschaftler eingeladen. Nach dem Willen der Schwarzgeldregierung die das gegen den Willen der Opposition durchgesetzt hat werden sie das bei dieser Farce hinter verschlossenen Türen machen (Telepolis).

04.02.2011. Eine interessante Bilderstrecke von Angelfire die mit dem Motorrad in die tote Zone von Tschernobyl reiste gefunden (Angelfire).
14.12.2010. Die Ukraine möchte den Katastrophentourismus um Tschernobyl ausweiten und hofft auf bis zu 1 Million Besucher pro Jahr (Spiegel).

15.10.2010. Bei Pilzen aus Osteuropa wurde festgestellt dass diese immer noch mit Cäsium-137 mit bis zu 230 Becquerel pro Kilogramm von Tschernobyl belastet sind. Bereits 3 Kilo reichen aus um über den EU-Grenzwert von 600 Becquerel zu kommen. Bei einer Stickprobe von Pfifferlingen aus Osteuropa wurde vor ein paar Wochen eine Belastung von 1000 Becquerel festgestellt. Die Belastung von Wildschweinfleisch liegt vor allem in Baden-Württemberg und Bayern noch weit höher zwischen 600 und 6000 Becquerel. Das Bundesumweltministerium hat alleine 2009 424.650 Euro bezahlt um Jäger und Waldbesitzer zu entschädigen weil das verstrahlte Fleisch nicht verkauft werden kann (Sueddeutsche).

17.09.2010. Pflanzen passen sich der Radioaktivität an. Proteine sorgen beispielsweise für eine erhöhte Produktion von Glycin-Betain  welches Lebewesen vor den Auswirkungen radioaktiver Strahlung schützen kann (Spiegel).
Viele Touristen besuchen Tschernobyl. 2009 waren es mehr als 10.000 Besucher. Tagesausflüge werden von mehreren Reisebüros in der Ukraine und in Weissrussland ab 100 Euro angeboten. Das abgeschaltete AKW hat noch etwa 4.000 Beschäftigte von denen einige in Tschernobyl übernachten. Ausserdem wohnen dort noch einige, meist ältere Siedler (Focus).

24.08.2010. Über die Zahl der Toten herrscht totale Uneinigkeit (Welt). Das Tschernobyl Forum schätzt 56 Tote und 4000 Krebserkrankungen. Atomkraftgegner von bis zu 500.000 Toten. Um diese Differenzen zu erklären muss man nur wieder auf die Auswirkungen der Strahlung auf den menschlichen Körper gucken. Die meisten sterben nicht an der Strahlung selbst sondern an dem Versagen des Immunsystems wenn sie krank werden. Eine genaue Untersuchung der Todesursache oder der Ursache für die jweilige Krankheit kann sich dort kaum einer leisten. Im Zweifelsfall wird daher nicht die "sekundäre Strahlenkrankheit" sondern die "primäre Krankheit" als Todesursache eingetragen. Daher dürfte die Zahl der Atomkraftgegner deutlich näher an der Wirklichkeit liegen.

11.08.2010. Waldbrände in Russland haben die radioaktiv verseuchte Gegend um Tschernobyl erreicht. Dadurch sind radioaktive Partikel vom Boden aufgestiegen und haben sich weiter verteilt (Sueddeutsche).

24.04.2010. Mehr als 120.000 Menschen demonstrieren 2 Tage vor dem 26. Jahrestag von  der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gegen Atomenergie. Zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel bildeten sie eine 127 Kilometer lange Menschenkette. Die Menschen wurden mit mehr als 200 Bussen und 3 Sonderzügen zu den Sammelpunkten in Hamburg und Schleswig-Holstein gebracht. Andere kamen mit Autos oder Fahrrädern.
In Biblis haben etwa 20.000 Menschen das AKW umzingelt. Im AKW Biblis soll es seit der Inbetriebnahme bereis zu mehr als 800 meldepflichtigen Störfällen gekommen sein. 1987 gab es einen Beinahe-GAU.
Vor dem Atommüllager Ahaus demonstrierten mehr als 5000 Menschen.
Am 2. Oktober 2010 soll eine weitere bundesweite Aktion der Anti-Atom-Bewegung stattfinden. Im November soll beim Castortransport auch wieder Demonstriert werden (Tagesschau, Sueddeutsche, Spiegel, Welt, taz).

19.10.2009. Tschernobyl-Fotograf Rüdiger Lubricht berichtet von seinen Erlebnissen bei der Arbeit an seinem Projekt (Spiegel).

26.04.2009. 25 Jahre Tschernobyl (Sueddeutsche, Focus).

18.03.2009. Radioaktive Strahlung tötet nicht nur Menschen sondern auch Insekten. Je näher am Reaktor, bei steigender Strahlenbelastung sinkt die Anzahl der Tiere (Spiegel).

25.04.2008. Tschernobyl bekommt einen neuen Stahlsarg (Welt, Tagesschau, Sueddeutsche).

17.09.2007. Dem Konsortium Novarka wird der Auftrag zum Bau eines neuen Sarkophags erteilt. Dieser soll eine Länge von 257 Metern haben, 150 Meter breit und 108 Meter hoch sein.
Als "Shelter Implementation Plan" werden die internationalen Bemühungen um einen neuen Sarkophag bezeichnet.  Der neue Sarkophag ist notwendig da der alte bereits nach ca. 20 Jahren durch die harte Strahlung löchrig geworden ist. Als erstes wurde das Dach des alten Sarkophags verstärkt und die Belüftungsanlage verbessert. Über diesem ersten Sarkophag soll ein neuer Mantel aus Stahl errichtet werden. Danach soll es dann möglich sein, mit speziellen Kränen die für die Arbeit unter hoher Strahlenbelastung angefertigt wurden, den ersten Sarkophag zu entfernen ohne dass weitere radioaktive Stoffe an die Umwelt gelangen. Die Kräne können u.a. auch radioaktive Stoffe zerkleinern. (Welt).

11.07.2007. Rote, gelbe und orangene Vögel wie beispielsweise die Wachtel oder der Wiedehopf haben die meisten Probleme durch die Radioaktivität (Spiegel).

08.06.2007. Wölfe, Elche und Luchse kehren in die Todeszone von Tschernobyl zurück (Welt).

19.04.2007. Die Vögel in Tschernobyl meiden stärker verstrahlte Nester. Warum weiss niemand (Welt).

10.02.2006.  Die Atomlobby wäscht sich rein (Lebenshaus Schwäbische Alb).

2006. Die schweizerische Stadt Thun führt eine Gedenkausstellung mit Unterstützung der Botschafter der Ukraine, Russland und Weissrussland durch.
24.08.2005. Die Wildschweine in Bayern strahlen immer stärker. Der gemessene Mittelwert der radioaktiven Kontamination lag 2004 bei 6.700 Becquerel Radiocäsium / Kilogramm. Ursache sollen Hirschtrüffel sein. In den Hirschtrüffeln wurden 24.700 Becquerel / kg gemessen (Spiegel).

04.09.2003. Die Bäume im Umkreis von Tschernobyl passen sich an die verstrahlte Umwelt an indem sie ihr Erbgut verändern. Die Methylierung wurde etwa um 30% gegenüber Bäumen aus einem gesunden Umfeld gestärkt (Spiegel).

15. Dezember 2000. Das AKW Tschernobyl wird endgültig abgeschaltet. Die komplette Stillegung des AKWs wird 30 bis 100 Jahre dauern.

November bis Dezember 2000. Techniker bereiten die Abschaltung des AKW Tschernobyl vor.

Juni 2000. Anlässlich eines Besuchs des US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton wird von Präsident Kutschma der 15. Dezember 2000 als Datum für die Stillegung bekanntgegeben.

April 2000. Der urkrainische Präsident Kutschma bestätigt die Abschaltung des AKWs im Jahr 2000. Er nennt aber kein konkretes Datum.

April bis Mai 1999. Der Sarkophag wird restauriert.

November 1997. In New York werden 780 Millionen Deutsche Mark (etwa 390 Mio Euro) zum Wiederaufbau des wegen der harten Strahlung sehr schnell verfallenden Sarkophags gesammelt. Die Kosten werden auf etwa 1,7 Mrd. Mark (850 Mrd. Euro) geschätzt.

1997. In Deutschland zeigt die Sterblichkeit von Neugeborenen einen deutlichen Anstieg nach Katastrophe von Tschernobyl. Ähnliche Anstiege bei der Säuglingssterblichkeit aus Polen und Kiew kommen zum selben Ergebnis (Umweltinstitut).

November 1996. Der Reaktorblock 1 muss wegen einer Sicherheitspanne heruntergefahren werden. Es ist nur noch Block 3 in Betrieb.

Dezember 1995. Von der Ukraine und den G7-Staaten wird auf einem Treffen in Ottawa (Kanada) ein Abkommen zur Stillegung von Tschernobyl unterschrieben. Es werden Zahlungen in Höhe von 2,3 Mrd. US-Dollar zur Schliessung des AKWs vereinbart.

13. April 1995. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma gibt nach einem Treffen mit Vertretern der Europäischen Kommission in Kiew bekannt dass die Ukraine bereit sei im Jahr 2000 Tschernobyl stillzulegen.

1992. Die Ukraine veranstaltet mit einer französischen Firma einen Konzeptwettbewerb um Ideen für eine langfristige Lösung für den Unglücksblock 4 zu finden. Bereits nach kurzer Zeit viel die Entscheidung für eine komplette Schutzummantelung von Block 3 und Block 4. Weil dazu aber auch die Abschaltung des aktiven Block 3 notwendig gewesen wäre wurde dieser Plan verworfen. Die Kosten hätten 3 bis 4 Mrd US-Dollar betragen.

24. Oktober 1991. Die Ukraine erklärt sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als unabhängig.

Oktober 1991. Wegen einem Großbrand muss der zweite Reaktor des AKWs abgeschaltet werden.

1991. Zur Entschädigung der Opfer des Reaktorunglücks wird ein Gesetz verabschiedet. Es wird jedoch später kaum umgesetzt.

1991. Von Wissenschaftlern Japans und der USA wird in "Nature" behauptet dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der radioaktiven Strahlung und Schilddrüsenkrebs (vor allem durch Jod-131 mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen) geben würde. Dabei wurde ignoriert dass es für die Zeit für 1986 keine Daten vorhanden waren. Die statistische Relevanz wurde dann 20 Jahre später festgestellt weil der Kurvenausschlag wieder verschwand (Anti-Atom-Piraten - Aussage Prof. Kodama).

9. Februar 1987.  Das WDR geruht sich den Politik-Thriller "Gambit" auszustrahlen. Es geht in dem Film darum dass Bonn in der Hand atomarer Erpresser ist. Das Pikante daran ist dass der Film zunächst einmal nach der Katastrophe von Tschernobyl abgesetzt und wegen der anstehenden Bundestagswahl in der Schublade gehalten wurde (Spiegel, GEZ - Keiner hält sich an Rundfunkstaatsvertrag).
13. Dezember 1986. Von der sowjetischen Führung wird die "heldenhafte Arbeit" der letzten Monate gelobt. Durch die Stahlbetonhülle um den Reaktor wäre die "Quelle der radioaktiven Gefahr für immer versiegelt".

Samstag, 15. November 1986. Der "Betonsarg" um den Katastrophenreaktor ist fertiggestellt. Er besteht aus 7000 Tonnen Stahl und 410.000 Kubikmetern Zement soll mindestens 30 Jahre verhindern dass Radioaktivität austritt. Tatsächlich war er schon nach kaum zehn Jahren nicht mehr richtig dicht. Bis zu 800.000 Liquidatoren sollen bei der hohen Strahlenbelastung ohne Schutzkleidung am Bau des Sarkophags im Einsatz gewesen sein.

Montag, 29. September 1986. Block I mit "wichtigen Änderungen umgerüstet" wird wieder eingeschaltet.

Samstag, 19. Juli 1986. Laut der Bilanz des sowjetischen Politbüros war die Unglücksursache grobe Fahrlässigkeit des Bedienungspersonals. 28 Menschen sind offiziell gestorben, von 208 Verletzten sollen noch 30 im Krankenhaus sein.
Sonntag, 15. Juni 1986. Die Betiebsleitung des AKWs von Tschernobyl wird teilweise wegen Versagens entlassen. Vom neuen Direktor wird die Wiederinbetriebnahme der zwei unbeschädigten Blöcke bekanntgegeben.

Dienstag, 20. Mai 1986. Wegn der Strahlung der AKW-Ruine ist eine Annäherung unmöglich. Der Reaktor wird untertunnelt und dann mit Stickstoff gekühlt.

Freitag, 16.05.1986. Die deutschen Behörden geben Entwarnung für Spinat, Salat, Schnittlauch und Milch. In der sowjetischen Presse werden die Feuerwehrleute der ersten Stunde als Helden gefeiert.

Mittwoch, 14.05.1986. Michail Gorbatschow (Generalsekretär der Kommunistischen Partei) wagt sich mit einer Fernsehansprache zur Katastrophe an die Öffentlichkeit. Er beginnt seine Rede: "Wie Sie alle wissen hat uns kürzlich ein Unheil ereilt - die Havarie im Atomkraftwerk Tschernobyl. Wir sind zum ersten Mal wirklich mit einer solch schrecklichen Kraft wie der Atomenergie, die außer Kontrolle geraten ist, konfrontiert". (Er hat Majak vergessen - Nixblog - Majak der verschwiegene GAU). 2 Mitarbeiter vom AKW sollen durch die Explosion getötet worden sein, 299 mit der Diagnose Strahlenkrankheit in Krankenhäuser gebracht worden sein. 7 davon sind laut Gorbatschow gestorben.
Die meisten Sowjetbürger empfinden nur noch als Hohn dass Gorbatsachow, der als Begründer von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) eine bürgernahe Zeitwende verkündete, sie nicht rechtzeitig über die Strahlengefahr informiert hat.
Dienstag, 13.05.1986. Von der Sowjetunion wird bekannt gegeben dass die Kernschmelze kurz davor war in die Erdkruste durchzubrennen und gerade noch rechtzeitig abgekühlt werden konnte.
In Deutschland streitet sich das Bundesgesundheitsministerium mit den Ländern um die Grenzwerte für Lebensmittel. Von den Bauern, vom Einzelhandel und von der Lebensmittelindustrie werden Entschädigungen gefordert.

Montag, 12.05.1986.  Obwohl sich die Bodenwerte noch nicht überall normalisiert haben gibt die Bundesregierung Strahlungsentwarnung. Die Bevölkerung kann demnach zu normalen Lebens- und Essgewohnheiten zurückkehren.

Freitag, 09.05.1986. Nach der Rückkehr aus Tschernobyl berichtet eine Delegation der IAEO dass der Reaktorbrand gelöscht sei und der Reaktor einen Betonmantel erhalten soll.

Donnerstag, 08.05.1986. Von der Bonner Strahlenschutzkommission wird "Teilentwarnung" für die Cäsiumwerte gegeben. Spinat und Salat müssen nicht auf Sondermülldeponien gebracht werden.

Dienstag, 06.05.1986. Die Freisetzung von Spaltprodukten ist weitgehend unterbunden. Unter dem Reaktor wird nun ein Stickstoffkühlsystem eingebaut.
Von Kommission der Europäischen Gemeinschaft wird dem Ministerrat ein Einfuhrstopp für Nahrungsmittel aus den Ostblockländern empfohlen. In der BRD wird von mehreren Bundesländern der Verkauf von Freilandgemüse verboten und die Benutzung von Sportplätzen untersagt.

Montag, 05.05.1986. Unterhalb des Atomreaktors wird nun gasförmiger Stickstoff eingeblassen um das Feuer zu ersticken. Durch einen Nebeneffekt steigt aber die Wärme im Kern an und es werden mehr radioaktive Partikel hinausgeblassen.
Der Spiegel berichtet unter dem Titel "Mörderisches Atom" über den Super-GAU.

Sonntag, 04.05.1986. Die Strahlung in der Luft in Deutschland geht zurück. Im Boden steigt sie an. Es wird empfohlen Kinder nicht auf Wiesen und in Sandkästen spielen zu lassen. Bauern sollen die Kühe im Stall halten. Freilanderzeugnisse sollen nicht verkauft werden. Die Zahl der Anti-Atomkraft-Demos in der BRD steigt weiter an.
Samstag, 03.05.1986. Boris Jelzin, der Chef der Kommunistischen Partei Moskaus schiebt die Schuld auf menschliches Versagen. Er protestiert gegen die "Schreckensgeschichten" der westlichen Medien die das Reaktorunglück als "Sensation ausschlachten". Die Strahlung des Reaktors soll der Aussage der sowjetischen Regierung nach gesunken sein. Zu beklagen sind offiziell 2 Todesopfer und 197 Verletzte. 18 Verletzte befinden sich offiziell in einem "kritischen Zustand".
In der BRD protestieren tausende Kernkraftgegner unter dem Motto "Tschernobyl ist überall" gegen die Energiepolitik der deutschen Regierung. Sie fordern die sofortige Abschaltung aller AKWs.
Freitag, 02.05.1986. Sowjetische Vertreter bei der IAEA in Wien teilen mit dass die Kettenreaktion in Tschernobyl zum Stillstand gebracht und der Reaktor abgeschaltet worden sein soll.
In Deutschland werden von Bund und Ländern erste Sofortmaßnahmen ergriffen. Frischmilch darf nur bis zu einer gewissen Jod-Belastung pro Liter verkauft werden. Später wird auch vor Gemüse gewarnt. Aus den osteuropäischen Ländern wird der Import eingeschränkt. Die Behörden schätzen die Probleme von "unbedenklich" bis zur "Katastrophengrenze" ein.
Im DDR-TV wird die Berichterstattung im Westen von zwei "Atomexperten" als "Panikmache" und "Kampagne der Verteufelung der friedlichen Nutzung der Kernenergie in der Sowjetunion" bezeichnet. Tschernobyl diente nach der Aussage von Karl Lanius (Direktor des Instituts für Hochenergiephysik der Akademie der Wissenschaften in Zeutern) nur der Energieversorgung und nicht der Plutoniumgewinnung zu militärischen Zwecken.
Donnerstag, 01.05.1986. Der französische Erderkundungssatellit Spot 1, der erst im Februar 1986 in die Erdumlaufbahn gebracht worden war, liefert den internationalen Fernsehmedien Aufnahmen von Infrarotbildern mit der nuklearen Rauchfahen über dem Atomreaktor.
Eine weitere Welle der Strahlenwolke trifft in Süddeutschland ein. Durch starke Regenfälle lagert sich der radioaktive Fallout ab. Festgestellt werden vor allem Jod-131 mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen und Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren.
Mittwoch, 30.04.1986. Von der Sowjetunion werden Berichte über Tausende Tote dementiert. Die Luft und das Wasser von Kiew waren deren Aussage nach in Ordnung. Im sowjetischen TV (später auch in der Tagesschau) wird zum errsten Mal ein Foto vom Ort der Katastrophe gezeigt. Das Bild von Anatoli Rasskasov war jedoch retuschiert worden.
Die deutsche Bundesregierung erklärt dass die bisherigen Messungen keinen nennenswerten Anstieg der Radioaktivität ergeben hätten. Es besteht keine Gefahr für Leben und Gesundheit. Im Laufe des Tages zieht die Strahlenwolke weiter und es werden auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhöhte Strahlenwerte gemessen.
In der DDR ist man der Meinung dass "besondere Vorsichtsmassnahmen ausserhalb der Sowjetunion nicht notwendig sind". Erich Honecker (Staatschef der DDR) spuckt grosse Töne weil es in der DDR "keine Hysterie" gibt.

Dienstag, 29.04.1986. Die UdSSR spricht zum ersten Mal von einer "Kathastrophe" und meldet 2 Todesopfer. Die Anwohner des AKWs würden evakuiert.
Die Sowjetunion räumt eine Katastrophe in Tschernobyl ein. In Stockholm und Bonn wird von sowjetischen Botschaftsangehörigen angefragt, was man bei einem Graphitbrand in einem AKW machen könnte.
In Bonn versichern Heinz Riesenhuber (CDU - Bundesforschungsminister) und Friedrich Zimmermann (CSU - Bundesinnenminister) dass ein ähnlicher Unfall in einem AKW in der BRD wegen der unterschiedlichen Sicherheitskonzepte vööööllig ausgeschlossen ist.
Montag, 28.04.1986. Um 9 Uhr wird im mehr als 1200 Kilometer entfernten AKW Forsmark in Schweden wegen erhöhter Radioaktivität auf dem Gelände automatischer Alarm ausgelöst. Auch Messungen, die an der Arbeitskleidung der Angestellten durchgeführt wurden, ergeben erhöhte radioaktive Werte. Danach lösen weitere Meßstationen in ganz Skandinavien wegen hoher Radioaktivität auch Alarm aus. Verdächtigt wird wegen der Windrichtung zu dem Zeitpunkt eine kerntechnische Anlage in der Sowjetunion.
Die amtliche Nachrichtenagentur TASS meldet um 21 Uhr 30 in der Nachtrichtensendung Wremja dass sich "in dem Atomkraftwerk Tschernobyl ein Unglück ereignet hat, bei dem einer der Reaktoren beschädigt wurde" und man "Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen der Havarie" ergriffen hat.
Die Deutsche Presseagentur (dpa) gibt um 19 Uhr 32 eine Eilmeldung an die Nachrichtenredaktionen in der BRD heraus, laut der an einem Atomreaktor ein Schaden aufgetreten ist.
Sonntag, 27.04.1986, 14 Uhr 00. 180.000 Menschen werden aus der 30-Kilometer-Zone um das AKW herum in Sicherheit gebracht. Sie waren einer Strahlung ausgesetzt die bei vielen in den kommenden Jahren tödliche Krebsleiden hervorrufen wird.
In Kupoi in Nordfinnland und im Nordosten Polens wird stark erhöhte Strahlung gemessen die wahrscheinlich aus einem AKW in der Sowjetunion freigesetzt wurde.

Sonntag, 27.04.1986, 11 Uhr 00. In Pripjat treffen plötzlich 2700 Busse ein. Die gesamte Stadt soll ungefähr 30 Stunden nach dem Super-GAU evakuiert werden. Der Aufruf der Stadtverwaltung beginnt mit "Achtung, Achtung! Verehrte Genossen!"  Nur Ausweise, Lebensmittel und das Nötigste für eine "zeitweilige Evakuierung darf mitgenommen werden. Kaum einer sieht seine Wohnung wieder. Die Einwohner haben etwa 2 Stunden Zeit zum Packen ihrer Sachen. Niemand sagt jedoch wie schlimm die Lage ist (Welt, Focus).

Sonntag, 27.04.1986, 1 Uhr 13 / 2 Uhr 13. Die Blöcke 1 und 2 werden abgeschaltet. Man fängt an, Reaktor 4 mit Blei, Bor, Dolomit, Sand und Lehm zuzuschütten um die Freisetzung von Spaltprodukten  zu vermindern und den brennenden Graphit im Kern abzudecken.
Insgesamt wird in den nächsten Tagen mit etwa 1800 Hubschrauberflügen folgendes abgeworfen:
- Etwa 40 Tonnen Borcarbid um die Kettenreaktion zu unterbinden
- Etwa 800 Tonnen Dolomit um den Graphitbrand zu unterdrücken und die Wärmeentwicklung zu verringern
- Etwa 2400 Tonnen Blei um die Gammastrahlung zu verringern und eine geschlossene Schicht über dem schmelzenden Kern zu bilden
- Etwa 1800 Tonnen Sand und Lehm um die radioaktiven Stoffe zu filtern.
Das Kühlwasser aus Block 4 sammelt sich wegen der zerbrochenen Leitungen in den Räumen unterhalb des Reaktors. Dort wird es stark kontaminiert und strahlt mit ungefähr 10 Gray pro Stunde (1000 Röntgen pro Stunde).

Samstag, 26.04.1986: Wladimir Rodionowitsch Klitschko (Oberst der Luftwaffe) kommt nach Hause in Kiew - etwa 100 Kilometer im Süden von Tschernobyl - und sagt zu seiner Familie: "Eine grosse Katastrophe ist passiert. Ich darf euch aber nicht mehr verraten. Verlasst das Haus so wenig wie möglich". In den nächsten Wochen war er dann beim Aufräumen und Sichern in Tschernobyl dabei und koordinierte die Hubschraubereinsätze. Dabei bekam er eine hohe Strahlenbelastung ab (Berliner Zeitung).

Samstag, 26.04.1986,  15 Uhr 12: Anatoli Rasskasov (Werksfotograf) macht aus einem Hubschrauber die ersten Bilder des zerstörten Reaktorblocks mit der radioaktiven Rauchfahne. Viele der Aufnahmen waren wegen der hohen Strahlung geschwärzt. Einen Teil der Abzüge behält er. Die anderen Fotos mit den Negativen übergibt er den Sicherheitsbehörden und dem Notfallstab.

Samstag, 26.04.1986,  14 Uhr 00:  In Pripjat tauchen überall maskierte Soldaten auf. Die Strahlung wird gemessen. Sie hat am Abend das 600.000fache des Normalwerts erreicht. Innerhalb von 4 Tagen wäre die tödliche Dosis erreicht. Es gibt immer noch keine Informationen für die Bürger.

Samstag, 26.04.1986,  10 Uhr 30:  In Pripjat gibt es Gerüchte von einem Brand im AKW und Toten die es in der Nacht gegeben haben soll. Offizielle Informationen gibt es nicht.

Samstag, 26.04.1986,  8 Uhr 00:  Der radioaktive Rauch hat die Wolken kontaminiert. Bis zum Abend lautet die offizielle Meldung nach Moskau jedoch: "Der Reaktor ist intakt".

Samstag, 26.04.1986,  ca. 5 Uhr 00:  Block 3 wird abgeschaltet. Die Brände ausserhalb des Reaktors konnten durch die Werksfeuerwehr gelöscht werden.

Samstag, 26.04.1986,  4 Uhr 30:  Aleksandr Akimow (Schichtleiter) meldet an Nikolai Formin (Mitglied der Kraftwerksleitung), dass der Reaktor intakt geblieben ist. Seitens der Operatoren und der Kraftwerksleitung wird darauf bis zum Abend dieses Tages auf diesem Standpunkt beharrt. Den Meldungen nach die an diesem Tag an Moskau übermittelt werden ist der Reaktor in Ordnung und muss nur gekühlt werden. Letztendlich hat diese Berichterstattung möglicherweise als Hauptursache zu der späten Evakuierung der Stadt Pripjat geführt.
Samstag, 26.04.1986,  2 Uhr 36:  Die Brennelemente reissen. Das Zirkonium mit dem die Brennstäbe ummantelt sind und der Graphit reagieren mit dem Wasserdampf. Im überhitzten Reaktor entsteht Dampf und Wasserstoff in großen Mengen. Die Gase können wegen der Beschädigungen des Reaktorkerns entweichen und unterhalb des Reaktordeckels ein explosives Gemisch bilden. Es kommt zu zwei Dampf- und Wasserstoffexplosionen. Die mehr als 1000 Tonnen schwere Abdeckplatte des Reaktors wird in die Luft gesprengt und das Dach des Reaktorgebäudes zerstört. Der Stahl- und Betonmantel des Reaktors wird zerstört. Der Graphitmantel der Brennelemente gerät in Brand.
Im damals sowjetischen (heute Ukraine) Kernkraftwerk Tschernobyl kommt es in der Folge einer Kernschmelze und Explosion im Kernreaktor zu einem Super-GAU. Während der folgenden 10 Tage verbrennen offiziellen Zahlen nach 250 Tonnen Graphit und damit etwa 15% des Reaktorinhalts. Die Flammen der brennenden Graphitblöcke schleudern während dieser Zeit große Mengen radioaktives Material bis in eine Höhe von 1000 Metern. Besonders die leicht flüchtige Isotope Iod-131 und Cäsium-137 werden in radioaktiven Wolken über viele Kilometer nach Russland und weite Teile Europas getragen bevor sie durch den Regen aus der Atmosphäre gewaschen werden.

Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr 23:44: Durch das gleichzeitige Einfahren der Steuerstäbe ist die Reaktivität so weit angestiegen dass die unmittelbar bei der Spaltung der Atomkerne freigesetzen Neutronen (Wikipedia - Promptes Neutron) für die Kettenreaktion ausreichen. Innerhalb von Sekunden führt das zu einem Leistungsanstieg auf mehr als 300.000 MW und zu einer "nuklearen Leistungsexkursion". Die Leistung kann in der Folge weder durch Schutzmechanismen, noch durch die Regeltechnik gesteuert und kontrolliert werden (Tschernobyl-Info - Nukleare Leistungsexkursion). Die Temperatur im Reaktor steigt an und bringt das Kühlmittel zum verdampfen. Innerhalb der Brennelemente komt es möglicherweise zu ersten Explosionen. Druckröhren beginnen zu bersten. Die einfahrenden Steuerstäbe erreichen ihre Endposition nicht.

Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr 23:40. Aleksandr Akimow (Schichtleiter) löst manuell den Knopf des Havarieschutzes (Typ 5 - Notabschaltung des Reaktors) aus. Alle Steuerstäbe werden wieder in den Reaktor abgeworfen. Die Steuerstäbe haben jedoch einen Konzeptionsfehler. An den Spitzen der Stäbe sind Graphitblöcke angebracht. Diese erhöhen die Reaktivität für eine kurze Zeit bis der Stab tiefer in den Kern eingedrungen ist.

Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr 23:04. Der eigentliche Test beginnt. Die Turbinenschnellverschlussventile werden geschlossen und die Wärmeabfuhr aus dem Reaktor unterbrochen. Die Temperatur des Kühlmittels steigt an. Wegen dem positiven Dampfblasen-Koeffizienten kommt es Leistungsanstieg. Die automatische Reaktorregelung reagiert mit dem Einfahren von Steuerstäben. Allerdings zu langsam. der Neutronenfluss steigt weiter. Dadurch wird die "Neutronenvergiftung" in der Hauptsache durch Xenon-135 abgebaut.

Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr 22. Der Reaktor hat sich scheinbar stabilisiert. Der Wasserpegel im Reaktor konnte auf 2/3 des vorgeschriebenen Wertes gesteigert werden.

Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr 15. In den Reaktor wird mehr Wasser eingeleitet um die Warnsignale, die zu einer Notabschaltung geführt hätten, zu deaktivieren.
In der Musterstadt Pripjat schlafen die meisten der 48.000 Einwohner die kaum unter der Mangelwirtschaft zu  leiden haben die sonst in der Sowjetunion vorherrscht. Die Arbeit im AKW ist gut bezahlt. In Pripjat leben vor allem junge Familien. Es gibt viele Kindergärten und Schulen.

Samstag, 26. April 1986, 1 Uhr 03 / 1 Uhr 07. Im Normalbetrieb läuft beim Schliessen der Turboeinlassventile das Kernnotkühlsystem an. Dieses ist jedoch für den Test abgeschaltet. Für den Versuch werden dafür nacheinander zur Simulation des Stromverbrauchs zwei zusätzliche Hauptkühlmittelpumpen in Betrieb genommen. Damit wird die Wärmeabfuhr aus dem Reaktorkern verbessert und der Dampfblasengehalt darin reduziert. Das wiederum bewirkt eine weitere Reaktivitätsabnahme. Die (automatische) Reaktorregelung fährt deshalb weitere Steuerstäbe heraus und der Reaktorzustand gerät weiter ausser Kontrolle.

Samstag, 26. April 1986, 0 Uhr 32. Die Betriebsmannschaft versucht die Leistung des Reaktors mit einem weiteren Ausfahren der Steierstäbe wieder anzuheben. Wegen der Xenonvergiftung gelingt das jedoch nur bis zu 200 MW, das sind etwa 7% der Nennleistung. Der Betrieb auf diesem Leistungsniveau ist jedoch unzulässig. Der Reaktor darf laut Vorschrift nicht unter 640 MW, 20% der Nennleistung betrieben werden. Der Reaktor wird jedoch nicht abgeschaltet. Das Experiment wird fortgesetzt.

Samstag, 26. April 1986, 0 Uhr 28. Bei 500 MW erfolgt innerhalb der Reaktorleistungsregelung eine Umschaltung. Entweder durch einen Bedienfehler, durch den der Sollwert für die Gesamtleistungsregelung eventuell nicht richtig eingestellt wurde, oder wegen eines technischen Defekts sinkt die Leistung auf etwa 30 MW. Das ist etwas weniger als 1% der Nennleistung von 3200 MW. Es kommt  zu einer weiteren Xenonvergiftung. Xenon absorbiert Neutronen sehr stark. Daher nimmt die Reaktivität des Reaktors immer weiter ab.

Samstag, 26. April 1986, 0 Uhr 00. Der Reaktor wird von einer neuen Schichtmannschaft übernommen.

Freitag, 25. April 1986, 23 Uhr 10. Die Freigabe zu einer weiteren Leistungsabsenkung des Reaktors wird erteilt. Er soll nun auf 25% der Nennleistung heruntergefahren werden.

Freitag, 25. April 1986, 15 Uhr 00. Es ist ein schöner Frühlingstag in Pripjat, drei Kilometer entfernt vom AKW Tschernobyl.

Freitag, 25. April 1986, 14 Uhr 00. Das Notkühlsystem wird abgeschaltet damit bei einem Notkühlsignal kein Wasser in den Reaktor gepumpt wird.

Freitag, 25. April 1986, 13 Uhr 05. Wegen einer erhöhten Stromnachfrage kommt vom Lastverteiler in Kiew eine Anweisung. Die Leistungsabsenkung wird bei 1600 MW unterbrochen. Der Reaktor wird mit 50% seiner Leistungsfähigkeit konstant weiter betrieben. Der Turbogenerator 7 (Wikipedia -Turbogenerator) wird abgeschaltet. Im Reaktor kommt es zu einer Xenonvergiftung (Wikipedia - Neutronenabsorber).
Freitag, 25. April 1986, 1 Uhr 06. Der Atomreaktor in Block 4 des AKW Tschernobyl soll für eine Revision und für einen Test heruntergefahren werden. Dazu werden von der Bedienungsmannschaft am Abend die Sicherungssysteme ausser Betrieb gesetzt. Die Leistung des Reaktors soll, wie bei einer Regelabschaltung üblich, vom Nennwert bei 3200 Megawatt auf 1000 Metawatt heruntergefahren. werden.
April 1984. Reaktorblock 4 von Tschernobyl wird angefahren.

Dezember 1983. Vor der Inbetriebnahme sollte im Reaktorblock 4 in einem Test ein vollständiger Stromausfall simuliert werden um damit nachzuweisen dass die Rotatonsenergie der Turbinen ausreichen würde dass damit die kurze Zeit bis zum Anspringen der Notstromaggregate überbrückt werden kann. Dazu kam es jedoch erst am 25./26. April 1986.

August 1977. In der Sowjetunion wird der Reaktorblock I des AKW Tschernobyl in Betrieb genommen. Es hahndelt sich um einen graphitmoderierten, wassergekühlten Siedewasserreaktor vom Typ RBMK 1000. Der Reaktorkern besteht aus 1659 Brennstoffelementen die insgesamt 190,2 Tonnen Kernbrennstoff enthalten.

Quellen: Wikipedia, 3sat

Bilder: 

Artikel zum Thema Energie im Nixblog

23.08.2010. Energieautarkes Städtchen Güssing
22.08.2010. Atombombenabwurf auf Hiroshima
21.08.2010. Atomkomplex Sellafield
20.08.2010. Brennstäbe und Brennelemente für Atomkraftwerke
19.08.2010. Strahlung von Kühlwasser aus Siedewasserreaktoren
05.06.2010. Deutlich erhöhte Kohlesubventionen
03.06.2010. Laufzeitverlängerung für AKWs ohne Bundesrat ist grundgesetzwidrig
19.05.2010. Deutschland darf Atomwaffen entwickeln und bauen
09.05.2010. Atomenergie in den USA
01.05.2010. Explosion der "Deepwater Horizon" verursacht Ölpest nicht nur im Mississippidelta
17.04.2010. Atomendlager Gorleben
12.04.2010. Atomstaat Nordkorea
11.04.2010. Atommacht Israel
09.04.2010. Atomwaffen werden in Amarillo zu Brennstoff
08.04.2010. Atommüllager XXL in der russischen Sajda-Bucht
05.04.2010. Atomkraft im Ausland
27.03.2010. Atomlager ASSE


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