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| Mateusz Morawiecki |
Der polnische Manager, Banker und Politiker Mateusz Jakub Morawiecki [maˈtɛuʃ jakub mɔraˈvjɛt͡ski] wurde am 20. Juni 1968 in Breslau, Polen geboren.
Mateusz Morawiecki ist designierter Ministerpräsident von Polen und wird damit voraussichtlich Nachfolger von Beata Szydło. Sie hat zuvor zwar ein Misstrauensvotum im Parlament überstanden, der Parteispitze aber kurz darauf ihren Rücktritt angekündigt. Szydlo führte die polnische Regierung seit Regierungsantritt der PiS 2015.
Morawiecki leitete früher die Bank BZ WBK. Er steht für eine Politik, in der der Staat sich stärker in die Wirtschaft einmischt. Sein Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung sieht riesige Investitionen vor.
Außenpolitisch gilt Morawiecki als weniger EU-kritisch als Szydło, so sagte er etwa: „Wir können gemeinsam, ob als Tandem oder im Weimarer Dreieck mit Frankreich, ein guter Grundstock für die Erneuerung der EU sein. Wir sind sehr pro-EU. Aber nicht für eine utopische EU, für vereinigte Staaten oder ein föderales Europa. Ich denke, wir sind noch entschiedener für den Zusammenhalt der EU als die Bevölkerung Deutschlands.“ Eugeniusz Smolar von polnischen Zentrum für Internationale Beziehungen äußerte hingegen: „Außenpolitisch ist Morawiecki bisher ein Rätsel. Er wird sicher harte nationale Parolen verwenden, aber er weiß auch sehr gut, wie wichtig es ist, daß Polen immer neue ausländische Investitionen anzieht.“
Innenpolitisch ist Morawiecki als sogenannter Superminister verantwortlich für die Finanzierung der sozialpolitischen Reformen der PiS, deren Flaggschiffe er im 2016 eingeführten Kindergeldprojekt Rodzina 500 plus und dem Bauprogramm Mieszkanie plus sieht: „Das ist ein großer sozialer Transfer und zugleich ein Appell, den demografischen Trend umzukehren“. Die Regierung unter Führung der PiS habe die Ausgaben für soziale Zwecke vervierfacht.
Leben
20. Juni 1968. Mateusz Jakub Morawiecki wird in Breslau, Polen geboren.
Er ist der Sohn des antikommunistischen Dissidenten Kornel Morawiecki und engagiert sich als Jugendlicher ebenfalls für die politische Opposition in der damaligen Volksrepublik Polen.
Ab 1981. Nach der Einführung des Kriegsrechts ist er für den Druck und Vertrieb von Veröffentlichungen der politischen Untergrundpresse verantwortlich.
1986. Er beginnt unter Pseudonymen selbst Artikel zu schreiben, die hauptsächlich im Biuletyn Dolnośląski veröffentlicht werden.
1987. Morawiecki legt am Juliusz-Słowacki-Lyzeum in Breslau die Reifeprüfung ab. Als Student der Universität Breslau ist er im Unabhängigen Studentenverband aktiv und Mitglied der von seinem Vater mitgegründeten „Kämpfenden Solidarność“.
1988 bis 1989. Er nimmt an Besetzungsstreiks teil und ist Mitorganisator des Klub Myśli Politycznej „Wolni i Solidarni“ (Klub der Politischen Meinung „Freie und Solidare“), wofür er mehrmals aus politischen Gründen verprügelt, verhört und verhaftet wird.
Mit Zbigniew Jagiełło, dem späteren Vorstandsvorsitzenden der PKO Bank Polski, verbindet Morawiecki seit dem Wirken in der „Kämpfenden Solidarność“ eine enge Freundschaft. Nach der politischen Wende handeln beide zunächst mit Kleidung vermieten und Reklametafeln.
1989. Sie gründen die Handelsgesellschaft Reverentia, die unter anderem medizinische Ausstattung, Brandschutzmittel und Gartenartikel vertreibt.
1990. Die Handelsgesellschaft Reverentia wird in einen Verlag umgewandelt. Nebenbei schreibt Morawiecki als Redakteur für die Zeitschrift Dwa Dni.
1992. Morawiecki beendet sein Studium der Geschichtswissenschaft mit einer Magisterarbeit zum Thema „Die Genese und die ersten Jahre der ‚Kämpfenden Solidarność‘“ (angereichert mit Interviews mit 53 Oppositionellen).
1992 bis 1995. Morawiecki arbeitet auch als Unternehmensberater für Verlage, Werbeagenturen und Finanzinstitute.
1993. Er absolviert an der Technischen Universität Warschau sowie der Central Connecticut State University ein Studium der Betriebswirtschaftslehre.
1995. Er erlangt das Diplom des Master of Business Administration an der Wirtschaftsakademie Breslau.
Ab 1995. Morawiecki konzentriert sich vollständig auf Tätigkeiten im Finanzsektor und absolviert unter anderem ein Praktikum bei der Deutschen Bundesbank.
1996 bis 1997. Er führt Forschungsprojekte im Bereich des Bankwesens und der Makroökonomie an der Universität Frankfurt. Im gleichen Jahr schliesst er an der Universität Hamburg ein Aufbaustudium im Bereich des europäischen Rechts und der wirtschaftlichen Integration ab. In Zusammenarbeit mit dem Juristen Frank Emmert veröffentlicht er ferner das Handbuch für europäisches Recht.
1998. Morawiecki wird Stellvertreter im polnischen Ausschuss für Europäische Integration in der Abteilung für Beitrittsverhandlungen. Er ist Mitglied einer ministeriellen Gruppe, welche die Beitrittsbedingungen Polens in die Europäische Union in mehreren Bereichen verhandelt.
1998 bis 2001. Er ist zudem Mitglied im Aufsichtsrat des städtischen Energieversorgungsbetriebes in Wałbrzych sowie der polnischen Industrie-Entwicklungs-Agentur in Warschau. Zur gleichen Zeit arbeitet er bei der Bank Zachodni und ost unter anderem Berater des Vorstandsvorsitzenden.
1998 bis 2002. Als Repräsentant der „Wahlaktion Solidarność“ sitzt Morawiecki als Abgeordneter im Regionalparlament der Woiwodschaft Niederschlesien.
2001. Er wird nach der Fusionierung mit der Wielkopolski Bank Kredytowy Vorstandsmitglied der neuen Bank Zachodni WBK.
Ab Mitte 2007. Er leitet für acht Jahre den Vorstand der Bank Zachodni WBK. Durch die Fusion und den Anschluss an die spanische Banco Santander steigt die Bank Zachodni WBK unter Morawiecki zu Polens drittgrößter Bank auf.
2010. Er wird von Donald Tusk (Ministerpräsident) in den polnischen Wirtschaftsrat einberufen. Über die ebenfalls aus Breslau stammende Vizevorsitzende und Wirtschaftsexpertin der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS), Aleksandra Natalli-Świat, nähert sich Morawiecki der PiS an.
10. April 2010. Ihre Rolle übernimmt Beata Szydło, für welche Morawiecki Analysen und Stichpunkte für Debatten und Auftritte verfasste, noch bevor Szydło Ministerpräsidentin wird.
2013. Morawiecki wird mit dem Kreuz der Freiheit und Solidarität anlässlich seines Engagements für Bürgerrechte und die Souveränität Polens ausgezeichnet.
2014. Morawiecki bekommt als Vorstandschef der Bank Zachodni WBK über 1,76 Millionen Złoty (umgerechnet 450.000 Euro).
2015. Ihm wird der Ritterorden „Polonia Restituta“ für außerordentliche Verdienste verliehen.
Ab 2015. Er ist stellvertretender Ministerpräsident der Republik Polen.
16. November 2015. Er wird im Kabinett von Beata Szydło zum Wirtschaftsminister ernannt.
Ab 2016. Er gehört offiziell der PiS an.
Ab 28. September 2016. Er ist auch Finanzminister.
24. Januar 2017. Er äußert, die Daten zur Bestimmung des polnischen Bruttoinlandsproduktes seien in der Vergangenheit durch angeblichen Steuerbetrug erheblich verfälscht worden.
7. Dezember 2017. Die EU-Kommission gekündigt an, dass sie Tschechien, Ungarn und Polen wegen mangelnder Solidarität in der Flüchtlingskrise vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.
8. Dezember 2017. Premierministerin Beata Szydło tritt zurück. Nachfolger von Aleksander Kaczyńskis Gnaden wird Mateusz Morawiecki.
9. Dezember 2017. Morawiecki wird wenige Stunden nach seiner Ernennung durch Staatspräsident Andrzej Duda in einem Interview des regierungsfreundlichen Fernsehsenders TV Trwam gefragt, was er von Drohungen vonseiten der EU halte, Polen die Mittel zu kürzen, falls das Land keine Flüchtlinge aufnehme.
Morawiecki kündigt in dem Interview auch an, der Mafia und Steuerbetrügern Geld abnehmen und es stattdessen „den Menschen“ und „den polnischen Familien“ geben zu wollen.
9. Dezember 2017. Morawiecki wird wenige Stunden nach seiner Ernennung durch Staatspräsident Andrzej Duda in einem Interview des regierungsfreundlichen Fernsehsenders TV Trwam gefragt, was er von Drohungen vonseiten der EU halte, Polen die Mittel zu kürzen, falls das Land keine Flüchtlinge aufnehme.
Morawiecki kündigt in dem Interview auch an, der Mafia und Steuerbetrügern Geld abnehmen und es stattdessen „den Menschen“ und „den polnischen Familien“ geben zu wollen.
Bilder aus Wikimedia Commons
Mateusz Morawiecki, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: Marek Mytnik
Quellen
