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| Atompilz über Nagasaki |
Die US-amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanische Stadt Hiroshima am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945 waren die ersten und bislang einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg.
Sechs Tage danach gab Kaiser Hirohito mit der Rede vom 15. August die Beendigung des „Großostasiatischen Krieges“ bekannt. Mit der Kapitulation Japans endete am 2. September der Zweite Weltkrieg auch in Asien, nachdem er in Europa mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht bereits seit dem 8. Mai 1945 beendet war.
Nagasaki war ursprünglich nicht auf der Liste der Ziele für einen Angriff mit Atomwaffen. Die Stadt wurde als Ersatz für die alte Kaiserstadt Kyoto zugefügt. Henry L. Stimson (US-amerikanischer Verteidigungsminister) hatte Kyoto zuvor selbst besucht. Weil er daher um dessen Bedeutung als kulturelles Zentrum Japans wusste, wurde nach seinen Einwänden Kyoto aus der Liste gestrichen.
Sechs Tage danach gab Kaiser Hirohito mit der Rede vom 15. August die Beendigung des „Großostasiatischen Krieges“ bekannt. Mit der Kapitulation Japans endete am 2. September der Zweite Weltkrieg auch in Asien, nachdem er in Europa mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht bereits seit dem 8. Mai 1945 beendet war.
Nagasaki war ursprünglich nicht auf der Liste der Ziele für einen Angriff mit Atomwaffen. Die Stadt wurde als Ersatz für die alte Kaiserstadt Kyoto zugefügt. Henry L. Stimson (US-amerikanischer Verteidigungsminister) hatte Kyoto zuvor selbst besucht. Weil er daher um dessen Bedeutung als kulturelles Zentrum Japans wusste, wurde nach seinen Einwänden Kyoto aus der Liste gestrichen.
Nagasaki hatte damals etwa 240.000 bis 260.000 Einwohner. Die Stadt war Standort des Mitsubishi-Rüstungskonzerns. Im Hafen von Nagasaki betrieb Mitsubischi große Werften. Von etwa 20.000 koreanischen Zwangsarbeitern wurden dort u.a. Kreuzer und Torpedoboote für die kaiserliche Kriegsmarine produziert und repariert. Dort waren auch die Torpedos gebaut worden, mit denen Japan die US-Flotte auf Pearl Harbor angegriffen hatte. Japanische Soldaten waren nur wenige in Nagasaki stationiert.
Das Atombombenmuseum und der Friedenspark erinnern seit 1955 an die Folgen des Abwurfs der Atombombe. Des Weiteren gibt es das Oka Masaharu Gedächtnis-Friedensmuseum von Nagasaki (岡まさはる記念長崎平和資料館, Oka Masaharu Kinen Nagasaki Heiwa Shinryōkan), wo insbesondere über die Vorgeschichte des Krieges in Bezug auf japanische Aktivitäten im asiatischen Ausland, das Schicksal von koreanischen und chinesischen Zwangsarbeitern sowie anderen Opfern in der japanischen Vorkriegs- und Kriegsgeschichte berichtet und informiert wird.
Geschichte
Das Atombombenmuseum und der Friedenspark erinnern seit 1955 an die Folgen des Abwurfs der Atombombe. Des Weiteren gibt es das Oka Masaharu Gedächtnis-Friedensmuseum von Nagasaki (岡まさはる記念長崎平和資料館, Oka Masaharu Kinen Nagasaki Heiwa Shinryōkan), wo insbesondere über die Vorgeschichte des Krieges in Bezug auf japanische Aktivitäten im asiatischen Ausland, das Schicksal von koreanischen und chinesischen Zwangsarbeitern sowie anderen Opfern in der japanischen Vorkriegs- und Kriegsgeschichte berichtet und informiert wird.
Geschichte
Frühjahr 1945. Man nähert sich der Fertigstellung des ersten Atomsprengsatzes, der späteren „Trinity“-Bombe. An zwei weiteren Bomben wird gearbeitet. Ein Einsatz gegen deutsche Städte wird zumindest erwogen.
Japan beherrscht bis zum Kriegsende noch riesige Gebiete in Asien, darunter Niederländisch-Indien und weite Teile Chinas. Allerdings ist es durch Luftangriffe der US-Amerikaner auch schon erheblich geschwächt.
16. Juli 1945. Die zweite Atombombe "Little Boy" wird zur Insel Tinian im Pazifik verschifft, wo sie einsatzfertig gemacht werden soll.
25. Juli 1945. Truman erteilt General Carl A. Spaatz, dem auf Tinian stationierten Oberbefehlshaber der U.S. Strategic Air Forces in the Pacific, den Befehl, den Einsatz der ersten „Spezialbombe“ bis zum 3. August vorzubereiten und nacheinander abzuwerfen. Dabei überlässt er dem General die Zielauswahl. Auf dringendes Anraten seines Kriegsministers Stimson lässt er aber Kyoto von der Liste der möglichen Ziele streichen.
30. Juli 1945. Der schwere US-amerkanische Kreuzer USS Indianapolis wird nach der Ablieferung von Teilen der Hiroshimabombe in Tinian auf der Weiterfahrt nach Guam von zwei Torpedos des japanischen U-Boots I-58 getroffen. Sie sinkt innerhalb weniger Minuten. Es ist der letzte Verlust eines US-Kriegsschiffes im Pazifikkrieg. Von den knapp 1.200 Mann Besatzung können nur 318 gerettet werden. Wäre dies auf dem Hinweg geschehen, so wäre Japan möglicherweise ein weiterer Atombombenangriff erspart geblieben. Bereits die Gewinnung von waffenfähigem Material für drei Bomben hat über ein Jahr gedauert.
31. Juli 1945. Die drei Meter lange und vier Tonnen schwere Uranbombe "Little Boy" mit einer Sprengkraft von 12.500 Tonnen TNT für Hiroshima ist einsatzbereit.
Die Teile für die dritte Bombe "Fat Man" mit einer Sprengkraft von 22.000 Tonnen TNT treffen auf Tinian ein. Die Plutoniumbombe wird dann in großer Eile und unter Auslassung wichtiger Kontrolltests zusammengebaut. Die Beteiligten stehen unter dem Eindruck der Versenkung der USS Indianapolis.
8. August 1945. Die Generäle auf Tinian beschließen den Abwurf der zweiten Bombe selbst. Als Befehlsgrundlage gilt ihnen die Order des US-Präsidenten vom 25. Juli 1945. Eine weitere Anordnung holen sie nicht ein.
Sie ziehen das für den 11. August angesetzte Abwurfdatum zwei Tage vor, da schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Nach dem Zusammenbau, vor dem Verladen ins Flugzeug, wird das Äußere der Bombe einschließlich des Leitwerks von einer Vielzahl an Mitarbeitern mit Sprüchen beschriftet.
9. August 1945, ca. 2:00 Uhr. Der 25-jährige Pilot Charles W. Sweeney startet den Bomber Bockscar mit teilweise neuer Besatzung und zwei Begleitflugzeugen. Sein Ziel ist Kokura, eine Stadt mit viel mehr Rüstungsindustrie als Nagasaki.
Bei der Ankunft liegt Kokura jedoch unter einer dichten Wolkendecke. Bei drei Anflügen ist die Sicht stark behindert, so dass Sweeney den Angriff abbricht. Er darf die Bombe nur nach Sicht abwerfen, da er die Rüstungsbetriebe treffen soll. Da dies nicht möglich ist und das Flugbenzin zur Neige geht, fliegt er das Ausweichziel Nagasaki an.
Sie ziehen das für den 11. August angesetzte Abwurfdatum zwei Tage vor, da schlechtes Wetter vorhergesagt ist. Nach dem Zusammenbau, vor dem Verladen ins Flugzeug, wird das Äußere der Bombe einschließlich des Leitwerks von einer Vielzahl an Mitarbeitern mit Sprüchen beschriftet.
9. August 1945, ca. 2:00 Uhr. Der 25-jährige Pilot Charles W. Sweeney startet den Bomber Bockscar mit teilweise neuer Besatzung und zwei Begleitflugzeugen. Sein Ziel ist Kokura, eine Stadt mit viel mehr Rüstungsindustrie als Nagasaki.
Bei der Ankunft liegt Kokura jedoch unter einer dichten Wolkendecke. Bei drei Anflügen ist die Sicht stark behindert, so dass Sweeney den Angriff abbricht. Er darf die Bombe nur nach Sicht abwerfen, da er die Rüstungsbetriebe treffen soll. Da dies nicht möglich ist und das Flugbenzin zur Neige geht, fliegt er das Ausweichziel Nagasaki an.
9. August 1945, 11:02 Uhr. Die Plutoniumbombe "Fat Man" mit einer Sprengkraft von 22.000 Tonnen TNT wird über der dichtbewohnten japanischen Hafenstadt Nagasaki mit etwa 250.000 Einwohnern abgeworfen.
Ursprünglich war ein Direktangriff auf die Schiffswerften des Mitsubishi-Konzerns geplant. Da in Nagasaki aber ebenfalls schlechte Sichtverhältnisse herrschen, kann kein exakter Zielabwurf durchgeführt werden. Der Pilot müsste den Angriff unter solchen Umständen abbrechen, entscheidet sich jedoch für einen Radaranflug. Nur ohne die Bombe an Bord kann er gerade noch Okinawa für eine Notlandung erreichen. Deshalb verfehlt die Atombombe ihr Ziel um mehr als zwei Kilometer.
Die Bombe explodiert in einer Höhe von etwa 470 Metern über dem Boden. Sie zerstört fast das halbe Stadtgebiet. In einem Umkreis von einem Kilometer werden 80% der Gebäude - meist Holzhäuser - zerstört. Sie explodierte in einem Tal. Die umliegenden Berge dämpfen die Auswirkungen auf die Umgebung. Die Bombe setzt über eine Entfernung von vier Kilometern Objekte in Brand. Ein Feuersturm bleibt aus. Der Atompilz erreicht eine Höhe von 18 Kilometern.
Ursprünglich war ein Direktangriff auf die Schiffswerften des Mitsubishi-Konzerns geplant. Da in Nagasaki aber ebenfalls schlechte Sichtverhältnisse herrschen, kann kein exakter Zielabwurf durchgeführt werden. Der Pilot müsste den Angriff unter solchen Umständen abbrechen, entscheidet sich jedoch für einen Radaranflug. Nur ohne die Bombe an Bord kann er gerade noch Okinawa für eine Notlandung erreichen. Deshalb verfehlt die Atombombe ihr Ziel um mehr als zwei Kilometer.
Die Bombe explodiert in einer Höhe von etwa 470 Metern über dem Boden. Sie zerstört fast das halbe Stadtgebiet. In einem Umkreis von einem Kilometer werden 80% der Gebäude - meist Holzhäuser - zerstört. Sie explodierte in einem Tal. Die umliegenden Berge dämpfen die Auswirkungen auf die Umgebung. Die Bombe setzt über eine Entfernung von vier Kilometern Objekte in Brand. Ein Feuersturm bleibt aus. Der Atompilz erreicht eine Höhe von 18 Kilometern.
Etwa 30 Prozent der Bevölkerung wohnen 2.000 Meter oder weniger vom Bodennullpunkt entfernt. Im Innenstadtbereich sterben sofort 22.000 Menschen. Weitere 39.000 Menschen innerhalb der nächsten 4 Monate. Andere Schätzungen gehen von bis zu 80.000 Toten aus. Verletzt werden 74.909 Menschen.
Die Nachricht von der Zerstörung Nagasakis löst bei Japans Regierung Bestürzung aus. Man fürchtet, die Vereinigten Staaten würden eine dritte Bombe auf Tokio werfen. Ein abgeschossener B-29-Pilot gibt diesen Gerüchten Nahrung. Am 12. August treffen tatsächlich weitere Atombombenteile auf Tinian ein, die bis zum 17. August einsetzbar gemacht werden sollen.
Die Nachricht von der Zerstörung Nagasakis löst bei Japans Regierung Bestürzung aus. Man fürchtet, die Vereinigten Staaten würden eine dritte Bombe auf Tokio werfen. Ein abgeschossener B-29-Pilot gibt diesen Gerüchten Nahrung. Am 12. August treffen tatsächlich weitere Atombombenteile auf Tinian ein, die bis zum 17. August einsetzbar gemacht werden sollen.
15. August 1945. Nach dem zweiten Einsatz dieser furchtbaren Waffe durch die USA wird von Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg erklärt.
Ab 1955. In Nagasaki erinnern das Atombombenmuseum und der Friedenspark an die Folgen des Abwurfs der Atombombe.
Ab 1969. Das japanische Rote Kreuz betreibt in Hiroshima Krankenhäuser zur Behandlung von Opfern der Atombombe.
Ab April 1997. An der Universität Nagasaki beschäftigt sich das Atomic Bomb Disease Institute (Zusammenschluss des 1962 gegründeten Atomic Disease Institute und des 1974 gegründeten Scientific Data Center for the Atomic Bomb Disaster) mit den medizinischen Folgen der Explosion sowie Folgen von radioaktiver Strahlung im Allgemeinen.
Ab 1955. In Nagasaki erinnern das Atombombenmuseum und der Friedenspark an die Folgen des Abwurfs der Atombombe.
Ab 1969. Das japanische Rote Kreuz betreibt in Hiroshima Krankenhäuser zur Behandlung von Opfern der Atombombe.
9. August 2013. Die Narben des Atombombenabwurfs sind auch heute noch an vielen Stellen sichtbar. Die Strahlenbelastung liegt 50 Jahre später im Bereich der natürlichen Hintergrundstrahlung. An den genetischen Folgen sterben jedoch auch heute noch Menschen. Heute versammelten sich zum 68. Gedenktag viele Japaner im Peace Memorial Park von Nagasaki.
Tomihisa Taue (Bürgermeister von Nagasaki) hielt eine sehr politische Friedensansprache. Im April 2013 fand in Genf eine internationale Konferenz im Rahmen des Nicht-Verbreitungspakts von Atomwaffen statt. In der Abschlusserklärung wurde festgehalten, dass Atomwaffen unter keinen Umständen mehr genutzt werden dürfen. Die Erklärung wurde von mehr als 70 Staaten unterstützt. Japan war nicht dabei.
Shinzo Abe (Premierminister von Japan) gedenkt in einer kurzen Rede der Opfer und betont die Leistung Japans und der Menschen in Nagasaki die wieder von vorne angefangen haben. Zum Atomwaffen-Nichtverbreitungspakt sagt er jedoch nix. Dafür will er Artikel 9 der japanischen Friedensverfassung ändern. Dort verzichtet Japan bisher auf das Recht, Krieg zu führen.
Anfang Juli 2015. Acht Stätten in und um Nagasaki, darunter die frühere Kohlemine Hashima sowie der Glover Garden, werden ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.
3. August 2015. Das ARD sendet die Dokumentation "Nagasaki: Warum fiel die zweite Bombe?" mit ARD-Reporter Klaus Scherer.
9. August 2018. Mit einem Appell zur weltweiten Abschaffung der Atomwaffen wird in Nagasaki den Opfern des Atombombenabwurfs vor 73 Jahren gedacht. Nagasakis Bürgermeister Tomihisa Taue mahnt die rechtskonservative Regierung seines eigenen Landes, ihrer "moralischen Verpflichtung" nachzukommen und sich in führender Rolle für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen.
Erstmals nimmt mit Antonio Guterres ein UN-Generalsekretär an der Gedenkveranstaltung teil. Auch er warnt: Die Atomwaffenstaaten seien dabei, ihre Arsenale zu modernisieren, kritisierte Guterres. Zugleich verlangsamten sich die Abrüstungsprozesse oder seien sogar zum Erliegen gekommen. Er fordert alle Staaten auf, dringend Fortschritte zur Abschaffung von Atomwaffen zu machen.
Bilder aus Wikimedia Commons
Atompilz über Nagasaki, Lizenz: Public Domain, Urheber: The picture
was taken from one of the B-29 Superfortresses used in the attack
Quellen
09.08.2015, Tagesschau, Nagasaki gedenkt des Atombombenabwurfs, Appelle im Gedenken an 70.000 Tote
09.08.2015, Tagesschau, 70 Jahre nach Abwurf der Atombombe, Nagasaki gedenkt der 70.000 Toten
03.08.2015, Tagesspiegel, Vor 70 Jahren, Warum fiel die zweite Atombombe auf Nagasaki?
02.08.2015, Sueddeutsche, Nagasaki-Doku, Neuer Blick auf altes Leid
09.08.2013, Tagesschau, 68 Jahre nach US-Atombombenangriff Mahnung und Warnung in Nagasaki02.08.2015, Sueddeutsche, Nagasaki-Doku, Neuer Blick auf altes Leid
