Dienstag, 5. Juni 2018

Paul Manafort

Frische Gülleeinfüllung in ein offenes Güllesilo
Der US-amerikanische Lobbyist und Politikberater Paul John Manafort wurde am 1. April 1949 in New Britain geboren.

Während Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur war Paul Manafort dessen Berater. Seine Nachfolgerin wurde Kellyanne Conway. Gegen Manafort wird wegen möglicher Kollusion mit russischen Stellen im Rahmen dieses Wahlkampfs ermittelt.

Manaforts Arbeitsverhältnisse werden während der Ermittlungen des Federal Bureau of Investigation zu möglichen Russland-Verbindungen untersucht und öffentlich kritisch hinterfragt. Dabei geht es um die Frage, ob Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam sich mit russischen Stellen kollusiv zum Schaden von Trumps demokratischer Gegenkandidatin Hillary Clinton abgesprochen hatten. Laut Informationen der New York Times steht Manafort als ehemaliger Trump-Berater im Mittelpunkt dieser Ermittlungen. Sowohl die Trump-Regierung als auch Manafort bestreiten, dass Manafort russische Interessen vertreten habe.

Zu Manaforts Klienten gehörten der philippinische Diktator Ferdinand Marcos, der somalische Diktator Siad Barre, das ins Drogengeschäft verwickelte Regime auf den Bahamas, die Diktatoren der Dominikanischen Republik, Nigerias Militärherrscher Ibrahim Babangida, Kenias Daniel Arap Moi, Äquatorialguineas und Mobutu Sese Seko im Kongo.

Manafort pflegte jahrelang auch gute Kontakte nach Russland; sein langjähriger Bürochef in Kiew, Konstantin Kilimnik, war früher Übersetzer im Dienst des russischen Militärs.

Leben

1. April 1949. Paul John Manafort wird in New Britain geboren. Er wächst in der strukturell mehrheitlich demokratischen Stadt New Britain im Bundesstaat Connecticut auf. Sein Vater ist dort über drei Amtszeiten republikanischer Bürgermeister und Leiter des in der Baubranche tätigen Familienbetriebs Manafort Brothers Inc., den sein aus Italien eingewanderter Vater gegründet hat.

Paul Manafort entscheidet sich für eine Karriere in der Politik und studiert an der Georgetown University in Washington, D.C., an der er einen Bachelorabschluss in Wirtschaft und einen Masterabschluss in Rechtswissenschaft erhält. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitet Manafort für eine private Anwaltskanzlei.

Manafort trifft Präsident Ford (1976)
1976. Er beginnt, die Wahlkampagne des republikanischen Präsidenten Gerald Ford zu beraten. Seitdem knüpft er ein dichtes Netz von Verbindungen in die politische Landschaft und wirkt als Berater auch für die Präsidentschaftskampagnen von Ronald Reagan mit.

1980er-Jahre. Manafort gründet mit mehreren Geschäftspartnern die Lobby-Firma Black, Manafort, Stone and Kelly (oft auch Black, Manafort bezeichnet). Zu der Zeit nimmt er laut "New York Times" einen Schwarzgeldkoffer mit zehn Millionen US-Dollar von einem Vertrauten des philippinischen Diktators Ferdinand Marcos an. Er kommt bereits zu der Zeit auch in Kontakt mit dem späteren US-Präsidenten Donald Trump der ihn anheuert um für die Trump Organization Lobbyismus zu betreiben.

1985. Manafort engagiert sich im Bürgerkrieg in Angola. Dabei schließt er für 600.000 US-Dollar einen Beratervertrag mit Unita-Führer Jonas Savimbi, der gegen die sozialistische Regierung kämpft. Dafür stilisiert er den in China ausgebildete Maoist zum Freiheitskämpfer und vermittelt ihm Besuche bei konservativen Denkfabriken in Washington. Der US-Kongress billigt Hunderte Millionen an verdeckter Finanzhilfe für den Kampf gegen die Regierungspartei. Experten sind der Ansicht, Manaforts Firma zieht den Krieg in Angola bewusst um Jahre in die Länge, indem sie sofort neue Waffenlieferungen organisiert, sobald Friedensverhandlungen in greifbare Nähe kommen. Savimbis Rebellen werden zahllosen Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Manafort mit Ronald Reagan und George H. W. Bush (1982)
1988. Manafort managt  gleichzeitig die Wahlkampagnen von gleich drei Republikanern, die um die Nominierung als Präsidentschaftskandidaten kämpfen – George Bush, Bob Dole und Jack Kemp.

Ab 2004. Er ist ein Top-Berater für den damaligen ukrainischen Premier und späteren Präsidenten Viktor Janukowitsch.

Ab 2005. Manafort intensiviert seine Kontakte zu russischen und ukrainischen Oligarchen. 

Juni 2005. Manafort bietet in einem Strategieplan an, dass er Politik, Geschäftsbeziehungen und Medienberichterstattung in den Vereinigten Staaten, Europa und den ehemaligen Sowjetrepubliken beeinflussen würde, um der Putin-Regierung zu helfen. „Wir sind nun der Ansicht, dass dieses Modell der Putin-Regierung stark nutzen kann, wenn es auf den korrekten Ebenen mit dem angemessenen Einsatz für Erfolg angewendet wird“, schreibt Manafort an Deripaska. Die Anstrengung werde einen „großen Dienst“ bedeuten, „der die Politik der Putin-Regierung sowohl intern als auch extern neu ausrichten kann.“

Ab 2006. Manafort kauft im Trump Tower in New York für 3,7 Millionen US-Dollar Bargeld das Apartment 43G.

2010. Als Spin Doctor für Viktor Janukowitsch organisiert er ihm in der Ukraine ein unerwartetes Comeback. Dass Janukowitsch dann zum Staatspräsidenten gewählt wird, geschieht vor allem mithilfe seines US-amerikanischen Beraters.

November 2013. EU-Kommissar Günter Verheugen nimmt an einer Veranstaltung des "Europäischen Zentrum für eine moderne Ukraine" (European Center for a Modern Ukraine, ECFMU) teil. Das ECFMU gibt sich als unabhängige Nichtregierungsorganisation. Doch ist in Brüssel und darüber hinaus bekannt, dass es sich de facto um eine Lobbyorganisation des umstrittenen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch handelt.

Bis 2014. Manafort arbeitet bis zu den Maidan-Protesten für Janukowitsch. Sein Büro befindet sich in im ersten Stock der Kiewer Sofiiska-Straße 4. Direkt am Maidan-Platz.

März 2015. Paul Manaforts Tochter Andrea schreibt offenbar eine SMS an ihre Schwester: "Mach Dir nichts vor ... Das Geld, das wir haben, ist Blutgeld." Das SMS taucht später auf den Internetseiten eines Hacker-Kollektivs auf. Laut „Politico“ gesteht Manafort später ein, dass seine Tochter Opfer eines Hackerangriffs geworden ist und bezeichnet einige der veröffentlichten Nachrichten als authentisch.

März bis August 2016. Während Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur ist Manafort dessen Berater. Er arbeitet dort auch eng mit Carter Page, Roger Stone und Michael Flynn zusammen, die später laut New York Times von der Bundespolizei als die drei anderen zentralen Akteure in der Russland-Affäre angesehen werden.

Mitte 2016. Das früher von Manafort gemietete Büro wird von einem neuen Mieter bezogen. Der findet Unterlagen, die Manafort mutmaßlich zurückgelassen hat.

Mai 2016. Donald Trump feuert seinen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski und befördert Manafort auf diesen Posten.

Juni 2016. Zur Bekämpfung von Korruption und internationaler Geldwäsche wird in der Ukraine ein Kooperationsabkommen mit dem FBI abgeschlossen. Das sieht den Austausch von Beweismitteln vor.

Juli 2016. Manafort bietet einem Klienten per E-Mail an, ihn "ganz privat" über den laufenden Wahlkampf zu informieren. Der Kunde ist der russische Oligarch Oleg Deripaska, der ein guter Bekannter von Russlands Präsident Wladimir Putin ist. Dieses Briefing habe zwar nie stattgefunden, doch es scheint eigentlich undenkbar, dass der Kampagnenchef eines offiziellen US-Präsidentschaftskandidaten einem Ausländer so etwas anbietet.

Sommer 2016. Als Ermittler des neugegründeten Anti-Korruptions-Büros der Ukraine ein zuvor geheimes Kassenbuch der "Partei der Regionen" des gestürzten Präsidenten Janukowitsch auswerten, finden sie neben Zahlungsangaben für die Bestechung von Parlamentariern, Richtern und Journalisten auch 22 Posten mit dem Buchungstitel "Manafort" - insgesamt mehr als 12,7 Millionen US-Dollar. Manafort dementiert Bargeld bekommen zu haben. Solche Behauptungen seien "unbegründet, dumm und sinnlos".

18. Juli 2016.  Melania Trumps erster größerer Auftritt im Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes Donald Trump ist eine 15-minütige Rede beim Nominierungsparteitag bei dem sie ein Kleid der Designerin Roksanda Ilincic trägt. .Die Rede löst eine Kontroverse aus, weil zwei Passagen fast aufs Wort Passagen der Rede von Michelle Obama auf dem Parteitag der Demokraten 2008 gleichen, wo deren Ehemann Barack Obama als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Donald Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort weist die Plagiatsvorwürfe als absurd zurück und behauptet, diese seien eine typische Aktion von Hillary Clinton, der voraussichtlichen Kandidatin der Demokraten. Melania Trump habe schlicht allgemein übliche Worte benutzt. Sie hat zuvor angegeben, ihre Rede selbst und nur „mit geringer Hilfe“ verfasst zu haben, und äußert sich nicht zu den Vorwürfen.

14. August 2016. In den USA wird offensichtlich, dass Manafort 12,7 Mio. US-Dollar auf illegalem Weg von Janukowitschs prorussischer Partei der Regionen erhalten hat. Janukowitsch galt als Marionette des Kremls in der Ukraine. Nach seinem Sturz im Februar 2014 setzte er sich zunächst auf die Krim und dann nach Russland ab.

18. August 2016. Das ukrainische Anti-Korruptionsbüro nimmt zum Thema Manafort Stellung. veröffentlicht Scans von 19 Seiten mit Zahlungsvermerken von 2007 bis 2012 zum Thema "Manafort" aus dem "Schwarzen-Kassenbuch", das von "den Detektiven des Büros untersucht wird". Von Zweifeln an der Authentizität des Kassenbuches wird später nichts bekannt. Die Korruptionsjäger schränken lediglich ein, die Zahlungsvermerke seien im Schwarzen Buch vermerkt und nicht von Manafort unterschrieben - und somit noch kein Beweis, dass er tatsächlich das vermerkte Geld bekommen habe.

19. August 2016. Manafort tritt als Wahlkampfmanager zurück. Seine Nachfolgerin wird Kellyanne Conway. Laut New York Times gründet Manafort am selben Tag eine Briefkastenfirma, die kurz darauf Kredite über 13 Millionen US-Dollar von zwei Trump-nahen Firmen bekommt. Die eine wird vom damaligen Trump-Wirtschaftsberater Stephen Calk geleitet. Die andere gehört Joshua Crane, der früher für Donald Trump Hotelprojekte entwickelt hat. Den ersten Kredit bekommt er kurz nach seinem Rücktritt als Wahlkampfchef, den zweiten im November, nachdem Trump die Wahl gewonnen hat.

Manafort und seine Mitarbeiter haben jedoch weiterhin Kontakte mit Trump. Nach eigenen Angaben spricht Manafort mit Trump am Telefon. Manaforts ehemaliger Geschäftspartner in Osteuropa, Rick Gates, organisiert Trumps Amtseinführung mit, ist regelmäßiger Besucher des Weißen Hauses und ruft eine Organisation ins Leben, die Trump unterstützt.

14. Februar 2017. Laut New York Times haben mehrere  führende Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteams im Wahlkampfjahr wiederholt mit ranghohen russischen Geheimdienstmitarbeitern in Kontakt gestanden. Abgefangene Telefonate und Mitschnitte sollen die Kontakte belegen. Zweck und Inhalte der Gespräche sind nicht bekannt. Namentlich wird Trump-Mitarbeiter Paul Manafort genannt.

Manafort weist die Darstellung zurück und nennt die Berichte "absurd". Er habe "niemals wissentlich mit russischen Geheimdienstbeamten gesprochen", sagt Manafort der "New York Times".

21. März 2017. Serhii Leschtschenko (Parlamentarier der Ukraine) veröffentlicht eines der Dokumente die Mitte 2016 im ehemaligen Büro von Manafort in Kiew gefunden wurden. Dabei handelt es sich offenbar um einen Vertrag (inklusive einer Rechnung) vom 14. Oktober 2009. Das soll belegen, wie Manafort vom ehemaligen, kremlnahen Präsidenten Viktor Janukowitsch für Lobbydienste in Washington bezahlt wurde: per Scheinvertrag, dessen Details für mögliche Geldwäsche sprechen - wenn sie denn echt sind.

Manaforts Firma stellte angeblich eine Rechnung über Computer aus. Sie vertreibt aber keine Computer. Auf der Rechnung vom 14. Oktober 2009 stellt eine Firma "Davis Manafort" der im Steuerparadies Belize registrierten Offshore-Gesellschaft Neocom Systems Limited 750.000 US-Dollar für die Lieferung von 501 Computern in Rechnung, zu zahlen auf ein Davis-Manafort-Konto bei der Wachovia-Bank in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia. Unterschrift: Paul Manafort. Neocom Systems wiederum unterhielt Bankkonten bei der Frankfurter Commerzbank und der Asiatic Universal Bank in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.

Der Vertrag über die angeblichen Computerlieferungen ist also offensichtlich ein gefälschter Scheinvertrag, der vertuschen soll, wie Geld ukrainischer Bürger für illegale Zahlungen im Ausland genutzt wurde. Die Unterschrift auf dem von Leschtschenko präsentierten Vertrag gleicht zudem einer Signatur, mit der Manafort eine Erklärung für das US-Justizministerium über seine Lobbyistentätigkeit am 25. April 2000 unterzeichnet hat. 

Ein Sprecher Manaforts nennt die auf Basis des mutmaßlichen Vertrages erhobenen Anschuldigungen Leschtschenkos laut New York Times indes "grundlos". Auch aus zahlreichen Stellungnahmen des Anti-Korruptions-Büros sei das ersichtlich, "welche die Gültigkeit der Schwarze-Kassen-Belege gegen Mr. Manafort angezweifelt haben".

Ob die jetzt veröffentlichte Rechnung Manaforts bereits der amerikanischen Justiz vorliegt, möchte Leschtschenko nicht sagen. Doch darf man davon ausgehen. Das ukrainische Anti-Korruptionsbüro wird auch mit Hilfsgeld der EU und der USA finanziert.

22. März 2017.  Laut einem Bericht der AP soll Manafort im Juni 2005 einen politisch ehrgeizigen Strategieplan aufgestellt haben, der nach seinen damaligen Worten "der Putin-Regierung stark nutzen kann". Manafort bot den Plan offenbar dem russischen Aluminium-Industriellen Oleg Deripaska an. Deripaska gilt als enger Vertrauter Putins, seine direkten Verbindungen in den Kreml sollen ihn zu einem der reichsten Unternehmer Russlands gemacht haben. Kurz danach soll Manafort einen Vertrag mit Deripaska unterzeichnet haben, der ihm bis mindestens 2009 jährlich zehn Millionen US-Dollar eingebracht habe.

Aus den Unterlagen geht außerdem hervor, dass wenigstens ein Teil von Manaforts Arbeit in der Ukraine direkt von Deripaska bestimmt wurde und dass Manafort ein Büro in Moskau einrichten wollte. In Strategie-Papieren erklärte Manafort, dass Deripaska und Putin von Lobbyarbeit bei westlichen Regierungen profitieren würden, damit Oligarchen ehemalige Vermögen in Staatsbesitz in der Ukraine behalten könnten. Er schlug vor, „langfristige Beziehungen“ mit westlichen Journalisten aufzubauen, sowie diverse Maßnahmen, um die Rekrutierung, Kommunikation und finanzielle Planung prorussischer Parteien in der Region zu verbessern. Manafort bot außerdem an, seine Arbeit in Osteuropa auf Usbekistan, Tadschikistan und Georgien auszuweiten. Dort wollte er die Legitimität von Regierungen stärken, die Putin gegenüber freundlich gestimmt seien und Gegner der russischen Politik durch politische Kampagnen, gemeinnützige Frontorganisation und Medienoperationen untergraben.

Juli 2017. Im Rahmen der Ermittlungen gerät ein Treffen mit russischen Vertretern am 9. Juni 2016 im Trump Tower in den medialen Fokus, an dem er mit Donald Trumps ältestem Sohn Donald Trump Jr. und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teilgenommen hat. Die zuvor ausgetauschten E-Mails zeigen, dass Trump Jr. das Treffen mit der russischen Anwältin Natalja Weselnizkaja deshalb organisiert hat, weil diese ihm belastendes Material über Hillary Clinton in Aussicht gestellt hat. Damit wird erstmals ein Russland-Kontakt des engsten Wahlkampfteams um Trump in kollusiver Absicht nachgewiesen. Auch wird bekannt, dass Weselnizkaja Kontakt zum russischen Generalstaatsanwalt Juri Tschaika hat, der wiederum der Führung um Präsident Wladimir Putin nahe steht.

Es wird auch bekannt, dass Briefkastenfirmen Manaforts bis zu seiner (unbezahlten) Tätigkeit für Donald Trump Schulden in Höhe von etwa 17 Millionen US-Dollar aus der Zeit seiner Geschäftstätigkeit in der Ukraine bei pro-russischen Stellen hatten. Der Sonderermittler Robert Mueller ermittelt gegen Manafort wegen möglicher Geldwäsche.

24. Juli 2017. Manafort muss – wie auch Donald Trump Jr. – in geheimer Sitzung vor dem Justizausschuss des US-Senats aussagen, nachdem sie der Vorsitzende Chuck Grassley unter Androhung einer Subpoena vorgeladen hat.

25. Juli 2017. Nachdem Jared Kushner, Trumps Berater und Schwiegersohn, dem Kongress in einer nicht öffentlichen Anhörung zwei Tage hintereinander wegen seiner Russland-Kontakte Rede und Antwort gestanden hat lässt der  Justizausschuss des amerikanischen Senats die Vorladungen fallen, die Manafort und Donald Trump Jr. zu einer Aussage verpflichtet haben.

Manaford trifft sich offenbar dennoch freiwillig mit dem Geheimdienstausschuss des Senats. Er händigt dem Kongress-Komitee, das sich mit der russischen Einmischung in die US-Wahlen beschäftigt, Dokumente aus.

9. August 2017.  Jason Maloni, ein Sprecher Manaforts, teilt mit dass Manaforts Anwesen in Virginia ohne Vorwarnung am frühen Morgen des 26. Juli 2017 vom FBI durchsucht wurde. Manafort arbeite mit den Behörden zusammen. Die Ermittler waren auf der Suche nach Steuerunterlagen, Kontoauszügen und anderen Dokumenten, die eine Einmischung Russlands in die US-Wahl 2016 beweisen könnten. Sie sollen das Haus mit einer Vielzahl von Dokumenten verlassen haben.

11. August 2017. Donald Trump sagt in seinem Golfklub in New Jersey zu Reportern: "Ich fand immer, dass Paul Manafort ein sehr anständiger Kerl ist. Er ist wie viele andere Leute, bekommt Honorare aus Beraterverträgen an vielen verschiedenen Stellen, wer weiß."

Zu der Hausdurchsuchung sagt Trump: "Ich weiß nicht, aber ich finde, das ist schon ziemlich hart, mit so etwas aufgeweckt zu werden, vielleicht war seine Familie dabei."

19. September 2017. Laut einem Bericht des CNN wurde Manafort monatelang heimlich von den Behörden abgehört. Seine Gespräche seien auf Grundlage einer geheimen Gerichtsanordnung bis mindestens Anfang dieses Jahres mitgeschnitten worden. Unklar ist, ob auch Gespräche mit Trump abgehört worden sind.

Dem Bericht zufolge hatten die Behörden Manafort erstmals 2014 überwacht. Dies sei im Rahmen von Ermittlungen der Bundespolizei FBI geschehen, bei der es um die Arbeit von in Washington ansässigen Beraterfirmen für die damalige Regierungspartei in der Ukraine gegangen sei. Aus Mangel an Beweisen sei die Überwachung 2016 eingestellt worden.

Auf Grundlage einer neuen Anordnung sei die Überwachung aber wieder aufgenommen und bis mindestens Anfang 2017 fortgesetzt worden, berichtete CNN. Die zweite richterliche Anordnung wurde demnach im Zusammenhang mit FBI-Ermittlungen wegen Russland-Kontakten von Trumps Team ausgestellt.

14. Oktober 2017. Nach Recherchen des US-Senders NBC ging bei einer Manafort zugerechneten Firma eine weitere, bisher nicht öffentlich gewordene Überweisung von 26 Millionen US-Dollar. ein Absender sei der russische Milliardär Oleg Deripaska. Mit der nun neu aufgedeckten Zahlung belaufen sich die Zahlungen des Oligarchen an den Polit-Berater Manafort auf insgesamt 60 Millionen US-Dollar. Die Zahlungen sollen als Darlehen deklariert gewesen sein.

27. Oktober 2017. CNN berichtet darüber, dass Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre bald Anklage erheben werde. Offen bleibt zunächst, gegen wen und warum.

30. Oktober 2017. Manafort wird wegen Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten und des Verdachts der Geldwäsche angeklagt. Er stellt sich daraufhin in Begleitung seines Anwalts am FBI-Hauptquartier in Washington.

Anklage erhoben wird auch gegen einen langjährigen Geschäftspartner Manaforts, Richard Gates. Gates war Manaforts wichtigster Stellvertreter und ein zentraler Akteur während Trumps Kampagne - auch nach der Entlassung Manaforts. Gates stellt sich kurz nach Manafort ebenfalls den Behörden.

Wie ein Sprecher von Sonderermittler Robert Mueller mitteilt, umfasst die von einem Geschworenengericht erhobene Anklage insgesamt zwölf Punkte, zu denen Verschwörung zur Geldwäsche, Steuervergehen und Verbergen ausländischer Bankkonten gehören. Dass Manafort sich in den USA nicht als "ausländischer Agent" registrierte, zählt ebenfalls zu den Anklagepunkten gegen ihn.  Konkret wird Manafort und Gates auch vorgeworfen, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag über versteckte Bankkonten auf Zypern, St. Vincent und den Seychellen bewegt zu haben. Die Anklageschrift  ist 31 Seiten lang.

Manafort und Gates müssen mit mehr als zehn Jahren Gefängnis und Entzug des Eigentums rechnen

Bei einem ersten Gerichtstermin plädieren beide auf nicht schuldig. Das Gericht stellt sie unter Hausarrest. Für Manafort wird zudem eine Kaution von zehn Millionen US-Dollar festgesetzt, für Gates fünf Millionen. Manaforts Anwalt nennt die Vorwürfe lächerlich und haltlos. Die nächste Anhörung setzt das Gericht für den 2. November an.

Am Nachmittag tritt Sarah Huckabee-Sanders (Sprecherin des Weißen Hauses) vor die Presse und weist jeglichen Zusammenhang zwischen dem Präsidenten, der Wahlkampagne von Donald Trump und den Anklagen gegen Manafort zurück. Sämtliche Anklagepunkte zielten auf Tätigkeiten Manaforts, die zeitlich vor der Wahlkampagne liegen.

5. November 2017.  In einem Interview der Sendung "Full Measure" sagt Trump, er denke, "dass wir etwas entdeckt haben" über die Art, wie Manafort "verwickelt sein könnte mit allen ... mit gewissen Nationen". Er wisse "selbst nicht genau, was es im Besonderen war".

Es sei allerdings ein Moment gekommen, in dem es für Manafort besser gewesen sei zu gehen. "Denn wir wollen nicht viele potenzielle Konflikte haben."

5. Dezember 2017. Gerichtsunterlagen zufolge soll Paul Manafort mit einem Kollegen an einem Meinungsartikel gearbeitet haben, in dem er selbst und seine politische Arbeit in der Ukraine besonders positiv dargestellt werden. Die beiden wollten den Artikel demnach unter einem fremden Namen veröffentlichen.

Bei dem Kollegen handelt es sich nach Angaben der Ermittler um eine Person, die sich derzeit in Russland aufhalte und Kontakte zu russischen Geheimdiensten habe. Ein Name wird in den Gerichtsunterlagen nicht genannt.

Mit der Arbeit an dem Artikel hat Manafort den Ermittlern zufolge wohl gegen seine Auflagen verstoßen: Ihm seien im vergangenen Monat von einem Richter öffentliche Erklärungen untersagt worden. Andrew Weissmann (Ermittler) sagt: "Selbst wenn der unter falschem Namen verfasste Meinungsbeitrag komplett richtig, fair und ausgeglichen wäre, wäre eine Veröffentlichung ein Verstoß gegen eine Gerichtsanordnung vom 8. November gewesen ... Der Artikel diente klar dazu, die öffentliche Meinung über den Angeklagten positiv zu beeinflussen."

3. Januar 2017. Manafort verklagt Sonderermittler Robert Mueller, den amtierenden Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein und das Justizministerium. Er wirft ihnen vor, sie hätten ihre Kompetenzen überschritten. Rosenstein habe Mueller erlaubt, alles zu ermitteln, über das er stolpere - egal wie abseitig.

Das US-Justizministerium hat Mueller die Vollmacht erteilt, alle Vorgänge zu untersuchen, die Hinweise zu einer etwaigen illegalen Kooperation zwischen Moskau und dem Trump-Team geben könnten. Manafort argumentiert in seiner Klage, eine solche weitgehende Vollmacht widerspreche den üblichen Regeln des Justizministeriums. Seine Kontakte zu Janukowitsch datierten allesamt auf die Zeit vor 2014 und hätten "keinerlei Bezug zum Wahlkampf 2016 oder gar zu Donald Trump".

Aus dem Justizministerium heisst es, die Klage sei albern, aber der Angeklagte habe das Recht, einzureichen, was er wolle.

16. Februar 2018. Das Team des Sonderermittlers Robert Mueller erweitert die Anklagepunkte gegen Manafort und seinen Mitarbeiter Rick Gates, unter anderem um Bankbetrug.

22. Februar 2018. In einer neuen Anklageschrift werden 32 weitere Anklagepunkte gegen Gates und Manafort erhoben worden. Dabei geht es um Steuervergehen und Bankbetrug.

Gates bekennt sich  der Verschwörung und der Falschaussage schuldig, was den Druck auf Manafort erhöht. Außerdem wird er mit den Ermittlern in der Russlandaffäre kooperieren. Im Gegenzug kann er mit einer weitaus geringeren Strafe rechnen. In einem von US-Medien verbreiteten Schreiben an Familie und Freunde erklärt Gates, er habe sich bislang gegen die Vorwürfe verteidigen wollen, doch inzwischen seine Meinung geändert. Er sei bereit, die „öffentliche Erniedrigung“ in Kauf zu nehmen, um seiner Familie das schmerzhafte Mitverfolgen eines langen Gerichtsprozesses und die damit verbundene „zirkusartige Atmosphäre“ zu ersparen.

Manafort bleibt jedoch bei seinem Unschuldsplädoyer. Er soll zwischen 2012 und 2013 Millionenbeträge an frühere europäische Politiker gezahlt haben, damit sie Lobbyarbeit für die damalige pro-russische Regierung der Ukraine unter dem Präsidenten Viktor Janukowitsch leisten.

Insgesamt zwei Millionen Euro soll Manafort an eine Gruppe namens "Habsburg" über Offshore-Konten gezahlt haben. Wer genau zu dieser Gruppe gehört haben soll, geht aus der Anklageschrift nicht hervor. Es soll sich aber um Ex-Politiker aus Europa handeln.

Ein früherer europäischer Kanzler ("chancellor") soll die Gruppe geleitet haben. Medienberichten zufolge könnte die Spur zu Österreichs Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer führen. Die Bezeichnung "Kanzler" im Sinne von Regierungschef wird in Europa nur von Deutschland und Österreich verwendet. Die Nachrichtenagentur AP berichtete im vergangenen Jahr, dass die amerikanische Firma "Mercury LLC", die in die Lobbyismus-Aktivitäten Manaforts involviert war, einige europäische Experten beschäftigte - darunter Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer  und den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi.

Gusenbauer sitzt inzwischen im Aufsichtsrat der in Berlin ansässigen Denkfabrik "DOC - Dialogue Of Civilizations". Gründer des Think Tanks ist Wladimir Jakunin, langjähriger Präsident der russischen Eisenbahn-Gesellschaft und Vertrauter Wladimir Putins.

Aufgabe der "Habsburg"-Gruppe sei es gewesen, sich bei Abgeordneten und Vertretern der damaligen US-Regierung für die ukrainische Regierung unter Präsident Viktor Janukowitsch einzusetzen. Allerdings sollten sie als "unabhängige" Berater auftreten, die den Kurs der Ukraine unbeeinflusst bewerten. Die verdeckte Lobbyarbeit habe zum Teil in den USA stattgefunden.

Rick Gates und Paul Manafort sollen zudem die Bundessteuerbehörde betrogen und US-Banken belogen haben, um Kredite in Höhe von rund 20 Millionen Dollar (16 Millionen Euro) zu bekommen.

Die beiden Männer hätten zudem von 2010 bis 2014 wissentlich falsche Steuererklärungen abgegeben.

5. April 2016. Laut Guardian soll Manafort im Rahmen seiner Lobbyarbeit für Viktor Janukowitsch eine geheime Medienkampagne autorisiert haben, die sich aus verdeckten Operationen, lancierten Artikeln im "Wall Street Journal" und anderen US-Websiten sowie der Verbreitung von diskreditierenden Informationen über die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton zusammensetzte. Bei dem Projekt, das laut "Guardian" Teil einer millionenschweren Vereinbarung war, sei es darum gegangen, das Ansehen des prorussischen Präsidenten der Ukraine zu stärken.

Im Auftrag von Janukowitsch soll er eine Diskreditierungskampagne gegen die damalige ukrainische Oppositionspolitikern Julia Timoschenko geleitet haben. Ein Jahr nachdem sich Janukowitsch in der Präsidentschaftswahl 2010 in einer Stichwahl gegen Timoschenko durchgesetzt hat, ist die ehemalige Ministerpräsidentin verhaftet und vor Gericht gestellt worden. Die Regierung von Präsident Barack Obama und die Europäische Union haben das Vorgehen damals heftig kritisiert und Janukowitsch vorgeworfen, seine Herausforderin aus politischen Gründen wegzusperren.

Manafort soll seine Zustimmung gegeben haben, Timoschenko mittels einer geheimen Kampagne im Ausland in Misskredit zu bringen. Federführend bei der Ausarbeitung der Strategie waren laut dem Bericht sein langjähriger Mitarbeiter Rick Gates, der frühere Journalist des "Wall Street Journal", Alan Friedman, und ein weiterer enger Mitarbeiter Manaforts, Konstantin Kilimnik. Kilimnik wird vom FBI verdächtigt, Verbindungen zu russischen Geheimdiensten zu haben.

Die Kampagne wurde offenbar auch dazu genutzt, Stimmung gegen die spätere US-Präsidentschaftskandidatin Clinton zu machen, weil sie Timoschenko öffentlich unterstützt hat. Belegen soll das unter anderem eine E-Mail, in der Gates seinen Chef Manafort auf einen Artikel von "Breitbart News" hinweist, in dem ein jüdischer "Anführer" Clinton anonym als "Neonazi-Frankenstein" betitelte. Gates habe das mit den Worten kommentiert: "Meine Herren, dies ist der erste Teil einer Serie von Artikeln, die dazu dienen, unsere Agenda voranzutreiben. Alan, du hast meine volle Anerkennung für den Frankenstein-Kommentar."

5. Juni 2018. US-Sonderermittler Robert Mueller wirft Manafort nun auch versuchte Zeugenbeeinflussung vor. Zudem soll er versucht haben, Beweise verschwinden zu lassen.

Paul Manafort und eine Person aus dessen Umfeld sollen demnach "wiederholt" zwei Zeugen kontaktiert haben, um diese dazu zu bringen, ihre Aussagen zu ändern. Bei den erwähnten Zeugen soll es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um Mitarbeiter einer PR-Agentur handeln, die Manafort halfen, die sogenannte Hapsburg Group zu organisieren.

Muellers Ermittlern zufolge soll die Kontaktaufnahme mit den Zeugen erfolgt sein, während Manafort bereits unter Hausarrest stand. Demnach versuchte er die Zeugen per Telefon, SMS und später über verschlüsselte Botschaften zu erreichen.

Bilder aus Wikimedia Commons
Frische Gülleeinfüllung in ein offenes Güllesilo, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany, Attribution: Moehre1992
Manafort trifft Präsident Ford, Lizenz: Public Domain, Urheber: White House Photographic Office (WHPO) - Fitz-Patrick
Manafort mit Ronald Reagan und George H. W. Bush, Lizenz: Public Domain, Urheber: Mary Anne Fackelman

Quellen
24.02.2018, n-tv, "Ehemaliger Kanzler" verdächtigt, Manafort bezahlte wohl europäische Politiker
24.02.2018, Tagesspiegel, Russland-Affäre, Trump-Wahlkampfmanager soll europäische Politiker bezahlt haben
24.02.2018, Zeit, Paul Manafort, Trumps Wahlkampfchef soll europäische Politiker bezahlt haben
24.02.2018, FAZ, RUSSLAND-AFFÄRE, Trump-Wahlkampfmanager soll europäische Politiker bezahlt haben
24.02.2018, Welt, LOBBYARBEIT, Trumps Wahlkampfchef soll europäische Politiker bezahlt haben
24.02.2018, Spiegel, Paul Manafort, Trumps Ex-Wahlkampfmanager soll heimlich europäische Politiker bezahlt haben
24.02.2018, Sueddeutsche, Russland-Ermittlungen, Manafort soll heimlich europäischen Ex-Kanzler bezahlt haben
24.02.2018, Tagesschau, Trumps Ex-Wahlkampfchef,  Bezahlter Lobbyismus aus Europa?
04.01.2018, n-tv, Kompetenzen überschritten? Manafort verklagt US-Justizministerium
05.12.2017, Spiegel, Trumps Ex-Wahlkampfchef, Manafort wollte positiven Artikel über sich lancieren
05.11.2017, Stern, Trump über Manafort, "Wir hatten Angst, er könnte in irgendwas verwickelt sein"
31.10.2017, Welt, RUSSLAND-AFFÄRE, „Alle flippen aus“ – So reagierte Trump auf die Manafort-Festnahme
31.10.2017, Tagesspiegel, Nach Anklageerhebung wegen Verschwörung, Gericht ordnet Hausarrest gegen Trump-Berater Manafort an
13.04.2017, n-tv, Paul Manaforts Russland-Kontakte, Die dunklen Deals des Trump-Beraters
21.03.2017, Sueddeutsche, Fund in Kiew, In der Ukraine aufgetauchtes Dokument belastet Trumps einstigen Wahlkampfchef