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| Veranschaulichung von „Big Data“ mit einer Visualisierung |
Der kanadische Whistleblower Christopher Wylie wurde etwa 1990 geboren.
Im März 2018 gibt der Ex-Forschungsdirektor und Ex-Datenanalyst von Cambridge Analytica (CA) als Whistleblower Dokumente an die britische Tageszeitung The Guardian Dokumente weiter, die die geheimen Abläufe hinter CA beschreiben:
„Wir haben Millionen von Facebook-Profilen abgeschöpft, um aus den Daten Modelle zu erstellen. Damit haben wir dann gezielt auf die inneren Dämonen der jeweiligen Nutzer abgestellt. Das war das Fundament, auf dem die ganze Firma aufgebaut war“, zitiert der Observer den Whistleblower Christopher Wylie.
Die Dokumente drehen sich um den mutmaßlichen unbefugten Besitz von persönlichen Daten von etwa 50 Millionen Facebook- Benutzerkonten von Cambridge Analytica, die zum Zweck der Schaffung gezielter politischer Kampagnen gewonnen wurden. Diese Kampagnen basierten auf psychologischen und Persönlichkeitsprofilen, die aus den Facebook-Daten erstellt wurden.
Mit den Daten soll Einfluss auf die Präsidentenwahl 2016 zugunsten von Donald Trump genommen worden sein. Auch der Brexit soll teilweise auf den Einfluss von Cambridge Analytica zurückgehen.
Mit den Enthüllungen löst Wylie auf beiden Seiten des Atlantiks Ermittlungen bezüglich des Datenschutzes aus.
Wylie selbst wird als schwul und vegan beschrieben.
Leben
ca. 1990. Christopher Wylie wird als Sohn der Ärzte Dr. Kevin Wylie und Dr. Joan Carruthers geboren. Er wächst in Victoria, British Columbia, auf. Als Kind wird bei ihm Legasthenie und ADHS diagnostiziert.
ca. 1996. Im Alter von 6 Jahren wird er von einer psychisch labilen Person misshandelt. Die Schule versucht dies zu vertuschen.
2000. Sein Vater und er gewinnen in einem Prozess mehr als 290.000 kanadische Dollars gegen den Schulbezirk.
ca. 2006. Er verlässt die Schule mit 16 Jahren ohne Qualifikation.
ca. 2007. Er arbeitet für den kanadischen Oppositionsführer Michael Ignatieff.
ca. 2009. Er bringt sich selbst das Programmieren bei.
ca. 2010. Er beginnt ein Jurastudium an der London School of Economics.
2013. Er wird in die SCL Elections eingeführt, die später Cambridge Analytica gründet.
20. März 2018. In einem Interview mit The Guardian erklärt Wylie, Rebekah Mercer (Hauptanleger von Cambridge Analytica sind Robert und Rebeckah Mercer), "liebe die Schwulen und Stephen Bannon. Er dachte, wenn du die Schwulen an Bord bringst, werden alle anderen folgen ... (wie bei) Milo Yiannopoulos".
In einem Interview mit der „Washington Post“ berichtet er, dass es Stephen Bannon selbst war, der im Jahr 2014 den Ankauf von Facebook-Daten und Facebook-Profilen für knapp eine Million US-Dollar abgesegnet hat. Bannon und Robert Mercers Tochter Rebekah haben seiner Aussage nach im Jahr 2014 an einer Telefonkonferenz teilgenommen, in der die Pläne zum Ankauf der Facebook-Daten von Psychologieprofessor Aleksandr Kogan diskutiert wurden. Wylie sagt aber auch, dass nicht klar ist, ob Bannon oder Mercer informiert waren, auf welche Weise die Facebook-Daten gesammelt worden waren, nämlich mit illegalen Mitteln.
26. März 2018. Einem Bericht des britischen "Observer" zufolge hat Cambridge Analytica auch im Brexit-Referendum über Umwege eine Rolle gespielt. CA ist demnach eng mit dem kanadischen Datenanalyse-Unternehmen AggregateIQ (AIQ) verbunden, das maßgeblich an der Kampagne zum EU-Austritt von Außenminister Boris Johnson, "Vote Leave", beteiligt war. Beide Firmen und das Wahlkampfteam bestreiten das allerdings.
Der "Observer" beruft sich auf Christopher Wylie. Demnach wurde AIQ mit seiner Hilfe gegründet und zeitweise intern als Abteilung von Cambridge Analytica bezeichnet. AIQ widerspricht dem. Auf der Webseite der Firma heißt es, AIQ sei nie ein Teil von Cambridge Analytica oder deren Muttergesellschaft SCL gewesen.
Unbestritten ist die erhebliche Rolle, die AIQ im Brexit-Wahlkampf spielte. Bis vor kurzem schmückte sich das Unternehmen auf seiner Webseite mit einem Zitat des Vote-Leave-Wahlkampfleiters Dominic Cummings: "Ohne Zweifel schuldet die Vote-Leave-Kampagne einen großen Teil ihres Erfolgs der Arbeit von AggregateIQ, ohne sie hätten wir es nicht schaffen können." Die Brexit-Kampagne des heutigen Außenministers Boris Johnson hatte 40 Prozent ihres Budgets in die Arbeit von AggregateIQ gesteckt. Die Beträge sind auf der Webseite der britischen Wahlkommission einsehbar.
28. März 2018. Wylie sagt vor britischen Parlamentariern aus. Er erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Cambridge Analytica und Facebook. Seiner Aussage kann nicht nur Facebook, sondern „alle möglichen Apps“ bei den Nutzern lauschen.
Sie könnten Audio nutzen, um die Umgebung des Nutzers einzuschätzen. So würde beispielsweise differenziert, ob sich der Nutzer am Arbeitsplatz oder zuhause vor dem Fernseher befindet. Dies könne dafür verwendet werden, das Profil des Nutzers mit jeweils passenden Werbeanzeigen zu bestücken. Wylie sagte, es gehe bei den möglichen Audioaufnahmen nicht um die Inhalte von Gesprächen, sondern um das Abstimmen von Werbebotschaften auf die Tätigkeit oder die Umgebung des Nutzers. Bisher hat Facebook Vorwürfe dementiert, laut denen es über die mobilen Geräte der Nutzer Tonspuren aufzeichnete.
Eine Schlüsselrolle bei der gezielten Nutzung von Userdaten auch für politische Meinungsmache schreibt Wylie außerdem der umstrittenen Firma Palantir Technologies von Andreas Thiel zu. Die Überwachungsfirma soll mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet haben, um die Facebook-Nutzerdaten zu Algorithmen zu verarbeiten. Palantir gilt als besonders gut darin, Muster in großen Datenbeständen zu finden. Die Firma, über die öffentlich sehr wenig bekannt ist, arbeitete unter anderem für Behörden wie die US-Ministerien für Verteidigung und Heimatschutz. Thiel wiederum sitzt bei Facebook im Aufsichtsrat.
28. März 2018. Wylie sagt vor britischen Parlamentariern aus. Er erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Cambridge Analytica und Facebook. Seiner Aussage kann nicht nur Facebook, sondern „alle möglichen Apps“ bei den Nutzern lauschen.
Sie könnten Audio nutzen, um die Umgebung des Nutzers einzuschätzen. So würde beispielsweise differenziert, ob sich der Nutzer am Arbeitsplatz oder zuhause vor dem Fernseher befindet. Dies könne dafür verwendet werden, das Profil des Nutzers mit jeweils passenden Werbeanzeigen zu bestücken. Wylie sagte, es gehe bei den möglichen Audioaufnahmen nicht um die Inhalte von Gesprächen, sondern um das Abstimmen von Werbebotschaften auf die Tätigkeit oder die Umgebung des Nutzers. Bisher hat Facebook Vorwürfe dementiert, laut denen es über die mobilen Geräte der Nutzer Tonspuren aufzeichnete.
Eine Schlüsselrolle bei der gezielten Nutzung von Userdaten auch für politische Meinungsmache schreibt Wylie außerdem der umstrittenen Firma Palantir Technologies von Andreas Thiel zu. Die Überwachungsfirma soll mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet haben, um die Facebook-Nutzerdaten zu Algorithmen zu verarbeiten. Palantir gilt als besonders gut darin, Muster in großen Datenbeständen zu finden. Die Firma, über die öffentlich sehr wenig bekannt ist, arbeitete unter anderem für Behörden wie die US-Ministerien für Verteidigung und Heimatschutz. Thiel wiederum sitzt bei Facebook im Aufsichtsrat.
Bilder aus Wikimedia Commons
Veranschaulichung von „Big Data“ mit einer Visualisierung, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic, Urheber: Fernanda B. Viégas
Quellen
29.03.2018, Welt, WHISTLEBLOWER WYLIE, „Nicht nur Facebook“ kann bei Nutzern mithören
26.03.2018, Welt, WHISTLEBLOWER WYLIE, Dieser Mann bringt Facebook ins Wanken
19.03.2018, FAZ, WHISTLEBLOWER WYLIE, „Ich war ein neugieriger und naiver Dreiundzwanzigjähriger“
26.03.2018, Welt, WHISTLEBLOWER WYLIE, Dieser Mann bringt Facebook ins Wanken
19.03.2018, FAZ, WHISTLEBLOWER WYLIE, „Ich war ein neugieriger und naiver Dreiundzwanzigjähriger“
Wikipedia, Christopher Wylie (engl.)
