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| Saddam Hussein |
Der irakische Diktator Saddam Hussein (arabisch صدام حسين عبد المجيد التكريتي Saddām Husain ʿAbd al-Madschīd at-Tikrītī, DMG Ṣaddām Ḥusain ʿAbd al-Maǧīd at-Tikrītī, kurdisch Sedam Huseyn) wurde am 28. April 1937 in al-Audscha bei Tikrit geboren ( † 30. Dezember 2006 in al-Kazimiyya bei Bagdad). Er war von 1979 bis 2003 Staatspräsident und von 1979 bis 1991 sowie 1994 bis 2003 Premierminister des Irak.
Saddam regierte das Land diktatorisch und pflegte sich „al-qaid ad-daruri“ (unersetzlicher Führer) nennen zu lassen. Er sah sich als tatsächlichen Nachfolger des Königs von Babylon und Begründers des neubabylonischen Reiches Nebukadnezars II. Saddam Hussein ist für unzählige Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich, die in seiner Regierungszeit verübt wurden. Wegen Massakern an Schiiten und Kurden wurde er schließlich zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Auf Saddam Hussein wurden ab 1973 mindestens 16 Attentate verübt. Immer wieder, selbst aus seinem innersten Zirkel, wurden Attentate oder Putschversuche vermeldet. Aus Angst vor Anschlägen entwickelte Saddam Hussein ein System von Doppelgängern für sich und seine Familie und benutzte aus Furcht kaum oder völlig unregelmäßig seine Paläste. Verschiedene Quellen berichten, er habe selten mehr als eine Nacht an einem Ort geschlafen und nachts den Aufenthaltsort überraschend gewechselt. Seine Wege und Termine sollen keinem Muster gefolgt sein. Menschen, Gegenstände oder Lebensmittel, die ihm nahe kamen, sollen auf Gefahren (Waffen, Gifte, Sprengstoffe etc.) überprüft worden sein.
Er förderte aktiv die Modernisierung der irakischen Wirtschaft und den Aufbau von Industrie, Verwaltung und Polizei. Hussein leitete den Aufbau des irakischen Landes, die Technisierung der Landwirtschaft und die Bodenreform sowie die Volksbildung. Des Weiteren förderte er die vollständige Neugestaltung der Energiewirtschaft, des öffentlichen Dienstes sowie des Transport- und Bildungswesens. Unter seiner Herrschaft begann eine nationale Alphabetisierungskampagne, und die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt. Vor 1990 stieg die Alphabetisierungsrate bei Mädchen auf über 90 Prozent, nach der Zerstörung von Schulen in den beiden Golfkriegen von 1991 und 2003 sank sie wieder auf 24 Prozent, so die UNESCO.
Leben
28. April 1937. Saddam Hussein wird in al-Audscha, einem Dorf bei Tikrit, in eine ärmliche Bauernfamilie geboren. Seine Familie gehört zum sunnitisch-arabischen Stamm der al-Bu Nasir.
Sein leiblicher Vater Hussein al-Majid verstirbt, während seine Mutter Subha mit Saddam schwanger ist. Als sie im achten Monat schwanger ist, verstirbt auch Saddams ältester Bruder an einer Krebserkrankung. Daraufhin unternimmt Subha einen Selbstmordversuch, wird jedoch von einer jüdischen Familie daran gehindert und finanziell unterstützt. Ebenso versucht Subha erfolglos, ihren ungeborenen Sohn abzutreiben.
Subha gibt Saddam nach seiner Geburt an ihren Bruder Khairallah Talfah, der als Offizier über einen höheren sozialen Status und Geld verfügte nach Tikrit.
1941. Talfah wird wegen seiner Mitwirkung im Ghailani-Putsch inhaftiert, und Saddam muss zu seiner Mutter zurückkehren. Sie hat mittlerweile einen Verwandten namens Hassan Ibrahim geheiratet und ist mit ihm nach Al-Schawisch, einem ärmlichen Dorf bei Tikrit, gezogen. Hassan Ibrahim ist dort übel beleumundet, sein Spitzname im Dorf ist „Hassan der Lügner“. Ebenso schmückt er sich wohl unverdienterweise mit dem Titel eines Hāddsch. Die meisten Quellen beschreiben Saddams Leben im Dorf als das eines Außenseiters, der aufgrund seiner Vaterlosigkeit sozial ausgegrenzt wird. Einzig eine offizielle Biografie schildert ihn als sozial integriertes Mitglied der Dorfgemeinschaft. Saddams Wunsch nach einer Schulausbildung wird von seinem Stiefvater und seiner Mutter abgeschlagen. Stattdessen wird er zur Feldarbeit herangezogen und von seinem Stiefvater zum Diebstahl angestiftet, was Saddam bereits in der Kindheit einen kurzen Gefängnisaufenthalt einbringte. Er wird auch Opfer von physischer und psychischer Gewalt durch seinen Stiefvater. Seinen eigenen Aussagen nach trägt Saddam stets eine Eisenstange mit sich, um sich gegen die Angriffe der anderen Dorfkinder zu wehren.
Nach der Freilassung seines Onkels Khairallah Talfah verläßt Hussein den Haushalt seines Stiefvaters und flieht zu seinem Onkel nach Tikrit. Dieser sorgt dafür, dass Saddam mit zehn Jahren eingeschult wird. Er erzieht den Jungen im Geiste des arabischen Nationalismus.
In diesem Jahr wird sein Cousin Ali Hasan al-Madschid geboren (+2010)
1947. Husseins Halbbruder Sabawi Ibrahim Hasan at-Tikriti wird geboren (+2013)
1951. Mit 14 Jahren steht Saddam unter dem Verdacht, aus Rache den Bruder eines Lehrers angeschossen zu haben. Die Beweise erhärten sich jedoch nicht und Saddam kannte die Schule abschließen. Nach seinem Schulabschluss zog Saddam mit seinem Onkel nach Bagdad, wo er eine weiterführende Schule besucht und mit 18 Jahren abschließt. Nach seiner Schulausbildung wird Saddam Khairallahs älteste Tochter Sadschida versprochen.
In diesem Jahr wird sein Halbbruder Barzan Ibrahim at-Tikriti geboren (+2007).
1956. Saddam Hussein tritt der noch verbotenen Baʿth-Partei bei.
1957. Er nimmt an einem erfolglosen Putschversuch gegen den irakischen König Faisal II. teil.
1958. Hussein unterstützt er eine weitere von General Abd al-Karim Qasim geführte Gruppe.
17. Oktober 1959. Saddam Hussein gehört dem Kommando an, dass im Auftrag der Baʿth-Partei den irakischen Diktator Qasim ermorden soll. In der Folge des misslungenen Attentats, bei dem Hussein am Bein verletzt wird, ist er gezwungen nach Syrien zu fliehen. Er wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der amtierende Chef der Baʿth-Partei, Fuad ar-Rikabi, wird wegen des fehlgeschlagenen Attentats durch einen entfernten Verwandten Saddam Husseins, Madschid, ersetzt.
In Syrien wird Baath-Gründer Michel Aflaq sein politischer Mentor.
1960. Hussein geht nach Ägypten. Sein Studium an der juristischen Fakultät der Universität Kairo beendet er ohne Abschluss.
1962. Er wird führendes Mitglied des Kairoer Baath-Büros.
8. Februar 1963. Hussein kehrt nach dem blutigen Putsch der Baʿth-Partei in den Irak zurück und heiratet Sadschida Khairallah.
1964. Die siegreiche Baath-Partei wird schon wenige Monate später durch Marschall Aref wieder aus ihren Regierungsämtern vertrieben. Hussein wird wegen eines Komplotts gegen Aref inhaftiert. In diesem Jahr wird sein Sohn Udai Hussein geboren (+2003).
1965. Er wird noch im Gefängnis vom 8. Nationalkongress der Baʿth-Partei in die Führungsriege der Partei gewählt.
1966. Sein Sohn Qusai Hussein wird geboren (+2003).
Juli 1966. Er flieht mit Hilfe Tahir Yahyas und wird in diesem Jahr stellvertretender Sekretär der regionalen Baath-Führung im Irak.
1968. Seine Tochter Raghad Hussein wird geboren.
17. Juli 1968. Hussein unterstützt einen erfolgreichen Militärputsch von Baʿth-Partei und Armee. Danach steigt er der nun herrschenden Baʿth-Partei auf. Er wird in der neuen Regierung stellvertretender Generalsekretär des Revolutionären Kommandorates sowie Chef des Ministeriums für Staatssicherheit und des Propagandaministeriums. In dieser Stellung baut er den Parteiapparat neu auf und die Zahl der Mitglieder steigt steil an.
1969. Hussein wird Vizepräsident. In diesem Jahr wird auch seine Tochter Rana Hussein geboren.
1972. Saddam unterzeichnet in Moskau ein Freundschaftsabkommen mit der Sowjetunion.
1. Juni 1972. Er leitet die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak haben. Mit den Öleinnahmen entwickelt er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sorgen aber auch für den Wohlstand breiterer Bevölkerungsschichten.
30. Juni 1973. Der schiitische Sicherheitschef General Nadhim Kazar unternimmt einen Putschversuch gegen Ahmad Hasan al-Bakr und Saddam Hussein. Die Verschwörung wird aufgedeckt, Kazar und seine Anhänger werden getötet. Nach diesem Putschversuch wird der irakische Geheimdienst mit Hilfe des KGB reformiert.
1. Juli 1973. Hussein wird vom Revolutionsrat zum Drei-Sterne-General der irakischen Streitkräfte ernannt. Später ernennt er sich selbst zum Feldmarschall.
Dezember 1974. Jacques Chirac (Premierminister von Frankreich) stattet Saddam Hussein (Diktator des Irak) einen Besuch ab. Dabei wird ihm vom Irak offenbar eine Anfrage für einen Atomreaktor vom Typ UNGG unterbreitet.
6. März 1975. Er schließt als Vizepräsident mit dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi das Abkommen von Algier über den Grenzverlauf im Schatt al-Arab und die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.
18. November 1975. Mit der Unterzeichnung des französisch-irakischen Atomabkommens und dem Kauf von zwei französischen Reaktoren beginnt das irakische Atomprogramm. Leiter des irakischen Atomprogramms wird Dr. Jaffar Dhia Jaffar. Jacques Chirac unterstützt französische Firmen nicht nur bei der Errichtung des Reaktors, sondern ermöglicht 1978 auch den Verkauf von 12,5 kg Uran-235 als Brennstoff an die irakische Regierung.
1977. Menachem Begin wird Regierungschef von Israel. Er macht in seinem Kabinett klar, dass dass er es nicht tatenlos hinzunehmen gedenkt, wenn sich ein weiterer Staat in der Region – Israel selbst ist seit den 60er-Jahren Atommacht – Atomwaffen zulegt. Schon gar nicht, wenn es um einen geht, dessen Führer Israel ausradieren will wie Saddam Hussein. Die Baustelle in Osirak ist für Begin ein besonderer Dorn im Auge. Er bemüht sich daher zunächst in Paris erfolglos um einen Baustopp. Der Reaktor Tammuz-1 soll in der Lage sein, langfristig Plutonium zu erzeugen.
18. November 1975. Mit der Unterzeichnung des französisch-irakischen Atomabkommens und dem Kauf von zwei französischen Reaktoren beginnt das irakische Atomprogramm. Leiter des irakischen Atomprogramms wird Dr. Jaffar Dhia Jaffar. Jacques Chirac unterstützt französische Firmen nicht nur bei der Errichtung des Reaktors, sondern ermöglicht 1978 auch den Verkauf von 12,5 kg Uran-235 als Brennstoff an die irakische Regierung.
1977. Menachem Begin wird Regierungschef von Israel. Er macht in seinem Kabinett klar, dass dass er es nicht tatenlos hinzunehmen gedenkt, wenn sich ein weiterer Staat in der Region – Israel selbst ist seit den 60er-Jahren Atommacht – Atomwaffen zulegt. Schon gar nicht, wenn es um einen geht, dessen Führer Israel ausradieren will wie Saddam Hussein. Die Baustelle in Osirak ist für Begin ein besonderer Dorn im Auge. Er bemüht sich daher zunächst in Paris erfolglos um einen Baustopp. Der Reaktor Tammuz-1 soll in der Lage sein, langfristig Plutonium zu erzeugen.
1979. Marschall Ahmad Hasan al-Bakr tritt krankheitsbedingt zurück und ernennt Hussein zum Vorsitzenden der Baʿth-Partei und zu seinem Nachfolger. In diesem Jahr wird auch seine Tochter Hala Hussein geboren.
11. Juli 1979. Sadam Hussein wird Generalsekretär der Baʿth-Partei.
16. Juli 1979. Sadam Hussein übernimmt die Macht Staats- und Regierungschef. In dieser Position diffamiert Saddam öffentlich Mitglieder der Baʿth-Partei, woraufhin sie ohne Prozess zum Tode verurteilt und sofort liquidiert werden. Andere Parteimitglieder werden durch dieses Exempel auf die Linie Saddams eingeschworen, der so auch den geplanten Zusammenschluss mit dem ebenfalls baʿthistischen Regime Syriens verhindert. Auch die Streitkräfte macht sich Hussein gefügig.
Dennoch ist Saddam Husseins Autorität noch eingeschränkt. Nach dem Tausch seines Amtes mit al-Bakr bleibt dieser faktisch Vizepräsident bis zu seinem Tode im April 1982.
17. September 1980. Etwa ein Jahr nach der Revolution im Iran gegen den prowestlichen Mohammad Reza Pahlavi kündigt Saddam Hussein das Abkommen von Algier, welches zuvor auch der Iran als nicht mehr bindend erklärt hat. Der Irak verweigerte daraufhin die Räumung der 1975 abgetretenen Grenzgebiete, die seit dem 4. August unter iranischem Beschuss liegen.
22. September 1980. Hussein befiehlt der irakischen Armee, den Iran mit neun von insgesamt zwölf Divisionen auf einer 600 km breiten Front anzugreifen. Dies bildet den Auftakt für den fast acht Jahre dauernden Ersten Golfkrieg.
Dabei spielen auch verschiedene westliche Staaten eine führende Rolle, die den Irak wegen der drohenden Niederlage gegen den Iran massiv unterstützen, wie Frankreich und Deutschland als Rüstungsexporteure und Lieferanten für Atomreaktoren sowie Chemieanlagen (Pestizide und Giftgas). Hauptunterstützer des Iraks sind die Sowjetunion, Frankreich und die Volksrepublik China, die allerdings auch den Iran beliefert. Auf einer vom Stockholmer SIPRI-Institut erstellten Übersicht folgen die USA erst an elfter Stelle, allerdings beliefert auch Washington beide Seiten. Eine besondere Bedeutung haben weiterhin die sunnitischen und wahabitischen Golfstaaten als Kreditgeber und Finanziers des Ersten Golfkrieges.
Das Unvermögen, die Kredite zurückzuzahlen, wird allgemein als einer der Gründe für die versuchte Annexion Kuwaits durch den Irak betrachtet. Während des Krieges lassen Hunderttausende ihr Leben, allein durch Saddam Husseins Giftgaseinsätze mehrere tausend Menschen. Sehr kritisch betrachtet werden Vermutungen, denen zufolge der US-Geheimdienst dem Irak Satellitenbilder der iranischen Stellungen zur Verfügung stellt, und die Zurückhaltung und teilweise stillschweigende Billigung eines Großteils der Staatengemeinschaft.
1981. Der Sunnit Hussein tritt im Beisein des Großajatollahs Abul-Qassim al-Khoi formal zum schiitischen Islam über, um die Bevölkerungsmehrheit im Krieg gegen den schiitischen Iran ruihig zu stellen.
Juni 1982. Hussein wird als Vorsitzender der Baath-Partei einmütig bestätigt. Danach entläßt er alle Mitglieder des bisherigen Revolutionsrates und ernennt einen neuen achtköpfigen (später neunköpfigen) "Kommandorat der Revolution" unter seinem Vorsitz.
Juli 1982. Hussein gibt den Rückzugsbefehl für die irakischen Truppen in einer entscheidenden Phase des Golfkrieges gegen den Iran.
8. Juli 1982. Die Islamische Dawa-Partei bereitet einen Anschlag während eines Besuchs in der Stadt Dudschail vor. Mit Maschinengewehren und RPG-7 wird die Wagenkolonne von Saddam Hussein angegriffen. Zehn seiner Leibwächter sterben, sein Wagen wird getroffen, er bleibt jedoch unverletzt. Anschließend werden über 600 Dorfbewohner festgenommen, 148 Inhaftierte vermutlich hingerichtet. Das Massaker wird der erste von zwölf Anklagepunkten gegen Hussein im Prozess 2005–2006.
1983. Barzan Ibrahim at-Tikriti veröffentlicht das Buch „Assassination Attempts on the Life of President Saddam Hussein“ und zählt darin sieben (ohne Dudschail) vereitelte Anschläge auf Saddam Hussein auf.
1984. Innerhalb der Streitkräfte des Irak gibt es einen Putschversuch, Grund dafür ist seine Kriegsführung im Ersten Golfkrieg. Ein Saddam-Hussein-Double wird dabei erschossen.
Mitte der 1980er Jahre. Die neu gegründete irakische Kriegsindustrieorganisation, die während dem irakisch-iranischen Krieg unter der Leitung von Hussein Kamil (Schwiegersohn von Saddam Hussein) steht, baut eine Raketenfabrik in der Nähe von Bagdad, sowie eine Forschungs- und Entwicklungsanlage in der Nähe von Mosul auf. Etwa 3 Mrd. US-Dollar werden investiert, um diese Fabriken mit westlicher Technologie auszustatten. Die Schweizer Firma Consen koordiniert Teile der Arbeit und bezieht österreichische und westdeutsche Konstruktionsfirmen mit ein. Große Teile der Ausrüstung stammen aus der Bundesrepublik Deutschland und den USA. Ein Teil wurde von italienischen und anderen Banken finanziert.
1986. Er heiratet seine zweite Ehefrau Samira Schahbandar, Von ihr hat er den Sohn Ali Saddam Hussein (* 1980 oder 1983).
9. April 1987. In Mosul wird ein Anschlag auf die Wagenkolonne von Saddam Hussein verübt, er bleibt unverletzt, seine Leibwächter werden getötet. Der Anschlag fällt auf den Jahrestag der Ermordung von Muhammad Baqir as-Sadr.
1988. Saddam befiehlt gegen Ende des Krieges die Anfal-Operation im Nordirak und intensiviert damit die seit Mitte der 1970er Jahre bestehende Arabisierungspolitik gegen die Kurden. Die Durchführung übernimmt Ali Hasan al-Madschid, ein Vetter von Hussein. Dieser befiehlt den Einsatz Einsatz von Chemiewaffen gegen die kurdische Bevölkerung im Nordirak und wird deshalb unter dem Namen Chemical-Ali (kurdisch Eliyê Kîmyawî, deutsch: ‚Chemie-Ali‘) bekannt.
Februar bis September 1988. Im Rahmen des Genozids werden laut Human Rights Watch in dieser Zeit bis zu 100.000 Kurden systematisch ermordet und eine unbekannte Zahl in den Süden des Irak deportiert. Ferner wird die Infrastruktur von etwa 2.000 Dörfern und 20 Kleinstädten, darunter die Stadt Qeladizê mit ihren 70.000 Einwohnern, zerstört. Die Kurden selber schätzen die Zahlen der verschwundenen Menschen auf 182.000 und die zerstörten Dörfern auf 4.000 ein. Im Gegensatz zu früheren Einsätzen von Giftgas wird der Giftgasangriff auf Helepçe von der westlichen Presse mit Entsetzen und Empörung zur Kenntnis genommen. Staatliche Seiten verhalten sich weiterhin zurückhaltend.
18. Juli 1988. Der Iran willigt in die Waffenstillstandsbedingungen der UN-Resolution 598 ein, die Saddam Hussein bereits zuvor akzeptiert hat. Ajatollah Chomeini kommentiert dies mit dem Zusatz „bitterer als Gift“.
8. August 1988. Ein Waffenstillstandsabkommen wird geschlossen
20. August 1988. Der Waffenstillstand tritt in Kraft trat. Zum Abschluss eines Friedensvertrages kommt es später (Stand 2016) nicht.
Dank massiver Kredithilfe der arabischen Ölstaaten und umfangreicher Waffenhilfe aus West und Ost kann sich Hussein am Ende als "halber Sieger" gegen das weltweit isolierte Khomeini-Regime feiern lassen. Obwohl rücksichtslose Giftgaseinsätze, zum Teil auch gegen aufsässige Kurden im eigenen Land geführt, heftig kritisiert werden. Das erklärte Kriegsziel des Irans, Hussein als Aggressor international zu brandmarken und ihn als Staatschef zu stürzen, wird nicht erreicht.
1989. Mit dem Tod des Baʿth-Partei-Gründers und Vizepräsidenten Michel Aflaq und dem Tod des als Kriegsminister im Golfkrieg populär gewordenen Chairallah Talfah durch einen unaufgeklärten Hubschrauberabsturz im gleichen Jahr gibt es keine rivalisierende moralische Autorität mehr außer dem Präsidenten, die seine Entscheidung zum Krieg gegen Kuwait beeinflussen könnten.
1990. Angehörige des Stammes Dschubbur wollen Saddam Hussein ermorden. Auch dieser Anschlag wird verhindert. Er heiratet seine dritte Ehefrau Nidal al-Hamdani.
April 1990. Saddam Hussein (Diktator des Irak) droht mit dem Einsatz chemischer Waffen gegen Israel.
Juli 1990. Hussein nutzt die Diskussion um Preise und Exportquoten bei der arabischen Ölförderung zu aggressiven Drohgebärden gegenüber dem kleinen Nachbarstaat Kuwait.
2. August 1990, Beginn des Zweiten Golfkriegs. Unter dem Vorwand der Unterstützung einer kuwaitischen Revolution und mit der Behauptung, es zapfe illegal Ölfelder des Irak an lässt Saddam Hussein Kuwait besetzen. Die Besetzung erfolgt, nachdem Kuwait die Ölfördermenge erhöht und die Ölpreise gesenkt hat. Der Irak hat starke Interessen an einem lukrativen Ölgeschäft, zumal das Land sich im Wiederaufbau nach dem Ersten Golfkrieg befindet.
10. Oktober 1990. Laut der Süddeutschen Zeitung droht Saddam Hussein an, eine Rakete mit dem Namen „El Hijara“ (Stein) gegen Israel einzusetzen, „wenn die Zeit der Abrechnung kommt."
29. November 1990. Mit der Resolution 678 des UNO-Sicherheitsrates wird dem Irak schließlich ultimativ eine Frist für den Abzug aus Kuwait bis zum 15. Januar 1991 gesetzt. Von den Vereinten Nationen wird ein ununterbrochenes Handelsembargo über das Land verhängt.
1991. Auf Hussein wird ein nicht genau definierter Anschlag verübt.
17. Januar 1991. Der Krieg der Alliierten gegen den Irak beginnt. Er wird zunächst vor allem als Luftkrieg geführt.
24. Februar 1991. Weil der Irak auf eine weitere ultimative Forderung zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait nicht reagiert, beginnen die Alliierten unter Führung der USA mit einer großangelegten Bodenoffensive. Die irakische Armee wird fast vollständig geschlagen.
Ende Februar 1991. Ein bereits begonnenes Vorrücken amerikanischer Verbände Richtung Bagdad wird etwa 100 Stunden nach Beginn der Bodenoffensive. und sechs Wochen nach Kriegsbeginn eingestellt, da der Auftrag der UN-Resolution, die nur die Befreiung Kuwaits, aber nicht einen Regimewechsel im Irak vorsieht, erfüllt ist und die Verbündeten der USA nicht gewillt sind, weitergehende Maßnahmen mitzutragen.
Dank der frühen Einstellung der Kämpfe bewahrt Hussein einen Großteil seines Machtapparates und überlebt nicht nur das militärische Debakel in der "Mutter aller Schlachten", sondern auch die folgenden Aufstandsbewegungen unter den Schiiten im Süden des Irak und den Kurden im Norden.
Der von westlichen Kräften ermutigte Aufstand der Schiiten im südlichen Irak gegen Hussein wird durch die militärisch immer noch überlegenen irakischen Regierungstruppen trotz Einrichtung einer Flugverbotszone niedergeschlagen.
September 1991. Hussein gibt das Amt des Regierungschefs an Mohamed Hamza al Zubaidi ab. Er bleibt jedoch als Staats- und Parteichef weiterhin bestimmend. Er akzeptiert zwar offiziell die UNO-Auflagen zur Aufdeckung und Vernichtung des irakischen Arsenals an ballistischen Raketen und chemisch-biologischen Massenvernichtungsmitteln, versucht aber immer wieder, die Arbeit der UNO-Inspektoren zu unterlaufen oder zu behindern.
1992. Die Wagenkolonne Saddam Husseins gelangt in einen Hinterhalt.
29. Mai 1994. Hussein ist wieder Premierminister. Zudem bekleidet er das Amt des Vorsitzenden der Baʿth-Partei und ist Oberkommandierender der Armee.
Oktober 1995. Er lässt sich ohne Gegenkandidaten mit 97 Prozent der abgegebenen Stimmen auch offiziell zum Präsidenten wählen. Die Gratulation durch den ehemaligen Staatspräsidenten Abd ar-Rahman Arif verleiht dieser Wahl einen beinahe legitimen Anstrich. 1995 flüchten Saddams Schwiegersöhne sowie der Geheimdienstchef und dessen Bruder wegen Meinungsverschiedenheiten nach Jordanien. Angeblich durch Hussein begnadigt, kehren sie in den Irak zurück, wo sie im Februar 1996 inhaftiert und drei Tage später erschossen werden.
1996. Das irakische Parlament aktzeptiert den „Oil-for-Food“-Plan des UNO-Sicherheitsrates, der dem Irak den Verkauf begrenzter Mengen Erdöls ermöglicht, um dringende humanitäre Bedürfnisse zu decken.
Juli 1996. Der 1995 nach Jordanien geflüchtete Schwiegersohn von Saddam Hussein, Hussein Kamil Hassan und sein Bruder Saddam Kamil Hassan nehmen im Exil Kontakt zu der in London gegründeten Partei Iraqi National Accord (INA) von Iyad Allawi auf. Der Putschversuch scheitert, da es Saddam Husseins Geheimdienst zuvor gelingt war, den INA zu unterwandern.
1997. Ein Putschversuch durch Parteimitglied Ahmad Taha, der Saddam Hussein 1959 das Leben gerettet hatte, misslingt. Taha, mitbeteiligte Parteimitglieder und Generäle werden hingerichtet.
27. März 2000. Bei den Parlamentswahlen in Irak bewerben sich 512 Kandidaten für 220 Sitze. Sie gehören sämtlich zur Baath-Partei oder stehen ihr nahe. 30 weitere Vertreter werden von Präsident Saddam Hussein ernannt. Unter den neuen Abgeordneten sind 25 Frauen. Udai Hussein, Sohn des Staatschefs, wird nach offiziellen Angaben mit 99,99 % der Stimmen "gewählt".
30. September 2002. Ein Luftwaffenpilot der irakischen Luftwaffe versucht, mit einer MiG-23 den Präsidentenpalast, in dem sich Saddam Hussein aufhält, zu bombardieren. Das Flugzeug wird von einer Luftabwehrrakete der Republikanischen Garde abgeschossen. Die Offiziere der Basis werden langen Verhören unterzogen, der Pilot vor den Augen der Belegschaft des Stützpunktes verbrannt.
Oktober 2002. Saddam Hussein wird in einer offensichtlich fingierten Wahl mit fast 100 Prozent der Stimmen als Führer des Landes für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt.
19. März 2003. Angela Merkel (Vorsitzende der CDU) erklärt in einer Rede im Deutschen Bundestag die Unterstützung der Union für das Ultimatum an Saddam Hussein als „letzte Chance des Friedens“ und fordert die Bundesregierung auf, dies ebenso zu tun, um „den Krieg im Irak wirklich zu verhindern“.
20. März 2003. Im Irak-Krieg (Dritter Golfkrieg genannt) marschieren Truppen der Vereinigten Staaten und deren Verbündete, die sogenannte "Koalition der Willigen" in den Irak ein. Die irakische Armee wird geschlagen, das Land vollständig besetzt. Die USA begründen dies damit, dass der Irak durch Entwicklung und Besitz von Massenvernichtungswaffen gegen die über ihn verhängten UN-Resolutionen verstoße und dass Saddam Hussein terroristische Organisationen wie al-Qaida unterstütze. Beide Vorwürfe werden nachträglich durch den Geheimdienstausschuss des US-Senats widerlegt.
Die "Koalition der Willigen" verschießt im Laufe des Krieges etwa 1000 bis 2000 Tonnen panzerbrechende Uranmunition. Ein Jahrzehnt später liegt die radioaktive Belastung stellenweise 180 Mal höher als die natürliche Strahlenbelastung. In Krankenhäusern steigt die Anzahl von Leukämien und anderen Krebsarten teilweise um mehr als das Zehnfache. Auch Missbildungen bei Kindern nehmen drastisch zu. Laut der Internationalen Energieorganisation (IAEAO) soll es jedoch keinen wissenschaftlich beweisbaren Zusammenhang zwischen Uranmunition und erhöhten Krebsraten oder anderen gesundheitlichen Schäden geben.
9. April 2003. Die Kämpfe im Irak werden mit dem Fall Bagdads und dem Untergang des Regimes von Saddam Hussein beendet. Auf Saddam Hussein und eine Reihe von führenden Angehörigen der Regierung wird nach dem Sturz des Regimes ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Nach ihnen wird auch mittels eines in Umlauf gebrachten Kartenspiels gefahndet, in dem die Gesuchten Karo-Ass, Herz-König etc. darstellen.
22. Juli 2003. Sadam Husseins Söhne Udai und Qusai, die für ihre Grausamkeit gefürchtet sind, kommen bei einem US-Angriff auf ihren Unterschlupf in Mossul nach heftigen Kämpfen ums Leben. Sein dritter und jüngster Sohn Ali Saddam taucht unter.
13. Dezember 2003. Saddam Hussein wird von US-Besatzungstruppen festgenommen. Nach US-amerikanischer Darstellung wird er nach einem Verrat eines früheren Gefolgsmannes, eines ehemaligen irakischen Geheimdienstlers, in dem Dorf Ad-Dawr rund 15 Kilometer von seiner Heimatstadt Tikrit entfernt von US-amerikanischen Soldaten gefangen genommen.
Demnach versteckt sich der einstmals mächtigste Mann des Landes zuletzt in einem engen gemauerten Erdloch vor einer ärmlichen Hütte. Als die Soldaten das Erdloch mit vorgehaltener Waffe inspizieren, ergibt sich Saddam Hussein ihnen kampflos und müde. Bei ihm wird offenbar Bargeld im Wert von etwa 750.000 US-Dollar gefunden. Der von der US-amerikanischen Führung verbreitete Hergang der Festnahme und der konkrete Zeitpunkt werden von Saddam Husseins Anwalt wie auch von ihm selbst bestritten.
Saddam Hussein bleibt bei seiner Ergreifung gänzlich unverletzt und macht einen heruntergekommenen Eindruck, wie Fotos während der ersten ärztlichen Untersuchung nach seiner Inhaftierung belegen. Husseins Identität wird nach US-amerikanischen Angaben durch eine DNS-Probe sowie anhand von Zähnen und Narben nachgewiesen. Der Ex-Diktator wird im Hochsicherheitsgefängnis Camp Cropper inhaftiert.
14. Dezember 2003. Die offizielle Bestätigung der Festnahme erfolgt um etwa 13 Uhr MEZ durch den britischen Premierminister Tony Blair und kurz danach in einer Pressekonferenz durch Paul Bremer, den US-amerikanischen Zivilverwalter im Irak.
10. Januar 2004. Die US-amerikanische Regierung gibt bekannt, dass er nun offizieller Kriegsgefangener der USA sei. Der Status des Kriegsgefangenen ermöglicht unter anderem, dass unabhängige Beobachter und Hilfsorganisationen, z. B. das Rote Kreuz, mit dem Ex-Diktator in Kontakt treten können, um sich von dessen Unversehrtheit und den Haftbedingungen ein Bild zu machen. Am selben Tag fordert der irakische Regierungsrat die Vereinigten Staaten auf, Hussein als einen Kriminellen der irakischen Justiz zu übergeben.
28. Juni 2004. Die USA übergibt die Macht an die irakische Übergangsregierung.
30. Juni 2004. Hussein wird als Krimineller der der irakischen Justiz übergeben. Er blieb aber unter Bewachung der USA. Ein Sondertribunal beschäftigt sich mit Saddam Hussein und elf weiteren Politikern und Militärs des Iraks.
1. Juli 2004. In einer ersten Anhörung ohne Anwalt, die wegen US-Zensur überwiegend ohne Ton im Fernsehen übertragen wird, streitet Saddam jede Schuld ab und erkennt das Tribunal nicht an. Er sieht sich weiterhin als Präsident. Gemäß irakischem Recht wird Saddam Husseins Einmarsch in Kuwait vor dem Tribunal verhandelt. Davon ausgenommen soll der Überfall auf den Iran 1980 nicht als Angriffskrieg verhandelt werden. Die iranische Regierung beabsichtigt, in Bagdad zu klagen, da Saddam Hussein 1980 den Krieg gegen Iran begonnen und Chemiewaffen eingesetzt habe. Saddam Hussein werden die in diesen Kriegen verübten Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Laut Human Rights Watch wurden bis zu 290.000 Menschen ermordet. Die Ermittlungen werden laut New York Times vom FBI und einer Einheit des US-Justizministeriums geführt. Die irakischen Juristen erhalten Unterstützung von ausländischen Experten. Salam Tschalabi, der Gerichtsdirektor, wurde in den USA ausgebildet.
Der Kurdenführer und spätere irakische Staatspräsident Dschalal Talabani spicht sich gegen die Todesstrafe für Saddam Hussein aus. Dennoch zweifelt er nicht an seiner Schuld. Saddam Hussein habe „massakriert“ und „unsere Städte abgebrannt und zerstört“. Der neue Irak, der gerade im Entstehen sei, müsse deshalb die Rechte der kurdischen Bevölkerung achten: „Wenn der Irak diese Verpflichtung nicht anerkennt, wird das das Ende der irakischen Einheit sein.“
März 2005. Der ehemalige US-Soldat Nadim Abou Rabeh sagt, dass die Szene mit dem sogenannten Erdloch gestellt worden sei, Saddam Hussein in einem Haus gelebt habe und die US-Soldaten bei der Festnahme auf Widerstand gestoßen seien.
19. Oktober 2005. Der Prozess gegen Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte in Bagdad beginnt. Er wird unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten. Unter den Angeklagten sind Taha Yassin Ramadan, der frühere Vizepräsident des Irak, Barzan Ibrahim at-Tikriti, ein jüngerer Halbbruder Saddams und ehemaliger Direktor des Sicherheitsdienstes Mukhabarat, und Awad al-Bandar, früherer Vorsitzender des Revolutionsgerichtshofs, der unter anderem für die Todesurteile in Dudschail zuständig war.
In erster Instanz entscheidet eine Kammer aus fünf Richtern, wobei zunächst Richter Raouf Abdul Rahman den Vorsitz hat, nachdem der ursprünglich dem Gericht vorsitzende Rizgar Muhammad Amin sein Amt niedergelegt hat. In der Berufung entscheiden neun Richter. Das Gericht hat die Gerichtsbarkeit über Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen sowie über drei weitere aus dem irakischen Recht abgeleitete Verbrechen, unter ihnen etwa die unerlaubte Einmischung in die Justiz, die während Husseins Präsidentschaft von 1979 bis zum Beginn der Okkupation durch die Koalitionstruppen 2003 begangen wurden.
Der erste Anklagepunkt vor dem Gericht bezieht sich auf eine Vergeltungstat, die nach dem misslungenen Attentat auf Saddam Hussein in der Stadt Dudschail im Jahr 1982 begangen worden sein soll. 148 Männer und Jungen wurden hingerichtet oder starben bei „Vernehmungen“ durch staatliche Behörden. Die weiteren zwölf Anklagen reichten vom Giftgasangriff auf Kurden in der sogenannten Anfal-Kampagne und dem Angriff auf die Stadt Halabdscha 1988 bis hin zur Tötung Zehntausender Schiiten nach deren Aufstand 1991.
Nachdem zwei Verteidiger von Husseins Mitangeklagten Anschlägen zum Opfer gefallen sind, ein Mordkomplott gegen den Ermittlungsrichter Dschuhi aufgedeckt wird, ein Anschlag auf das Gerichtsgebäude vereitelt werden kann und einige Verteidiger sich aus diesem Grund ziehen, wird Vorsitzenden Amin die Verlegung des Prozesses in die weniger instabilen kurdischen Regionen erwogen. Der Prozess wird aber doch weiterhin in Bagdad geführt.
Der US-amerikanische Anwalt Ramsey Clark, früherer US-Justizminister und prominenter Gegner des Irak-Kriegs, gehört ebenfalls zu dem Team, das Hussein im Prozess verteidigt. Er hat davor schon Slobodan Milošević verteidigt. Außerdem gehört zu dem Verteidigerteam Ayesha al-Gaddafi, die Tochter des damaligen libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi. Ein weiterer Anwalt Saddam Husseins, Najib al-Nawimi, ehemaliger katarischer Justizminister, versucht die Legitimität des Gerichts anzuzweifeln, da große Teile seines Statuts während der Besetzung durch die USA geschrieben worden seien. Der Anwalt Curtis Doebbler legt sogar Rechtsmittel vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein, da das Recht auf einen fairen Prozess in erheblicher Weise verletzt worden sei.
Zeugen gegen Saddam Hussein wird wegen ihrer Furcht vor Anschlägen Anonymität zugestanden. Der Prozess wird von Anhängern Saddam Husseins und US-kritischen Stimmen als Schauprozess und als Siegerjustiz interpretiert. Menschenrechtsorganisationen zweifeln an der rechtmäßigen Einsetzung des Tribunals. Human Rights Watch betont zudem, die Rechte der Angeklagten würden beschnitten. Ein Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen erklärt, das Gericht werde internationalen Standards für solche Verfahren nicht gerecht.
Der irakische Generalstaatsanwalt fordert wegen des Massakers von Dudschail die Todesstrafe für Saddam Hussein. Auch der ehemalige Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und Husseins Halbbruder Barsan Ibrahim al-Tikriti sollen hingerichtet werden, fordert der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. Für vier weitere Angeklagte beantragt er Freiheitsstrafen.
7. Juli 2006. Saddam Hussein beginnt einen Hungerstreik, um gegen die mangelhafte Sicherheit für seine Anwälte zu protestieren.
Ab 23. Juli 2006. Hussein wird wegen seinem Hungerstreik in einem Krankenhaus zwangsernährt.
5. November 2006. Saddam Hussein wird vom Richter Ra’uf Raschid Abd ar-Rahman zum Tode durch den Strang verurteilt. Er möchte sich zur Urteilsverkündung vor dem Sondertribunal nicht erheben, lenkt jedoch ein, als ihm letztlich mit Zwang gedroht wird. Saddams persönlichem Wunsch, nicht „wie ein einfacher Krimineller“ erhängt, sondern erschossen zu werden, wird nicht entsprochen.
Die Urteilsverkündung löst in Teilen des Landes Gewalt aus.
26. Dezember 2006. Die Berufungsverhandlung in der Berufungskammer des Sondertribunals, die bei jedem Todesurteil automatisch angeordnet wird, bestätigt das Urteil schließlich. Eine zügige Hinrichtung innerhalb von maximal 30 Tagen, d. h. bis zum 25. Januar 2007, wird außerdem vorgeschrieben. Ein letzter Versuch, die Hinrichtung durch einen Antrag seiner Anwälte vor einem US-Bezirksgericht in Washington aufzuschieben, wird abgelehnt.
Die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner kommt im Namen der Europäischen Kommission zu dem Urteil, „[…] während die EU die Todesstrafe grundsätzlich ablehnt, bedeuten das Gerichtsverfahren und die Bestrafung von Saddam, dass jene, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, der Gerechtigkeit nicht entgehen können“.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bringt ebenfalls ihre grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck:
„Saddam Hussein ist von einem irakischen Gericht verurteilt worden, und das Urteil ist vollstreckt worden. Wir respektieren dieses Urteil. Aber es ist bekannt, dass die Bundesregierung gegen die Todesstrafe ist. An einem Tag wie diesem gehen meine Gedanken vor allen Dingen zu den vielen unschuldigen Opfern von Saddam Hussein. Ich wünsche dem irakischen Volk, dass es seinen Weg ohne Gewalt und in Frieden gehen kann.“
Der Nahost-Direktor von Amnesty International, Malcolm Stuart, erklärt: „Jeder Angeklagte hat das Recht auf einen fairen Prozess, unabhängig von dem Ausmaß der Vorwürfe gegen ihn. […] Hier wurde eine Gelegenheit verpasst, und die Verhängung der Todesstrafe macht das noch schlimmer.“
30. Dezember 2006. Das Urteil gegen Saddam Hussein wird kurz nach 6:00 Uhr Ortszeit (4:00 Uhr MEZ) in al-Kazimiyya, einer Nachbarstadt im Nordosten von Bagdad, durch Hängen vollstreckt.
Die gesamte Hinrichtung wird offiziell von den irakischen Behörden gefilmt und auf Fotos festgehalten. Entsprechende Aufnahmen, die die letzten Minuten Husseins, nicht jedoch die Exekution zeigen, sind wenig später weltweit in zahllosen Medien zu sehen.
Eine im Internet kursierende Amateuraufnahme der Hinrichtung zeigt, dass Personen im Raum Saddam Hussein beschimpfen, er werde „direkt in die Hölle gelangen“, woraufhin dieser antwortet: „Irak ist nichts ohne Saddam“. Ebenso wird der radikale irakische Schiiten-Führer Muqtada as-Sadr, einer der größten Gegner Saddam Husseins, durch die unbekannten Personen bejubelt.
Die verwackelten Bilder zeigen einen Mann, der seltsam unbeteiligt wirkt, obwohl er weiß, dass er gleich sterben wird. Er trägt einen langen schwarzen Mantel über dem weißen Hemd, der Bart ist grau. Seine vermummten Henker führen ihn eine Treppe hoch, er ist gefesselt. Das Gesicht des Mannes zeigt kaum eine Regung, als ihm die Männer den Strick um den Hals legen und die Schlinge festziehen.
Die Hinrichtung verläuft nach offizieller Darstellung schnell und ruhig. Bereits mit der Schlinge um den Hals auf der Falltür stehend, spricht Saddam Hussein seine letzten Worte, die zweizeilige Schahada der Sunniten: „Es gibt keine Gottheit außer Allah. Mohammed ist der Prophet Allahs.“ Noch während der ersten Wiederholung öffnet sich die Falltür, als er das Wort Mohammed ausspricht. Die inoffizielle Filmaufnahme zeigt entgegen der offiziellen auch, wie Saddam Hussein durch Genickbruch stirbt und unmittelbar nach der Hinrichtung am Galgen hängt.
Die gesamte Hinrichtung wird offiziell von den irakischen Behörden gefilmt und auf Fotos festgehalten. Entsprechende Aufnahmen, die die letzten Minuten Husseins, nicht jedoch die Exekution zeigen, sind wenig später weltweit in zahllosen Medien zu sehen.
Eine im Internet kursierende Amateuraufnahme der Hinrichtung zeigt, dass Personen im Raum Saddam Hussein beschimpfen, er werde „direkt in die Hölle gelangen“, woraufhin dieser antwortet: „Irak ist nichts ohne Saddam“. Ebenso wird der radikale irakische Schiiten-Führer Muqtada as-Sadr, einer der größten Gegner Saddam Husseins, durch die unbekannten Personen bejubelt.
Die verwackelten Bilder zeigen einen Mann, der seltsam unbeteiligt wirkt, obwohl er weiß, dass er gleich sterben wird. Er trägt einen langen schwarzen Mantel über dem weißen Hemd, der Bart ist grau. Seine vermummten Henker führen ihn eine Treppe hoch, er ist gefesselt. Das Gesicht des Mannes zeigt kaum eine Regung, als ihm die Männer den Strick um den Hals legen und die Schlinge festziehen.
Die Hinrichtung verläuft nach offizieller Darstellung schnell und ruhig. Bereits mit der Schlinge um den Hals auf der Falltür stehend, spricht Saddam Hussein seine letzten Worte, die zweizeilige Schahada der Sunniten: „Es gibt keine Gottheit außer Allah. Mohammed ist der Prophet Allahs.“ Noch während der ersten Wiederholung öffnet sich die Falltür, als er das Wort Mohammed ausspricht. Die inoffizielle Filmaufnahme zeigt entgegen der offiziellen auch, wie Saddam Hussein durch Genickbruch stirbt und unmittelbar nach der Hinrichtung am Galgen hängt.
Der Leichnam wird in Saddam Husseins Geburtsort, dem Dorf al-Audscha nahe Tikrit, beigesetzt. Es nehmen rund 100 Personen an der Bestattung teil, darunter auch der Gouverneur der Provinz Salah ad-Din. Die Beisetzung erfolgt gemäß islamischen Glaubensvorschriften binnen 24 Stunden nach dem Tod. Hussein wird unter der Kuppel eines Grabmals beigesetzt, das er für sich hat bauen lassen und sich direkt neben der nach ihm benannten Saddam-Moschee befindet. In der Nähe sind seine beiden Söhne Udai und Qusai, die bereits 2003 von amerikanischen Soldaten bei einem Gefecht getötet worden sind, beerdigt. In den Städten der Provinz kommt es zu Demonstrationen für Hussein. Irakische Polizisten hindern jedoch die Bevölkerung daran, zum Grab zu fahren. Die Familie Saddams will in der Nähe der Moschee eine Bibliothek und eine Koranschule errichten lassen
Das gewählte Hinrichtungsdatum wird in der islamischen Welt scharf kritisiert, da sie an einem islamischen Feiertag, dem Opferfest, vollstreckt wird. Es werden außerdem Terroranschläge als Reaktion auf die Hinrichtung Husseins befürchtet.
Das im Internet veröffentlichte nicht offizielle Hinrichtungsvideo löst ein bestürztes Medienecho aus. Für die BBC bezeichnet World Affairs Editor John Simpson den Verlauf als „hässlich und erniedrigend“. Es erinnere an öffentliche Hinrichtungen des 18. Jahrhunderts-
Der Prozess, das Urteil und die Hinrichtung spalten die irakische Gesellschaft. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit, aber auch viele Kurden jubeln über den Tod ihres Unterdrückers.
Ban Ki-moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, sorgt überraschend für einen Eklat, indem er in einer Stellungnahme zur Hinrichtung erklärt, es stehe einem Land frei, über Hinrichtungen zu entscheiden. Damit tangiert Ban die bereits 1948 von seiner Organisation verabschiedete Deklaration der Menschenrechte, die das Recht jedes Menschen auf Leben verbrieft. Bei einer Pressekonferenz erklärt eine Mitarbeiterin anschließend prompt, dass Hinrichtungen von den Vereinten Nationen weiterhin abgelehnt würden. Bans Heimat Südkorea zählt zu den Mitgliedern der Vereinten Nationen, in denen die Todesstrafe angewandt wird.
George W. Bush (Präsident der USA) spricht von einer "gerechten Strafe". Die Hinrichtung sei das Ergebnis einer Rechtsprechung, die der irakische Expräsident „den Opfern seines brutalen Regimes“ vorenthalten habe, sagt Bush in der Nacht auf seinem Landsitz in Texas.
Ausdrücklich begrüßt wird der Vollzug des Todesurteils im Iran und in Kuwait, während ein Vertreter der Palästinenser von politischem Mord spricht und der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi eine dreitägige Staatstrauer für sein Land anordnet. Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres vergleicht Saddams Hinrichtung mit dem Ende Adolf Hitlers. Der Tod des Ex-Diktators, der eine Gefahr für den Nahen Osten und den Weltfrieden dargestellt habe, sei wie der Hitlers vorhersehbar gewesen.
Auch Staaten wie Iran und Kuwait, gegen die Hussein Krieg geführt hat, begrüßen das Urteil.
EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel verurteilt die Hinrichtung noch am selben Tag indirekt als „barbarisch“. Zudem äußerte er die Befürchtung, dass die Vollstreckung des Urteils Hussein zu einem Märtyrer machen könne.
EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner sagte der Tod Saddam Husseins habe ein „langes und schmerzhaftes Kapitel in der Geschichte des Irak“ geschlossen. Seine Karriere und sein Vermächtnis zeige die „Sinnlosigkeit einer Politik der Gewalt und des Terrors“.
Für die deutsche Bundesregierung zeigt Gernot Erler (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, zwar Verständnis für die Zustimmung betroffener Iraker, fügt jedoch im RBB-Inforadio hinzu: „Aber wir wenden uns gegen die Todesstrafe, egal wo sie angewandt wird.“
Die britische Regierung wiederum kritisiert die Hinrichtung aus prinzipiellen Gründen. „Wir treten für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ein, unabhängig von dem jeweiligen Verbrechen“, erklärt Außenministerin Margaret Beckett. Großbritannien habe seine Ablehnung der Todesstrafe „der irakischen Regierung sehr deutlich klargemacht, allerdings respektieren wir deren Position“, fügt die Ministerin hinzu.
Vom Vatikan wird die Hinrichtung ebenfalls scharf verurteilt. Vatikansprecher Federico Lombardi sagt, es handele sich um „eine tragische Nachricht“, und benutzt das Wort „Ermordung“. Weiter sagt er, es bestehe „das Risiko, dass dies den Geist der Rache noch anstachelt und neue Gewalt sät“. Der Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kurienkardinal Renato Raffaele Martino, sagt gegenüber Radio Vatikan: „Ich hatte in den vergangenen Tagen gehofft, dass man es für angemessen halten würde, das Todesurteil nicht zu vollstrecken. Ich hoffe und bete, dass dieser letzte Akt nicht dazu beiträgt, die bereits kritische Situation im Irak weiter zu verschlimmern, einem Land, das von vielen Spaltungen und Bruderkämpfen gezeichnet ist.“
Andere Staaten kritisieren weniger das Verfahren als die Anwendung der Todesstrafe. Sie befürchten neue Gewalttaten und dass Saddam zum Märtyrer werden könnte.
Russland warnt wegen der Hinrichtung Saddam Husseins vor einer weiteren Verschärfung der Lage im Irak. Gleichzeitig bedauert ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau, dass die internationalen Bitten um eine Aussetzung der Hinrichtung ungehört verhallt seien. „Russland ist wie viele andere Länder prinzipiell gegen die Todesstrafe, aus welchen Motiven diese auch verhängt worden sein mag“, heißt es in der Stellungnahme.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki zeigt sich über die internationale Kritik erbost: „Die irakische Regierung sollte vielleicht ihre Beziehungen zu den Regierungen überdenken, die den Willen des irakischen Volkes nicht respektieren.“
Der Irak wird nach dem Tod Saddams von einem Bürgerkrieg mit etlichen Anschlägen erschüttert. Die sunnitische Bevölkerung protestiert gegen die Hinrichtung. Saddam war nicht nur Sunnit, er hat auch viele Sunniten in wichtige Positionen gebracht, die sie nach der Invasion der USA verloren haben. Durch die Invasion der USA wurde bereits die Bildung zahlreicher Widerstandsgruppen ausgelöst, die sowohl gegen Besatzer als auch gegen die neue schiitische dominierte Zentralregierung kämpfen.
Die Milizen rekrutieren sich nicht unwesentlich aus ehemaligen Soldaten, Offizieren und Geheimdienstlern Saddams, die entlassen worden sind und in den sunnitisch geprägten Norden gehen, der von der Zentralregierung benachteiligt wird.
Unter den neuen Gruppierungen ist auch eine sunnitische Organisation, die sich im Irak zunächst der terroristischen Organisation Al-Qaida anschließt. Später wird die Zusammenarbeit abgebrochen und die Gruppe nennt sich ISIS (ISIL) und erobert weite Teile des Iraks und Syriens. In der nördlichen Metropole Mossul, einer Hochburg der Saddam-Anhänger, ruft die um 2004 gebildete Terrormiliz bereits 2006 das Islamische Emirat Irak aus und beginnt seine Terrorserie gegen Vertreter der Zentralmacht und die Besatzung. Auch nach dem Abzug halten die Anschläge an. Die Lage im Nordirak verschlimmert sich weiter.
2. Januar 2007. Staatsanwalt Munkith al-Farun, der bei der Hinrichtung anwesend war, erklärt, dass hochrangige irakische Regierungsmitarbeiter den Mitschnitt unerlaubt mit einem Handy gedreht hätten. Das Hinrichtungsvideo entwickelt sich in den folgenden Tagen insbesondere im Süden Bagdads, in dem zahlreiche Schiiten leben, zum Verkaufsschlager.
3. Januar 2007. Die Anwälte Saddam Husseins fordern wegen dem Video in einem Brief an Ban Ki-moon eine Untersuchung und verweisen erneut auf die Genfer Konventionen, die mehrfach nicht auf den Kriegsgefangenen angewandt worden seien. In dem Schreiben wird außerdem vermutet, einige der ärgsten Feinde Saddams könnten „in einem üblen Handel mit der Besatzungsmacht das Privileg erhalten haben, bei der Tötung selbst Hand anzulegen“. Es soll daher ebenfalls untersucht werden, wer die vermummten Henker waren. Auch andere irakische Beobachter kritisieren das Verfahren.
Juli 2009. Es werden die Vernehmungen des FBIs aus dem Jahre 2004 vom National Security Archive veröffentlicht. Saddam Hussein nannte als seine Feinde den Iran und al-Qaida, als potentiellen Verbündeten betrachtete er das Regime in Nordkorea. Als große Fehler nannte er u. a. das Vernichten der Massenvernichtungswaffen in den 1990ern, die er sonst im Irak-Krieg 2003 hätte einsetzen können. Hussein gab des Weiteren Details zu den Golfkriegen weiter. Nicht enthalten in den FBI-Berichten waren jedoch Aussagen zur Beziehung zwischen dem Irak und den USA in den 1980ern, zu den Chemiewaffenangriffen und der CIA-Rolle beim Baath-Aufstieg.
2011. Der irakische Informant Rafid Ahmed Alwan El-Dschanabi, der dem Bundesnachrichtendienst unter dem Codenamen „Curveball“ vor dem Irak-Krieg die Informationen über vermeintliche Biowaffen und geheime Massenvernichtungsanlagen geliefert hat, gesteht gegenüber dem britischen Guardian, dass seine Angaben hierzu gelogen waren. El-Dschanabi begründet seine Lügen damit, dass er die Chance gehabt habe, „etwas zu fabrizieren, um das Regime zu stürzen“.
2014. Nach vielen Eroberungen in Syrien und im Irak, ruft der selbsternannte Islamische Staat in Mossul das Kalifat von Abu Bakr al-Baghdadi aus und verübte etliche Massaker an Minderheiten, aber auch an Muslimen. Später kämpfen irakische Truppen, kurdische Kämpfer, schiitische Milizen und eine internationale Allianz um die Rückeroberung Mossuls.
Selbst nach der angestrebten Vertreibung des IS aus dem Irak bleibt jedoch ein Problem bestehen: der ungelöste Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Vor allem unter den Sunniten, die das Land unter Saddam regierten, findet der einstige Diktator noch viele Anhänger. Mitglieder von Saddams Baath-Partei und Ex-Angehörige der Armee haben sich mit dem IS zusammengetan. Erst dieses Bündnis macht die militärischen Erfolge der Terrormiliz im Irak möglich.
Selbst nach der angestrebten Vertreibung des IS aus dem Irak bleibt jedoch ein Problem bestehen: der ungelöste Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Vor allem unter den Sunniten, die das Land unter Saddam regierten, findet der einstige Diktator noch viele Anhänger. Mitglieder von Saddams Baath-Partei und Ex-Angehörige der Armee haben sich mit dem IS zusammengetan. Erst dieses Bündnis macht die militärischen Erfolge der Terrormiliz im Irak möglich.
In diesem Jahr wird auch Saddam Husseins Leichnam von seinen Anhängern an einen unbekannten Ort umgebettet.
März 2015. Das Grabmal Husseins wird bei Kämpfen zwischen dem Islamischen Staat und irakischen Streitkräften zerstört.
Dezember 2016. Zehn Jahre nach Saddams Tod steht das Land so desaströs da wie selten zuvor in seiner Geschichte. Der Islamische Staat kontrolliert noch immer größere Gebiete. Wo die Armee und ihre Verbündeten den IS verjagt haben, bleiben nicht nur zerbombte Orte zurück, sondern auch zerstörte Gesellschaften. Zehntausende sind seit 2003 gestorben, drei Millionen Menschen vertrieben. Zwar gibt es im Irak heute Wahlen, doch trotzdem regiert die Mehrheit der Schiiten das Land gegen die Minderheit der Sunniten, von denen sich viele diskriminiert fühlen. In großen Teilen des Iraks sind längst schiitische Milizen die eigentlichen Herrscher, nicht die offiziellen Sicherheitskräfte der Regierung in Bagdad. Nicht wenige im Irak sehnen sich deshalb nach den Zeiten unter Saddam zurück, wo das Leiden zwar groß war, doch viele Menschen zumindest das Gefühl hatten, in Sicherheit zu leben.
Dezember 2016. Zehn Jahre nach Saddams Tod steht das Land so desaströs da wie selten zuvor in seiner Geschichte. Der Islamische Staat kontrolliert noch immer größere Gebiete. Wo die Armee und ihre Verbündeten den IS verjagt haben, bleiben nicht nur zerbombte Orte zurück, sondern auch zerstörte Gesellschaften. Zehntausende sind seit 2003 gestorben, drei Millionen Menschen vertrieben. Zwar gibt es im Irak heute Wahlen, doch trotzdem regiert die Mehrheit der Schiiten das Land gegen die Minderheit der Sunniten, von denen sich viele diskriminiert fühlen. In großen Teilen des Iraks sind längst schiitische Milizen die eigentlichen Herrscher, nicht die offiziellen Sicherheitskräfte der Regierung in Bagdad. Nicht wenige im Irak sehnen sich deshalb nach den Zeiten unter Saddam zurück, wo das Leiden zwar groß war, doch viele Menschen zumindest das Gefühl hatten, in Sicherheit zu leben.
Bilder aus Wikimedia Commons
Saddam Hussein, Lizenz: Public Domain, Urheber: Iraqi News Agency, eine Organisation des abgesetzten früheren Regimes
Quellen
30.12.2016, Tagesschau, Zehn Jahre Saddam-Tod, Öl ins Feuer
30.12.2016, Zeit, Richter Rizgar Amin, "Ich wollte keine Polit-Show im Gerichtssaal"
30.12.2016, n-tv, Tod vor zehn Jahren, Saddam war "ein gebrochener Mann"
05.11.2016, n-tv, Saddan Hussein vor Gericht, Dieses Todesurteil hallt bis heute nach
30.12.2016, Zeit, Richter Rizgar Amin, "Ich wollte keine Polit-Show im Gerichtssaal"
30.12.2016, n-tv, Tod vor zehn Jahren, Saddam war "ein gebrochener Mann"
05.11.2016, n-tv, Saddan Hussein vor Gericht, Dieses Todesurteil hallt bis heute nach
