Montag, 25. Dezember 2017

Pedro Pablo Kuczynski Godard

Pedro Pablo Kuczynski Godard
Der peruanische Politiker und Ökonom Pedro Pablo Kuczynski Godard wurde am 3. Oktober 1938 in Lima, Peru geboren.

Im Juni 2016 wurde er zum Präsidenten seines Landes gewählt und am 28. Juli 2016 vereidigt. 

Er ist dem wirtschaftsliberalen politischen Lager zuzurechnen.

In der peruanischen Öffentlichkeit wird er oft nur mit seinen Initialen PPK bezeichnet, die auch das Kürzel seiner Partei Peruanos Por el Kambio sind.

Kuczynski ist auch Direktor von verschiedenen Unternehmen in Peru und außerhalb. Eingetragener Mitbesitzer im Bundesstaat Florida ist er auch von Westfield Capital, einem Betreiber von Einkaufszentren.

Kuczynski ist in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Töchter sowie einen Sohn. Seine Tochter Alexandra Louise „Alex“ Kuczynski (* 1967) ist Redakteurin bei der New York Times.

Kuczynski spielt Querflöte und Klavier, außerdem hat er eine Vorliebe für Barockmalerei.

Leben

3. Oktober 1938. Pedro Pablo Kuczynski Godard wird in Lima, Peru geboren.

Er ist der Sohn des in Berlin geborenen deutschen Mediziners Max Kuczynski und dessen schweizerischen Ehefrau Madeleine Godard, einer Lehrerin und Tante Jean-Luc Godards. Sein Vater litt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Herkunft unter Repressalien und floh im Sommer 1933 aus dem Deutschen Reich nach Peru.

Seine Schulausbildung erhält Kuczynski am Markham College in Lima sowie an der Rossall School im britischen Lancashire. Sein Studium an der Royal Academy of Music in London mit den Instrumenten Querflöte und Klavier schließt er nicht ab.

Bis 1960. Er absolviert ein Studium in Philosophy, Politics and Economics (PPE) am Exeter College der University of Oxford in Großbritannien.

Danach macht er seinen Master an der Princeton University in den USA.

1961. Er arbeitet bei der Weltbank.

1967. Kuczynski kehrt nach Peru zurück und arbeitet während der Regierung von Präsident Fernando Belaúnde Terry bei der Banco Central de Reserva del Peru, der Zentralbank des Landes.

1968. Nach dem Militärputsch durch Juan Velasco Alvarado geht er ins Exil in die USA und arbeitet erneut für die Weltbank.

1973 bis 1975. Er ist Partner der US-amerikanischen Investmentbank Kuhn, Loeb & Co. in New York.

1975. Er wird Chefökonom der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) in Washington. Anschließend wird er zum Präsidenten von Halco Mining (Harvey Aluminium Company) mit Sitz in Pittsburgh ernannt, einem internationalen Konsortium von Bergbauunternehmen wie Alcoa und der Rio Tinto Group mit Betrieben in Guinea.

1980 bis 1982. Nach dem Ende der Militärherrschaft in Peru ist Kuczynski während der zweiten Präsidentschaft Fernando Belaúnde Terrys Minister für Energie und Bergbau.

1983 bis 1992. Er ist stellvertretender Vorsitzender der 1978 gegründeten First Boston Corporation in New York, einer internationalen Investmentbank, die von der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen First National Bank of Boston gegründet wurde.

1983 bis 2001. Er ist Vorstandsmitglied beim US-Investmentunternehmen R.O.C. Taiwan Fund (später: Taiwan Greater China Fund).

Juni 1988. Er nimmt an der Bilderberg-Konferenz in Telfs in Österreich teil.

1992. Kuczynski gründet mit sechs Partnern den Latin American Enterprise Fund (LAEF) mit Sitz in Miami. Die Beteiligungsgesellschaft konzentriert sich auf Investitionen in Mexiko, Mittel- und Südamerika.

1992 bis 1995. Er ist Vorstandsmitglied beim Eisen- und Stahlunternehmen Compañía de Acero del Pacífico (CAP) in Chile.

1992 bis 1996. Er ist Vorstandsmitglied bei der Bank Credit Suisse First Boston (CSFB).

1995. Die Internationale Finanz-Corporation (IFC) beteiligt sich mit 13 Prozent an dem LAEF-Fonds. Zu den institutionellen Investoren gehören mehr als 15 der größten Universitätsstiftungen und Stiftungen der Welt sowie Pensionskassen.

1995 bis 1996. Er ist Vorstandsmitglied beim US-amerikanischen Kupferproduzenten Magma Copper Company.

1996 bis 1999. Er ist Vorstandsmitglied bei Edelnor S.A. (Empresa Electrica Del Norte Grande) in Chile, einem Energieversorgungstochterunternehmen der französischen GDF Suez.

1996 bis 2001. Er ist Vorstandsmitglied bei dem japanischen Automobilhersteller Toyota Motor Corporation und beim argentinischen Stahlunternehmen Siderúrgica Argentina (Somisa).

2001. Nach den Wahlen in Peru wird Kuczynski von Alejandro Toledo in dessen Kabinett aufgenommen. Ihm wird das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers übergeben. Während seiner Amtszeit verzeichnen die peruanischen Brady Bonds ihren stärksten Kursanstieg seit 1998 und die peruanische Börse reagiert mit einem massiven Sprung nach oben.

2003 bis 2004. Er ist Vorstandsmitglied bei dem luxemburgischen Montanunternehmen Tenaris S.A. und bei dem Bergbauunternehmen Southern Peru Copper Corporation, das 2004 an die Grupo México geht.

14. August 2005 bis zum 28. Juli 2006. Unter Toledo ist Kuczynski dann Premierminister von Peru und initiiert ein striktes Sparprogramm.

2007 bis 2016. Er ist Vorstandsmitglied beim argentinischen Stahlunternehmen Ternium.

2011. Er tritt bei den Wahlen in Peru als parteiloser Kandidat des Mitte-rechts-Bündnisses Alianza por el Gran Cambio für das Präsidentenamt an. Dabei kündigt er an, im Falle seiner Wahl auf seine US-Staatsbürgerschaft zu verzichten. Er erhält jedoch mit knapp 20 Prozent nur den drittgrößten Stimmenanteil und ist deshalb nicht für die Stichwahl qualifiziert.

2016. Er kandidiert erneut bei den Präsidentschaftswahlen. Diesmal tritt er für die neugegründete liberal-konservative Partei Peruanos Por el Kambio („Peruaner für den Wandel“; das Wort „cambio“ wird bewusst falsch geschrieben, damit die Partei die gleichen Initialen wie ihr Kandidat hat) an. In der ersten Runde landet er mit 21 % hinter Keiko Fujimori, aber noch vor Verónika Mendoza auf dem zweiten Platz. 

5. Juni 2016. Bei der Stichwahl setzt er sich mit 50,12 Prozent der Stimmen gegen Keiko Fujimori durch. Kurz vor dem zweiten Wahlgang haben sich Vertreter der politischen Linken wie Mendoza – trotz inhaltlicher Gegensätze – für Kuczynski als gegenüber Fujimori „kleineres Übel“ ausgesprochen. Expräsident Alberto Fujimori sitzt wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen im Gefängnis.

28. Juli 2016. Er tritt sein Amt an. Eines seiner Hauptanliegen ist der Kampf gegen die Korruption. Dazu erläßt er zahlreiche Antikorruptions-Dekrete.

Mitte September 2017. Das Parlament entzieht im Streit um die Entlassung des Erziehungsministers der Regierung das Vertrauen. Kuczynski muss dem Parlament innert 3 Tagen eine neue Regierung präsentieren.

15. Dezember 2017. Das Parlament leitet wegen des Vorwurfes, Kuczynski habe sich in seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister vom Odebrecht-Konzern bestechen lassen, ein Verfahren gegen den Präsidenten ein, dass zu dessen Amtsenthebung (Feststellung der „vacancia presidencial“, der Vakanz des Präsidentenamtes) führen könnte.

21. Dezember 2017. Bei einer ersten Abstimmung stimmen 78 Abgeordnete dafür, Kuczynski abzusetzen. Damit wird die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten (87 Stimmen bei 130 Mitgliedern des Kongresses) verfehlt.

24. Dezember 2017. An Weihnachten wird der 79-jährige Alberto Kenya Fujimori von Perus Präsident Pedro Pablo Kuczynski begnadigt und wird damit vorzeitig aus der Haft entlassen. Fujimori gilt als herzkrank und ist mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert worden. Eine medizinische Untersuchung hat ergeben, dass er an einer fortgeschrittenen, nicht heilbaren Krankheit leide. Bei vollem Strafmaß wäre Fujimori erst im Alter von 93 Jahren aus der Haft entlassen worden.

Spekuliert wird, dass es einen Deal zwischen Kuczynski und der Fujimori-Familie gegeben habe. So hat Kuczynski am 21. Dezember 2017 ein durch Keiko Fujimori mitangestrengtes Amtsenthebungsverfahren im Parlament entgegen der Erwartungen überstanden. Zehn oppositionelle Abgeordnete haben sich bei der Stimmabgabe enthalten, darunter auch Fujimoris Sohn Kenji, der ebenfalls wie Keiko der Partei Fuerza Popular angehört. Kenji Fujimori dankt später Kuczynski via Twitter für seine „noble und große Geste“.

Bilder aus Wikimedia Commons
Pedro Pablo Kuczynski Godard, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported, Urheber: Presidencia de Perú

Quellen