| Jörg Asmussen |
Der deutsche Ökonom Jörg Asmussen wurde am 31. Oktober 1966 in Flensburg geboren.
Er ist Mitglied der politischen Partei Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
Jörg Asmussen zog als einer der führenden Finanzmanager der Bundesrepublik Kritik auf sich. Sie begann mit dem Verdacht eines Interessenkonflikts, weil er als Finanzpolitiker Aufsichts- und Kontrollfunktionen innehielt, die auch den Börsenhandel umfassten, seine Ex-Frau Henriette Peucker aber in der Führung der Deutschen Börse saß.
Das größere Problemfeld bestand in Asmussens miteinander vermischten verschiedenen Funktionen als Entscheider. So war er als Leiter der BaFin von Regierungsseite aus berufen worden, den freien Finanzmarkt zu kontrollieren und in Schranken zu weisen, saß jedoch selbst im Aufsichtsrat einer Bank (der IKB). Zudem war er in beratender Funktion für die Finanzinstitute tätig (TSI). Als die IKB falsch beraten in die Zahlungsunfähigkeit kam, sprang die bundeseigene KfW ein. Auch in deren Aufsichtsrat saß Asmussen.
Als Befürworter der Deregulierung der Finanzmärkte und des Kaufs von ABS und Finanzderivaten war Asmussen ein Kind des Finanzbooms vor 2007. Als die Krise mit dem Zusammenbruch mehrerer Banken begann, wurden gerade die Geschäfte mit diesen hochkomplexen oder riskanten Papieren als Ursachen für den Crash ausgemacht. Kritikern ist es deswegen unverständlich, warum Asmussen in das EZB-Direktorium berufen wurde und die Krise aus hoher Warte managen sollte, die er selbst mit heraufbeschwor. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt ihn „zu clever, um eigene Fehler zu bestreiten“.
Mandate in Aufsichtsräten
Jörg Asmussen war – meist aufgrund seiner Funktionen im Bundesministerium der Finanzen – und ist Mitglied verschiedener Aufsichtsräte:
- Deutsche Postbank AG (bis 2008)
- Euler Hermes Kreditversicherungs AG (bis 2008)
- Deutsche Bahn AG (bis 2009)
- Deutsche Telekom (bis 2011)
- IKB Deutsche Industriebank (bis 2008)
- Funding Circle, britische Kredit-Plattform (ab 2016)
Asmussens Lebensgefährtin war bis 2016 Henriette Peucker, die von Januar 2003 bis März 2010 die Berliner Repräsentanz der Deutschen Börse leitete. Seit April 2010 ist sie bei einer Kommunikationsberatung beschäftigt. Aufgrund dieser Beziehung wurde ihm der Vorwurf möglicher Interessenkonflikte und Befangenheit entgegengebracht. Asmussen ist Vater zweier Töchter.
Leben
31. Oktober 1966. Jörg Asmussen wird in Flensburg geboren.
Nach dem Abitur an der Goethe-Schule in Flensburg studiert Asmussen Volkswirtschaftslehre in Gießen und Bonn (u. a. bei dem Professor für Internationale Ökonomie Axel A. Weber) und erwirbt zusätzlich einen MBA an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi.
1996. Er beginnt seine Karriere im Bundesministerium der Finanzen unter Finanzminister Theo Waigel als Referent für internationale Finanz- und Währungspolitik.
1998. Als nach dem Regierungswechsel Oskar Lafontaine das Finanzministerium übernimmt, wird er Persönlicher Referent des neuen Staatssekretärs Heiner Flassbeck. Die Kompetenz Asmussens wird von Flassbeck als „mittelmäßig“ eingeschätzt und Asmussen nicht für hohe Aufgaben empfohlen.
März 1999. Nach dem Rücktritt Oskar Lafontaines macht ihn der neue Minister Hans Eichel zum Leiter seines Ministerbüros.
2002. Asmussen nutzt seinen Einfluss damit sein früherer Lehrmeister Axel Weber in den Kreis der fünf Wirtschaftsweisen der Bundesregierung berufen wird.
2003. Bundesfinanzminister Hans Eichel macht ihn zum Ministerialdirektor.
1. März 2003. Nach einer kurzen Zeit als Unterabteilungsleiter in der Europaabteilung übernimmt Asmussen die Leitung der Abteilung für Nationale und Internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik.
Asmussen überzeugt Eichel von der Idee, seinen früheren Lehrmeister Axel Weber zum neuen Präsidenten der Deutschen Bundesbank als Nachfolger des im April 2004 zurückgetretenen Ernst Welteke zu machen.
2005 bis 2009. Während der Großen Koalition (CDU/CSU/SPD) von 2005 bis 2009 setzt sich Asmussen dafür ein, die Punkte des Abbaus „überflüssige[r] Regulierungen“ und den „Ausbau des Verbriefungsmarktes“ für den Finanzmarkt aufzunehmen.
Als Mitglied im Aufsichtsrat, unter anderem bei der IKB Deutsche Industriebank, setzt er sich offen für den Kauf US-amerikanischer Hypothekendarlehen und einen Ausbau des Handels mit forderungsbesicherten Wertpapieren (englisch asset-backed securities, Abkürzung ABS) ein. Diese Formen des Börsenhandels führen die IKB in die Krise und gelten als Auslöser der Finanzkrise ab 2007.
In seiner Eigenschaft als Abteilungsleiter und später Staatssekretär ist Asmussen Mitglied im Aufsichtsrat der IKB sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), also zweier Bankhäuser, und zudem Verwaltungsratsvorsitzender der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), einer Organisation, die den Banken riskanten Handel mit Wertpapieren verbieten soll. Daraus entsteht der Vorwurf vieler Kritiker, Asmussen sitze in Kontrollgremien, die seine eigenen Geschäfte kontrollieren.
Asmussen ist zudem im Auftrag des Ministeriums Mitglied im Gesellschafterbeirat der Finanz-Lobbyorganisation True Sale International GmbH (TSI), die sich für den Ausbau des deutschen Verbriefungsmarktes über forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) einsetzt. Probleme mit diesen forderungsbesicherten Wertpapieren gelten als eine der Hauptursachen für die Finanzkrise ab 2007.
2007 bis 2009. Peer Steinbrück macht ihn in der Bankenkrise zum Staatssekretär.
Sommer 2007. Die IKB gerät infolge der Krise am US-amerikanischen Subprime-Markt in eine Schieflage. Zur Rettung stellt die staatseigene Förderbank KfW Milliarden zur Verfügung. Asmussen setzte sich stark dafür ein, jene Papiere zu kaufen, die später die Krise der IKB auslösten.
1. Juli 2008. Jörg Asmussen wird zum beamteten Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ernannt und löst Thomas Mirow ab.
2009. Wolfgang Schäuble (CDU) wird Finanzminister. Er hält Asmussen im Amt obwohl er das „falsche“ Parteibuch hat und überlässt ihm unter anderem die Verantwortung zur Politik gegenüber Griechenland während dessen Finanzkrise.
Jörg Asmussen sitzt im Lenkungsausschuss des Bankenrettungsfonds SoFFin, im Verwaltungsrat der Finanzaufsichtsbehörde BaFin und im „Wirtschaftsfonds Deutschland“, der ohne parlamentarische Kontrolle über Staatsbürgschaften für Unternehmen entscheidet. Er ist außerdem eines von sechs Mitgliedern der Expertengruppe „Neue Finanzmarktarchitektur“. Dieses Gremium sollt Vorschläge für neue Finanzmarktregeln (Finanzmarktregulierungen) entwerfen, die unter anderem eine Erhöhung der Markttransparenz zum Ziel haben.
10. September 2011. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kündigt nach dem Rücktritt des bisherigen Chefvolkswirtes der Europäischen Zentralbank Jürgen Stark an, dass sich die Bundesregierung für die Besetzung des Postens mit Jörg Asmussen einsetzen werde.
23. Oktober 2011. Die offizielle Ernennung in das EZB-Direktorium erfolgt durch den Europäischen Rat in Brüssel. Entgegen der ursprünglichen Planung und den Wünschen der Bundesregierung übernimmt Peter Praet die Position des EZB-Chefvolkswirts, das Direktorium entscheidet, dass Asmussen das Ressort Internationales erhalten wird.
1. Januar 2012. Er tritt die achtjährige Amtszeit eines Mitglieds des Direktoriums der Europäischen Zentralbank an. Sein Nachfolger im Finanzministerium ist Thomas Steffen.
August 2012. Asmussen vertritt eine andere Position als Bundesbankpräsident Jens Weidmann: Das neue Programm zum Ankauf von Staatsanleihen sei vereinbar mit dem Auftrag der EZB. „Wir agieren innerhalb unseres Mandates, das vorrangig darauf ausgerichtet ist, Preisstabilität auf mittlere Sicht für den gesamten Euro-Raum zu garantieren. Nur eine Währung, an deren Fortbestehen es keinen Zweifel gibt, kann stabil sein.“ Diese Politik der EZB ist im Zusammenhang mit der Nichtbeistands-Klausel umstritten.
Ende Oktober 2013. Asmussen schließt aus, möglicherweise als Finanzminister einer großen Koalition nach Berlin zu wechseln. „Meine Amtszeit in der EZB endet Ende 2019. Ich habe die Absicht, sie zu erfüllen“.
17. Dezember 2013. Andrea Nahles wird im Kabinett Merkel III als Bundesarbeitsministerin und damit als Nachfolgerin von Zensursula in diesem Amt vereidigt. Überraschend wechselt Jörg Asmussen (EZB-Direktor) nach knapp zwei Jahren als beamteter Staatssekretär ins Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Dort ist er unter anderem für Fragen der Alterssicherung zuständig.
Spekulationen über ein angebliches Zerwürfnis mit Notenbankpräsident Mario Draghi weist er zurück und sagt, sein Entschluss habe ausschließlich private Gründe:
"Der Dienstsitz Frankfurt und die häufigen Dienstreisen sind mit dem Familienwohnsitz Berlin und insbesondere meinen beiden sehr jungen Kindern auf Dauer nicht zu vereinbaren." Dass es Spekulationen über andere Motive gebe, liege daran, "dass es immer noch als ungewöhnlich empfunden wird, sich als Mann für seine Familie zu entscheiden".
Seine Entscheidung sorgt auch deshalb für Aufsehen, weil er nach Jürgen Stark und Axel Weber bereits der dritte deutsche Vertreter ist, der vorzeitig aus dem EZB-Rat ausscheidet. Kritiker werfen Asmussen deshalb vor, die Position Deutschlands in der Notenbank weiter zu schwächen. Auch wird spekuliert, er ziehe sich aus Frust darüber zurück, dass er sich mit seinen Positionen EZB-intern wiederholt nicht habe durchsetzen können.
Asmussen kennt seine künftige Dienstherrin Nahles nach eigenem Bekunden schon lange. "Wir haben sogar einige Jahre in der gleichen Straße in Berlin gewohnt und dort dasselbe Restaurant besucht", erklärt er. Nahles habe ihn vergangenen Donnerstag angerufen, als er dienstlich in Belgrad gewesen sei und ihm persönlich das Angebot gemacht, Staatssekretär zu werden. "Ich habe dieses Angebot gerne angenommen"
Juni 2013. Asmussen verteidigt das Anleihekaufprogramm OMT vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.
Anfang 2016. Sein Amt übernimmt die frühere Generalsekretärin der SPD, Yasmin Fahimi. Asmussen geht danach in den einstweiligen Ruhestand.
März 2016. Es wird bekannt, dass Asmussen ab Ende März Mitglied des Aufsichtsrats der im Jahr 2010 gegründeten britischen Peer-to-Peer-Kredit-Plattform Funding Circle wird.
Ab 1. September 2016. Asmussen arbeitet für die Investmentbank Lazard, wo er Regierungen und die öffentliche Hand sowie große Unternehmen in Europa berät.
Bilder aus Wikimedia Commons
Jörg Asmussen, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Urheber: Martin Jost
Quellen