Samstag, 30. Dezember 2017

Schwimmbadreaktor

Pulstar-Reaktor in den USA
Ein Schwimmbadreaktor (auch Swimmingpool-Reaktor oder Wasserbeckenreaktor) ist ein Forschungsreaktor, dessen Reaktorkern sich in einem mehrere Meter tiefen, nach oben offenen Wasserbecken befindet. Dadurch sind Eingriffe und Experimente für Forschungszwecke und Ausbildung leicht möglich. Auch können Materialproben, z. B. zur Gewinnung von Radionukliden für medizinische Zwecke, bestrahlt werden.

Das Wasser dient als Moderator und zur Kühlung. Die dicke Wasserschicht über dem Reaktorkern genügt bei abgeschaltetem Reaktor auch als Abschirmung gegen die Strahlung. Der obere Teil des Aufstellungsraums ist dann begehbar. Für Leistungsreaktoren eignet sich eine solche Bauweise nicht, denn mit dem Kühlmittel auf Atmosphärendruck könnte kein sinnvoller thermischer Wirkungsgrad erreicht werden.

Auch die stärkste Neutronenquelle der Welt, der Höchstflussreaktor im ILL in Grenoble, ist ein Schwimmbadreaktor.

Das russische Forschungsinstitut für Atomreaktoren (RIAR) hat mehrere Schwimmbadreaktoren im Betrieb: MIR.M1, RBT-6, RBT-10/1, RBT-10/2.

Im Wasser eines Schwimmbadreaktors sollen laut Atomlobbyisten angeblich sogar Menschen tauchen können - Google findet da keine Quellen dafür. Es wird mit dem Kühlwasser eines Siedewasserreaktors wie vom Atomkraftwerk Gundremmingen das ins Freie abgelassen wurde verglichen. Das ist jedoch nicht vergleichbar weil diese Schwimmbadreaktoren jeweils nur eine relativ kurze Dauer in Betrieb sind. Daher dürfte die Ummantelung der Brennstäbe die vermutlich auch dort aus Zirkonium sind nicht porös geworden sein. Das wiederum bedeutet dass die gefährlichen radioaktiven Partikel (Cäsium, Jod, Strontium, Plutonium ...) aus den Brennstäben vom Kühlwasser in Schwimmbadreaktoren nicht ausgewaschen werden können.

Geschichte

15. Dezember 1948. Der erste französische Forschungsreaktor Zoé oder EL-1, ein Schwimmbadreaktor, wird im Fort de Châtillon in Fontenay-aux-Roses, einem Vorort von Paris.Zoé in Betrieb genommen.

1955. In diesem Jahr findet in Genf die UNO-Weltkonferenz "Atoms for Peace" statt. An der Konferenz präsentiert die US-amerikanische Atombehörde AEC die Möglichkeiten der Atomenergie an dem einem eigens dafür gebauten Schwimmbad-Leichtwasserreaktor "Saphir". Da der Rücktransport des Versuchsreaktors für die US-Amerikaner mit einem erheblichen Aufwand verbunden wäre, kann die Schweiz den Reaktor "sehr günstig" für "nur" 770.000 Schweizer Franken erwerben und dann an die Reaktor AG weiterverkaufen. Zum Betrieb von "Saphir" leihen die USA der Schweiz 6 kg hoch angereichertes Uran.

1. Januar 1958. Baubeginn Reaktor MIR.M1 vom Typ Schwimmbad/Channels mit einer thermischen Leistung von 100 MWt. Dieser Schwimmbadreaktor ist einer der größten der Welt. Er dient dazu, neue Brennstofftabletten für zukünftige Atomkraftwerke zu entwickeln.

23. Februar 1962. Der Schwimmbadreaktor  Jülich 1 (FRJ-1, auch Forschungsreaktor MERLIN) wird erstmals kritisch.

10. Oktober 1970. Baubeginn Reaktor RBT-6 vom Typ Schwimmbad mit einer thermischen Leistung von 6 MWt. Er soll Proben struktureller Materialien bestrahlen und Veränderungen feststellen.

Ab 19. Dezember 1973. Der Berliner Experimentier-Reaktor II, ein Schwimmbadreaktor, wird als Neutronenquelle zu Forschungszwecken genutzt.

10. Oktober 1980. Baubeginn des libyschen Forschungsreaktors Tajura mit einer Leistung von 10 MW am Tajura Nuclear Research Center welches ca. 14 Kilometer östlich von Tripolis liegt. Es handelt sich um einen sogenannten Schwimmbadreaktor.

1. Juli 1982. Baubeginn Reaktor RBT-10/1 vom Typ Schwimmbad mit einer thermischen Leistung von 10 MWt. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung von Reaktor RBT-6.

1. Juni 1983. Baubeginn Reaktor RBT-10/2 vom Typ Schwimmbad mit einer thermischen Leistung von 7 MWt. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung von Reaktor RBT-6.

28. Juli 2000. Der bekannteste deutsche Schwimmbadreaktor ist der Forschungsreaktor München FRM I, wegen der äußeren Form seines Gebäudes „Atomei“ genannt. Er wird um 10:30 Uhr endgültig abgeschaltet, damit sein Nachfolger FRM II in Betrieb gehen kann. Dieser ist mit einer Nennleistung von 20 MW der größte Forschungsreaktor in Deutschland.

Bilder aus Wikimedia Commons
Pulstar-Reaktor in den USA, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: The original uploader was Zereshk at English Wikipedia

Quellen