Donnerstag, 8. April 2010

Atommüllager XXL in der russischen Sajda-Bucht



In Russland in der Sajda-Bucht, etwa 50 Kilometer von Murmansk entsteht ein Langzeitzwischenlager unter anderem für die Reaktorsektionen von ausgemusterten Nuklearantrieben von Atom-U-Booten. Von 1955 bis 1991 als die UdSSR zerfiel hat das Land mehr als 240 Schiffe atombetriebene Schiffe gebaut. Russland soll im Moment [2010] "nur" noch über etwa 30 Atom-U-Boote verfügen.
Im Zwischenlager das eine Grösse von 5,5 Hektar hat sind bereits [2010] 33 Reaktorsektionen von abgewrakten Atom-U-Booten aufgebockt. Daneben entsteht ein Fundament für ein Entsorgungszentrum welches ab 2014 den kompletten Atommüll aus dem Nordwesten Russlands aufnehmen soll. Die Anlage ist von einer hohen Mauer mit Stacheldraht und Wachtrümen geschützt und soll den Absturz einer Boeing überstehen. Das Wachpersonal soll in der Lage sein innerhalb von 3 Sekunden auf einen Terroranschlag zu reagieren.
Als von Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 200 Atom-U-Boote ausgemustert wurden, hat man die schwimmenden Reaktoren in den Buchten der Kola-Halbinsel (Wikipedia) verankert. Die Halbinsel ist daher wohl auch die grösste Atommüllhalde der Welt. 20% aller Kernreaktoren weltweit sollen sich dort befinden. Sie stammen vor allem aus Atom-U-Booten, von Marineschiffen und Leuchtfeuern. Allein in der Andrejewa-Bucht sollen sich 21.000 ausgebrannte Brennstäbe befinden.
Durch das Salzwasser und die Bewegung der Eisplatten kam es aber wie es kommen musste. Die Boote drohten undicht zu werden und das radioaktive Material war kurz vor dem Entweichen. Berichte über gesunkene Atom-U-Boote, ausgelaufene Tanks mit radioaktiven Flüssigkeiten und in der Barentsee verklappte Brennstäbe schreckten einige Jahre später die Öffentlichkeit auf. 2002 wurde von den G8-Staaten ein Programm in Höhe von 20 Mrd. US-Dollar verabschiedet um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen- und Materialien zu verhindern. Der Grossteil davon wandert nach Russland. Im Rahmen dieses Programms wandern aus Deutschland 600 Millionen Euro in den Bau des Lagers in der Sajida Bucht und in den Bau eines Entsorgungszentrums. Etwa 40% (240 Millionen Euro) wandert über Aufträge an beteiligte deutsche Firmen (Hochtief, MAN, IMG).
Im Moment [2010] werden die U-Boot-Wracks in die Nerpa-Werft geschleppt. Dort wird zu Kosten von 6 Millionen Euro das Stück es in die Einzelteile zerlegt. Die abgebrannten Brennstäbe werden in das Atommüllager Majak (Nixblog) transportiert. Die Reaktorsektionen werden in einem sogenannten Sarkophag eingebettet der mit einem Speziallack geschützt wird welcher wegen der harten Strahlung alle zehn Jahre erneuert werden muss.
Für die Entsorgung der Atom-U-Boote rechnet man mit 30 Jahren. Dann muss der Müll 70 Jahre zwischengelagert werden und erzählt (wie seit 50 Jahren) dem dummen Volk (das Märchen) dass man es dann zu einer Endlagerung (es gibt weltweit kein Endlager) vorbereitet werden könnte.
2012 wird der Vertrag von 2002 auslaufen und keiner weis wie es mit dem Entsorgungszentum dann weitergehen wird. Weil Russland die Atomenergie in den nächsten 20 Jahren mit 1500 Mrd. Rubel (43,5 Mrd. Euro) ausbauen will haben die internationalen Partner keinen Bock dazu für die Entsorgung des dazugehörigen Mülls zu bezahlen.
Jetzt [2010] soll das 70 Jahre alte Versorgungsschiff "Lepse" welches sich im Hafen von Murmansk befindet entsorgt werden. Es diente viele Jahre als mobiles Zwischenlager für die stark beschädigten und abgebrannten Brennstäbe des Atom-Eisbrechers "Lenin". Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung bezahlt laut einer Zusicherung von 2008 dafür der Staatsholding Rostam ca. 40 Millionen Euro. Niemand weis jedoch wie hoch die Kosten wirklich sein werden und ob man mit dem Geld das Ziel erreicht.
Die russische Atomindustrie ist kaum zu durchschauen. Es fließen unendlich viele Gelder aber niemand weis wohin. Externe Kontrollen tendieren gegen Null. Unabhängige Experten bekommen keinen  Zutritt zu den Anlagen. Auch die Sajda-Bucht dürfen sie nicht betreten

Quellen: Stern, BMWI, Der Standard

Bilder: Atom-U-Boot der russischen Nordmeerflotte, Wikipedia Commons, US Federal Gouverment, Lizenz: Public Domain

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