Montag, 28. Januar 2013

Atomkraftwerk Gundremmingen


Atomkraftwerk Gundremmingen



















Das AKW Gundremmingen ist mit den zwei letzten in Deutschland in Betrieb befindlichen Siedewasserreaktoren Block B und Block C mit einer Leistung von 2x1344 MW das deutsche Kernkraftwerk mit der grössten Leistung. Es steht in Gundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg in Bayern.
In den Reaktoren werden je 136 Tonnen Kernbrennstoff vorgehalten. 1/5 der Brennelemente wird bei den jährlichen Revisionen ausgetauscht. Sie entsprechen dem Bautyp der im Katastrophen-AKW Fukushima I hochgegangen ist.
Betreiber ist die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG), die zu 75 % der in Essen ansässigen RWE Power AG und zu 25 % der E.ON Kernkraft GmbH gehört (Wikipedia).

2021. Laut dem schwarzgelden Atomausstieg soll Block C abgeschaltet werden

2017. Laut dem schwarzgelden Atomausstieg soll Block B abgeschaltet werden.

10.12.2012. Vom AKW Gundremmingen wird eine Tropfleckage an einem Messstutzen unterhalb des Reaktordruckbehälters von Block C am Hauptkreislauf gemeldet (Abendzeitung München).
06.09.2012. Im AKW Gundremmingen werden derzeit 48 Werkstudenten, Praktikanten und Ferienarbeiter beschäftigt. So viele unerfahrene Mitarbeiter gab es dort nie zuvor. Das ist kein gutes Zeichen (Sueddeutsche).

05.07.2012. Greenpeace kommt in einer Untersuchung zu den europaweiten "Stresstests für Kernkraftwerke" zum Schluss dass das AKW Gundremmingen alarmierende Defizite aufweist. Es ist weder gegen den Absturz eines großen Flugzeugs noch gegen einen gezielten Terroranschlag ausreichend abgesichert. Teilweise hat man "vorsichshalber" Szenarien im Stresstest gleich ganz weggelassen. Der Sicherheitsbehälter ist so schwach ausgelegt dass er dem auftretenden Druck bei einem größeren Dampfleck im Behälter nicht standhalten kann. Man verlässt sich statt dessen auf ein sogenanntes Druckabbausystem aus Kondensationskammern (contrAtom).

04.04.2012. Am 29. März konnte im Rahmen einer wiederkehrenden Prüfung in Block B wegen einer nicht korrekt funktionierenden Baugruppe ein Notstromdiesel nicht erfolgreich gestartet werden (contrAtom).

27.03.2012. Undichte Spaltelemente führen beim AKW Gundremmingen mit den alten Siedewasserrektoren immer wieder zu höheren radioaktiven Freisetzungen. Insgesamt wird dort die meiste Radioaktivität aller deutschen AKWs freigesetzt. Noch problematischer ist das weil dort Experimente mit Spaltelementen (u.a. plutoniumhaltige MOX-Brennelemente und russische WAU-Brennelemete). Ausserdem wird als Vorbereitung auf eine bisher nicht genehmigte Leistungserhöhung seit Jahren die Anreicherung der Elemente mit Uran-235 und Plutonium-239 erhöht (contrAtom).

14.11.2011. Zu Beginn der planmäßigen Revision des AKW Gundremmingen im September ist erhöhte Radioaktivität ausgetreten. Laut der Vereinigung "Internationale Ärzte zur Verhütung des Nuklearkriegs" (IPPNW) sind die Emissionen radioaktiver Edelgase, die offenbar zeitweise das 500fache des Normalwerts erreicht haben, vor allem für ungeborene Kinder im Mutterleib gesundheitsgefährdent. Das AKW Gundremmingen spricht dagegen von "kontrollierter Aktivitätsableitung über den Kamin" wobei eine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeschlossen sein soll.
Die Kraftwerksbetreiber berufen sich dabei auf einen sogenannten "Tagesgrenzwert" der alleine für die Gefahrenabschätzung relevant sein soll. Das bedeutet dass Messwerte über einen vollen Tag hinweg statistisch gemittelt werden und dann insgesamt unter dem sogenannten "Grenzwert" liegen.  (Anm. Gar Nix: "Wieso gibt es dann Menschen die bereits nach wenigen Minuten tödlich verstrahlt worden sind wenn dazu ein ganzer Tag notwendig ist?"). Laut Raimund Kamm sind die Grenzwerte nicht so bemessen, dass sie gesundheitsschützend sind.
Nach einer Landtags-Abfrage der Grünen und der IPPNW liegen nun erstmals ungemittelte Werte vor die zum Teil dramatische Spitzenwerte zeigen die wiederum das Ergebnis der Kinderkrebsstudie von 2007 "plausibel" erklären. Vom IPPNW wird deshalb in Zukunft eine Veröffentlichung von "ungemittelten Halbstundenwerten" gefordert.
Marcel Huber (CSU - Umweltminister von Bayern) behauptet immer noch "Der Schutz der Bevölkerung soll zu jedem Zeitpunkt gegeben gewesen sein (Sueddeutsche, Augsbuger Allgemeine, IPPNW).

10. November 2011. Der Umweltausschusses im Landtag beschließt dass Ursachenberichte zu Defekten beim Einsatz von MOX-Brennelementen künftig veröffentlicht werden müssen. Mehrfach wurden in der Vergangenheit Risse in den Hüllrohren der MOX-Brennelemente festgestellt. CSU und Mövenpickpartei stimmten jedoch gegen die Forderung der Grünen, die Verwendung von plutoniumhaltigen Brennelementen in Gundremmingen zu verbieten (Nürnberger Nachrichten, Augsburger Allgemeine).

08.11.2011. Nach einer Revision mit etwa 900 Prüfungen geht Block C von Gundremmingen wieder ans Netz. Bei der Revision wurden 4 defekte MOX-Brennelemente festgestellt. Laut den Ausführungen eines Vertreters des Umweltministeriums sollen die Defekte nicht nach vielen Einsatzjahren, sondern bereits von Beginn an vorhanden gewesen sein. Die Folge ist ein verstärkter Austritt von Edelgasen in den Siedewasserkreislauf die dann wiederum über den "Kamin" abgelassen werden. Es wird vermutet dass ein Produktionsfehler vorliegt. Die Tests wurden von ca. 50 Sachverständigen des TÜV Süd (an welchem die AKW-Betreiber E.on, Vattenfall und EnBW beteiligt sind) und und der Aufsichtsbehörde beaufsichtigt (Augsbuger Allgemeine, Wikipedia - TÜV Süd).

09.10.2011. Für den Ernstfall gibt es einen "Ratgeber für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerks Gundremmingen". Laut Empfehlung der Herausgeber soll er in jedem Haushalt so aufbewahrt werden dass er schnell wieder gefunden werden kann. Ein Evakuierungsplan existiert der Broschüre nach offenbar nur für die "10-Kilometerzone". Eine Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch die Behörden ist nicht vorgesehen. Man geht davon aus dass die Bevölkerung die Notunterkünfte im eigenen PKW aufsucht (das Chaos kann man sich vorstellen). Für einen Rest sind Busse vorgesehen (Augsburger Allgemeine).

28.09.2011. Während einer Revision des Blockes C werden an 4 MOX-Brennelementen aus zwei Chargen Defekte festgestellt.
02.09.2011. Ein ehemaliger Direktor des AKW Gundremmingen hat offenbar in der Kreisstadt Dillingen im Ortsteil Schretzheim seine Ehefrau erschlagen (Sueddeutsche).

21.08.2011. Block B schaltet sich wegen einer Fehlfunktion der Elektronik der Turbinensteuerung automatisch ab.

08.05.2011. Beim Herunterfahren von Block B wird festgestellt, dass sich ein Entwässerungsventil nicht richtig geschlossen hat. Nach mehreren Versuchen ließ es sich jedoch schließen.

05.05.2011. Die WHO bestätigt dass auch niedrigste Strahlung bereits gefährliche Auswirkungen hat und stellt sich damit gegen die Aussagen der IAEO (Nixblog - Auch niedrigste Strahlenwerte sind gefährlich).

27.09.2011. Die Lebenserwartung im Landkreis Dillingen soll sich wieder angeglichen haben. Laut einer Untersuchung von verschiedenen Instituten soll es schon vor der Inbetriebnahme von Block A eine erhöhte Sterblichkeit gegeben haben (Augsburger Allgemeine).

Herbst 2010. 4 Brennelemente, davon 3 MOX-Brennelemente im AKW Gundremmingen weisen Mängel auf. Bis November 2011 liegen keine Ursachenberichte vor weil laut Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt "die Brennelemente vor einer Untersuchung mehrere Monate abklingen müssen" (Augsburger Allgemeine).

18.09.2009. Nachdem bereits gestern im Untersuchungsausschuss zum Versuchsendlager ASSE  Gerüchte laut wurden, veröffentlicht heute die Presse, dass im Endlager ASSE die Asche von den 2 Menschen die durch den Unfall am 19. November 1975 in Gundremmingen starben gefunden wurden (Sueddeutsche, Stern, NDR, n-tv, Focus).

Sonntag, 6. Januar 2008. Block B wird in den frühen Morgenstunden wegen einer Leistungsminderung um 3% (ca. 40 MW) in den Niederdruckturbinen vorsorglich abgeschaltet. Grund war eine defekte Schweißnaht an einem Rohr weswegen Dampf direkt in den Kondensator gelangt ist ohne dass sie die Rotoren der Turbine passiert hat. Am 8. Januar wurde das Problem der Schweißnaht behoben. Es soll keine Meldepflicht bestanden haben da die Leistungsminderung keine sicherheitstechnische Bedeutung für die Anlage gehabt haben soll. Am 12. Januar wurde der Reaktor wieder angefahren.


05.03.2009. Die Lebenserwartung im Landkreis Dillingen ist offenbar 2 bis 2,5 Jahre kürzer als in anderen ländlich geprägten schwäbischen Landkreisen. Die Augsburger Abgeordnete Christine Kamm vermutet einen Zusammenhang mit dem Störfall Gundremmingen Block 1 von 1977 und hat zur Abklärung eine Anfrage an die Staatsregierung eingereicht. Die Grenzwerte für radioaktive Emissionen wurden damals bekanntlicherweise kurzerhand mal hochgesetzt um die radioaktiven Abwässer direkt aus dem Reaktor ins Freie abzuleiten. (Augsburger-Allgemeine).

19. Dezember 2007. Beim Bayerischen Umweltministerium wird eine Leistungserhöhung um 160 Megawatt thermisch und eine Erhöhung der elektrischen Leistung um 52 Megawatt für die Blöcke B und C beantragt.


2007. In dem Jahr wurde die Aufsichtsbehörde über 5 Zwischenfälle im Block B und vier Zwischenfälle im Block A informiert die alle sicherheitstechnisch bedeutungslos gewesen sein sollen. Die Abgabe radioaktiver Stoffe soll immer unter den Grenzwerten gelegen haben.

2007. Das Mainzer Kinderkrebsregister stellt fest dass Kleinkinder, die in der Nähe von AKWs wohnen, ein höheres Erkrankungsrisiko für Krebs und Leukämie haben  (Sueddeutsche).
Januar 2006. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz genehmigt den Bau eines sogenannten Technologiezentrums im Bereich des ehemaligen Block A. Dort dürfen in Zukunft folgende Arbeiten durchgeführt werden:
  • Bearbeitung sonstiger radioaktiver Stoffe mit dem Ziel der Freigabe
  • Konditionierung radioaktiver Abfälle
  • Komponenteninstandhaltung
  • Herstellung und Lagerung von Werkzeugen und Geräten
  • Lagerung und Transportbereitstellung von konditionierten und unkonditionierten Abfällen bis zu deren Verarbeitung bzw. deren Abtransport
Mit dieser Genehmigung wird auch die Ableitung radioaktiver Stoffe über den Kamin erlaubt. Maximal zulässige Radioaktivitätsabgabe pro Jahr: 50 MBq für aerosolförmige Radionuklide mit Halbwertszeiten von mehr als 8 Tagen (außer Iod-131), maximal 0,5 MBq für Iod-131 und maximal 100.000 MBq für Tritium.
Nach Umbau und Modernisierung werden in dem Technologiezentrum Teile von Atomkraftwerken und Reststoffe mechanisch und chemisch behandelt oder dekontaminiert. Es ist auch vorgesehen, Komponenten von Atomkraftwerken zu warten oder zu reparieren. Auch Spezialwerkzeuge und -geräte sollen dort angefertigt und bis zum Einsatz vorgehalten werden.

August 2004. Auf dem Gelände des AKW Gundremmingen entsteht ein Zwischenlager (ZL) für verbrauchte Brennelemente mit einem Schwermetallgewicht von 2250 Tonnen. Es verfügt über 192 Lagerplätze und wurde 2006 in Betrieb genommen. Der Rohbau der Halle (104 Meter lang, 38 Meter breit und 18 Meter hoch) wurde Ende 2005 fertiggestellt. Die Betonwände sind 70 bis 120 Zentimeter dich und damit teilweise dünner ausgelegt als vergleichbare Lager in Norddeutschland. Die beiden Hallentore haben jeweils ein Gewicht von 50 Tonnen. Das Betondach ist 55 cm dick und damit auch bedeutend schwächer als z.B. beim ZL Brokdorf mit 130 Zentimetern.
Eröffnet und mit Castorbehältern aus dem AKW wurde das Lager am 25. August 2006 nach dem Innenausbau der Elektroinstallation, der Heizungs- und Lüftungstechnik, dem Einbau von Schwerlastkränen und Restarbeiten im Außenbereich.

Septemmber 1999. Es wird eine Leistungserhöhung von 1344 MW auf 1450 MW für die Blöcke B und C beantragt. Diese liegt jedoch auf Eis.

1995. Es werden weltweit erstmals bei Siedewasserreaktoren in großem Umfang MOX-Brennelemente eingesetzt.

Ende 1994. Die Betreiber von Gundremmingen kündigen die Verträge mit den Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield. Die Brennelemente werden langfristig Zwischengelagert.

17. Dezember 1993. Mit dem russischen Kernkraftwerk Nowoworonesch wird im Rahmen des "Twinning-Programms der EU für den internationalen Erfahrungsaustausch eine Partnerschaft geschlossen.

1987. In Block C kommt es durch die Explosion von angesammeltem Knallgas zu einer Beschädigung von Anlagenkomponenten.

Juli 1986. Eine Gruppe "Edelweiß-Piraten" hat an zwei Strommastern in der Nähe des AKW Gundremmingen 40 Kilogramm Sprengstoff in Feuerlöschern deponiert. Der Anschlag kann knapp verhindert werden (Spiegel, Nexus-Board).

26. Oktober 1984. Block C wird fertiggestellt.

9. März 1984. Block B wird fertiggestellt.

1983. Man beginnt mit dem Rückbau von Block A des AKW Gundremmingen. Er sollte bis 2005 abgeschlossen werden. Beim Rückbau sollen nach Angaben des Herstellers etwa 10.000 Tonnen Schrott angefallen sein. 86% davon wiederverwertbar. Für 14% benötigt man ein sicheres Endlager für radioaktive Abfälle welches aber technisch bekanntlich nicht machbar ist (Nixblog). Block A hat bis zum Unfall 13,8 Mrd. KWh elektrische Energie in das Stromnetz eingespeist.

1978. Etwa 1 Kilometer östlich des AKWs wird der Meteo-Turm, ein 174 Meter hoher Stahlbetonturm mit Messergäten zur Überwachung der klimatischen Bedingungen und der Radioaktivität in der Luft gebaut.

Herbst 1977. Bei näherer Untersuchung der Rohranlagen werden viele Rohranrisse gefunden. Das löste grosse Sorgen aus. Bis dahin hatte man geglaubt dass die Rohre aus Spezialstahl zuverlässig dicht wären.

13. Januar 1977. Bei einem Unfall wird der gesamte Reaktor des AKW Gundremmingen A zerstört. Es hatte bei kaltem unnd feuchten Wetter ausserhalb des AKWs an zwei Hochspannungsleitungen Kurzschlüsse gegeben. Daher musste eine Schnellabschaltung eingeleitet werden. Mehrere Anlagenteile funktionierten nicht richtig. Durch die Fehlsteuerung wurde zuviel Wasser in den Reaktor gepresst. Durch Überdruckventile ergossen sich dann 200.000 Liter radioaktives Kühlwasser mit einer Temperatur von 80°C in das Reaktorgebäude. Hier ist zu berücksichtigen dass es sich um Kühlwasser das  kurz vorher im Containement noch Brennstäbe mit porösen Hüllen umspült hat handelte. Daher hat dieses Wasser die komplette Bandbreite radioaktiver Isotope die dort beim Betrieb entstanden sind behinhaltet. Im Reaktorgebäude staute es sich bereits 10 Minuten etwa drei bis vier Meter hoch auf.
Nachdem man extra neue Grenzwerte festgelegt hat wurde das radioaktiv verseuchte Wasser anschließend ebenso wie die Gase die frei geworden waren einfach in die Umwelt abgeleitet und die Grenzwerte (die man soeben neu dafür festgelegt hatte) angeblich eingehalten. Danach wurden offenbar Leiharbeiter (auch "nukleare Tagelöhner" oder "Strahlenfutter" genannt) eingesetzt die das Gebäude von Hand reinigen durften.
Genaue Fakten und Zahlen über die radioaktive Belastung der Umwelt durch diesen Störfall liegen der Öffentlichkeit bis heute nicht vor. Laut der Körblein Studie ist die Krebsrate um das Atomkraftwerk Gundremmingen signifikant erhöht. Im Mai 1985 und im September 1985 wies der Astrophysiker Peter Kafka darauf hin dass in einem Gebiet östlich vom AKW die Häufigkeit von Missbildungen bei Kindern fast doppelt so hoch war wie im Landesdurchschnitt (ÖDP, Nachrichten-Cafe,bfs).
Neben der Instandsetzung verlangten Politik und Aufsichtsbehörden nach dem Unfall eine Modernisierung der Leit- und Sicherheitstechnik. Wegen der für die Modernisierung erforderlichen Investitionen von 180 Millionen DM verzichteten die Betreiber später auf eine Wiederinbetriebnahme, zumal sich die neuen Blöcke B und C bereits im Bau befanden. Die kontaminierten Stahlteile wurden in Behälter gegossen und im Zwischenlager Mitterteich eingelagert.
Wolfgang Schluchter (Sozialwissenschaftler, späteres Gründungsmitglied der Grünen) arbeitete zu dem Zeitpunkt im Kernforschungszentrum Karlsruhe und in den AKWs Obrigheim, Gundremmingen A, in Würgassen und im US-amerikanischen Battelle-Institut in Frankfurt am Main wo er an einem Nachbau eines Atomreaktors erforschen sollte wie sich AKWs im Störfall verhalten und wie mögliche Unfälle verhindert werden können. Unter dem Eindruck des Störfalls veröffentlichte er seine Schrift "Polizei und Wissenschaft, vereint gegen Bürgerinitiativen" und wurde deshalb aus dem Institut entlassen, des Hochverrats angeklagt, jedoch nicht verurteilt. Ausserdem wurde er mit einem Berufsverbot belegt. Die US-amerikanische Militärpolizei durchsuchte zudem seine Wohnung und beschlagnahmte seine wissenschaftlichen Manuskripte (Wikipedia - Wolfgang Schluchter).

19. Juli 1976. Man beginnt mit dem Bau der Blöcke B und C. Das sind zwei benachbarte, baugleiche Blöcke die sich aus jeweils einem Reaktorgebäude, einem Maschinenhaus und einem 161 Meter hohen Naturzug-Nasskühlturm zusammensetzen. Wie bei Block A handelt es sich um Siedewasserreaktoren der Baureihe 72 (benannt nach dem Jahr in dem sie erstmals konzipiert wurden). Der 170 Meter hohe Abluftkamin wird von den Blöcken B und C gemeinsam genutzt.
In den beiden Reaktoren befinden sich jeweils rund 136 Tonnen Atombrennstoff in 784 Brennelementen. Die Brennelemente bleiben rund 5 Jahre im Atomreaktor. Bei jählichen Revisionen werden etwa ein Fünftel der Elemente ausgetauscht. Das Wasser für die Kühltürme wird über einen 1,4 Kilometer langen Kanal der Donau entnommen. Die Rückleitung erfolgt über eine unterirdische Rohrleitung.
Der Netzanschluss erfolgt über die Schaltanlage Gundelfingen auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Netz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.

1976. Das AKW Gundremmingen A wird ausschließlich mit Plutonium (MOX-Brennelemente) betrieben.

19. November 1975. Im AKW Gundremmingen kommt einem Unfall bei dem zwei Menschen sterben und 3 Menschen verstrahlt werden (Spiegel).
Gegen 6 Uhr wird Block A abgeschaltet und drucklos gemacht. Danach wird von zwei Schlossern ein Nebensystem des Primärwasser-Reinigungskreislaufs indem sich eine fehlerhafte Stopfbuchse befindet mit zwei Absperrventilen stromaufwärts und -abwärts vom System getrennt. Um 10 Uhr 42 die Halterung der Stopfbuchse um diese auszutauschen. Dabei platzt der Ventildeckel unerwartet ab weil sich  - aus Zeitgründen und Kostenersparniss - unbemerkt in diesem Teil der Leitung gespanntes Dampf-Wasser-Gemisch mit einem Druck von 65 bar und einer Temperatur von ca. 265 °C befand. Das Gemisch tritt explosionsartig aus.
Otto Huber, der jüngere der beiden, ein Meister im Alter von 34 Jahren wurde von dem Strahl direkt getroffen und ist sofort gestorben. Er konnte erst 15 Minuten nach dem Unfall von anderen Kraftwerksmitarbeitern in schweren Strahlenschutzanzügen geborgen werden.
Josef Ziegelmüller war 46 Jahre alt und konnte zunächst trotz schwerer Verbrennungen noch zur Personenschleuse rennen, ist dann jedoch vor Schmerzen kurz davor zusammengebrochen. Er wurde zur Notversorgung in das nahe Krankenhaus Lauingen gebraucht. Danach kam er mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik für Brandverletzungen in Ludwigshafen wo er in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages verstarb. Während des Flugs konnte er den Unfallhergang jedoch noch schildern.
Der Tod soll laut offizieller Verlautbarung durch "Verbrennungen mit Kühlwasser" eingetreten sein. Da taucht bei mir sofort die Frage auf ob dabei eine "akute Strahlenkrankheit" die Ursache dafür war dass die Verbrennungen zum Tod geführt haben. Ich zitiere dazu einmal aus den Symptomen: der akuten Strahlenkrankheit "Das Infektionsrisiko steigt stark an" und "Bei Todesfällen sind die Ursachen Infektionen und Blutungen" und erinnere daran dass die Beta-Strahlung durch N-16 im Kühlwasser "aussergewöhnlich energiereich" ist (Wikipedia). Durch die porösen Umhüllungen der Brennstäbe sind ausserdem weitere radioaktive Isotope mit längerer Lebensdauer in das Kühlwasser des Reaktors gelangt (Nixblog).
Nachdem erste Messungen der Radioaktivität erhöhte Werte ergeben hatten wurden die beiden Leichen unter besonderer Abschirmung ist das Schwabinger Krankenhaus in München gebracht. Eine Dekontamination durch Abwaschen war wegen der grossflächigen Verbrennungen nicht möglich. Die Obduktion fand 2 Tage später statt. Von den beiden Leichen wurden dazu Teile abgetrennt (Lungenteile, Hirnhaut, Schilddrüse, Nieren, Teile von Leber und Milz) und bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in München auf Radioaktivität untersucht. Die Strahlung soll den Untersuchungsergebnissen nach wegen der nur kurzen Strahlungsdauer keine möglichen Grenzwerte erreicht haben. Genaue Fakten und Zahlen über die radioaktive Belastung der Umwelt durch diesen Störfall liegen der Öffentlichkeit bis heute nicht vor. Die meiste Strahlung soll an den Resten von Kleidern und Haaren festgestellt worden sein.
Nach der Obduktion wurden die Leichen im Schwabinger Krankenhaus in Zinksärge eingelötet. Die Angehörigen durften sie nicht noch einmal sehen. Sechs Tage nach dem Unfall wurden die beiden Männer in Lauingen unter Anteilnahme von Atomkraftwerksleitung und Aufsichtsbehörde beerdigt.
In den ersten Meldungen der Behörden war noch von einer "starken Kontamination" bei dem Unfall die Rede. Später wurde daraus "radiologisch bedeutungslos". Die Unterlagen zu den entnommenen Organteilen bekamen den Stempel "vertraulich". Bis 1976 lagerten die Leichenteile bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in Neuherberg. Später wurden sie als "klinische Abfälle" deklariert und im Kernforschungszentrum Karlsruhe verbrannt. Die Asche kam in 200-Liter-Fässern in das Salzbergwerk ASSE. Genau sagen kann später niemand mehr wo die menschlichen Überreste liegen.

1974. Das AKW Gundremmingen A wird als weltweit erstes Atomkraftwerk teilweise mit Plutonium (MOX-Brennelemente) bestückt.

Dezember 1966. Das AKW Gundremmingen A mit einer Leistung von 237 MW geht ans Netz. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Siedewasserreaktor bei dem mit dem Kühlwasser aus dem Reaktor auch die Turbine angetrieben wird.


1963. Der TÜV München erstellt ein Sicherheitsgutachten und äußert nach der Prüfung der Baupläne für das AKW schwerste Bedenken weil bei einem Bruch der Speisewasserleitung das Reaktordruckgefäß innerhalb von 10 Sekunden alles Wasser verlieren. würde. In der Folge würden praktisch alle radioaktiven Spaltprodukte aus dem AKW in die Atmosphäre freigesetzt werden. Das bayerische Umweltministerium gibt dennoch die Genehmigung zum Bau (ÖDP, Wikipedia).

14. Dezember 1962. Bereits jetzt nur 5 Monate nach Antragsstellung wird der Bau des AKW Gundremmingen genehmigt. Zuvor war eine protestierende „Notgemeinschaft Atom-Kraftwerk Gundremmingen-Offingen“ mit in Aussicht gestellten Geldern zum Verstummen gebracht worden.

13. Juli 1962. Nachdem die Stadt Nürnberg wegen ihrer Trinkwasserschutzgebiete im Mündungsgebiet des Lechs gegen den anfangs geplanten Standort Bertoldsheim an der Donau protestiert hatte, wurde rund 50 Kilometer donauaufwärts in Gundremmingen (Wikipedia) Deutschlands erstes Großkernkraftwerk am 13. Juli 1962 beantragt, schon am 14. Dezember 1962 genehmigt und im Dezember 1966 in Betrieb genommen.
Artikel zum Thema Energie im Nixblog

Kommentare:

  1. Denk mal lieber selber nach bevor du in den allgemeinen Hassgesang auf die Atomkraft mit einstimmst, befor du sachen sagst die von grund auf einfach bescheuert sind. Zum Beispel deine Äußerung zu Thema tödliche Strahlendosis. Es wurde nie gesagt das ein ganzer Tag notwendig ist um kontaminiet zu werden, lediglich die gesammte Tagesdosis soll betrachtet werden. WEnn man nämlich nur eine Minute Meßen würde und das dan werten würde, würden Mengen unterschlagen. Somit ist dies auch in deinem Interesse. Also denk einfach mal selber drüber nach, bevor du alles was irgendwie komisch klingt gleich als hasstriade verkündest

    AntwortenLöschen
  2. Lieber Anonym. Das ist völliger Blödsinn was Du schreibst. Nein, die Tagesdosis reicht absolut nicht aus. Man benötigt wie aus meinem Beispiel ersichtlich eine Tageskurve (oder möglichst viele Messpunkte über den Tag gemessen) aus der auch die Spitzendosen ersichtlich sind. Also denk darüber nach bevor Du alles was irgendwie komisch klingt gleich zur Verniedlichung benützt.

    AntwortenLöschen