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| WHO-Zentrale in Genf |
Die WHO ist eine Sonderorganisation der
Vereinten Nationen. Sitz ist Genf in der Schweiz. Gegründet wurde
die WHO am 7. April 1948. Sie hat 194 Mitgliedsstaaten und soll das
internationale öffentliche Gesundheitswesen koordinieren.
Die Verfassung der WHO konstatiert,
dass ihr Ziel die Verwirklichung des bestmöglichen
Gesundheitsniveaus bei allen Menschen ist. Hauptaufgabe ist die
Bekämpfung der Erkrankungen. Besonderer Schwerpunkt sind
Infektionskrankheiten und die Förderung der allgemeinen Gesundheit
der Menschen.
Die Geschichte der WHO
22. Juli 1946. Die Verfassung der WHO
wird in New York verabschiedet und von 61 Staaten unterzeichnet.
7. April 1948. Die Verfassung der WHO
tritt nach der Ratifikation des 26. Unterzeichnerstaates in Kraft.
28. Mai 1959. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) und die WHO schlossen auf der 8.
Weltgesundheitsversammlung die später mehr als 40 Jahre lang
geheimgehaltene Resolution WHA12/40. Darin wird festgelegt, dass die
Verantwortung für Untersuchungen, Entwicklungen und Anwendungen auf
dem Gebiet der Atomenergie primär bei der IAEO liegt und die WHO die
IAEO bei entsprechenden Aktivitäten konsultieren und betreffende
Fragen einvernehmlich klären muss. Diese Abhängigkeit der WHO von
der IAEO wird später oft kritisiert, weil dadurch die Zahl der
weltweiten Opfer der Katastrophe von Tschernobyl von der WHO und der
IAEO gemeinsam als viel zu niedrig beziffert würden. Von einigen
Seiten wird daher die Auflösung dieser Resolution gefordert.
1971. Taiwan (Republik China) wird aus
den Vereinten Nationen ausgeschlossen. Das Gesuch um einen Beitritt
zur WHO im Beobachterstatus wird 2004 wegen der sogenannten
Ein-China-Politik abgelehnt.
1995. WHO und IAEO veranstalten in Kiew
die erste Tschernobyl-Konferenz. Von den mehr als 700 Dokumenten
wurden bis 2011 nur 12 veröffentlicht. Durchgesetzt haben soll das
die IAEO unter Berufung auf das Abkommen von 1959.
2001. WHO und IAEO veranstalten in Kiew
eine Tschernobyl-Konferenz. Die WHO hat bisher entgegen der Wahrheit
behauptet dass die zugehörigen Dokumente vollständig veröffentlicht
wären. Veröffentlicht wurde jedoch nur eine knappe Zusammenfassung.
Durchgesetzt haben soll das die IAEO unter Berufung auf das Abkommen
von 1959.
2005. Die WHO gerät wegen ihrem
Verhalten bei der Pandemiebekämpfung in die Kritik. Im Mai 2005
warnte Impfdirektors Klaus Stöhr nach dem Auftreten der Vogelgrippe
(H5N1-Virus) vor „einer möglichen weltweiten Grippeepidemie bis zu
7 Mio. Toten“. Daraufhin wurde von Regierungen für viele Mio. Euro
die Grippemittel Tamiflu und Relenza angeschafft. Das Virus
verbreitete sich zwar weltweit. Es kam jedoch nur selten zu
Erkrankungen bei Menschen. Weltweit starben „nur“ 152 Menschen an
der Vogelgrippe. Das sind viel weniger als bei einer saisonalen
Grippe. 2007 ist Klaus Stöhr von der WHO zum Pharmakonzern Novartis
gewechselt.
2009. Während der
Schweinegrippe-Epidemie (A/H1N1-Virus) wurde die Epidemiewarnstufe
schrittweise bis zur höchsten Stufe 6 (Pandemie) erhöht. Daraufhin
bestellten die Regierungen Impfstoffe und Grippemittel. Alleine
Deutschland hat 450 Mio. Euro dafür ausgegeben. Wundern muss man
sich darüber nicht. Marie-Paule Kieny, die Direktorin der
WHO-Impfstoffabteilung arbeitete vor ihrer derzeitigen Tätigkeit
beim französischen Pharmakonzern Transgene S.A. Dieser wiederum
unterhält strategische Partnerschaften zur Impfstoffherstellung mit
dem Schweizer Pharmakonzern Roche. Der Europarat untersuchte
daraufhin den Verdacht ob es ein Zusammenspiel zwischen WHO und
Pharmaindustrie gab.
2009. Unter dem Druck privater und
staatlicher Geldgeber wurde die Abteilung für Strahlenbiologie in
der Genfer WHO-Zentrale geschlossen so dass die WHO heute [2011] in
dem Bereich keine eigene Kompetenz mehr hat und dort nur noch eine
einzige Strahlenbiologin beschäftigt. Davor hat der stellvertretende
Leiter den Versuch unternommen, niedrigere WHO-Grenzwerte für die
Belastung mit Jod durchzusetzen und ist am Einspruch der IAEO und
Frankreichs gescheitert.
2009. Die WHO erhält den
Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Internationale
Zusammenarbeit.
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| Margaret Chan |
5. Mai 2011. Margaret Chan
(Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO)) erklärt
bei einem Treffen mit Mitgliedern der kritischen „Initiative für
eine unabhängige WHO“: „Es gibt keine ungefährlichen
Niedrigwerte radioaktiver Strahlung“ und bricht damit erstmals das
Maulkorbabkommen von 1959 mit der IAEO. Bisher hat die WHO die von
der IAEO vorgegebene Position vertreten, dass radioaktive Strahlung
unterhalb bestimmter Grenzwerte ungefährlich sei.
Die Aussage Chans bezieht sich auf die
Strahlung von radioaktiven Partikeln (z.B. Jod-131, Cäsium-137,
Strontium-90 und Plutonium) die über Nahrungsmittel, Wasser oder
Atemluft im Körper aufgenommen werden, sich in Schilddrüse, Knochen
oder inneren Organen ablagern und dort weiterstrahlen. Seit
Tschernobyl wurden von unabhängigen Wissenschaftlern Untersuchungen
durchgeführt laut denen bis zu 95% aller durch radioaktive Strahlung
verursachten Krebsfälle und genetischen Veränderungen durch interne
Strahlung verursacht wird. WHO und IAEO haben die interne Strahlung
bisher immer verneint und sich bei allen Aussagen zu potentiellen
Gesundheitsgefahren immer nur auf externe radioaktive Strahlung
bezogen.
Zudem distanzierte sich Chan auch von
den bisherigen Aussagen der WHO zu den Folgen von Tschernobyl: „Ich
persönlich glaube nicht, daß der Nuklearunfall in Tschernobyl nur
50 Todesopfer gefordert hat“. Sie verteidigt jedoch, daß die WHO
bis heute die Messergebnisse zu Fukushima unter Verschluss hält, die
sie und die IAEO regelmäßig von der internationalen Behörde zur
Überwachung des Abkommens über den Teststopp von Atomwaffen (CTBTO)
bekommt. Die CTBTO hat weltweit 80 Messstellen um radioaktive
Strahlung in der Atmosphäre zu registrieren.
Die „Zentralanstalt für Meteorologie
und Geodynamik (ZAMG) in Wien hat ebenfalls auf die Messergebnisse
der CTBTO Zugriff und stellte bereits Ende März, kurz nach Beginn der Katastrophe von Fukushima einen deutlich
höheren Austritt aus dem Katastrophen-AKW fest, als die japanischen
Behörden, die WHO und die IAEO.
11. Mai 2011. Renate Künast und Jürgen
Trittin fordern mit der Fraktion der Grünen im Bundestag die
Auflösung des Maulkorbvertrags von 1959 zwischen IAEO und WHO:
„Damit nimmt die IAEO de facto entscheidenden Einfluss auf die
gesundheitliche Bewertung atomarer Katastrophen, ohne dafür weder
über ein Mandat noch über ausreichende wissenschaftliche Expertise
und Unabhängigkeit zu verfügen.
Die Hauptziele der IAEO (Förderung der
friedlichen Nutzung der Atomkraft) und der WHO (allen Völkern und
allen Menschen zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes
zu verhelfen) stehen in einem unauflösbaren Widerspruch. Dies zeigt
sich beispielsweise auch an den unhaltbaren Differenzen der Angaben
über die Zahl der Todesfälle infolge der Reaktorkatastrophe in
Tschernobyl. Während nach Angaben der IPPNW (International
Physicians for the Prevention of Nuclear War/ Ärzte in sozialer
Verantwortung e. V.) die IAEO an der Zahl von nur 50 Toten und 4000
Krebskranken festhält, geht die WHO immerhin von bis zu 9000 aus.
Andere Berechnungen nennen bis zu 1,8 Millionen Tote. Sicher ist,
dass von den mehr als 800.000 sogenannten Liquidatoren mehr als
100.000 bereits gestorben sind.
Adäquate Risikovorsorge und
Katastrophenbewältigung braucht eine unabhängige Forschung,
Bewertung und auch das uneingeschränkte Recht, unabhängige und
freie Veröffentlichungen von Ergebnissen und Empfehlungen vornehmen
zu können. Der Vertrag von 1959 mit der IAEO steht dem diametral
entgegen.
Die WHO nimmt auch aktuell im Rahmen
der Katastrophe von Fukushima ihre Aufgabe nicht angemessen wahr. Zur
Messung der Strahlenwerte und damit der Gefährdung von Leib und
Leben der Menschen in Japan und rund um den Reaktor hat die WHO kein
eigenes Team vor Ort. Dadurch gibt es auch keine unabhängig
erhobenen Messwerte. Die ihr zur Verfügung stehenden Messwerte
stammen von dem Betreiber des Atomkraftwerks Tepco und der IAEO und
waren zum Teil falsch und geschönt. Eine unabhängige Untersuchung
durch die WHO fand weder in Tschernobyl noch in Fukushima statt.
Dieser unhaltbare Zustand muss beendet werden.
Der Deutsche Bundestag fordert die
Bundesregierung daher auf,
bei der kommenden
Weltgesundheitsversammlung (WHA) im Mai 2011 eine sofortige
Annullierung des Vertrages zwischen WHO und IAEO vom Mai 1959 zu
beantragen.
sich als Mitglied des Exekutivrates der
WHO für eine größtmögliche Unabhängigkeit sowie eine
ausreichende Personalausstattung der WHO bei Untersuchungen,
Bewertungen und Empfehlungen zu den Auswirkungen ionisierenden
Strahlung und atomarer Katastrophen einzusetzen.
sich des Weiteren dafür einzusetzen,
dass die WHO im Fall solcher Katastrophen zukünftig mit eigenem
Personal und ausreichender technischer Ausstattung Messungen vor Ort
durchführen kann, um im Anschluss unabhängige Empfehlungen für
Schutz- und Hilfsmaßnahmen geben zu können.“
Bilder aus Wikimedia Commons
WHO-Zentrale in Genf, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: Yann Forget
Margaret Chan, Lizenz:
Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Brasilien, Fabio
Pozzebom/ABr
Quellen
11.05.2011, Deutscher Bundestag, 17.
Wahlperiode, Drucksache 17/5769, Vertrag zwischen IAEO und WHO vom
Mai 1959 kündigen, Für eine unabhängige und effektive WHO
(PDF-Datei)

