Mittwoch, 14. März 2018

(Atom)Forschungszentrum Jülich

(Atom)Forschungszentrum Jülich
Die deutsche (Atom)Forschungszentrum Jülich GmbH (FZJ) betreibt, gestützt auf die Schlüsselkompetenzen Physik und Supercomputing, interdisziplinäre Forschung in den Bereichen Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Information. Mit rund 5000 Mitarbeitern (2012) gehört es zu den größten Forschungseinrichtungen Europas.

Das Forschungszentrum liegt inmitten des Stetternicher Forstes in Jülich (Kreis Düren, Rheinland) und umfasst eine Fläche von ca. 2,2 Quadratkilometern.

Das jährliche Budget des Forschungszentrums beträgt etwa 530 Millionen Euro. Die öffentlichen Mittel werden zu 90 % vom Bund und zu 10 % vom Land Nordrhein-Westfalen getragen.

Das Forschungszentrum gliedert sich in
  • 9 Institute (mit 56 Institutsbereichen),
  • 4 Zentralabteilungen,
  • 2 Projekte und
  • 2 Projektträgerschaften:
  • Projektträger Jülich
  • Projektträger Energie, Technologie, Nachhaltigkeit (ETN)
Organe des Forschungszentrums sind
  • die Gesellschafterversammlung
  • der Aufsichtsrat
  • der Vorstand, bestehend aus
  • Wolfgang Marquardt (Vorsitzender)
  • Karsten Beneke (Stellvertr. Vorsitzender)
  • Sebastian M. Schmidt (für den Geschäftsbereich Schlüsseltechnologie, Struktur der Materie und Gesundheit)
  • Hans-Harald Bolt (für den Geschäftsbereich Energie und Umwelt)
Gremien des Forschungszentrums sind unter anderem
  • der Wissenschaftliche Beirat (WB)
  • der Wissenschaftlich-Technische Rat (WTR)
Die Forschung in Jülich ist in die Forschungsbereiche Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Information aufgeteilt. Als Schlüsselkompetenzen werden Physik und Scientific Computing genannt.

Institute
  • Institute for Advanced Simulation (IAS)
  • Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG)
  • Institute of Complex Systems (ICS)
  • Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK)
  • Institut für Kernphysik (IKP)
  • Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM)
  • Jülich Centre for Neutron Science (JCNS)
  • Peter Grünberg Institut (PGI)
  • Zentralinstitut für Engineering, Elektronik und Analytik (ZEA)
Großgeräte zur Forschung

Kühlersynchrotron COSY

COSY (Cooler Synchrotron) ist ein Teilchenbeschleuniger (Synchrotron) und Speicherring (Umfang: 184 m) zur Beschleunigung von Protonen und Deuteronen, der vom Institut für Kernphysik (IKP) im Forschungszentrum betrieben wird.

Tokamak TEXTOR (Kernfusion)

TEXTOR war ein Tokamak-Experiment für technologieorientierte Forschung (Tokamak EXperiment for Technology Oriented Research) auf dem Gebiet der Plasma-Wand-Wechselwirkungen, das vom Institut für Energieforschung, Bereich Plasmaphysik (IEF-4) im Forschungszentrum betrieben wurde. Die Anlage wurde Ende 2013 stillgelegt. Die Erkenntnisse dienten der Vorbereitung des nächsten großen Schrittes, des Versuchsreaktors International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) im südfranzösischen Cadarache.

Neben dem Forschungszentrum Jülich sind am ITER auch das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching bei München und verschiedene Institute des Karlsruher Atomforschungsinstituts (KIT) beteiligt. Weitere wissenschaftliche Zentren liegen in San Diego (USA) und Naka (Japan).

Das Forschungszentrum Jülich ist auch Kooperationspartner beim Kernfusionsexperiment Wendelstein 7-x.

NACOK Entwicklung und Sicherheitsforschung für Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktoren

Die Auswirkungen eines angenommenen Lecks im Druckbehälter eines zukünftigen Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktors, wie er in Jülich unter Rudolf Schulten entwickelt wurde, werden mit dem Großversuchsstand NACOK (Naturzug im Core mit Korrosion) im IEF-6 in Kooperation mit RWTH Aachen untersucht. Diese Testanlage besitzt einen über 7 Meter hohen Versuchskanal, der bis auf 1200 °C aufgeheizt werden kann, und ein ebenfalls beheizbares Rückführrohr. Die Ergebnisse werden für die Bestätigung thermohydraulischer Rechenprogramme eingesetzt. Experimente wurden für die südafrikanische Reaktorbaufirma PBMR, für die EU im Rahmen des Projektes RAPHAEL sowie 2010-11 gefördert vom Land NRW ausgeführt. Seit 2012 fördert das Bundeswirtschaftsministerium NACOK-Untersuchungen zur Staubbildung in Kugelhaufenreaktoren im Normalbetrieb.
Wissenschaftlern des FZJ wurde vorgeworfen Technologietransfer für chinesische Atomkraftwerke zu leisten obwohl das ein klarer Widerspruch zum Atomausstieg der Bundesrepublik Deutschland ist. China ist das einzige Land dass noch auf Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktoren setzt. Das FZJ bestreitet die Beteiligung am Bau eines Reaktors weil Rechenmodelle mit deren Hilfe die Auswirkungen von Störfällen damit ja GAR NIX zu tun haben.
Nach längerer öffentlicher Diskussion über den Sinn der HTR-Forschung im FZJ beschloss der Aufsichtsrat im Mai 2014, die HTR-Forschung Ende 2014 zu beenden und NACOK stillzulegen.

4-Tesla-Magnet-Resonanz-Tomograph

Ebenfalls seit 2004 wird vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin ein Magnet-Resonanz-Tomograph (MRT) betrieben, der eine magnetische Flussdichte von 4 Tesla liefert. Damit ist er eines der stärksten Geräte in Deutschland und Europa. Weiterhin existieren ein 1,5-Tesla- und ein 3-Tesla-Tomograph, welche insbesondere für die funktionelle Bildgebung (fMRT) mit neurologischen, neuropsychologischen und psychischen Fragestellungen verwendet werden. Seit 2007 befindet sich ein weiterer 3,0-Tesla-Tomograph mit PET-Einsatz im Aufbau. Nach Bewilligung der finanziellen Mittel ist ein 9,4-Tesla-Scanner mit kombinierter PET in Bau, welcher somit der stärkste MR-Tomograph in Europa sein wird (ein weiterer Tomograph mit dieser magnetischen Flussdichte existiert bereits in den USA).

Atmosphären-Simulationskammer SAPHIR

In der 20 Meter langen SAPHIR-Kammer (Simulation Atmosphärischer PHotochemie In einer großen Reaktionskammer) untersucht der Bereich Troposphäre (IEK-8) des Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK) photochemische Reaktionen in der Erdatmosphäre.

Jülich Plant Phenotyping Center

Das Jülich Plant Phenotyping Center (JPPC) ist eine international führende Einrichtung zur Entwicklung und Anwendung von nicht-invasiven Techniken zur Quantifizierung von Struktur und Funktion von Pflanzen. Am JPPC wird sowohl Technologie-Entwicklung betrieben als auch phänotypische Untersuchungen auf mechanistischer Ebene, im Hochdurchsatz und im Feld durchgeführt.

Pflanzenexperimentier-Anlage PhyTec

Seit 2003 steht ein Gewächshaus mit modernster Technik zur Verfügung. Maximale Transparenz der Scheiben von über 95 % im Bereich des pflanzenrelevanten Lichtspektrums wird durch eine spezielle Glasart und Antireflex-Beschichtung erreicht. Zusätzlich dringt auch UV-B durch die Scheiben. Die CO2-Konzentration in zwei Abteilen kann erhöht und verringert werden, die Luftfeuchtigkeit kann variiert werden, die Temperatur kann auch im Sommer bei voller Einstrahlung auf 25 °C gehalten werden. Der Bereich Phytosphäre (ICG-III) des Instituts für Chemie und Dynamik der Geosphäre (ICG) simuliert hier verschiedene Klimaszenarien und untersucht deren Einfluss auf pflanzliche Schlüsselprozesse wie Wachstum, Transport, Austauschprozesse mit Atmosphäre und Boden sowie auf biotische Interaktionen.

MRI-PET-Zentrum für Pflanzen

Am ICG-3:Phytosphäre wurde ab 2006 mit dem Aufbau eines MRI-PET-Zentrums für Pflanzen begonnen. Inzwischen stehen dediziert für die Pflanzenforschung aufgebaute MRI- und PET-Systeme und seit Dezember 2009 auch ein Zyklotron zur Produktion von kurzlebigen Isotopen zur Verfügung.

Strahlrohre an Synchrotrons

Das Peter Grünberg Institut (PGI) unterhält oder unterhielt mehrere Beamlines zur Forschung mit Synchrotronstrahlung an verschiedenen Synchrotrons:

  • BL5 U-250-PGM bei DELTA (Dortmund)
  • UE56/1-SGM bei BESSY (Berlin)
  • MuCAT bei APS (Argonne, USA)
  • JUSIFA bei HASYLAB (Hamburg)

Meteorologie

Zum Forschungszentrum Jülich gehört auch ein 124 Meter hoher Stahlfachwerkmast für meteorologische Messungen. Er ist in 10, 20, 30, 50, 80, 100 und 120 Metern Höhe mit Plattformen ausgestattet, welche Messgeräte tragen. Der 1963/64 errichtete Messmast ist eine dreieckige Stahlfachwerkkonstruktion.

Supercomputer

Die folgenden Supercomputer werden bzw. wurden alle vom Jülich Supercomputing Centre (JSC) im Rahmen des John von Neumann-Instituts für Computing (NIC) in Jülich betrieben. Für die Supercomputer wurde 2003 eine neue 1.000 m² große Maschinenhalle neben dem Jülich Supercomputer Centre errichtet.
John von Neumann war ab 1943 am Manhattan-Projekt in den USA bei der Entwicklung der Atombombe beteiligt.

JUQUEEN

Der aktuell neueste Supercomputer trägt die Bezeichnung JUQUEEN und konnte 2012 in Betrieb genommen werden.

IBM p690-Cluster „Jump“

Der massiv-parallele Supercomputer IBM p690-Cluster Jump ist seit Anfang 2004 in Betrieb. Mit 1312 Prozessoren (41 Knoten mit je 32 Prozessoren) und einem Hauptspeicher von 5 Terabyte (128 Gigabyte pro Knoten) erbringt der Rechner eine Maximalleistung von 5,6 TFLOPS und war damit zum Zeitpunkt seiner Einrichtung auf Platz 30 der leistungsstärksten Rechner der Welt. Die Knoten sind durch einen High-Performance-Switch (HPS) miteinander verbunden. Anwendungen haben über ein globales paralleles Dateisystem Zugriff auf über 60 Terabyte Speicherplatz und einen integrierten Kassettenspeicher mit einer Kapazität von einem Petabyte. Betrieben wird der IBM-p690-Cluster Jump unter dem Betriebssystem AIX 5.1.

Jülicher BlueGene/L-Superrechner (JUBL)

Der 2006 eingeweihte JUBL gilt als Vorgänger des JUGENE und wurde nach dessen erfolgreicher Installation Mitte 2008 außer Betrieb genommen.

Jülicher BlueGene/P-Superrechner (JUGENE)

Am 22. Februar 2008 wurde der auf IBMs BlueGene/P-Architektur basierende massiv-parallele Supercomputer JUGENE eingeweiht. Zeitweilig war er der schnellste Rechner Europas und der schnellste zivile Rechner der Welt. Das Forschungszentrum hat JUGENE im Jahr 2012 abgestellt und zur Verschrottung freigegeben.

Weitere Supercomputer

Am 26. Mai 2009 wurden die beiden Rechner HPC-FF - der von Bull gebaute Rechner für die Fusionsforschung mit 1080 Cluster-Knoten mit je zwei Xeon-Quad-Core-Prozessoren (Xeon X5570, 2,93 GHz) - und der von Sun gelieferte JuRoPA mit 4416 Xeon-X5570-Prozessoren (2208 Prozessornodes) in Betrieb genommen. Beide Rechner lassen sich für spezielle Aufgaben zusammenschalten und erbringen zusammen 274,8  TFLOPS mit Linpack (entspricht Platz 10 weltweit). Als Betriebssystem kommt SUSE Linux Enterprise Server zum Einsatz.

Weitere Forschungsprojekte am Forschungszentrum Jülich

CLaMS: Atmosphärenmodelle für die Klimaforschung

Das Verständnis der chemischen Prozesse in der Atmosphäre bildet die Grundlage für zahlreiche Klimamodelle. Umweltforscher des Forschungszentrum Jülich untersuchen die Chemie der Atmosphäre mit Flugzeugen, Ballons und Satelliten und erstellen daraus chemische Modelle wie z.B. das CLaMS (Chemical Lagrangian Model of the Stratosphere), die in Simulationen auf Supercomputern zum Einsatz kommen. Diese Atmosphärensimulation ist in Fortran 90 geschrieben und modelliert den Ozonabbau in der nördlichen Stratosphäre. Die Ansteuerung erfolgt mit Shellprogrammen und die Visualisierung mit IDL.

MEM-BRAIN: Kohlendioxidabtrennung

Mit seinen Forschungspartnern entwickelt das Forschungszentrum Jülich keramische Membranen. Sie könnten in Kraftwerken als Filter eingesetzt werden, um Prozessgase zu trennen und auch Kohlendioxid effektiv zurückzuhalten.

UNICORE: einfacher Zugriff auf Computerleistung

Rechen- und Speicherressourcen sind oftmals auf mehreren Computersystemen, Rechenzentren oder sogar Ländern verteilt. Industrie und Wissenschaft benötigen also Werkzeuge für den einfachen und sicheren Zugriff auf diese Ressourcen. UNICORE aus Jülich ist ein Grid-basiertes Werkzeugpaket. Die aktuelle Version UNICORE 6 ist Web-Services basiert (WS-RF) und implementiert Grid-Standards des OGF.

AGATE: atomare Transmutation

In Zusammenarbeit mit RWTH Aachen und der Firma Siemens wird an der Entwicklung eines gasgekühlten unterkritischen atomaren Transmutationsreaktors AGATE gearbeitet, mit dessen Hilfe die Lebensdauer radioaktiver Abfälle verkürzt werden soll. Die vorhandene Expertise für gasgekühlte atomare Kugelhaufenreaktoren wird dabei genutzt.

Infrastruktur

Neben den forschenden Instituten und den Großeinrichtungen gibt es zahlreiche Infrastruktureinheiten und Zentralinstitute, die für den Betrieb des Forschungszentrums Jülich benötigt werden. So ist zum Beispiel eine hauptamtliche Werkfeuerwehr rund um die Uhr einsatzbereit, um Menschen, Sachwerte, Tiere und die Natur im und um das Forschungszentrum zu schützen.
Auf dem Gelände des Forschungszentrums betreibt die Landesanstalt für Arbeitsschutz (LAfA) des Landes Nordrhein-Westfalen eine Landessammelstelle für radioaktive Abfälle für die Länder NRW und Niedersachsen. Diese Sammelstelle nimmt neben radioaktivem Abfall aus dem Forschungszentrum auch weitere (schwach)-radioaktive Abfälle aus den genannten Ländern an.

Geschichte

18. Februar 1756. Es kommt zu einem Erdbeben der Stärke 6,2 in Düren. Dabei sterben zwei Menschen. Der Turm der Aachener Augustinerkirche gerät in Schräglage und muss später abgerissen werden. In Aachen brechen mehrere Häuser zusammen, 300 Schornsteine stürzen herab. Eine Kaserne in Jülich wird zerstört, Spalten tun sich in der Stadtmauer von Düren und in den Wänden der Burg Nideggen und des Klosters Wenau auf. Ein Turm der Stadtmauer von Bad Münstereifel stürzt ein.

11. Dezember 1956. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen beschließt den Bau einer „Atomforschungsanlage“. Als Gründer gilt Leo Brandt (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Nordrhein-Westfalen) Als Standort wird später der Staatsforst Stetternich gewählt.

1956. Wilhelm Groth gründet den wissenschaftlichen Beirat des zukünftigen Atomforschungszentrums.

11. Juni 1958. Der Grundstein für die Forschungsreaktoren MERLIN (FRJ-1) und DIDO (FRJ-2) wird gelegt.

1959 bis 2007. Etwa 3.800 Auszubildende am (Atom)Forschungszentrum schließen ihre Ausbildung in mehr als 25 Berufen erfolgreich ab.

1960. Die "Gesellschaft zur Förderung der kernphysikalischen Forschung (GFKF)" wird umbenannt in "Kernforschungsanlage Jülich des Landes Nordrhein-Westfalen e. V." (KFA).

23. Februar 1962. Der Forschungsreaktor MERLIN (FRJ-1) wird in Betrieb genommen.

14. November 1962. Der Forschungsreaktor Jülich 2 (FRJ-2) wird in Betrieb genommen. Er ist ein Reaktor der DIDO-Klasse und wird für Neutronenstreuexperimente genutzt. Betrieben wird er von der Zentralabteilung für Forschungsreaktoren (ZFR). Der FRJ-2 ist bis zur Inbetriebnahme der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz in Garching die stärkste deutsche Neutronenquelle und dient hauptsächlich der Durchführung von Streu- und Spektroskopie-Experimenten an kondensierter Materie.

1964. Rudolf Schulten, der "geistige Vater" des Hochtemperaturreaktors AVR wird Institutsleiter des KFA.  Daraufhin beginnt sich das Atomforschungzentrum verstärkt dem Kugelhaufenreaktor zu widmen.

1967. Die "Kernforschungsanlage Jülich des Landes Nordrhein-Westfalen e. V." wird in eine GmbH umgewandelt. Gesellschafter sind die Bundesrepublik Deutschland (2014 90%). und das Land Nordrhein-Westfalen (10%).
Im selben Jahr nimmt der Hochtemperaturreaktor AVR den Betrieb auf und liefert auch Strom ins öffentliche Netz. Der AVR wird von der KFA Jülich wissenschaftlich betreut und mit Betriebskostenzuschüssen unterstützt, ist aber formal unabhängig.

1969. Professor Alfred R. Boettcher koordiniert ab jetzt die Ausbildung brasilianischer Atomtechniker in Jülich und Karsruhe.

1970. Das Atomforschungszentrum ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen (AGF, 1970), die sich 1995 in die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren umwandelt.

1978. Im Atomversuchsreaktor Jülich ereignet sich ein Störfall der verschwiegen wird und erst 20 Jahre später ans Licht kommt. Der Betreiber "Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor" will den 2.100 Tonnen schweren Kern auf einem Lufkissenschlitten um 200 Meter versetzen und den Boden dekontaminieren.

Mitte 1980er Jahre. Die damalige Atomforschungsanlage reduziert ihre Arbeiten zur Weiterentwicklung des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors. Für einige Jahre werden Entwicklungsarbeiten zur geplanten, aber nicht bewilligten Spallationsneutronenquelle SNQ zum Leitprojekt. Gleichzeitig werden neue Themen aufgegriffen und andere wichtige Themen erweitert.

22. März 1985. Forschungsreaktor MERLIN wird abgeschaltet.

21. Dezember 1987. Die Wiederaufarbeitungsanlage Jülich (JUPITER) wird stillgelegt.

31. Dezember 1988. Der Atomversuchsreaktor (AVR) in Jülich wird stillgelegt. Man rechnet mit einer Abklingzeit von mehr als 60 Jahren für den Reaktorkern der mit radioaktiven Isotopen wie Cäsium 137 und Strontium 90 verstrahlt ist. Dafür gibt es zurzeit immer noch keine Zerkleinerungstechnik. Die Einlagerung in das Endlager Konrad soll in überschaubarer Zeit nicht in Frage kommen.
Der Abriss des Hochtemperaturreaktors (HTR) im Forschungszentrum Jülich wird den Steuerzahler nach aktuellen Kalkulationen etwa 600 Mio. Euro kosten. Ursprünglich 300 Mio. Euro berechnet worden.

1990. Die Gesellschaft nennt sich um in „Forschungszentrum Jülich GmbH“ (FZJ).

31. Dezember 1994. Im Brennelementezwischenlager des abgeschalteten Atomkraftwerks Würgassen sind 632 Brennelement-Positionen belegt, davon 117 (20 tSM) mit abgebrannten, 340 (59 tSM) mit teilabgebrannten Brennelementen, 175 mit sonstigen, zum Beispiel frischen Brennelementen.
Zudem lagern in dem AKW ca. 1 600 m³ endlagerfähige radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung und ca. 270 m³ nichtwärmeentwickelnde Rohabfälle bzw. Reststoffe. Es befindet sich ca. 185 m³ wärmeentwickelnder Core-Schrott im Brennelement-Lagerbecken, der dort abklingt und noch weiter verarbeitet wird. Die radioaktiven Reststoffe werden zur Dekontamination in die Forschungszentren Karlsruhe oder Jülich, zum Hochdruckverpressen und zum Betonieren zur Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), zum Einschmelzen zur Siempelkamp Nukleartechnik GmbH und zum Verbrennen nach Studsvik (Södermanlands län, Schweden) gebracht.

2000 bis 2008. Forschungsreaktor MERLIN wird vollständig zurückgebaut.

2003. Ein zweiter Versuch, Standort einer großen Spallationsneutronenquelle (European Spallation Source ESS) zu werden, endet ohne Erfolg.

2006. Das Jülich Centre for Neutron Science (JCNS) wird gegründet. Damit bleibt das Forschungszentrum Jülich ein nationales Kompetenzzentrum für Neutronenstreuung. Sechs der wichtigsten Instrumente werden vom FRJ-2 an den FRM II verlegt; weitere Instrumente dort neu aufgebaut. Daneben betreibt das JCNS Außenstellen am Institut Laue-Langevin (ILL) in Grenoble und an der Spallation Neutron Source (SNS) in Oak Ridge.

2. Mai 2006. Forschungsreaktor 2 wird abgeschaltet.

2007. Durch die Gründung des JARA-Verbunds (Jülich Aachen Research Alliance) wird die Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen verstärkt.

2007. Im Forschungszentrum werden etwa 350 Menschen in 20 Berufen ausgebildet. Die Ausbildungsquote beträgt rund 9 % und liegt mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (bei Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern). In Kooperation mit der RWTH Aachen und der Fachhochschule Aachen existieren ebenfalls kombinierte Ausbildungs- und Studiengänge. Den Absolventen wird nach bestandener Prüfung ein halbes Jahr Beschäftigung im erlernten Beruf angeboten.
Am Forschungszentrum selbst werden in der Regel keine Vorlesungen abgehalten, aber nach dem sogenannten „Jülicher Modell“ werden die Institutsdirektoren in einem gemeinsamen Berufungsverfahren mit dem Land Nordrhein-Westfalen auf eine Professur an eine der benachbarten Universitäten (in der Regel Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, aber auch weiter entfernte wie Bochum, Duisburg-Essen oder Münster) berufen. Dort kommen sie ihrem Lehrauftrag nach. Auch viele weitere habilitierte Wissenschaftler am Forschungszentrum übernehmen Lehraufträge an den benachbarten Universitäten. In Zusammenarbeit mit den Universitäten wurden sog. „Research schools“ (z. B. „German Research School for Simulation Sciences“ mit der RWTH Aachen oder „International Helmholtz Research School of Biophysics and Soft Matter“ mit den Universitäten Köln und Düsseldorf) gegründet, um die wissenschaftliche Ausbildung von Studenten zu fördern.
Eine Ausnahme stellt die Ausbildung zum Mathematisch-technischen Softwareentwickler dar. Dabei werden in Kooperation mit der Fachhochschule Aachen (Standort Jülich) die Vorlesungen, die für den Bachelor „Scientific Programming“ benötigt werden, zum größten Teil im „Jülich Supercomputing Centre“ (JSC) – ehemals „Zentralinstitut für Angewandte Mathematik“ (ZAM) – von den Professoren der FH und Ausbildern des Supercomputing Centre gehalten. Auch für den konsekutiven Master-Studiengang „Technomathematik“ wird ein Teil der Vorlesungen von Mitarbeitern des Supercomputing Centre gehalten.
Im Forschungszentrum Jülich findet jährlich die zweiwöchige „IFF-Ferienschule“ statt, die aktuelle Fragestellungen der Festkörperphysik behandelt. Sie ist nach dem früheren Institut für Festkörperforschung (IFF) benannt.

9. Oktober 2007. Von der Nobelstiftung wird bekannt gegeben, dass Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich zusammen mit dem Franzosen Albert Fert von der Université Paris-Sud für die – voneinander unabhängige – Entdeckung des GMR-Effekts mit dem Nobelpreis für Physik am 10. Dezember 2007 in Stockholm ausgezeichnet wird. Dies ist der erste Nobelpreis für einen Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich und der Helmholtz-Gemeinschaft.

2008. Eine 51-seitige Expertenstudie von Rainer Moormann (FZJ-Sicherheitsforscher ) beschreibt die Risiken des deutschen Kugelhaufen-Reaktors und kommt zu dem Ergebnis, dass die Betreiber des AVR-Kugelhaufenreaktors nur knapp an einer Katastrophe „vorbeigeschlittert“ sind. In Deutschland ist diese Technik nach den Debakeln in Jülich 1967 bis 1988 und Hamm tot. Der Bericht von Moormann bricht ihm wohl auch weltweit endgültig das Genick.

11. Januar 2009. Im Rahmen der europäischen Forschung innerhalb des International Thermonuclear Experimental Reactor Projekts (ITER) soll der Supercomputer High Performance Computing – for Fusion (HPC-FF) zum Einsatz kommen und helfen, die komplexen Mechanismen im hundert Millionen Grad heißem Plasma zu simulieren und nachzuvollziehen.
Standort des neuen Rechners wird das Forschungszentrum Jülich das den Auftrag dazu von der Gemeinschaft der Europäischen Fusionsforschungsinstitute (European Fusion Development Agreement (EFDA) erhalten hat.
Der Computer soll mit 1080 Rechenknoten  im Endausbau bis zu 100 TFlop/s leisten. Jeder Node verfügt über zwei Xeon-Prozessoren (Nehalem-EP, Quadcore) von Intel. Insgesamt 8640 wassergekühlte Prozessoren  mit einer Taktfrequenz von 2,93 GHz sollen auf 3 Gigabyte Speicher pro Knoten zugreifen. Die Verbindung des Cluster soll Melanox mit seiner Infiniband-Architektur ConnectX mit Quad Data Rate (QDR) bereit stellen. Die Server vom Typ NovaScale R422 E2 kommen vom französischen Hersteller Bull. Das Betriebssystem SUSE Linux Enterprise Server stellt der Münchner Hersteller ParTec zur Verfügung.
Finanziert wird der Rechner von der Europäischen Kommission, der EURATOM, den Mitgliedsinstituten von EFDA sowie dem Forschungszentrum Jülich finanziert.

03. Dezember 2009. Niemand will für die Entsorgungskosten für Atommüll in Höhe von 12 Milliarden Euro aufkommen. Wenn man die Subventionen bis in die 50er Jahre zurückrechnet summieren sich die direkten und indirekten Zuwendungen an die Atomindustrie auf 160 Milliarden Euro. Bis jetzt ist das atomare Zwischenlager in Ahaus "nur" zu 10% gefüllt. Anfang 2010 sollen 300 Behälter aus La Hague, Duisburg, Jülich und evtl. Karlsruhe dort eingelagert werden.

2011. Professor Allelein (Leiter der Reaktortechnik an der RWTH Aachen und am Forschungszentrum Jülich) erklärt in diesem Jahr mehrfach dass die Reaktoren in Tihange sicher wären. Eine grenzüberschreitende Bürgerinitiative engagiert sich dagegen mit wissenschaftlicher Unterstützung gegen das ihrer Einschätzung nach unsichere Atomkraftwerk.

2011. Das Jülich Centre for Neutron Science (JCNS) bekommt den Status eines Instituts.

11. März 2011. Beginn der Katastrophe von Fukushima.

15. März 2011. Für Rückkehrer aus Japan gibt es beim Düsseldorfer Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) die Möglichkeit eine kostenlose Untersuchung auf radioaktive Strahlenbelastung in Anspruch zu nehmen. Weitere Möglichkeiten gibt es in den Unikliniken von Köln und Essen und im Forschungszentrum Jülich.

02. April 2011. Aus dem Atomforschungszentrum Jülich bei Aachen sind offensichtlich 2285 Brennelementkugeln verschwunden. Laut Wissenschaftsministerin SvenjaSchulze (SPD) könnten sie vielleicht eventuell möglicherweise in der ASSE verschwunden sein. So ganz feststellbar ist das offenbar nicht weil man nicht so genau weiß was in der ASSE alles verklappt wurde. Auch hier wurde offensichtlich wieder gegen die Vorgabe dass ausschließlich schwach und mittelradioaktive Abfälle gelagert hätten werden dürfen - dazu gehören definitiv keine Brennelemente - verstoßen. Laut einer Berechnung von Hans Christian Markert (Atom-Experte / Die Grünen) enthalten diese Kugeln etwa 2,2 Kilogramm Uran 235 und ca. 23 Kilogramm Thorium 232, sollten es benutzte Brennelemente gewesen sein kommen noch weitere hochradioaktive Isotope wie Plutonium und Strontium hinzu.
Der Untersuchungsausschuss zur sogenannten Atomkugelaffäre endet wegen der vorgezogenen NRW-Landtagswahlen 2012 ohne Abschlussbericht. Weil die wesentlichen Aspekte, vor Allem eine nonchalante Kugelbuchführung des FZJ, aufgeklärt werden können, wird der Untersuchungsausschuss nach der Wahl nicht wieder eingesetzt.

13. Oktober 2011. Die "Fehlkonstruktion" Growian wurde vom Bundesministerium für Technik und Forschung (Ex-Atomministerium) beauftragt und vom Atomforschungszentrum Jülich projektiert. Beteiligt an dem Desaster waren auch Großkonzerne wie RWE.

30. November 2011. Der Aufsichtsrat des Forschungszentrums Jülich entscheidet sich dazu, Atommüll aus dem ehemaligen Forschungsreaktor Jülich (Thorium- / Kugelhaufenreaktor) bei Aachen ungefähr 200 Kilometer weit ins Zwischenlager Ahaus zu verschieben.

2012. Das (Atom)Forschungszentrum Jülich erhält in diesem Jahr von Bund und Land zusammen Fördergelder in Höhe von 427,8 Millionen Euro.

08. Mai 2012. Ein Zug mit 450 Tonnen abgereichertem Uranhexafluorid ist von der Urananreicherungsanlage Gronau zur Atomfabrik in Pierrelatte unterwegs. Er wurde gestern 8 Stunden lang bei Münster blockiert. Am Urenco-Standort in Jülich betreibt Urenco zusammen mit Areva ein Joint Venture zur Entwicklung von Gaszentrifugen.

9. Juli 2012. Atomkraftgegner und Politik sprechen sich für Atommülltourismus - die Verklappung von mehr als 150 Castorbehältern mit hochradioaktivem Atommüll aus Jülich - in die USA aus.

Ende 2012. Das Forschungszentrum beschäftigt über 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und arbeitet im Rahmen der Disziplinen Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Ingenieurwissenschaften an Grundlagen und Anwendungen in den Bereichen Gesundheit, Information, Umwelt und Energie. Von den Mitarbeitern sind etwa 1.700 Wissenschaftler, einschließlich etwa 600 Doktoranden und Diplomanden. 691 Menschen arbeiten im Bereich Administration und Service, 768 Personen für Projektträger und über 1.600 als technisches Personal - in 20 Berufen gab es etwa 300 Auszubildende. Des Weiteren arbeiten in diesem Jahr 860 Gastwissenschaftler aus 40 Ländern im Forschungszentrum Jülich.

Mitte 2013. Die Genehmigung des derzeitigen Jülicher Castor-Zwischenlagers läuft aus, weil die erforderlichen Sicherheitsnachweise nicht beigebracht werden konnten. Die Lagerung wird seitdem durch eine atomrechtliche Anordnung der Düsseldorfer Aufsichtsbehörde befristet geduldet.

14. Mai 2014. Laut Rainer Priggen (Die Grünen / Fraktionsvorsitzender im Landtag) fordert seine Partei den kompletten Ausstieg des Forschungszentrums Jülich aus der Atomforschung und völlige Transparenz über die Altlasten.

14. April 2016, ca. 7 Uhr. Salah Abdeslam (Terrorist / Attentat in Paris 13. November 2015) soll laut Redaktionsnetzwerk Deutschland in seiner Wohnung  im Brüsseler Stadtteil Molenbeek Unterlagen, u.a. ausgedruckte Internet-Artikeln zu der Atomforschungsanlage und Fotos, zum deutschen Atomforschungszentrums Jülich aufbewahrt haben. Auf den Fotos ist offenbar auch Wolfgang Marquardt (Vorstandsvorsitzender der Atomanlage) zu sehen.

14. April 2016, ca. 12 Uhr. Laut einem Sprecher weiß das Bundesamt für Verfassungsschutz Gar Nix über Unterlagen bezüglich Jülich, die bei Abdeslam gefunden worden sein sollen. Im Atomforschungszentrum ist soll ebenso viel wie beim Verfassungsschutz bekannt sein.

Bilder aus Wikimedia Commons
(Atom)Forschungszentrum Jülich, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: odoklecksel

Quellen
14.04.2016, Tagesschau, Verfassungsschutz dementiert Medienberichte, Keine islamistische Bedrohung in Jülich
14.04.2016, Sueddeutsche, Terrorismus, Paris-Attentäter Abdeslam hatte offenbar Fotos von deutscher Atomanlage
14.04.2016, Tagesspiegel, Salah Abdeslam, Paris-Attentäter hatte offenbar Unterlagen zu deutschem Atomzentrum
14.04.2016, Zeit, Salah Abdeslam, Paris-Attentäter hatte Fotos vom Atomforschungszentrum Jülich
14.04.2016, FAZ, Terrorismus, Abdeslam sammelte wohl Infos über deutsche Atomanlage
14.04.2016, Stern, Paris-Attentäter, Abdeslam besaß Unterlagen zu deutschem Atomforschungszentrum
14.04.2016, Welt, PARIS-ATTENTÄTER, Hatte Abdeslam das Atomzentrum Jülich im Visier?
14.04.2016, Spiegel, Salah Abdeslam, Paris-Attentäter besaß angeblich Fotos von deutschem Atomforschungszentrum
14.04.2016, Sueddeutsche, Terrorismus, Bericht: Abdeslam hatte Fotos von deutschem Atomforschungszentrum
14.05.2014, taz, Grüne für Kernforschungsstopp in Jülich, „Widerspruch zum Atomausstieg“
30.01.2009, Heise, Rechenzentrum für Kernfusion in Jülich