Mittwoch, 2. Mai 2018

Atomkraftwerk Akademik Lomonossow

Modell des Atomkraftwerks Akademik Lomonossow 
Das russische Atomkraftwerk "Akademik Lomonossow" (russisch Академик Ломоносов, deutsche Übersetzung „Akademiker Lomonossow“, volle Bezeichnung russisch ПАЭС Академик Ломоносов für schwimmendes Kernkraftwerk Akademik Lomonossow) soll das weltweit erste schwimmende AKW werden. Es handelt sich um einen Prototyp und das erste Demonstrationsmodell dieser neuen Kernkraftwerksart. Mit dem Prinzip haben sich Fachleute jedoch bereits zu Sowjetzeiten befasst.

Die Plattform der "Akademic Lemonossow ist 144 Meter lang, 40 Meter hoch und etwa 30 Meter breit. Es sollen 2 Druckwasserreaktoren (DWR/PWR) des Typs "KLT-40S" zum Einsatz kommen. Diese wiederum basieren auf Modellen wie sie seit langer Zeit auf russischen Atom-Eisbrechern der Taymyr-Klasse, dem russischen atomgetriebenen Frachter Sewmorput und Atom-U-Booten arbeiten.

Für den Einsatz als schwimmendes Kraftwerk hat der russische Hersteller OKBM Africantov ein Containment in das Schiff integriert, um bei möglichen Unfällen die Freisetzung von radioaktiven Partikeln zu verhindern. Nach Angaben des Herstellers wurden dabei auch Erdbeben der Stärke 10 simuliert, bei denen das Schiff durch einen entstehenden Tsunami an Land gespült werden würde.

Das Containment verfolgt ein kombiniertes aktives und passives Sicherheitskonzept. Der Reaktor hat ein aktiv mit Pumpen betriebenes Notfallkühlsystem. Beim Ausfall aller Kühlpumpen reicht aber die natürliche Konvektion des Wassers im Reaktor für die Kühlung der Brennstäbe aus. Die Zerfallswärme wird dann über die Dampferzeuger abgeführt, die im normalen Betrieb den Dampf für den Antrieb der Turbinen erzeugen. Es gibt zwei Kühlsysteme, die die Zerfallswärme aufnehmen. Sie haben zusammen genügend Kühlwasser, um den Reaktor für 24 Stunden kühlen zu können. Danach muss Kühlwasser von außen nachgefüllt werden.

Die Bruttoleistung pro Reaktor beträgt 35 MW, die Nettoleistung 32 MW. Die Prozesswärmeleistung soll 73 MW, die thermische Leistung 150 MW betragen. Anders als bei militärischen Reaktoren kommt dabei kein hochangereichertes Uran zum Einsatz. Stattdessen enthalten die Brennstäbe vergleichsweise niedrig angereichertes Uran mit 20 Prozent Uran-235 Anteil.

Die Kapazität des im Betrieb fest vor der Küste verankerten Kraftwerks soll ausreichen, rund 200.000 Menschen mit Strom und Wärme zu versorgen. Bei Bedarf kann die an Bord gewonnene Energie auch dazu genutzt werden, eine Anlage zur Entsalzung von Meerwasser zu betreiben.

Das schwimmende Atomkraftwerk sollte ursprünglich in der Arktis bei der Stadt Wiljutschinsk auf der ostasiatischen Halbinsel Kamtschatka seinen Betrieb aufnehmen. Die Region wird vom Militär dominiert und ist weit von den großen Kraftwerken Russlands entfernt. Mit dem Strom soll die Stadt Vilyuchinsk mit Strom versorgt werden weil man wegen der Militärgarnison offensichtlich keinen Widerstand erwartet. Der Strom soll laut Energieministerium aber nicht benötigt werden. In dem Gebiet gibt es aktive Vulkane. Es handelt sich um ein Erdbeben- und Tsunamigebiet. 1952 gab es dort ein Erdbeben der Stärke 9,0.

Nach Ansicht von Umweltschützern geht es der russischen Regierung auch um den Export derartiger AKWs in strukturschwache Regionen in Ländern wie China, Indonesien, Indien, Vietnam und Japan.

Benannt ist das AKW nach dem russischen Dichter und Naturwissenschaftler Michail Wassiljewitsch Lomonossow.

Es ist ein Projekt der russischen staatlichen Energiegesellschaft Rosatom. Betreiber ist Rosenergoatom. Etwa 70 Menschen sollen für den Betrieb der Reaktoren arbeiten. Die Baukosten sollen sich auf insgesamt 267 Mio. Euro belaufen.

Der Termin für die Fertigstellung war ursprünglich für das Jahr 2012 geplant. Er  musste dann allerdings auf 2016, auf 2018 und dann auf 2019 verschoben werden.

Wenn die Arbeiten am Prototyp nach Plan verlaufen, sollen auf die "Lomonossow" weitere baugleiche Generatoren-Schiffe folgen. Für insgesamt acht Standorte sind in den kommenden Jahren schwimmende Atomanlagen vorgesehen.

Die Akademik Lomonosov ist nicht das erste schwimmende Atomkraftwerk, aber das erste seit 1976 die Sturgis außer Betrieb genommen wurde, die vorher acht Jahre lang US-Militäreinrichtungen mit Strom versorgte.

Neben Russland arbeitet derzeit auch China an schwimmenden Atomkraftwerken: Sie sollen der staats- und parteinahen Global Times nach auf den Spratly-Inseln Strom für Flughäfen und andere militärische Anlagen liefern. Dass soll preiswerter sein als der Bau und Betrieb von Heizkraftwerken.

Geschichte

1970er Jahre. Es werden erste Versuche mit schwimmenden AKWs gemacht. Wegen der hohen Kosten  wurden sie jedoch wieder eingestellt.

15. April 2007. Baubeginn in der U-Boot-Werft Sewmasch in Sewerodwinsk. Ursprünglich soll es ab 2010 die U-Boot-Werft und die Stadt Sewerodwinsk im Nordwesten Russlands mit Strom und Wärme versorgen.

8. August 2008. Der Eigentümer und Betreiber Rosenergoatom gibt bekannt, das Sewmasch die Arbeiten an dem Atomkraftwerk einstellt und der Bau durch die Sankt Petersburger Werft Baltijski Sawod (Балтийский завод) fortgesetzt wird. Der zukünftige Anlegeplatz wird nach Wiljutschinsk in die Region Kamtschatka verlegt.

2010. Ursprünglich für Sewerodwinsk geplanter Betriebsbeginn.

30. Juni 2010. Das erste schwimmende AKW mit dem Namen "Akademik Lomonossow" läuft in St. Petersburg vom Stapel. Es soll in 2 Jahren den Betrieb aufnehmen.

09. August 2011. Im Moment werden die technischen Anlagen auf der "Akademik Lemonossow" installiert.

Ende 2012. Ursprünglich für Wiljutschinsk geplanter Betriebsbeginn.

28. April 2018. Die Akademik Lomonossow verlässt Sankt Petersburg: Schlepper sollen in den kommenden Wochen den knapp 145 Meter langen und 30 Meter breiten Prototypen an Finnland, Schweden, das Baltikum sowie Polen, Deutschland und Dänemark vorbei quer durch die Ostsee bis in die Nordsee ziehen. Die geplante Route führt das Schiff anschließend an der norwegischen Fjordküste entlang um das Nordkap herum bis in den russischen Marinehafen Murmansk am Eingang zum Nordmeer. Dort soll sie mit atomaren Brennelementen ausgestattet werden.

Dort soll das AKW auch überwintern und erst im nächsten Jahr seine Nordpolarmeerreise nach Pewek fortsetzen. Bis dahin wird die Region Rosatom zufolge noch durch das 1974 gebaute Bilibino-Kernkraftwerk und das Chaunskaya-Heizkraftwerk versorgt.

November 2019. Der kommerzielle Betrieb soll starten. Zielhafen ist nun Pewek in Sibirien. Dort soll das schwimmende Kraftwerk den kleinen Hafenort mit seinen 5000 Einwohnern sowie die nahegelegenen Kohleminen mit Energie versorgen. Pewek ist die nördlichste Stadt Russlands, in deren Umgebung Bodenschätze abgebaut werden. Zudem werden unter dem Meeresboden in der Polarregion, auf die Russland territoriale Ansprüche erhebt, Öl- und Gasvorkommen vermutet.

Atomkraftwerke in Russland

Akademik LomonossowBalakowoBaltiiskaja (Kaliningrad)BaschkirienBelojarsk, BilibinoKalininKola (Nordwest)Kostroma (Central)KrimKurskLeningradGorki (Nischni Nowgorod)NowoworoneschObninskPewekPrimorjeRostowSewerskSmolenskSüd-Ural (Majak)TatarienTwerVK-50 (Melekess)

Bilder aus Wikimedia Commons
Modell des Atomkraftwerks Akademik Lomonossow, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic, Urheber: Felix