Donnerstag, 24. Mai 2018

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

WHO-Zentrale in Genf














Die WHO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sitz ist Genf in der Schweiz. Gegründet wurde die WHO am 7. April 1948. Sie hat 194 Mitgliedsstaaten und soll das internationale öffentliche Gesundheitswesen koordinieren.
Die Verfassung der WHO konstatiert, dass ihr Ziel die Verwirklichung des bestmöglichen Gesundheitsniveaus bei allen Menschen ist. Hauptaufgabe ist die Bekämpfung der Erkrankungen. Besonderer Schwerpunkt sind Infektionskrankheiten und die Förderung der allgemeinen Gesundheit der Menschen.

Die Geschichte der WHO

22. Juli 1946. Die Verfassung der WHO wird in New York verabschiedet und von 61 Staaten unterzeichnet.

7. April 1948. Die Verfassung der WHO tritt nach der Ratifikation des 26. Unterzeichnerstaates in Kraft.

28. Mai 1959. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) und die WHO schlossen auf der 8. Weltgesundheitsversammlung die später mehr als 40 Jahre lang geheimgehaltene Resolution WHA12/40. Darin wird festgelegt, dass die Verantwortung für Untersuchungen, Entwicklungen und Anwendungen auf dem Gebiet der Atomenergie primär bei der IAEO liegt und die WHO die IAEO bei entsprechenden Aktivitäten konsultieren und betreffende Fragen einvernehmlich klären muss. Diese Abhängigkeit der WHO von der IAEO wird später oft kritisiert, weil dadurch die Zahl der weltweiten Opfer der Katastrophe von Tschernobyl von der WHO und der IAEO gemeinsam als viel zu niedrig beziffert würden. Von einigen Seiten wird daher die Auflösung dieser Resolution gefordert.

1971. Taiwan (Republik China) wird aus den Vereinten Nationen ausgeschlossen. Das Gesuch um einen Beitritt zur WHO im Beobachterstatus wird 2004 wegen der sogenannten Ein-China-Politik abgelehnt.

1995. WHO und IAEO veranstalten in Kiew die erste Tschernobyl-Konferenz. Von den mehr als 700 Dokumenten wurden bis 2011 nur 12 veröffentlicht. Durchgesetzt haben soll das die IAEO unter Berufung auf das Abkommen von 1959.

2001. WHO und IAEO veranstalten in Kiew eine Tschernobyl-Konferenz. Die WHO hat bisher entgegen der Wahrheit behauptet dass die zugehörigen Dokumente vollständig veröffentlicht wären. Veröffentlicht wurde jedoch nur eine knappe Zusammenfassung. Durchgesetzt haben soll das die IAEO unter Berufung auf das Abkommen von 1959.

2005. Die WHO gerät wegen ihrem Verhalten bei der Pandemiebekämpfung in die Kritik. Im Mai 2005 warnte Impfdirektors Klaus Stöhr nach dem Auftreten der Vogelgrippe (H5N1-Virus) vor „einer möglichen weltweiten Grippeepidemie bis zu 7 Mio. Toten“. Daraufhin wurde von Regierungen für viele Mio. Euro die Grippemittel Tamiflu und Relenza angeschafft. Das Virus verbreitete sich zwar weltweit. Es kam jedoch nur selten zu Erkrankungen bei Menschen. Weltweit starben „nur“ 152 Menschen an der Vogelgrippe. Das sind viel weniger als bei einer saisonalen Grippe. 2007 ist Klaus Stöhr von der WHO zum Pharmakonzern Novartis gewechselt.

2009. Während der Schweinegrippe-Epidemie (A/H1N1-Virus) wurde die Epidemiewarnstufe schrittweise bis zur höchsten Stufe 6 (Pandemie) erhöht. Daraufhin bestellten die Regierungen Impfstoffe und Grippemittel. Alleine Deutschland hat 450 Mio. Euro dafür ausgegeben. Wundern muss man sich darüber nicht. Marie-Paule Kieny, die Direktorin der WHO-Impfstoffabteilung arbeitete vor ihrer derzeitigen Tätigkeit beim französischen Pharmakonzern Transgene S.A. Dieser wiederum unterhält strategische Partnerschaften zur Impfstoffherstellung mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche. Der Europarat untersuchte daraufhin den Verdacht ob es ein Zusammenspiel zwischen WHO und Pharmaindustrie gab.

2009. Unter dem Druck privater und staatlicher Geldgeber wurde die Abteilung für Strahlenbiologie in der Genfer WHO-Zentrale geschlossen so dass die WHO heute [2011] in dem Bereich keine eigene Kompetenz mehr hat und dort nur noch eine einzige Strahlenbiologin beschäftigt. Davor hat der stellvertretende Leiter den Versuch unternommen, niedrigere WHO-Grenzwerte für die Belastung mit Jod durchzusetzen und ist am Einspruch der IAEO und Frankreichs gescheitert.

2009. Die WHO erhält den Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Internationale Zusammenarbeit.

Margaret Chan
5. Mai 2011. Margaret Chan (Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO)) erklärt bei einem Treffen mit Mitgliedern der kritischen „Initiative für eine unabhängige WHO“: „Es gibt keine ungefährlichen Niedrigwerte radioaktiver Strahlung“ und bricht damit erstmals das Maulkorbabkommen von 1959 mit der IAEO. Bisher hat die WHO die von der IAEO vorgegebene Position vertreten, dass radioaktive Strahlung unterhalb bestimmter Grenzwerte ungefährlich sei.
Die Aussage Chans bezieht sich auf die Strahlung von radioaktiven Partikeln (z.B. Jod-131, Cäsium-137, Strontium-90 und Plutonium) die über Nahrungsmittel, Wasser oder Atemluft im Körper aufgenommen werden, sich in Schilddrüse, Knochen oder inneren Organen ablagern und dort weiterstrahlen. Seit Tschernobyl wurden von unabhängigen Wissenschaftlern Untersuchungen durchgeführt laut denen bis zu 95% aller durch radioaktive Strahlung verursachten Krebsfälle und genetischen Veränderungen durch interne Strahlung verursacht wird. WHO und IAEO haben die interne Strahlung bisher immer verneint und sich bei allen Aussagen zu potentiellen Gesundheitsgefahren immer nur auf externe radioaktive Strahlung bezogen.
Zudem distanzierte sich Chan auch von den bisherigen Aussagen der WHO zu den Folgen von Tschernobyl: „Ich persönlich glaube nicht, daß der Nuklearunfall in Tschernobyl nur 50 Todesopfer gefordert hat“. Sie verteidigt jedoch, daß die WHO bis heute die Messergebnisse zu Fukushima unter Verschluss hält, die sie und die IAEO regelmäßig von der internationalen Behörde zur Überwachung des Abkommens über den Teststopp von Atomwaffen (CTBTO) bekommt. Die CTBTO hat weltweit 80 Messstellen um radioaktive Strahlung in der Atmosphäre zu registrieren.
Die „Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien hat ebenfalls auf die Messergebnisse der CTBTO Zugriff und stellte bereits Ende März, kurz nach Beginn der Katastrophe von Fukushima einen deutlich höheren Austritt aus dem Katastrophen-AKW fest, als die japanischen Behörden, die WHO und die IAEO.

11. Mai 2011. Renate Künast und Jürgen Trittin fordern mit der Fraktion der Grünen im Bundestag die Auflösung des Maulkorbvertrags von 1959 zwischen IAEO und WHO: „Damit nimmt die IAEO de facto entscheidenden Einfluss auf die gesundheitliche Bewertung atomarer Katastrophen, ohne dafür weder über ein Mandat noch über ausreichende wissenschaftliche Expertise und Unabhängigkeit zu verfügen.
Die Hauptziele der IAEO (Förderung der friedlichen Nutzung der Atomkraft) und der WHO (allen Völkern und allen Menschen zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen) stehen in einem unauflösbaren Widerspruch. Dies zeigt sich beispielsweise auch an den unhaltbaren Differenzen der Angaben über die Zahl der Todesfälle infolge der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Während nach Angaben der IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War/ Ärzte in sozialer Verantwortung e. V.) die IAEO an der Zahl von nur 50 Toten und 4000 Krebskranken festhält, geht die WHO immerhin von bis zu 9000 aus. Andere Berechnungen nennen bis zu 1,8 Millionen Tote. Sicher ist, dass von den mehr als 800.000 sogenannten Liquidatoren mehr als 100.000 bereits gestorben sind.
Adäquate Risikovorsorge und Katastrophenbewältigung braucht eine unabhängige Forschung, Bewertung und auch das uneingeschränkte Recht, unabhängige und freie Veröffentlichungen von Ergebnissen und Empfehlungen vornehmen zu können. Der Vertrag von 1959 mit der IAEO steht dem diametral entgegen.
Die WHO nimmt auch aktuell im Rahmen der Katastrophe von Fukushima ihre Aufgabe nicht angemessen wahr. Zur Messung der Strahlenwerte und damit der Gefährdung von Leib und Leben der Menschen in Japan und rund um den Reaktor hat die WHO kein eigenes Team vor Ort. Dadurch gibt es auch keine unabhängig erhobenen Messwerte. Die ihr zur Verfügung stehenden Messwerte stammen von dem Betreiber des Atomkraftwerks Tepco und der IAEO und waren zum Teil falsch und geschönt. Eine unabhängige Untersuchung durch die WHO fand weder in Tschernobyl noch in Fukushima statt. Dieser unhaltbare Zustand muss beendet werden.
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung daher auf,
bei der kommenden Weltgesundheitsversammlung (WHA) im Mai 2011 eine sofortige Annullierung des Vertrages zwischen WHO und IAEO vom Mai 1959 zu beantragen.
sich als Mitglied des Exekutivrates der WHO für eine größtmögliche Unabhängigkeit sowie eine ausreichende Personalausstattung der WHO bei Untersuchungen, Bewertungen und Empfehlungen zu den Auswirkungen ionisierenden Strahlung und atomarer Katastrophen einzusetzen.
sich des Weiteren dafür einzusetzen, dass die WHO im Fall solcher Katastrophen zukünftig mit eigenem Personal und ausreichender technischer Ausstattung Messungen vor Ort durchführen kann, um im Anschluss unabhängige Empfehlungen für Schutz- und Hilfsmaßnahmen geben zu können.“

Bilder aus Wikimedia Commons
WHO-Zentrale in Genf, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: Yann Forget
Margaret Chan, Lizenz: Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Brasilien, Fabio Pozzebom/ABr

Quellen
11.05.2011, Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, Drucksache 17/5769, Vertrag zwischen IAEO und WHO vom Mai 1959 kündigen, Für eine unabhängige und effektive WHO (PDF-Datei)