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| Leopard 2 A6 des Ausbildungszentrums in Munster |
Die Rheinmetall AG ist ein börsennotierter deutscher Automobilzulieferer und Rüstungskonzern mit Sitz in Düsseldorf.
Unternehmensbereich Automobiltechnik
Rheinmetall Automotive (vormals KSPG, für Kolbenschmidt Pierburg Gruppe) ist die Führungsgesellschaft des Unternehmensbereiches Automobiltechnik der Rheinmetall Group. Als Automobilzulieferer spielt Rheinmetall Automotive in den Bereichen Luftversorgung, Schadstoffreduzierung und Pumpen sowie bei der Entwicklung, Fertigung und Ersatzteillieferung von Kolben, Motorblöcken und Gleitlagern eine führende Rolle. Die Produktentwicklung erfolgt stets in enger Kooperation mit den Automobilherstellern. Entsprechend seiner strategischen Ausrichtung gliedert sich das Unternehmen in die drei selbstständig handelnden Divisionen Hardparts, Mechatronics und Aftermarket.
Rheinmetall Automotive schlüsselt seine Aktivitäten in sieben Geschäftsbereiche auf. Im Einzelnen handelt es sich um die Geschäftsbereiche Kolbenschmidt (Herstellung von Kolben), Großkolben (Großkolben), Pierburg (Komponenten der Luftversorgung und Schadstoffreduzierung), Pierburg Pump Technology (Kühlmittel-, Öl-, Umwälz- und Vakuumpumpen), Gleitlager (Metalllager und Gleitelemente sowie Stranggusselemente), Aluminium-Technologie (Zylinderkurbelgehäuse), Motor Service (Vertrieb für Reparatur- und Instandsetzung für KSPG). 2014 betrug der Umsatz 2448 Mio. Euro und damit fast genau 50 % des Gesamtumsatzes, und 2015 waren es 2592 Mio. Euro.
Unternehmensbereich Rüstung
Der Unternehmensbereich Defence der Rheinmetall-Group stellt Verteidigungs- und Rüstungsgüter her. Den Kern der Organisationsstruktur bilden die drei Divisionen Weapon und Munition (deutsch: Waffe und Munition), Electronic Solutions (deutsch: elektronische Lösungen) sowie Vehicle Systems (deutsch: Fahrzeug-Systeme). Die Tochtergesellschaften und Beteiligungen der Rüstungssparte Rheinmetalls sind in diese drei Divisionen eingegliedert.
Da der Genehmigungsprozess für den Rüstungsexport in Deutschland mit großen Risiken behaftet ist, weil die Geschäfte vom Wohlwollen der jeweiligen Regierung abhängig sind, wickelt Rheinmetall große Deals, wie die mit Saudi-Arabien auch über Tochterunternehmen ab. Diese haben ihren Sitz z. B. in Italien (RWM Italia) oder Österreich (RWM Arges). Rüstungsgüter, die in anderen Ländern produziert werden, unterliegen nicht der deutschen Rüstungsexport-Kontrolle.
2014 betrug der Rüstungsumsatz 2240 Mio. Euro, also ungefähr 50 % des Gesamtumsatzes, und 2015 waren es 2591 Mio. Euro.
Geschäftsbereiche
Fahrzeugsysteme
Rheinmetall Landsysteme GmbH
Gepanzerte Kettenfahrzeuge, Unterstützungs- und Minenräumsysteme, ABC-Schutzsysteme, Turmsysteme, Service
Waffen, Munition
Rheinmetall Waffe Munition GmbH
Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH
Rheinmetall Chempro GmbH
American Rheinmetall Munitions Inc.
RWM Schweiz AG
Gesellschaft für Intelligente Wirksysteme mbH
Waffen und Munition für Panzer- und Artilleriesysteme, Mittelkaliberwaffen und -munition, Schutzsysteme
Antriebe
Nitrochemie AG (Wimmis; 55 % Rheinmetall, 45 % RUAG)
Treibladung und Pulver sowie zivile Chemie (Silane, Säurechloride, Epoxide, Peroxide)[44]
Flugabwehr
Rheinmetall Air Defence AG
Flugabwehrsysteme, Hochleistungsradare
Verteidigungselektronik
Rheinmetall Electronics GmbH
Rheinmetall Soldier Electronics GmbH (die frühere Oerlikon Deutschland)
Führungs- und Aufklärungssysteme, C3I-Systeme, Feuerleitsysteme, Drohnensysteme
Simulation und Ausbildung
Rheinmetall Defence Electronics GmbH (Teil von Atlas Elektronik, der bei der Abspaltung von Thyssen-Krupp zu Rheinmetall gekommen ist)
Landsimulation, Flugsimulation, Maritime-/Prozesssimulation
Beteiligungen
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH in München ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit MAN für den Bereich militärischer gepanzerter und ungepanzerter Radfahrzeuge.
Rheinmetall Technical Publications GmbH (früher Teil der Rheinmetall Defence Electronics GmbH)
Das italienische Rüstungsunternehmen RWM Italia mit Produktionsstätte auf Sardinien zur Produktion von Sprengstoffen ist ein Tochterunternehmen von Rheinmetall.
Das südafrikanische Unternehmen Rheinmetall Denel Munition ist ein Joint-Venture von Rheinmetall und dem südafrikanischen Rüstungskonzern Denel.
Produkte
Duro 3 der Feldjägertruppe
Wiesel 2
Leichte gepanzerte Fahrzeuge
Tokeh – taktisches Luftlandefahrzeug
Serval – Fahrzeug für Spezialkräfte
Gavial – geschütztes Verbindungsfahrzeug für Luftlandekräfte
Caracal – geschütztes Fahrzeug
Yak (Duro 3) – geschütztes Mehrzweckfahrzeug
Sonderwagen CONDOR 1 und CONDOR 2
Luftlandepanzer Wiesel 1 und Wiesel 2
Bv206 (diverse Verbesserungen bzw. Weiterentwicklungen)
Sonderwagen 4 / TM170
Mittelschwere gepanzerte Fahrzeuge
Fuchs 1 und Fuchs 2
GTK Boxer
Gefas
Wisent (gepanzerter LKW für die Gruppe 4 des Projektes „Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeuge“ der Bundeswehr)
Schützenpanzer
Schützenpanzer Marder 1A3 / 1A5
Puma (in Kooperation mit Krauss-Maffei Wegmann)
Lynx
Leopard 2 A6
Kampfpanzer
Leopard 1 (Feuerleitanlage und Führungssystem)
Leopard 2 (120-mm-Glattrohrkanone, Feuerleitanlage und Führungssystem sowie Munition)
Unterstützungsfahrzeuge
Rheinmetall Borsig Waffenträger
Bergepanzer 2
Bergepanzer 3 Büffel
Pionierpanzer 3 Kodiak (in Kooperation mit der RUAG Land Systems AG)
Pionierpanzer 2 Dachs
Brückenlegepanzer Biber
Minenräumpanzer Keiler
MMSR (mobiles Minensuch- und -räumsystem)
Artilleriesysteme
155-mm-Geschütz der Feldhaubitze FH155-1
Panzerhaubitze 2000
Panzerhaubitze M 109 (L/52-Geschütz)
Waffenanlagen
120-mm-Glattrohrkanone des Leopard 2
Sondergerät SG 113 (Waffensystem zur Panzerabwehr im Zweiten Weltkrieg)
Maschinenkanone Rh 202
Maschinenkanone Rh 503
Maschinenkanone MK 30 (entwickelt von Mauser)
Maschinengewehr MG3
Nächstbereichschutzsystem MANTIS
Bei dem US-amerikanischen Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug F-35 Lightning II von Lockheed Martin werden bei der fest installierten Bordkanone als Munition neuartige FAP-Geschosse von Rheinmetall eingesetzt. Diese panzerbrechende Munition zerfällt nach dem Durchdringen der Zieloberfläche in viele kleine hochenergetische Bruchstücke, welche im Inneren des Ziels größeren Schaden anrichten als konventionelle Wuchtgeschosse, die nicht zerfallen. Hierdurch ist die Munition auch für die Bekämpfung von leicht gepanzerten Zielen wie z. B. Schützenpanzern geeignet.
Geschichte
13. April 1889. Der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein gründet unter Generaldirektor Josef Massenez die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft, um für das Deutsche Reich Munition zu liefern.
Der thüringische Ingenieur Heinrich Ehrhardt leitet den Bau des Rheinmetall-Werks in Düsseldorf und leitet dieses bis 1920. Später entdeckte Quellen im Zentralarchiv von Rheinmetall sowie in anderen Archiven belegen, dass Heinrich Ehrhardt – anders als bisher lange angenommen – an der Gründung des Unternehmens selbst nicht beteiligt ist.
Heinrich Ehrhardt hat bei Rheinmetall bis 1920 auch die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden inne. Außerdem stellt er dem Unternehmen viele seiner Patente und Erfindungen zur Verfügung und trägt so maßgeblich zur technischen Entwicklung vieler Rheinmetall-Produkte bei.
Dezember 1889. Das neu gegründete Werk in Düsseldorf-Derendorf an der Ulmenstraße beginnt mit der Produktion.
1891 und 1892. Das Unternehmen expandierte sehr schnell, was nicht nur auf die staatlichen Aufträge zurückzuführen ist, sondern auch auf die Patentierung zweier Verfahren zur Herstellung nahtloser Rohre.
1982. Um den durch Erweiterung des Stammwerks erhöhten Stahlbedarf zu decken, wird die Metallwerk Ehrhardt & Heye AG in Düsseldorf-Rath erworben.
1896. Das Metallwerk Ehrhardt & Heye AG in Düsseldorf-Rath wird als Abteilung Rath in das Unternehmen eingegliedert.
Rheinmetall stellt in diesem Jahr auch das weltweit erste, auf den Patenten des Ingenieurs Konrad Hausser basierende, felddiensttaugliche Schnellfeuergeschütz mit veränderlichem Rücklauf und kombinierter Rücklauf- und Vorholvorrichtung vor. Dieses wird aber von der preußischen Artillerieprüfungskommission in Unkenntnis der potentiellen Möglichkeiten abgelehnt. Nach der erfolgreichen Einführung von Rohrrücklaufgeschützen durch Frankreich (Canon de 75 mle 1897) ändert sich diese Einstellung und die Entwicklung wird für das Unternehmen zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg.
1899. Für die Erprobung von Waffen und Munition wird ein Gelände in der Nähe von Unterlüß in der Lüneburger Heide gepachtet. Dieser Standort existiert heute noch und umfasst mittlerweile eine Fläche von 50 Quadratkilometern.
1901. Auf Initiative von Heinrich Ehrhardt übernimmt Rheinmetall die in Konkurs gegangene Munitions- und Waffenfabrik AG in Sömmerda. Das als Dreyse’sche Gewehrfabrik gegründete Unternehmen stellt Handfeuerwaffen, Patronen und Geschosszünder her und erweitert somit die Produktpalette Rheinmetalls.
1906. Das Werk in Düsseldorf wird auch auf Grund von Bestellungen aus dem Ausland erweitert.
28. Juli 1914 bis 11. November 1918. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges ist Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Kaiserreich und beschäftigt fast 8000 Mitarbeiter. Bis zum Ende des Krieges vergrößert sich die Belegschaft auf knapp 48 000 Arbeiter und Angestellte, darunter etwa 9000 Frauen. Die bebauten Flächen im Stammwerk vervierfachen sich in dieser Zeit.
Ende 2018. Mit Ende des Krieges kommt die Rüstungsproduktion zum Stillstand und Rheinmetall muss zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Die Bestimmungen des Versailler Vertrages machen eine Umstellung auf zivile Produkte notwendig. Rheinmetall produziert daher im Rheinland Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Landmaschinen und Dampfpflüge. Im Werk in Sömmerda werden feinmechanische Geräte wie Schreib- und Rechenmaschinen hergestellt. Um die Produktion ziviler Güter sicherzustellen, wird die Stahlproduktion in Rath verstärkt.
Ab 1921. Die Bestimmungen der Alliierten erlauben wieder die Produktion von Waffensystemen in geringer Stückzahl. Allerdings wird das Werk in Derendorf 1921 (Alliierte Rheinlandbesetzung) sowie von 1923 bis 1925 von belgischen und französischen Truppen besetzt (Ruhrbesetzung), teilweise verwüstet. Mangels Aufträgen muss die zivile Produktion bis auf die Herstellung von Dampfpflügen eingestellt werden.
1925. Das Deutsche Reich erwirbt bei einer Kapitalerhöhung über ihre Staatsholding VIAG eine Mehrheitsbeteiligung an Rheinmetall.
April 1933. Rheinmetall kauft den vor der Liquidation stehenden Lokomotivhersteller Borsig und kommt damit in den Besitz eines großen Werkes in Berlin-Tegel.
1936. Während der NS-Diktatur erfährt der mit Borsig zur Rheinmetall-Borsig AG fusionierte Rüstungshersteller durch die Aufrüstung der Wehrmacht einen erneuten Aufschwung. Die Fertigungspalette reichte von Maschinengewehren und -kanonen über Panzerabwehrgeschütze, Minenwerfer und Feldkanonen bis hin zu Flugabwehrkanonen und Eisenbahngeschützen.
1937. Für Entwicklung und Bau von gepanzerten Kettenfahrzeugen wird in Berlin das Tochterunternehmen Alkett (Altmärkische Kettenwerke) gegründet.
1938. Das Unternehmen verlegt seinen Sitz von Düsseldorf nach Berlin.
1939 bis 1945. Während des Zweiten Weltkriegs wird die Rüstungsproduktion maximal gesteigert und die Entwicklung neuer Waffensysteme gefordert. Der staatliche Einfluss durch Institutionen der Wehrmacht und die Eingliederung von Rheinmetall-Borsig in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring nimmt so weit zu, bis das Unternehmen vollständig verstaatlicht und in die planmäßige Kriegsvorbereitung integriert ist. In den letzten beiden Kriegsjahren werden die Produktionsstätten durch alliierte Luftangriffe erheblich beschädigt oder zerstört. Nach einem schweren Luftangriff auf die Werke in Düsseldorf werden zahlreiche Produktionsbereiche in Gebiete der späteren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und des heutigen Polens wie Guben, Apolda und Breslau verlagert. Auch die Werke in Berlin und Sömmerda richten Verlagerungsbetriebe ein, wobei das Sömmerdaer Werk dennoch bis Kriegsende von Luftangriffen verschont bleibt.
Während des Zweiten Weltkriegs arbeiten zahlreiche Zwangsarbeiter in den Rheinmetall-Betrieben. Im Werk Unterlüß allein werden am Kriegsende etwa 5000 ausländische Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen sowie Kriegsgefangene (ca. 2500 Polen, 1000 aus der UdSSR, 500 Jugoslawen, 1000 aus anderen Ländern) von den britischen Truppen befreit. Zeitweilig sind dort auch ungarische Jüdinnen aus einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen eingesetzt. Von den etwa 600 000 Arbeitern der Reichswerke Hermann Göring sind die Hälfte Zwangsarbeiter, verschleppt aus allen besetzten Gebieten.
1945. Nach Ende des Krieges sind die Werkanlagen der Rheinmetall-Borsig AG zum größten Teil zerstört. Die Betriebe in Düsseldorf, West-Berlin und Unterlüß kommen unter die Kontrolle der westlichen Alliierten und unter Treuhänderschaft. Alle Besitzungen in den von der Roten Armee besetzten Gebieten werden enteignet. Einige Werke werden von den Siegermächten vollständig demontiert.
Bis 1950. In der Bundesrepublik Deutschland herrscht für Rheinmetall ein völliges Produktionsverbot. Danach werden Rheinmetall-Borsig in eine reine Holdinggesellschaft umgewandelt und zwei unabhängige Tochterunternehmen gegründet. Borsig in Berlin stellt Dampfkessel und Kälteanlagen her, während Rheinmetall in Düsseldorf Schreibmaschinen, Stoßdämpfer, Aufzüge, Gerbereimaschinen sowie Transport- und Verladeeinrichtungen baut. Diese zivile Produktion in Düsseldorf wird vom Unternehmen später als wenig erfolgreich bezeichnet.
3. Juni 1952. In der DDR wird das ehemalige Rheinmetall-Werk Sömmerda von der Sowjetischen Kontrollkommission an die DDR zurückgegeben. Es entsteht ein volkseigener Betrieb (VEB). Unter dem Firmennamen VEB Mechanik Büromaschinenwerk Rheinmetall Sömmerda werden Büromaschinen, Mopedmotoren für Simson SR1, SR2 und Spatz sowie Fotoapparate produziert. Am 5. Mai 1958 wurde das Sömmerdaer Werk wieder ein Teil eines großen Firmenverbundes, der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Datenverarbeitungs- und Büromaschinen Erfurt. Aus dieser entsteht am 1. April 1969 das VEB Kombinat Zentronik, das am 1. Januar 1978 in dem VEB Kombinat Robotron aufgeht. Die Produktion von Mopedmotoren und Fotoapparaten wird in den 1960er-Jahren aufgegeben. Haupterzeugnisse des nunmehr VEB Robotron Büromaschinenwerk Sömmerda (BWS) genannten Betriebes sind ab 1967 Drucker und ab 1981 Personal Computer (PC 1715, EC 1834, EC1835). Nach der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wird das Werk mit dann etwa 12 000 Beschäftigten unter der Treuhandanstalt als Robotron Büromaschinenwerk AG privatisiert und zum 1. Januar 1992 liquidiert.
22. Mai 1956. Die mit großer Mehrheit beschlossene Wehrverfassung (Ergänzung des Grundgesetzes Art. 87a GG) tritt in Kraft, am 1. April folgt das Gesetz über die Rechtsstellung des Soldaten und am 21. Juli das Wehrpflichtgesetz.
23. Juni 1956. Rheinmetall-Borsig wird von der Röchlingsche Eisen- und Stahlwerke GmbH (heute Saarstahl) aus dem Besitz der Bundesrepublik Deutschland übernommen. Mit Aufstellung der Bundeswehr wirde wieder ein wehrtechnisches Produktionsprogramm aufgelegt. Rheinmetall produziert Maschinengewehre, Maschinenkanonen und Munition. Das erste Produkt ist das MG1.
August 1956. Borsig wird an die Salzgitter AG verkauft.
November 1956. Die Holding firmiert als Rheinmetall Berlin.
Ab 1957. Das Tochterunternehmen in Düsseldorf firmiert als Rheinmetall GmbH.
1964. Die Fertigung schwerer Waffen, wie Geschützrohre und Lafetten, wird wieder aufgenommen. Dabei beginnt man mit der Ausstattung von Panzern und Artilleriegeschützen. Rheinmetall entwickelt eine Jagdpanzer-Kanone, einen Standard-Panzerturm und eine Panzer-Haubitze.
1965. Es wird mit der Entwicklung der 120-Millimeter-Glattrohrtechnologie begonnen.
1970. Zur Ausweitung des Munitionssortiments auf pyrotechnische Produkte erwirbt man eine Mehrheitsbeteiligung an der NICO Pyrotechnik Hanns Jürgen Diederichs KG.
1972. Auf dem Versuchsgelände in Unterlüß wird eine Temperier-Versuchsanlage (TVA) zur klimatechnischen Erprobung von Waffen und Geräten, aber auch zivilen Produkten errichtet.
1978. Es beginnt die Serienfertigung der Feldhaubitze FH 70 (155 mm).
24. Oktober 1979. Der erste Kampfpanzer Leopard 2 wird an die Bundeswehr ausgeliefert. Er ist mit der von Rheinmetall entwickelten, 120-Millimeter-Glattrohrkanone ausgerüstet. In den Folgejahren wirde der zivile Geschäftsbereich des Unternehmens neu geordnet und 1981 durch den Kauf einer Aktienmehrheit an Jagenberg sowie dem Erwerb der Gasti-Verpackungsmaschinen und anderen Firmen verstärkt.
1986. Der Unternehmensbereich Automobiltechnik wird durch den Kauf des Vergaserherstellers Pierburg GmbH aufgebaut. Gemeinsam mit der Diehl Munitionssysteme gründet Rheinmetall die Gesellschaft für Intelligente Wirksysteme (GIWS). Die GIWS spezialisiert sich auf intelligente Munition, Geschosse und sonstige wehrtechnische Wirksysteme.
1989. Auf Grund der veränderten weltpolitischen Lage passt Rheinmetall seine Firmenstrategie mit einer Diversifizierung in zivile Industrieprodukte an.
1990. Durch den Erwerb einer 60-Prozent-Beteiligung an der zur Friedrich Krupp AG gehörenden MaK System Gesellschaft erweitert Rheinmetall seine Kompetenz im Bereich neuer Systeme für die Landstreitkräfte und Spezialfahrzeuge, etwa für den Einsatz im Umweltschutz.
1992. Rheinmetall erwirbt die restlichen 40 Prozent an der MaK System Gesellschaft und wird damit alleiniger Gesellschafter. Im selben Jahr liefert Rheinmetall den ersten gepanzerten Waffenträger Wiesel an die Bundeswehr.
Auch der Standort Düsseldorf-Derendorf wird in diesem Jahr aufgegeben und die Produktionsstätten im Kompetenzzentrum Unterlüß gebündelt. Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung ziehen in einen Neubau nach Ratingen. Mit einer Beteiligung an der WNC-Nitrochemie GmbH in Aschau am Inn verstärkt das Unternehmen sein Engagement auf dem Gebiet der Munitionsfertigung.
1993. Rheinmetall erweitert seine zivile Produktpalette durch den Erwerb der Mauser Waldeck AG zum Aufbau des Unternehmensbereiches Bürosysteme, die Übernahme der Heimann Systems GmbH zur Stärkung des Bereiches Sicherheitstechnik und den Erwerb der Mehrheit an den Preh-Werken zum Ausbau des Unternehmensbereiches Automobiltechnik.
1994. Aus der Rheinmetall GmbH wird 1994 die Rheinmetall Industrie GmbH.
1995. Der Konzern erweitert seine Kompetenzen bei mittelkalibrigen Maschinenkanonensystemen durch eine 60-Prozent-Beteiligung an der Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme GmbH und ein verstärktes Engagement von Pierburg in den USA.
1996. Die Rheinmetall Industrie GmbH wird in eine AG umgewandelt. Im selben Jahr erwirbt die AG zur Stärkung der Kompetenzen in der wehrtechnischen Elektronik eine Beteiligung an der STN Atlas Elektronik aus der Konkursmasse der Bremer Vulkan.
1997. Die Firma erlebt eine grundlegende Reorganisation. Nach dem Kauf des Kommunikationstechnikunternehmens Richard Hirschmann GmbH & Co. wird dieses mit Rheinmetall Elektronik, Preh und Heimann Systems unter der Führungsgesellschaft Aditron zum Unternehmensbereich Industrielle Elektronik zusammengefasst. Der Geschäftsbereich Waffe und Munition wird auf die neu gegründete Rheinmetall W&M GmbH übertragen. Der Bereich Automobiltechnik fällt in die Zuständigkeit der neuen KSPG, die nach der Fusion der neu erworbenen Kolbenschmidt mit Pierburg entstanden ist.
Die MaK Systemgesellschaft GmbH übergab dem Heer in diesem Jahr das erste Serienexemplar des Minenräumpanzers Keiler.
1998. Nach dem Mehrheitserwerb an der STN Atlas Elektronik GmbH wird die zivile Schiffselektronik ausgegliedert und in die neu gegründete STN Atlas Marine Electronics GmbH mit Sitz in Hamburg überführt. Im selben Jahr werden das erste Gerät des unter der Mitwirkung von Rheinmetall und MaK Systemgesellschaft neu entwickelten Waffensystems der Rohrartillerie, die Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr übergeben, und der Rhino-Minenräumer von MaK Systemgesellschaft im ehemaligen Jugoslawien eingesetzt. Die Rheinmetall Industrie AG übernimmt die Wehrtechnik der BUCK System GmbH und formiert die BUCK Neue Technologien GmbH.
1999. Der Geschäftsbereich Verpackungstechnik wird zum Jahreswechsel an die IWKA Aktiengesellschaft, Karlsruhe, verkauft. Zu diesem Geschäftsbereich gehören die Gesellschaften A+F Automation + Fördertechnik GmbH, Kirchlengern, Benhil Gasti Verpackungsmaschinen GmbH, Neuss, sowie die französische Erca Formseal S.A., Les Ulis, und die amerikanische Autoprod Inc., Clearwater mit insgesamt 822 Mitarbeitern.
Rheinmetall fasst in diesem Jahr auch seine wehrtechnische Kompetenz organisatorisch und gesellschaftsrechtlich unter dem Dach der neu gegründeten Rheinmetall DeTec AG (Defence Technologies) zusammen. Dadurch soll die erforderliche Neuordnung der europäischen Rüstungsindustrie durch Konsolidierungen und Kooperationen strategisch vorbereitet werden.
Im selben Jahr wird die neue Gesellschaft durch Mehrheitsbeteiligungen an der Oerlikon Contraves AG, einem Anbieter von kombinierten Kanonen- und Lenkwaffensystemen für die Flugabwehr, und der Eurometaal Holding N.V., einem Artilleriehersteller von Mittelkalibern, gestärkt. Ende des Jahres übernimmt Rheinmetall DeTec AG die Unternehmen KUKA Wehrtechnik GmbH und Henschel Wehrtechnik GmbH.
2000. Die Unternehmen KUKA Wehrtechnik GmbH und Henschel Wehrtechnik GmbH werden mit der MaK Systemgesellschaft zur neuen Gesellschaft Rheinmetall Landsysteme GmbH zusammengefasst.
Der Vorstand Rheinmetalls beschließt in diesem Jahr die Strategie der klaren Linie mit einer Konzentration auf die Kernkompetenzen Wehrtechnik, Automobiltechnik und Elektronik. Es folgt der Verkauf der Mauser Waldeck AG und der Jagenberg Papier- und Verpackungstechnik.
2002. Die Heimann Systems GmbH und die zur Eurometaal Holding N.V. gehörende Tochtergesellschaft Intergas wird verkauft und die Eurometaal geschlossen.
2003. Die verbliebene Jagenberg wird verkauft und Preh an die Deutsche Beteiligungs AG veräußert.
Rheinmetall Landsysteme liefert in diesem Jahr die ersten neuen minenschutzverstärkten Schützenpanzer Marder 1A5 aus. Zur Entwicklung des neuen Schützenpanzers Puma für die Bundeswehr gründeten Rheinmetall Landsysteme und Krauss-Maffei Wegmann das Gemeinschaftsunternehmen PSM GmbH, an dem beide Unternehmen zu 50 Prozent beteiligt sind.
2004. Die Konzentration auf die wehrtechnischen Kompetenzen wird mit dem Verkauf von Hirschmann und Nico Feuerwerk sowie der Teilung der STN Atlas Elektronik abgeschlossen.
Die Röchling Industrieverwaltung veräußert ihre Mehrheitsbeteiligung an der Rheinmetall AG. Die Aktienanteile werden von rund 75 institutionellen Investoren übernommen. Im Geschäftsbereich Wehrtechnik werden die Rheinmetall W&M GmbH mit der Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme GmbH, der Buck Neue Technologien GmbH sowie der Pyrotechnik Silberhütte GmbH auf die neue Rheinmetall Waffe Munition GmbH verschmolzen. Zusammen mit der RAFAEL Ltd. und der Diehl Munitionssysteme GmbH gründet Rheinmetall Defence Electronics das Gemeinschaftsunternehmen EuroSpike GmbH, das als Generalunternehmer für die Spike-Flugkörperfamilie tätig ist.
2005. Rheinmetall Landsysteme wird Mitgesellschafter der neu gegründeten Heeresinstandsetzungslogistik (HIL). Das Unternehmen ist für einen Zeitraum von acht Jahren für die Instandsetzung von ausgewählten Fahrzeugen und Waffensystemen des deutschen Heeres verantwortlich. Um der veränderten Bedrohungslage Rechnung zu tragen und Systemlösungen für die Abwehr von Gefahren für die innere Sicherheit sowie für den Bevölkerungsschutz anzubieten, wird das Geschäftsfeld Public Security eröffnet.
März 2008. Rheinmetall erwirbt vom niederländischen Mischkonzern Stork den Panzerhersteller Stork PWV. Auf diese Weise übernimmt der Düsseldorfer Wehrtechnikkonzern den niederländischen Anteil der Herstellung von Boxer-Panzern, die für die Bundeswehr und das niederländische Heer entwickelt wird. Damit erhöht sich die Beteiligung am Boxer auf 64 Prozent.
2009. Während der Finanzkrise verkaufen die 100 grössten Waffenhersteller der Welt Rüstungsgüter im Wert von 401 Mrd. US-Dollar (295 Mrd. Euro). Der Umsatz steigt während dieser Zeit um 8%. Seit 2002 sind die Waffenverkäufe weltweit um 59% angestiegen. Die grössten Waffenhersteller sind derzeit Lockheed Martin (USA, 33,4 Mrd. US-Dollar 2009) und BAE Systems (Großbritannien, 33,3 Mrd. US-Dollar). Der größte europäische Rüstungskonzern ist EADS (15,9 Mrd. US-Dollar, Platz 7), der größte deutsche Rheinmetall (Platz 32 weltweit, Platz 10 in Europa).
Mai 2010. Rheinmetall und MAN gründeen das gemeinsame Unternehmen Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV). Hiermit entsteht ein Komplettanbieter im Markt für militärische Radfahrzeuge, der die vollständige Palette der geschützten und ungeschützten Transport-, Führungs- und Funktionsfahrzeuge für internationale Streitkräfte abdeckt. An der Gesellschaft sind Rheinmetall mit 51 Prozent und MAN mit 49 Prozent beteiligt.
2011. Der Bundessicherheitsrates erteilt die Genehmigung zu einem Export von zweihundert Leopard 2A7+ nach Saudi-Arabien. Dies wird Gegenstand einer öffentlichen Debatte, unter anderem im Deutschen Bundestag. Kritiker verschiedener Richtungen kommen jedes Jahr auf der Hauptversammlung zu Wort, u. a. der Verband Kritischer Aktionäre, der wegen der Rüstungsexporte auf der Aktionärsversammlung 2012 den Antrag stellt, den Vorstand nicht zu entlasten. Im Juli 2013 wird bekannt, dass der geplante Verkauf aufgrund der massiven Kritik aus der deutschen Öffentlichkeit höchstwahrscheinlich nicht zu Stande kommt.
Januar 2011. Rheinmetall erhöht seinen Anteil an der Verseidag Ballistic Protection von 51 auf 100 Prozent. Das Unternehmen wird 2012 in Rheinmetall Ballistic Protection umbenannt.
Februar 2011. Rheinmetall erhöht seine Beteiligung an der ADS Gesellschaft für aktive Schutzsysteme in Lohmar auf 74 Prozent und übernimmt damit die Mehrheit.
Juli 2011. Rheinmetall überprüft die Nachhaltigkeit der Zwei-Säulen-Strategie des Unternehmens mit den beiden Bereichen Automobiltechnik und Rüstung. Beiden Bereichen soll es jeweils ermöglicht werden, ihre Wettbewerbspositionen mit größerer Flexibilität weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang untersucht Rheinmetall insbesondere die Möglichkeit eines Börsengangs von Kolbenschmidt Pierburg (KSPG), die im Rheinmetall-Konzern den Bereich Automobiltechnik repräsentiert. Der Börsengang wird aber im September 2012 vorläufig auf Eis gelegt. KSPG übernimmt 2012 die Gleitlager-Aktivitäten der Kirloskar Oil Engines Ltd. (KOEL) in Pune (Indien). KOEL ist unter anderem der größte Gleitlagerhersteller Indiens und vornehmlich auf den dortigen Binnenmarkt konzentriert.
ca. 2012. Bomben der MK-80-Serie werden in der von Saudi-Arabien angeführten Militärintervention im Jemen eingesetzt. Die abgeworfenen MK-83 wurden bis 2012 vom Tochterunternehmen RWM Italia S.p.A. in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft. MK-82 und MK-84 wurden dagegen von der ehemaligen Tochtergesellschaft Burkan Munitions System (VAE) aus gelieferten Bauteilen der RWM Italia S.p.A. in den Vereinigten Arabischen Emiraten montiert.
Januar 2012. Rheinmetall und Cassidian bündeln ihre Aktivitäten im Bereich der unbemannten Flugsysteme und der Frachtladesysteme im Rahmen eines Joint Ventures. Cassidian hält 51 Prozent und Rheinmetall 49 Prozent der Anteile an der neu gegründeten Rheinmetall Airborne Systems GmbH.
Februar 2012. Der Unternehmensbereich Rüstung von Rheinmetall trägt mit einer neuen Organisationsstruktur dem geplanten Unternehmenswachstum und der zunehmenden Internationalisierung Rechnung. Kern der neuen Organisationsstruktur bei Rheinmetall Rüstung bilden die Bereiche Combat Systems, Electronic Solutions sowie der Bereich Wheeled Vehicles.
Mai 2012. Auch der Unternehmensbereich Automobiltechnik strafft seine Organisationsstruktur. Dabei werden die bisherigen sechs Geschäftsbereiche der KSPG in den drei Divisionen Hardparts, Mechatronics und Motorservice gebündelt.
26. Oktober 2012. Vor der Zentrale der Rheinmetall AG in Düsseldorf demonstriert die Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“.
Generelle Kritik an Waffenexporten trifft auch Rheinmetall. Ebenso wird die Finanzierung von Waffenproduktion und -exporten der Rheinmetall durch Banken mit dem Geld ihrer Kunden kritisiert. Organisationen zur Eindämmung von Waffenproduktion empfehlen Bankkunden daher den Wechsel zu ethischen Banken wie der GLS oder der Umweltbank, welche garantieren, Kundenanlagen nicht bei Unternehmen wie Rheinmetall zu investieren.
2013. Der Verkauf von Leopard-Panzern nach Indonesien wird von Menschenrechtsorganisationen kritisiert. So sagt der Rüstungsexperte von Amnesty International, Mathias John, zum im Jahr 2012 geäußerten Wunsch Indonesiens, Leopard-2-Panzer und Schützenpanzer des Typs Marder zu kaufen: „Ein Export (…) wäre ein falsches Signal. In Indonesien sehen wir fortgesetzte Menschenrechtsverletzungen.“ Der Verkauf von 104 Leopard-2-Panzern und 50 Schützenpanzern vom Typ Marder 1A2 nach Indonesien wird dennoch im Jahr 2013 genehmigt.
1. Januar 2013. Armin Papperger übernimmt die Nachfolge von Klaus Eberhardt als Vorsitzender des Vorstands der Rheinmetall AG übernommen.
August 2013. Die indische Polizei ermittelt wegen Bestechungsverdacht gegen zwei Manager der Schweizer Tochter RAD Rheinmetall Air Defense AG, die nach einem Bericht der Indischen Zeitung Indian Express den Gegenwert von ca. 400 000 EUR an einen indischen Vermittler gezahlt haben sollen, damit dieser mit seinen politischen Kontakten dafür sorgt, dass RAD von der schwarzen Liste der indischen Regierung gestrichen wird. RAD bestreitet die Stichhaltigkeit der Vorwürfe. Hintergrund ist, dass RAD, bis 2012 Hauptlieferant der indischen Armee für Flugabwehr, von der indischen Regierung 2012 wegen eines von RAD bestrittenen Bestechungsvorwurfs auf eine schwarze Liste gesetzt und damit von allen weiteren Aufträgen der indischen Armee ausgeschlossen wurde.
Ab August 2013. Die Staatsanwaltschaft Bremen führt gegen Manager der Rheinmetall Defence Electronics und des Elektronikausrüsters Atlas Elektronik ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts, neun Millionen Euro Bestechungsgelder an griechische Politiker und Beamte gezahlt zu haben, um den Verkauf von U-Boot-Ausrüstungen an Griechenland anzukurbeln. Ein von der Staatsanwaltschaft Bremen verhängtes Bußgeld in Höhe von mehr als 37 Millionen Euro akzeptiert der Konzern, Ermittlungen gegen die Firma wegen Bestechung beim Verkauf des Leopard 2 nach Griechenland werden eingestellt, weil das Auftragsvolumen geringer ist als im Atlas-Fall und Rheinmetall bei der Aufklärung geholfen hat.
Oktober 2013. Die Menschenrechtsorganisation Bahrain Watch, die britische Campaign Against Arms Trade und der südkoreanische Gewerkschaftsbund Korean Confederation of Trade Unions starten eine Kampagne gegen Tränengaslieferungen nach Bahrain, die die dortige Polizei zur Unterdrückung von Demonstrationen benutzt, wobei es seit 2011 mehrere Todesfälle gab. Bahrain bezieht das Tränengas nach den Recherchen von Bahrain Watch unter anderem von der Firma Rheinmetall Denel, einem Tochterunternehmen von Rheinmetall Defence und dem südafrikanischen Rüstungskonzern Denel.
10. Juli 2014. Rheinmetall schickt sich laut Handelsblatt an, den geplanten Zusammenschluss der Konkurrenten Nexter und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) zu durchkreuzen. Rheinmetall sei selbst an einer Übernahme von KMW interessiert. Auf höchster Führungsebene habe es dazu Kontakte gegeben. Die Unternehmen produzieren bereits verschiedene Panzer gemeinsam.
24. August 2014. Sigmar Gabriel (SPD - Bundeswirtschaftsminister) genehmigt dem Rüstungskonzern Rheinmetall die Ausfuhr einer Panzerfabrik nach Algerien. Die Lieferung umfasst eine Fertigungsstraße zur Montage von Fuchs-Panzern und andere Teile im Wert von mehr als 28 Millionen Euro. Die Fabrik knapp 400 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier soll fast 1.000 Radpanzer in Lizenz herstellen. Die Bauteile dafür sollen in das nordafrikanische Land geliefert werden und dort von in Deutschland ausgebildeten Mitarbeitern zusammengesetzt werden. Das Geschäft geht auf eine Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU - Bundeskanzler) nach Algerien im Jahr 2008 zurück und wurde in weiten Teilen bereits von der schwarz-gelden Vorgängerregierung genehmigt.
12. September 2014. Laut Handelsblatt prüft Rheinmetall unter anderem eine Übernahme der Marinesparte von ThyssenKrupp Chart zeigen. Erste Sondierungsgespräche seien bereits geführt worden. Besonders interessiert sei Papperger am U-Boot-Bau. Auch Übernahmen der Airbus-Töchter Atlas Elektronik oder Optronics seien möglich.
2015. Das Geschäftsjahr bringt einen Gesamtumsatz von 5,183 (4,688) Milliarden Euro mit weltweit 22.640 (22.065) Mitarbeitern.
In diesem Jahr wird ein Vorvertrag für die Produktion von Munition mittleren Kalibers in der Türkei unterzeichnet, etwa für türkische F-16-Kampfjets.
Anfang 2015. Dirk Niebel (FDP - Ex-Bundesentwicklungsminister) wird bei Rheinmetall angestellt.
Januar 2015. Es wird bekannt, dass sich mehrere ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens in Athen wegen Bestechung vor Gericht verantworten müssen.
November 2015. Manager des deutschen Unternehmens treffen den türkischen Präsidenten Recep Tyyip Erdogan persönlich zu einem Abendessen im Yildiz-Palast in Istanbul, bei dem es offenkundig um die geplante Produktion der Panzer geht.
Dezember 2015. In einer nach dem Gespräch mit Erdogan entstandenen Präsentation führt ein Rheinmetall-Manager Details der geplanten Produktion von insgesamt 1000 Kampfpanzern im Gesamtwert von sieben Milliarden Euro für das türkische Militär aus.
2016. Das Geschäftsjahr bringt deutlich mehr Gewinn. Das operative Ergebnis schnellte im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 353 Millionen Euro nach oben. Der Umsatz wächst um acht Prozent auf 5,6 Milliarden Euro.
Der Umsatz des Rüstungsgeschäfts steigt um 300 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis des Rüstungsgeschäfts steigt um 63 Prozent auf 147 Millionen Euro.
Auch das zweite Geschäftsfeld - die Automobilzulieferung - verzeichnete wachsenden Umsatz und Gewinn. Der Anstieg des operativen Ergebnisses fiel mit 8,3 Prozent allerdings geringer aus.
November 2015. Manager des deutschen Unternehmens treffen den türkischen Präsidenten Recep Tyyip Erdogan persönlich zu einem Abendessen im Yildiz-Palast in Istanbul, bei dem es offenkundig um die geplante Produktion der Panzer geht.
Dezember 2015. In einer nach dem Gespräch mit Erdogan entstandenen Präsentation führt ein Rheinmetall-Manager Details der geplanten Produktion von insgesamt 1000 Kampfpanzern im Gesamtwert von sieben Milliarden Euro für das türkische Militär aus.
2016. Das Geschäftsjahr bringt deutlich mehr Gewinn. Das operative Ergebnis schnellte im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 353 Millionen Euro nach oben. Der Umsatz wächst um acht Prozent auf 5,6 Milliarden Euro.
Der Umsatz des Rüstungsgeschäfts steigt um 300 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis des Rüstungsgeschäfts steigt um 63 Prozent auf 147 Millionen Euro.
Auch das zweite Geschäftsfeld - die Automobilzulieferung - verzeichnete wachsenden Umsatz und Gewinn. Der Anstieg des operativen Ergebnisses fiel mit 8,3 Prozent allerdings geringer aus.
2016. Es werden Pläne von Rheinmetall bekannt, in der Türkei eine Panzerfabrik zu bauen.
Ab diesem Jahr gehört Ulrich Grillo (Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie -BDI) dem Aufsichtsrat von Rheinmetall an.
Ab diesem Jahr gehört Ulrich Grillo (Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie -BDI) dem Aufsichtsrat von Rheinmetall an.
Oktober 2016. Rheinmetall gründet zusammen mit der türkischen Firma BMC sowie malaysischen Partnern das Joint Venture Rheinmetall BMC Defense Industry oder abgekürzt RBSS, nach den türkischen Inititialen des Firmennamens.
Firmensitz ist ein unscheinbares dreistöckiges Bürogebäude in einer Seitenstraße im Regierungsviertel der türkischen Hauptstadt Ankara. Kein Firmenschild verrät, wer hinter den Fenstern arbeitet. An einem Fahnenmast rechts vor dem Haus hängt die türkische Flagge. Neben dem Eingang sind zwei Schilder angebracht: "Zutritt verboten", sagt das eine. Das andere mahnt, in schwarzen Buchstaben auf weißem Grund: "Fotografieren, Film- und Tonaufnahmen verboten". Rheinmetall behauptet, das Joint Venture sei nicht aktiv.
8. Oktober 2016. Um drei Uhr nachts schlägt in einem Dorf im Nordwesten des Jemen eine Bombe ein. Sechs Menschen kommen ums Leben, darunter vier Kinder und eine schwangere Frau. In den Trümmern finden Mitarbeiter der jemenitischen Menschenrechtsorganisation Mwatana Bombenteile. Ein Code deutet auf den Hersteller RWM Italia hin. Die Abkürzung bedeutet "Rheinmetall Waffe Munition".
2. Dezember 2016. Rheinmetall gründet mit der US-amerikanischen Firma Day & Zimmermann in den USA ein Tochterunternehmen, um Munition für den US-amerikanischen Markt herzustellen. Das Joint Venture soll etwa Munition für den Tarnkappenbomber F-35 Lightning II von Lockheed Martin liefern. Sitz der Gesellschaft, die Rheinmetall und Day & Zimmermann zu gleichen Teilen gehört, wird Rosslyn im US-Bundesstaat Virginia sein.
2017. Im diesem Geschäftsjahr erwirtschaftet das Unternehmen mit insgesamt 23 726 (23 044) Mitarbeitern einen Umsatz von 5,896 (5,602) Milliarden Euro.
In diesem Jahr werden Armin Papperger (Vorsitzender des Vorstands) und Ulrich Grillo (Vorsitzender des Aufsichtsrats) sowie die Großaktionäre Larry Fink (BlackRock) und Paul Manduca des Rüstungskonzerns mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2017 an den Pranger gestellt. In der Begründung heißt es:
„Sie treten dabei Umweltschutz, Frieden und Menschenrechte mit Füßen. RHEINMETALL fördert Krieg, ruiniert Menschenrechte und zerstört die Umwelt. Auch illegale Waffendeals, Steuerhinterziehung und Kriegstreiberei zeigen wie die Verantwortlichen von Rheinmetall für die Profitmaximierung Ethik und Moral missachten. Sie nehmen durch ihr Handeln den Untergang der Erde als Schwarzen Planeten in Kauf.“
17. Februar 2017. Rheinmetall will künftig mit dem drittgrößten US-Rüstungskonzern Raytheon zusammenarbeiten. Für den Düsseldorfer Technologieriesen bedeutet es nicht nur eine noch stärkere Verbindung in den amerikanischen Markt, sondern auch den Ausbau im Bereich Luftverteidigungssysteme.
So ist Raytheon der weltweite Lieferant des Patriot-Abwehrsystems, das auch bei der Bundeswehr im Einsatz ist. Das neue Bündnis Raytheon-Rheinmetall sei besonders brisant, weil damit der vom Bundesverteidigungsministerium geplante Wechsel von Patriot auf das neue Meads-Abwehrsystem mit einem Multi-Milliardenauftrag womöglich wackeln könnte
8. März 2017. Rheinmetall treibt den Bau von Panzern in der Türkei voran. Es wird bestätigt, dass Rheinmetall mit 40 Prozent an einem neuen Gemeinschaftsunternehmen namens RBSS beteiligt ist. Weitere Teilhaber sind die türkische Firma BMC des Geschäftsmanns Ethem Sancak sowie die Holding Etika Strategi aus Malaysia.
Derzeit werden Manager und Ingenieure für die Entwicklung und Produktion gepanzerter Fahrzeuge "an den Standorten Istanbul und Izmir" gesucht.
Über den Standort des neuen Unternehmens gibt es laut Rheinmetall "noch keine endgültige Entscheidung". Östlich von Istanbul hat sich BMC aber bereits ein 222 Hektar großes Areal für eine neue Produktionsstätte für gepanzerte Fahrzeuge gesichert, in der Ortschaft Ihsaniye bei Karasu an der Schwarzmeerküste. BMC hat sich laut Rheinmetall überdies bereits um einen Auftrag zur Nachrüstung älterer Leopard-Panzer beworben, die die türkische Armee in ihrem Bestand hat. Das Gemeinschaftsunternehmen beabsichtige überdies, für die Produktion eines eigenen türkischen Kampfpanzers vom Typ Altay "an der Ausschreibung teilzunehmen".
In Izmir baut die Rheinmetall-Partnerfirma BMC heute schon Lkw und Militärfahrzeuge.
Der Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tyyip Erdogan, Bilal, profitiert dabei offenbar indirekt von der Unterstützung eines Partners des Rheinmetall-Konsortiums, des malaysischen Milliardärs Syed Mokhtar Albukhary. Dessen islamisch orientierte Albukhary Foundation unterstützt seit Sommer 2016 die Türgev-Stiftung, bei der Bilal Erdogan im Vorstand sitzt. So organisierten die Malaysier im August 2016 einen vierwöchigen Aufenthalt und Englisch-Kurs für über 200 junge Türken, genannt "Türgev Albukhary Language and Culture Camp". Nach Aussage von Rheinmetall hat dies aber nichts mit dem Panzergeschäft zu tun. Rheinmetall unterhalte "weder eine direkte noch indirekte Kooperation oder Absprache" mit der Türgev-Stiftung. Die Albukhary Foundation unterstütze überdies Studenten "fast aller islamischer Länder".
24. März 2017. Rheinmetall schließt sich mit dem Elektronikkonzern Rohde & Schwarz zusammen. Als Gemeinschaftsunternehmen wollen sich die beiden Konzerne um zwei Großaufträge der Bundeswehr bewerben. Man möchte "künftig eine führende Rolle bei der Digitalisierung der Landstreitkräfte zu übernehmen". Die Bundeswehr will für das Heer ihre Funksysteme erneuern. Rheinmetall hält die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen, ein Anteil von 25,1 Prozent liegt bei Rohde & Schwarz.
30. März 2017. Franz Josef Jung (Ex-Kriegsminister) soll einem Medienbericht zufolge in den Rheinmetall-Aufsichtsrat einziehen. Zudem läuft die Amtszeit des langjährigen Vorsitzenden Klaus Greinert läuft nach 20 Jahren in dem Gremium aus. Nachfolger soll Ulrich Grillo werden.
April 2017. Mit Unterschriftenaktionen und der Demonstration mit einem Panzer vor dem Bundestag fordert die Organisation Campact den Bundestag dazu auf, Rheinmetall das Geschäft zu untersagen.
Anfang Juli 2017. Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH erhält den Zuschlag für einen siebenjährigen Rahmenvertrag für knapp 2300 Militär-Lkw im Wert von fast 900 Millionen Euro für die Bundeswehr.
18. April 2018. In einem Fernsehbeitrag der ARD wird Rheinmetall beschuldigt, in Italien, Ägypten und in Südafrika Bomben für Saudi-Arabien für den Einsatz im Jemen herzustellen und somit das Waffenexportverbot zu umgehen.
Es wird eine Strafanzeige vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) mit Sitz in Berlin, Mwatana sowie den italienischen Organisationen Rete Disarmo und Opal jetzt gemeinsam bei der Staatsanwaltschaft in Rom eingereicht. Sie richtet sich gegen italienische Beamte, die trotz des Jemen-Kriegs seit Jahren Exporte von Rheinmetall-Bomben nach Saudi-Arabien durchwinken.
Es wird eine Strafanzeige vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) mit Sitz in Berlin, Mwatana sowie den italienischen Organisationen Rete Disarmo und Opal jetzt gemeinsam bei der Staatsanwaltschaft in Rom eingereicht. Sie richtet sich gegen italienische Beamte, die trotz des Jemen-Kriegs seit Jahren Exporte von Rheinmetall-Bomben nach Saudi-Arabien durchwinken.
Bilder aus Wikimedia Commons
Leopard 2 A6 des Ausbildungszentrums in Munster, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: Enno Heidtmann
Quellen
24.08.2014, Zeit, Rüstungsexporte, Rheinmetall darf Panzerfabrik nach Algerien liefern
