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| Bei Palomares aus dem Meer geborgene Wasserstoffbombe |
Palomares ist eine kleine Ortschaft in Spanien und gehört zu der Gemeinde Cuevas del Almanzora. Sie liegt an der Südostküste zwischen Almeria und Cartagena. 1966 hatte Palomares etwa 2000 Einwohner. 2011 waren es noch 1668 Einwohner.
17. Januar 1966. Bei einem Auftankmanöver in 9000 Metern Höhe über Palomares kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem US-amerikanischen B52G-Bomber der 68th Bomb Wing und einem KC-135-Tankflugzeug mit 150.000 Liter Treibstoff an Bord. Es kam zu einer Explosion. Beide Flugzeuge stürzten ab.
Die 4 Besatzungsmitglieder des Tankflugzeuges starben. 5 von 7 Mitgliedern der Bomberbesatzung gelang der Ausstieg mit dem Schleudersitz. Bei einem öffnete sich jedoch der Fallschirm nicht. Insgesamt starben also 7 von 11 Soldaten. Einem der Soldaten gelang die Landung auf dem Festland. Die drei anderen wurden mehrere Kilometer von der Küste entfernt durch spanische Fischer gerettet.
An Bord des Bombers befanden sich 4 Wasserstoffbomben vom Typ B28RI mit je einem 1,45 Megatonnen-Gefechtkopf, der 5000fachen Sprengkraft der Hiroshimabombe. Eine der Bomben landete ohne Schaden zu nehmen in dem bewohnten Gebiet von Palomares. Bei zwei davon verhinderten die Sicherheitsvorkehrungen eine atomare Explosion. Die nichtnuklearen Zünder mit den hochexplosiven, konventionellen Sprengladungen detonierten jedoch wodurch Bombenbruchstücke und etwa 20 Kilogramm Plutoniumstaub über ein Gebiet von ca. 170 Hektar Agrarland verteilt worden.
Danach folgte die bis dahin größte zivile Aufräumaktion des US-amerikanischen Militärs. Sie dauerte etwa 3 Monate. Beteiligt waren daran mehr als 33 Kriegsschiffe der US-Marine die das Gebiet abriegelten und 3000 US-Soldaten. Sie mussten Erdschichten abtragen und strahlende. Wrackteile bergen. 5500 Fässer wurden mit etwa 1400 Tonnen radioaktiv verseuchter Erde und Pflanzen der Tomatenplantagen gefüllt und mit dem Schiff USNS Boys in die USA nach Aiken, South Carolina auf das Gelände des Savanna River Site zur Entsorgung gebracht. Gründlich genug war diese Säuberungsaktion nicht wie immer wieder neu entdeckte verseuchte Gebiete zeigen. Die radioaktive Plutoniumwolke soll auch in die nahen Berge abgetrieben worden sein.
Danach folgte die bis dahin größte zivile Aufräumaktion des US-amerikanischen Militärs. Sie dauerte etwa 3 Monate. Beteiligt waren daran mehr als 33 Kriegsschiffe der US-Marine die das Gebiet abriegelten und 3000 US-Soldaten. Sie mussten Erdschichten abtragen und strahlende. Wrackteile bergen. 5500 Fässer wurden mit etwa 1400 Tonnen radioaktiv verseuchter Erde und Pflanzen der Tomatenplantagen gefüllt und mit dem Schiff USNS Boys in die USA nach Aiken, South Carolina auf das Gelände des Savanna River Site zur Entsorgung gebracht. Gründlich genug war diese Säuberungsaktion nicht wie immer wieder neu entdeckte verseuchte Gebiete zeigen. Die radioaktive Plutoniumwolke soll auch in die nahen Berge abgetrieben worden sein.
Die vierte Bombe konnte erst nach 81 Tagen am 7. April 1966 im Meer in 869 Meter Tiefe mit Hilfe des Bergungs-U-Bootes DSV Alvin geborgen werden. Diese Bergungsoperation kostete alleine 6 Mio. US-Dollar.
Der Unfall führte zu Protesten von Atomwaffen- und Atomenergiegegnern. Es kam zu diplomatischen Verwicklungen zwischen den USA und Spanien. Vier Tage danach, am 21. Januar 1966, gab die spanische Regierung bekannt dass in Zukunft keine Flüge von Flugzeugen der NATO mehr genemigt würden. Am 29. Januar 1966 kam es zu einem formellen Verbot. Zusammen mit dem Absturz eines B52-Bombers mit Atomwaffen bei der Thule Air Base am 21. Januar 1968 bei der auch radioaktive Stoffe freigesetzt wurden und nicht alle Teile der Wasserstoffbomben wiedergefunden werden konnten führte das schließlich zur Einstellung der Atombomber-Strategie der USA die unter dem Namen "Operation Chrome Dome" gelaufen war.
Evakuiert wurde am Schauplatz des bislang größten Unfalls mit Atomwaffen niemand. Die zu dem Zeitpunkt etwa 2000 Bewohner von Palomares dienen seither als Versuchskaninchen für Wissenschaft und sind unfreiwillige Teilehmer eines Langzeitexperiments. Einmal im Jahr werden sie auf Regierungskosten mit einem Sammeltaxi nach Madrid chauffiert. Zusätzlich bekommen sie Hotel und Abendessen bezahlt. Insgesamt 250 Euro pro Person. Ihnen wird Blut und Urin abgenommen. Sie werden auf Tumore getestet. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden vor der Öffentlichkeit und den Bewohnern geheim gehalten. Sie bekommen nur gesagt dass sie gesund wären.
Evakuiert wurde am Schauplatz des bislang größten Unfalls mit Atomwaffen niemand. Die zu dem Zeitpunkt etwa 2000 Bewohner von Palomares dienen seither als Versuchskaninchen für Wissenschaft und sind unfreiwillige Teilehmer eines Langzeitexperiments. Einmal im Jahr werden sie auf Regierungskosten mit einem Sammeltaxi nach Madrid chauffiert. Zusätzlich bekommen sie Hotel und Abendessen bezahlt. Insgesamt 250 Euro pro Person. Ihnen wird Blut und Urin abgenommen. Sie werden auf Tumore getestet. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden vor der Öffentlichkeit und den Bewohnern geheim gehalten. Sie bekommen nur gesagt dass sie gesund wären.
Die Provinz Almeria weist eine überdurchschnittlich hohe Krebsrate auf welche von Wissenschaftlern mit dem Einsatz von Pesitziden begründet wird. Eine Verbindung zur Radioaktivität soll sich nicht nachweisen lassen. (Anm. Gar Nix: "Naja wie auch wenn man die Unterlagen zurückhält). Die Bewohner bekamen insgesamt 1,5 Millionen Euro als Entschädigung von den USA.
Im Arzneimittelwerk in Palomares fängt sich immer wieder Americium. Vor Palomares wurde radioaktives PLankton aus dem Meer gefischt. Auf Druck der Bevölkerung wurden daher von der Energiebehörde 660 Hektar Land noch einmal genau nachgemessen. Nicht nur zweidimensional. Auch in der Tiefe. In einer dreidimensionalen Karte wurden 300.000 Messpunkte eingetragen. Dabei wurde festgestellt dass die radioaktive Belastung gößer und weiter verbreitet als vorher angenommen ist. Man geht davon aus dass sich die Lage verschlimmert weil das Plutonium in flüchtige Bestandteile zerfällt die durch die Luft übertragen werden können.
Nach dem Unfall wollte niemand mehr Tomaten und Fisch aus der Region essen. Heute ist die Haupteinnahmequelle der Region Almerá die landwirtschaftliche Produktion in Gewächshäusern. Das Gemüse wird zusätzlich mit Pestiziten verseucht hauptsächlich nach Deutschland verkauft (Wikipedia - Provinz Almería).
Chronik
24. Februar 2011. Nachdem bei Wikileaks Dokumente darüber gefunden wurden dass sich die USA an der Dekontamination von Palomares nicht beteiligen wird folgende Anfrage an das Europäische Parlament gerichtet.
"Laut einem Bericht der spanischen Tageszeitung El País vom 10. Dezember 2010 zeigen von WikiLeaks veröffentlichte Depeschen, dass sich die USA an der Dekontamination von Palomares nicht beteiligen werden, obwohl dort nach wie vor 0,5 kg Plutonium lagern und ungefähr 50 000 m³ Boden kontaminiert sind. Die Depeschen machen deutlich, dass sich die USA sehr wohl ihrer 1969 in einem schriftlichen Dokument eingegangenen Verpflichtung bewusst sind. Dennoch teilten sie Spanien am 16. November des vergangenen Jahres in einer Verbalnote mit, dass weitere Untersuchungen nötig seien und sie aus diesem Grund zurzeit ihren Anteil an der Dekontamination nicht zahlen würden. Im Jahr 1997 hatte sich das Energieministerium der USA verpflichtet, 25 % der jährlichen Ausgaben des spanischen Forschungszentrums CIEMAT für die Umweltüberwachung und medizinische Kontrolle bis zu einer Höhe von jährlich 300 000 USD zu übernehmen. Doch ab 2007 stellten die USA ihre Zahlungen ein. Im Jahr 2001 stellte CIEMAT eine Strahlenbelastung fest, die das zulässige Maß um das 20-fache überstieg. Im Jahr 2007 räumte CIEMAT in einem vorläufigen Bericht ein, dass auch Flächen außerhalb des abgezäunten und geräumten Gebiets kontaminiert sind, und der spanische Rat für nukleare Sicherheit (CSN) erklärte, dass die gemessene Kontamination die für die Öffentlichkeit zulässigen Grenzwerte überschreiten könnte, was die vollständige bzw. teilweise Einschränkung der Bodennutzung nach sich zog. Im Dezember 2008 wurde die Studie fertig gestellt, allerdings von der spanischen Regierung bis heute noch nicht veröffentlicht. Aus den Schlussfolgerungen ergibt sich jedoch, dass 50 000 m³ Boden durch insgesamt 0,5 kg Plutonium kontaminiert sind.
Wie beurteilt die Kommission diese von WikiLeaks veröffentlichte Depesche?
Ist es wahr, dass die USA ihren finanziellen Beitrag zur Dekontamination von Palomares eingestellt haben? Wenn ja: Wie steht die Kommission zum geschilderten Verhalten der USA?
Hat die spanische Regierung die EU ersucht, die USA zur Begleichung ihres finanziellen Beitrags aufzufordern?
In Spanien gibt es derzeit weder eine Anlage zur Lagerung der kontaminierten Rückstände noch ist die Errichtung einer solchen geplant. Wie beurteilt dies die Kommission?
Ist die Kommission der Meinung, dass die spanische Regierung den vom CNS an CIEMAT übermittelten Bericht veröffentlichen hätte müssen? Ist der Kommission der Inhalt dieses Berichts bekannt?" (http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+WQ+E-2011-000254+0+DOC+XML+V0//DE)
2010. Es wird eine erneute Dekontamination des Gebiets gefordert. Die Erde eines Gebietes von 25 Quadratkilometern soll unter geschützten Zelten gesiebt werden. Dabei sollen auch die radioaktiven Partikel klassifiziert werden. Dauern soll das 3 Jahre. Bis jetzt gibt es jedoch auch in Spanien keinen Ort zur Endlagerung von hochradioaktiven Stoffen wie Plutoium. Ausserdem wird darüber gestritten wer für die Kosten aufkommen soll.
Dezember 2009. Durch eine von Wikileaks veröffentlichte Depesche wird bekannt dass Miguel Ángel Moratinos (Spanischer Ex-Aussenminister) eine Mitteilung an Hillary Clinton (Aussenministerin der USA) machte laut der die Veröffentlichung der Studie über die aktuelle radioaktive Verseuchung dazu führen könnte dass sich die öffentliche Meinung in Spanien gegen die USA richten könnte.
07. September 2009. Die USA will nach 44 Jahren nicht mehr weiterhin für den verursachten Schaden aufkommen. Eine lange Zeit. Die radioaktive Halbertszeit von Plutonium beträgt aber 24.360 Jahre.
2007. In Palomares wird eine Herde Schafe notgeschlachtet die auf radioaktiv kontaminierten Wiesen gegrast hatten.
Oktober 2006. Zwischen der spanischen und US-amerikanischen Regieurng wird die vollständige Dekontaminierung des Geländes vereinbart. Die Kosten sollten zwischen den beiden Staaten geteilt werden. Das Ausmaß der Verseuchung ist jedoch weiterhin unklar. Ebenso weiß man nicht wie man eine Dekontaminierung eines derartigen Gebietes durchführen soll.
2006. Nachdem strahlende Schnecken eingesammelt wurden, wird von der Regierung Land enteignet und eingezäunt. Man vermutet weitere gefährliche Mengen Plutonium und Americium im Erdboden. Im Meer wird belastetes Plankton festgestellt.
2004. Palomares hat noch etwa 1258 Einwohner. Nachmessungen zeigen weiterhin hohe Radioaktivität im Erdreich einiger Flächen von insgesamt 660 Hektar in der Umgebung von Palomares. Diese wurden im Eilverfahren enteignet um dadurch eine Bebauung oder landwirtschaftliche Nutzung zu verhindern.
1985. Die Bewohner von Palomares erhalten Zugang zu ihren medizinischen Unterlagen. 522 Menschen erhielten eine Entschädigung der US-Regierung über 600.000 US-Dollar. Die Stadt erhält für eine Entsalzungsanlage 200.000 US-Dollar.
1975. Laut dem Palomares Summary Bericht des US-amerikanischen Amtes für nukleare Entwicklungen wird festgestellt dass der Wind am Unfalltag plutoniumhaltigen Staub aufgewirbelt hat und das ganze Ausmaß der Verbreitung nie in Erfahrung zu bringen sein wird.
7. April 1966. Die Wasserstoffbombe im Meer wird durch das Bergungs-U-Boot "DSV Alvin" aus dem Meer geborgen und an Bord des Schiffes USS Petrel gebracht. Die Bergungsaktion kostete 6 Mio US-Dollar.
2004. Palomares hat noch etwa 1258 Einwohner. Nachmessungen zeigen weiterhin hohe Radioaktivität im Erdreich einiger Flächen von insgesamt 660 Hektar in der Umgebung von Palomares. Diese wurden im Eilverfahren enteignet um dadurch eine Bebauung oder landwirtschaftliche Nutzung zu verhindern.
1985. Die Bewohner von Palomares erhalten Zugang zu ihren medizinischen Unterlagen. 522 Menschen erhielten eine Entschädigung der US-Regierung über 600.000 US-Dollar. Die Stadt erhält für eine Entsalzungsanlage 200.000 US-Dollar.
1975. Laut dem Palomares Summary Bericht des US-amerikanischen Amtes für nukleare Entwicklungen wird festgestellt dass der Wind am Unfalltag plutoniumhaltigen Staub aufgewirbelt hat und das ganze Ausmaß der Verbreitung nie in Erfahrung zu bringen sein wird.
7. April 1966. Die Wasserstoffbombe im Meer wird durch das Bergungs-U-Boot "DSV Alvin" aus dem Meer geborgen und an Bord des Schiffes USS Petrel gebracht. Die Bergungsaktion kostete 6 Mio US-Dollar.
Bei Palomares aus dem Meer geborgene Wasserstoffbombe, Lizenz: Gemeinfrei, D-USGOV-MILITARY-NAVY, Urheber: Original uploader was Asterion at en.wikipedia, U.S. Navy
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Super Artikel! Der Aktendeckel ist noch nicht geschlossen:
AntwortenLöschenhttp://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+WQ+E-2011-000254+0+DOC+XML+V0//DE
Mal sehen, ob der Teppich angehoben wird ;-)
Vielen Dank für den Hinweis. Habe es eingearbeitet ;o)
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