Samstag, 11. Januar 2014

Brandanschlag auf Asylbewerberheim bei Germeringen (Januar 2014)

Am Mittwoch, 8. Januar 2014 wurde am frühen Morgen in Germering, westlich von München, von einem Unbekannten am Asylbewerberheim laut Polizei "vorsätzlich ein Brand gelegt". Ein zurückkehrender Bewohner bemerkte das Feuer um etwa 4 Uhr 45. Er weckte die 60 Menschen (davon 10 Asylbewerber) im Gebäude auf. Die Bewohner konnten daher rechtzeitig fliehen so dass niemand verletzt wurde. Bei der Feuerwehr ging der Alarm um 4 Uhr 49 los, als sie eintrifft hat sich der Brand bereits an der holzverkleideten Außenfassade bis zum Dachstuhl ausgebreitet. Die Löschzüge aus Unterpfaffenhofen und Geisenbrunn brachten das Feuer schließlich bis gegen 6 Uhr 30 unter Kontrolle. Es konnte verhindert werden, dass die Flammen auf weitere Gebäudeteile übergriffen. Der Mittelbau ist nahezu vollständig ausgebrannt. Der Sachschaden wird auf 200.000 Euro geschätzt. Brandermittler konnten am Vormittag mit einem Spürhund keine Reste von Brandbeschleunigern finden.
Zwischenzeitlich wurde von der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck die Ermittlungen aufgenommen. Ein Bewohner hat um 2 Uhr 45 offenbar einen etwa 30 Jahre alten, ca. 1,75 Meter großen Mann gesehen der sich mit der Holzfassade des mittleren Gebäudeteils (dort befinden sich Verwaltung und einige Wohnräume) beschäftigt hatte. Der Rückkehrer hat offenbar den selben Mann bemerkt. Nach diesem wird gefahndet.
Ein ausländerfeindlicher Hintergrund möglicherweise auch vor dem Hintergrund einer politischen Brandstiftung die in den letzten Wochen in Horst Seehofers (CSU - Parteichef) Hetzkampagne "Wer betrügt, fliegt" gipfelte, kann nicht ausgeschlossen werden. Ähnliches hatten wir bereits als seine Vorgänger in den 1990er Jahren zündelten von Hoyerswerda, über Mölln bis Solingen. Seit August 2010 hat diese Art der Arbeit der Konservativen bereits mindestens 10 Anschläge auf Flüchtlingsheime und ähnliche Unterkünfte hervorgebracht. Es ist reines Glück dass es bisher noch keine Toten gegeben hat.
Stanislaw Tillich (CDU) erklärte im Jahr 2013 dazu folgendes: "Wir wollen aber nicht, dass eine Partei rechts von uns Platz hat." Nicht nur vor dem Hintergrund dieser politischen Brandstiftung, auch wenn man an Bayern LB, Mollath, diverse Amigoaffären ... denkt kommt man zum Schluss dass die Unionsparteien bezüglich der kriminellen Energie der NPD kaum nachstehen.
Das Asylbewerberheim in Germering gibt es seit 1993. Im Moment leben dort vor allem Flüchtlinge aus Afrika, dem Nahen Osten und aus Afghanistan.
Bisher kam es laut Angaben der Regierung von Oberbayern dort noch keinen ausländerfeindlichen Vorfall. Die Zimmer der Asylbewerber sind weiterhin bewohnbar. Alle 10 sollen auf eigenen Wunsch wieder in ihre Zimmer zurückgekehrt sein.

Weitere Anschläge

- August 2013: In Luckenwalde in Brandenburg werfen Unbekannte einen Molotow-Cocktail auf ein Asylbewerberheim. Das Feuer erlischt jedoch von selbst.
- In Dusburg wird ein Feuer im Keller eines Hauses in dem Roma-Familien leben gelegt. 42 Menschen müssen sich aufs Dach retten.
-  September 2013: In Premnitz in Brandenburg brennen Mülltonnen vor dem Eingang einer geplanten Asylbewerberunterkunft. Ein 20-jähriger Anwohner hat offenbar zugegeben den Brand zusammen mit einem Freund gelegt zu haben um "ein Zeichen zu setzen". Weder er noch sein Freund wolle, dass in seiner Nähe Asylbewerber einziehen.

09. Januar 2014. Der Eindruck dass es sich um Brandstiftung handelt soll bei den weiteren Unterrsuchungen bestätigt worden sein. Das Gebäude wurde von dem mutmaßlichen Brandstifter offenbar mit Unrat aus einem benachbarten Müllhäuschen angezündet. Das Gebäude unten ist aus massivem Beton so dass dort nicht "aus Versehen ein Feuer" entstehen kann. Auf den Täter gibt es offenbar noch keine heiße Spur.
Entgegen den vorherigen Meldungen waren doch noch 8 Flüchtlinge in dem Gebäude. 4 Erwachsene und 4 Kinder aus dem Irak und Nigeria.

10. Januar 2014. Die Polizei hat offenbar 3 neue Zeugenhinweise erhalten. U.a. soll eine Spaziergängerin die ihren Hund früh morgens spazieren führte ein Auto auf einem Parkplatz in der Nähe des Asylbewerberheims gesehen haben. Eine konkrete Spur soll es jedoch laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord noch nicht geben. Zur Zeit werden auch noch Bodenproben vom Tatort untersucht. Auch die Befragung von mehr als 60 Anwohnern in der Nachbarschaft ist noch nicht abgeschlossen weil viele bisher nicht zu erreichen waren.

Quellen