Freitag, 22. Dezember 2017

Miguel Juan Sebastián Piñera Echenique

Miguel Juan Sebastián Piñera Echenique
Der chilenische Milliardär, Unternehmer und Politiker Miguel Juan Sebastián Piñera Echenique  wurde am 1. Dezember 1949 in Santiago de Chile geboren.

Von 2010 bis 2014 war er Staatspräsident Chiles. 2017 wurde er erneut zum Präsidenten seines Landes gewählt. Seine Amtseinführung ist für März 2018 geplant.

Die Neue Zürcher Zeitung urteilte anlässlich des Endes von Pineras Amtszeit 2014, seine Regierung sei „in vielerlei Hinsicht erfolgreich“ verlaufen: „Insbesondere ihre wirtschaftliche Bilanz ist mit Wachstumsraten über fünf Prozent und einer rekordtiefen Arbeitslosigkeit beachtlich“.

Kritik erntete Piñera in linksgerichteten Kreisen vor allem für seine Haltung während der Bildungsproteste 2011 und 2012. Seine ablehnende Haltung gegenüber der Forderung nach einer Bildungsreform des, noch aus der Zeit der Diktatur stammenden, größtenteils privaten Bildungssystems und das von ihm geforderte harsche Vorgehen der Polizei ließen ihn in der Sympathie des Volkes dramatisch sinken. In seine Amtszeit fallen damit nicht nur die größten Massendemonstrationen seit dem Ende der Diktatur, sondern er war bis dato auch der unbeliebteste Präsident des Landes seit Pinochet (mit zeitweise nur noch 26 % Zustimmung unter der Bevölkerung). Die Regierung büßte dabei vor allem durch ihr spätes Einlenken Sympathien ein, so zeigte sie sich erst 2012 zu Gesprächen mit Studentenvertretern bereit. Das harsche Vorgehen der Polizei gegen die, zum Teil noch minderjährigen Schüler und Studenten sorgte auf der anderen Seite für eine rapide Identifizierung der Zivilgesellschaft mit den Protesten, sodass sie sich schnell zu allgemeinen Protesten gegen die konsumorientierte Gesellschaftsstruktur Chiles ausweitete, die seit den wirtschaftlichen Reformen der Militärdiktatur herrscht.

Er gehört zu den reichsten aktiven Politikern der Welt.

Piñera war mit knapp einem Drittel Anteilseigner der Fluggesellschaft LAN Airlines (der heutigen LATAM Airlines) und des privaten Fernsehsenders Chilevisión, bis er diese Beteiligungen 2010 abstieß. Reich geworden ist er mit der Einführung von Kreditkarten in Chile in den 1980er Jahren.

Leben

1. Dezember 1949. Miguel Juan Sebastián Piñera Echenique wird in Santiago de Chile geboren. Wegen der Arbeit seines Vaters wandert die Familie bald darauf in die USA aus.

1955. Nach der Rückkehr besuchte er die Schule in Chile.

Ab 1968. Er studiert Wirtschaftswissenschaften an der Pontificia Universidad Católica de Chile, absolviert sein Studium als Jahrgangsbester und erhält dafür den Raúl Iver Oxley-Preis, benannt nach einem Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad de Chile. Im Anschluss studiert er – ebenso wie sein Bruder José Piñera – an der US-amerikanischen Harvard University in Cambridge (Massachusetts), legt dort sein Master-Examen ab und erlangt einen Ph.D. in Wirtschaftswissenschaften.

Danach kehrt er nach Chile zurück, um bei der Comisión Económica para América Latina y el Caribe zu arbeiten.

1971 bis 1990. Er arbeitet als Professor der Universidad de Chile, Católica und der Universität Adolfo Ibañez.

1980er Jahre. Er gründet die Firma Bancard S.A., die Kreditkarten vermarktet. Mit der Einführung von Kreditkarten in Chile wird er in den nächsten Jahren reich.

1988. Seine erste politische Aktivität entwickelt er noch während der Diktatur von Augusto Pinochet. Dennoch bekennt er sich als einer der wenigen rechten Politiker öffentlich dazu, dass er im Plebiszit für das Ende der Diktatur stimmen werde, was für sehr viel Aufsehen sorgt. Auch distanziert er sich von der Wirtschaftspolitik der Chicago Boys.

1990er Jahre. Er sitzt im Senat, bevor er die Fluglinie LAN Chile und den Fernsehkanal Chilevisión kauft.

1992. Er gelangt an den Tiefpunkt seiner Karriere, als der rechte Politiker Ricardo Claro ein privates Telefonat veröffentlicht, in dem Piñera und Pedro Pablo Díaz die konservative Politikerin Evelyn Matthei zu verunglimpfen planten.

2005. Im Süden der Insel Chiloé eröffnet er  das private Naturschutzgebiet Tantauco Park.

Mai 2005. Er kündigt seine erste Kandidatur für die Präsidentschaft an.

11. Dezember 2005. Bei den Präsidentschaftswahlen ist er der Präsidentschaftskandidat der Renovación Nacional. Er besiegt im ersten Wahlgang den Politiker der chilenischen Rechtspartei Unión Demócrata Independiente Joaquín Lavín und erhält 25,44 Prozent der Stimmen, womit er in die Stichwahl kommt.

15. Januar 2006. Bei der Stichwahl gewinnen die Sozialisten mit ihrer Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet mit 53,4 Prozent der Stimmen.

13. Dezember 2009. Bei den Präsidentschaftswahlen in Chile 2009/2010 kandidiert er mit seiner Partei Renovación Nacional („Nationale Erneuerung“) für die Coalición por el Cambio („Koalition für die Veränderung“), welcher als konservativem Gegenblock gegen die Concertación de Partidos por la Democracia („Vereinbarung von Parteien für die Demokratie“) damaligen Präsidentin Michelle Bachelet gemeinhin gute Chancen prognostiziert wurden. Tatsächlich kann Piñera mit 44,03 Prozent die mit Abstand meisten Stimmen für sich und seine Partei gewinnen. 

17. Januar 2010. Bei der Stichwahl gegen den Ex-Präsidenten Eduardo Frei Ruiz-Tagle kann Piñera fast 52 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Frei erklärt nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse seine Niederlage.

18. Januar 2010. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt:

„Dass Piñera ein Haupt-Eigner der größten chilenischen Fluggesellschaft ist sowie Anteile am privaten Fernsehsender „Chilevisión“ und am populären chilenischen Fußballclub „Colo Colo“ hält, brachte ihm den Ruf ein, der Berlusconi Chiles zu sein.“

27. Februar 2010. Um 3.34 Uhr Ortszeit (7.34 Uhr MEZ) ereignet sich ein schweres Erdbeben in Chile mit der Stärke 8,8 nur wenige Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten Sebastián Piñera. Das Beben dauert etwa eine Minute lang. Bei dem Beben kommen etwa 350 Menschen ums Leben.

In dieser Übergangszeit arbeitet Piñera eng mit seiner Vorgängerin Bachelet zusammen, um eine langfristige Hilfe für die betroffenen Regionen zu ermöglichen.

12. März 2010. Der neue Präsident Sebastián Piñera reist nach dem schweren Erdbeben in Chile in die Katastrophenregion und unterzeichnet ein Gesetz zur Verteilung von Gutscheinen an Bedürftige.

Der Journalist Gerhard Dilger hält Präsident Piñera später vor, privaten Unternehmen zu Gewinnen verholfen zu haben, indem er ihnen nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 2010 Aufträge zuschob. Während sich Piñeras Regierung ein Vorzugszeugnis beim Wiederaufbau ausstellte, berichtet Dilger, dass 500.000 Menschen durch das Erdbeben und mangelhafte Hilfsmaßnahmen der Regierung in die Armut gestürzt wurden. 150.000 durch das Erdbeben obdachlos Gewordene hausten noch ein Jahr danach oder länger in provisorischen Hütten. Dilger nennt Piñeras Reaktion auf das Erdbeben ein „bürokratisiertes, autoritäres und auf Kapitalinteressen ausgerichtetes Krisenmanagement“.

11. März 2010. Als Wahlsieger tritt Piñera für vier Jahre die Nachfolge der sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet an. Damit bekleidet erstmals seit der Diktatur Augusto Pinochets ein konservativer Politiker das Präsidentenamt.

11. März 2014. Seine erste Amtszeit endet und Michelle Bachelet übernimmt als Nachfolgerin Piñeras erneut das Präsidentenamt.

2017. Laut Forbes Magazine besitzt Piñera nun ein Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 tritt Sebastian Piñera mit seiner Partei Renovación Nacional für die rechts-konservative Koalition Chile Vamos an. Er tritt in der ersten Runde gegen acht verschiedene Kandidaten an (nach Reihenfolge des Stimmenanteils nach der ersten Runde: Alejandro Guillier Álvarez, Beatriz Sánchez Muñoz, José Antonio Kast Rist, Carolina Goic Boroevic, Marco Enríquez-Ominami Gumucio, Eduardo Artés Brichetti und Alejandro Navarro Brain) und gewinnt diese mit 36,64 % der abgegebenen Stimmen. So qualifiziert er sich zusammen mit Alejandro Guillier, dem Kandidaten der Sozialistischen Partei, für die Koalition Nueva Mayoria, der auch die aktuelle Präsidentin Michelle Bachelet angehört, für die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen.

18. Dezember 2017. Sebastian Piñera gewinnt die Stichwahl mit 54,57 % der Stimmen

11. März 2018. Er wird als Präsident eingeschworen. Nach dieser Amtsperiode wird er keine dritte Amtszeit anstreben können, da dies mit der aktuellen Verfassung Chiles nicht möglich ist.

Bilder aus Wikimedia Commons
Miguel Juan Sebastián Piñera Echenique, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Chile, Urheber: Gobierno de Chile

Quellen